Dienstag, 20. Dezember 2011

Hitparade 2011 - Und sonst?


Manche nennen es Vergessene Perlen, bei anderen ist es die Geheime Beute, wieder andere sagen "Honorable Mention": der Bänkelsänger sagt schlicht: Und sonst?

Auch in diesem Jahr sind wieder mal einige Alben nicht ausreichend genug gewürdigt werden gescheige denn, sie hätten einen eigenen Blogbeittrag, eine Mixtape-Erwähnung oder sonstige Verlinkung/Visualisierung oder Einbettung erfahren. So gibt's hier noch mal 30 Schmuckstücke, die sich (noch) nicht in der Hitparade festsetzen konnten, aber dennoch mehr als einen Hördurchgang wert sind. Und wie man es aus dem letzten Jahr kennt: Der Tellerrand war wieder mal zu schmal, als das man nicht das ein oder andere Mal ganz schön weit darüber geschaut hat.

Als da in diesem Jahr wären: Wunderbarer Dunkelfolk von Matt The Electrician, der vor allem mit dem wunderbaren "I Will Do The Breathing" und dem Titeltrack "Accidental Thief" zu überzeugen weiß. Sowieso trieben die Songwriter im Folkumfeld in diesem Jahr gar zahlreich ihr Unwesen, auch Neil Cousin zündet mit seinem "Bonfire" ganze Wohlfühlfeuer an und schafft mit "The Headless Hawk" gar den Einzug in des Bänkelsängers Lieder-Hitparade. The Bailey Hounds sind ein wenig ungestümer und streiten mit Of Monsters And Men um die Vorherrschaft im Mumford & Sons-Umfeld. Zurückgenommer, dennoch nicht minder eingängig wagte sich Grey Reverend aus dem Unterholz, um die besten Nick Drake-Gedächtnismomente ins Bewußtsein zu rufen. Genauso traditionell geprägt und mit einem Bein auf den Spuren von Sandy Denny machte sich Meg Baird an die Wiederholung ihres furiosen Solodebuts und mit einem Hauch Experiment im Gepäck sicherte sich Hezekiah Jones mit "Have You Seen My New Fort?"  und dem darauf enthaltenen "Little Room (Cannonball)" einen Platz bei den geheimen Lieblingsalben. Einer der schönsten nostalgischen Folksongs kam aus Skandinavien, Old Lost John sang von "Regina's Bar" und kann auch auf dem zugehörigen Longplayer "Bringing Down The Sky" mehr als überzeugen. Für die europäischere, genauer britischere Klangfarbe, empfiehlt sich in den verqueren Mix aus psychedelischem Pop und energiegeladenem Folk von The Dead Trees reinzuhören, noch britischer wird es dann mit dem nostalgischen und leidlich barocken "Witchazel" des Comedians und Folkers Matt Berry. Bleiben wir noch ein wenig auf der Insel und gehen mit David Gibb in seinen Garten um den Vögeln zu lauschen, sein "There Are Birds In My Garden" klingt als wäre es mindestens 40 Jahre alt und ist doch niemals antiquiert oder gar langweilig. 

Betrachtet man die vorangegangenen Alben noch als ziemlich "klassische" Folk-Kostbarkeiten, dürfen natürlich auch Grenzgänger nicht fehlen. Mary Hampton zum Beispiel, die auf "Folly" herzerweichende Folkballaden zusammenträgt und sie mit Zierrat aus Vogelgezwitscher und anderen Überraschungen dekoriert. Oder aber The Waterboys, die auf "An Appointment With Mr. Yeats" ihre lyrische Seite entdecken und mit "Politics" wieder Mal einen richtigen Hit landen könnten. Heavy Songwriting war auch noch, denn den Budenzauber, den Budam dieses Jahr auf "Man" veranstaltet hat, kann man definitiv nicht auf die leichte Schulter nehmen. Mit The Milk Carton Kids wäre dann noch eine ziemlich verführerische melange aus elegischem Pop und hymnischem Folk in dieser Kategorie zu erwähnen, und gleichzeitig der Brückenschlag zu weiteren Fundstücken in der Popschublade zu vollführen.

Einmal offen, springen auch schon Butcher Boy heraus, Twee Pop, so schön wie einstmals bei Belle & Sebastian, jedoch dunkler und romantischer interpretiert. Ebenso einnehmend, jedoch mit erstaunlich orchestraler Wucht meldet sich auch Loney Dear alias Emil Svanängen zurück, auf "Hall Music" konnte der ein oder andere Tränenzieher entdeckt werden und schließlich Susanne Sundfor, die noch eine Spur orchestraler, aber auch vor allem experimentieller auf "The Brothel" die Grenzen zwischen Pop, Klassik und Geräusch neu auslotet. 
Ausgehend davon ist der Schritt zum zwischen Licht und Schatten oszillierenden "We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves" von John Maus nicht weit, tief in den 80ern verankert und von geradezu bombastischer Kühle umhüllt. Diese Kühle findet sich auch, wenn auch pulsiernder auf "The Entire City", dem Album von Gazelle Twin, die ganz klar auf den Fußspuren vojn Fever Ray oder deren Hauptband The Knife wandeln. Nicolas Jaar wiederum greift eher die 80er Thematik auf und vermischt seine Slow-Motion-Beats mit New Order-Gedächtnis-Lyrik und empfindsamen Klangstrukturen. Die hier ereichte Weite von Klang und Raum wiederum leitet dann zu den shoegazernden Warm Ghost über, die von Haus aus den modernen Popmelodien greifen, die ein wenig vor sich hin mäandern, aber dennoch unglaublich einnehmend sind.
Wie bringe ich denn nun noch Chris Watson unter? Der hat schließlich mit "El Tren Fantasma" ein Album nur mit Field Recordings veröffentlicht, auif dem der Hörer einen Geisterzug durch Mexicio begleitet und dem man sich nach anfänglicher Skepsis nur schwer entziehen kann. Oder Implodes, die ihre Drone- und Ambient-Attacken mit mählichem Shoegazer-Momenten und organischer Gitarrenepik anreichern. Oder gar Grumbling Fur, die irgendwo zoschen ganz ganz ganz freiem Folk, Dekonstruktion und Rock-In-Opposition die zelte aufgeschlagen haben. Oder gar Lanie Lane? Und der Sprung ist jetzt wirklich mutig, denn die hübsche Dame hat eines der schönsten Rockabilly-Swing-Country'n'Western-Folk-Pop-Alben der letzten Jahre aufgenommen. 

Bleibt zum Schluß noch der Sprung nach Deutschland. Auch hier gab es für den Bänkelsänger einmal mehr die ein oder andere wirklich hervorzuhebende Entdeckung. Allen voran Lauscher mit ihrer Kreuzung aus Volkslied und Neofolk mit Cajon und singender Säge und Susie Asado, die sich an kunstvoll verschachtelten und anspruchsvoller Lyrik hoffentlich in viele Herzen musiziert haben. Zum Schluß muss ich aber auch noch 17 Hippies erwähnen, die auf "Phantom Songs" wieder mal alle guten Zutaten für ein Album gefunden haben, auf dem "Dorn" das Zeug zum Evergreen hat und, und das mag jetzt vielleicht ein wenig überraschen, Max Raabe mal ohne Palastorchester. Denn sein "Küssen Kann Man Nicht Alleine" pfeife ich bei jeder Gelegenheit und sein "Schlaflied" ist der passende Abschluss um den Hitparaden für 2011 ein würdiges Ende zu bereiten.

Montag, 19. Dezember 2011

Hitparade 2011 - Die Songs des Jahres




Weiter geht's! Nach den Alben kommen die Schmuckstücke unter den einzelnen Titeln und auch hier gilt: ohne Gewähr auf Vollständigkeit denn auf Bestand der Reihenfolge über das Jahresende hinaus. Da ich Jamie Woons "Night Air" bereits im vergangenen Jahr in die Top 5 gehievt hatte, durfte er dieses Jahr nicht mehr mitspielen, sonst hätte er sich wahrscheinlich wieder einen Platz in der erweiterten Weltspitze sichern dürfen. So sieht's aber auch ganz gut aus, die breite Genrestreuung spricht für sich:

1. Cult Of Youth – New West

  
 
2. Neil Cousin – The Headless Hawk

 
3. James Blake – Limit To Your Love


4. The Decemberists – June Hymn

 

5. Locas In Love – An den Falschen Orten



6. Tom Waits - Pay Me
7. Patrick Wolf – Together
8. Matt The Electrician – I Will Do The Breathing
9. Ulterior – Sex Wars Sex Cars Sex
10. Frank Turner – Glory Hallelujah
11. Radical Face – Ghost Towns
12. Jono McCleery – Wonderful Life
13. PJ Harvey – The Words That Maketh Murder
14. Other Lives – Tamer Animals
15. Old Lost John – Regina’s Bar
16. Silent Feature Era – The Horsebreaker
17. Cass McCombs – County Line
18. Blood Orange – The Complete Knock
19. Cult Of Youth – Cold Black Earth
20. The Mountain Goats – High Hawk Season

Sonntag, 18. Dezember 2011

Hitparade 2011 - Die Alben des Jahres



Jetzt wird's Zeit. Der 4. Advent scheint mir ein vorzügliches Datum zu sein, um sich nunmehr in den Listenreigen einzureihen.. Ganz so wie im vergangenen Jahr gibt es auf dem Bänkelsänger zunächst die Alben, von denen einem die Top 20 auch dieses Mal wieder bekannt vorkommen könnte, ist sie doch auch wieder bei AUFTOUREN zu goutieren. Dort darf man sich aber ebenso gerne an den übrigen Hitlisten erfreuen, besonders empfehle ich hierbei die geheime Beute, von dem das ein oder andere Fundstück sicherlich auch hier noch genauer unter die Lupe genommen werden können. 

Doch nun kommen wir zu den Delinquenten des Jahres:

1. Cult Of Youth - Cult Of Youth
DAS Lieblingsalbum. Ungestüm, garstig und herausfordernd: aber eben auch die besten Melodien des Jahres.

2. Tom Waits - Bad As Me
Der beste Waits aller Zeiten? Nun, vielleicht nicht ganz, aber sicherlich ist er mit "Bad As Me" so nah dran, wie schon lange nicht mehr.

3. Cass McCombs - Wit's End
Schöner wurde in diesem Jahr nur selten gesungen. McCombs bleibt seiner Linie treu und veröffentlicht nach "Catacombs" einen weiteren Meilenstein.

 4. James Blake - James Blake
Müssen alle mit. Blakes schneeflockenweicher Zukunftssoul ist Entschleunigung auf höchstem Niveau und gerade deshalb von erlesener Güte. 

5. Josh T. Pearson - The Last Of The Country Gentlemen
Ich wünsche mir Liebe mit Leiden, aber nur wenn Josh T. Pearson darüber singt. Sensationelles Solodebüt mit dem Mut zur Selbstzerfleischung.

6. Matt Bauer - The Jessamine County Book Of The Living
Gloomy Folk - welch herrlich passendes Genre-Konstrukt für ein neues Matt Bauer-Album. Ein Panoptikum in Grau und Schwarz und dennoch mit ganz viel Seele.

7. King Creosote & Jon Hopkins - Diamond Mine
Der Abendspaziergang an der schottischen Küste mischt sich ganz fabelhaft: warmherzige Stimmfarben treffen auf stimmungsvolle Fieldrecordings.

8. Laura Marling - A Creature I Don't Know
Drei sehr gute Alben in Folge und dass Neueste ist mit Abstand am Besten: Britisch, blutjung und doch schon so erwachsen: Marling schlägt Polly nach Punkten.

9. The Decemberists - The King Is Dead
Von der Progfolkoper zum Countryrock: The Decemberists überzeugen mit inniger Eingängigkeit.

10. Patrick Wolf - Lupercalia
Mehr Lust und Liebe gehen nicht. Herr Wolf und sein urbanes Liebesglück komplettieren die Top Ten.

Die folgenden Plätze sind teils ähnlich stark, Grund genug, hier die komplette Top 40 aufzuführen.

11. Locas In Love - Lemming
12. The Mountain Goats - All Eternals Deck
13. PJ Harvey - Let England Shake
14. Bon Iver - Bon Iver
15. Kreng - Grimoire
16. Frank Turner - England Keep My Bones
17. Jono McCleery - There Is
18. St. Vincent - Strange Mercy
19. Tu Fawning - Hearts On Hold
20. Declan DeBarra - Fragments, Footprints & The Forgotten
21. Björk - Biophilia
22. Blood Orange - Coastal Grooves
23. Jamie Woon - Mirrorwriting
24. Other Lives - Tamer Animals
25. Daniel Martin Moore - In The Cool Of The Day
26. Stephen Simmons - The Big Show
27. Fleet Foxes - Helplessness Blues
28. Bill Callahan - Apocalypse
29. Alexander Hacke & Danielle De Picciotto - Hitman's Heel
30. Silent Feature Era - This Old Leather Heart
31. Destroyer - Kaputt
32. Son Lux - We Are Rising
33. Thurston Moore - Demolished Thoughts
34. My Brightest Diamond - All Things Will Unwind
35. Cass McCombs - Humor Risk
36. Ulterior - Wild In Wildlife
37. Case Studies - The World Is Just A Shape To Fill
38. Brown Bird - Salt For Salt
39. Alexander Tucker - Dorwytch
40. Mark Growden - Lose Me In The Sand

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Lauscher



Von Waldgeistern, Irrwischen und Rotkehlchen.

Wo ist die Grenze. Bei der kürzlich erfolgten Umfrage zum zweijährigen Bänkelsänger-Jubiläum wurde doch das ein oder andere Mal um neue Facetten innerhalb der musikalischen Ausrichtung gebeten. Besonders das gerne etwas diffus kategorisierte Genre Neofolk fiel bislang ein wenig aus dem Rahmen, Grund genug sich mit einer Veröffentlchung zu beschäftigen, die sich durchaus innerhalb dieser Grenzen tummeln darf.
Lauscher nennt sich das Duo aus dem westfälischen Hamm, "Auf der Pirsch" das zugehörige Album und überzeugt mit einer wagemutigen und variantenreichen Interpretation fast schon traditionell anmutendem Liedguts, angereichert mit allerlei überraschenden und begeisternden Einfällen. 

Die beiden unterschiedlichen Stimmen des Duos bestehend aus Christine Walterscheid und Dominique M. Täger ergänzen, duellieren und dopplen sich immer wieder neu: Mal jagen sie sich durch das reich instrumentierte "Krähen Hassen", mal klingen sie verträumt und erzählerisch wie im magischen "Irrwisch". Täger übernimmt in den meisten Fällen die manischen, gerne auch kraftvollen Parts, die seiner dunklen, kratzigen Stimme hervorragend stehen. Christine Walterscheid hingegen lässt ihr klares, spitzes Timbre mit Leichtigkeit durch das verwobene Geäst aus Cajon-Percussion, perlenden Gitarrensaiten und diversem musikalischem Beifang klingen. Leicht und dennoch mit gewisser Inbrunst erzählen die beiden Geschichten, die sich immer ein wenig mystifizierend um "Natürliches" und "Menschliches" drehen, ob sie nun zum "Fellbaum" ziehen, übermütig durch das "Seelenlaub" streifen oder sich den "Morgentau" von der Zunge singen. Geschichtenerzähler auf der Schwelle zwischen lyrischen Sprachbildern und bildhafter Akkuratesse sind die beiden und zeigen das bei ihrem Album nur zu deutlich. Ästhetisch untermalen sie ihre Stücke auch mal mit Alltagsgeräuschen und sorgen damit dafür, dass "Auf Der Pirsch" immer wieder eine neue Marschrichtung eingehaucht wird. Sicher, manchmal scheint die immer mal wieder eingestreute harsche und martialische Stimme Tägers grell gegenüber den weichen Tönen, wie sie im zauberhaften "Zauberei" eingesetzt werden. Es ist auch sicherlich nicht jedermanns Geschmack, dass manch einem der Texte ein wenig zu viel Symbolik hineininterpretiert werden kann und auch die Tatsache, dass es einem schon überdrüssig werden kann, immer und immer wieder von einer neuen, manchmal stark abstrahierten Metapher konfrontiert zu werden, in erster Linie überwiegt aber doch die Freude am Vortrag der beiden Musiker. 
Spätestens wenn Christine Walterscheid im abschließenden "Rotkehlchen" in eben die Rolle des launigen Singvogel schlüpft und mit wahrnembarer Beigeisterung den Alltag des kleinen Tieres lebensnah und mit überzeugender Frische vorträgt, hat man sich trotz der ausserordentlichen Länge des Albums bestens unterhalten gefühlt und entscheidet sich sicherlich schnell für einen wiederholten Durchgang, um wieder "auf die Pirsch" zu gehen. 
Fühlen, hören, geniessen:

   Krähen hassen by Lauscher

Sonntag, 11. Dezember 2011

The Bailey Hounds

Wetterleuchten.

Indiefolk-Bands mit dem beliebten Zutatenreigen aus pendelnden Gitarrenklängen, (Mund-)Harmonika, marschierendem Schlagzeug und dem ein oder anderen Orgel- oder Streichereinsatz gibt's wie Sand am Meer. Gute bis sehr gute schon weniger und von denen die es schaffen, den Bänkelsänger auf Albumlänge zu überzeugen gar nicht ganz so viele. "Along The Gallows" ist so ein Album, die vierköpfige Band dazu heißt The Bailey Hounds und stammt aus Philadelphia. 
Ein Blick auf die Tracklist des Albums verheißt bereits einiges. Von Teufeln, die einen nicht ängstigen sollen, liest man dort und genauso beherzt wie auch wachsam wie man sich im Angesicht von Dämonen und Geistern verhalten sollte, verhält es sich auch mit der Musik. Die an klassiche Countrysongs angelehnten Kompositionen werden von Sänger Ryan Petrillo mit verhalten heiserer Stimme vorgetragen, bekommen leichten Midtempo-Schwung und heben sich durch den Einsatz von Steel-Guitar-Klängen wohltuernd von artverwandten Musikern ab. "Resurrection Man" geht dann in die Vollen, ein knackig shuffelnder Beat löst die Handbremse und Petrillo gibt sich bestimmter und zorniger als zu Beginn. 
"Till The Morning Comes" schleicht sich wiederum eher von hinten an und bildet mit dem mystischen "Malleus Maleficarum" ein schönes Duett. Trotz der lieblichen Klänge suchen sich "The Bailey Hounds" aber schon immer Geschichten aus, in denen Zwielicht und zweifelhafte Gestalten zumindest die gedanklichen Hauptrollen übernehmen. Ob Teufel, Hexe oder Dämon: die Musiker spielen scheint's gern mit den dunkleren Mächten. Das aüßert sich dann vor allem im abschließenden "Devil Tree" was die ganze herausragende Bandbreite der Musiker aufzeigt: erst dunkel dräuend, ja fast schon erzitternd schält sich über sechs Minuten ein Kleinod heraus, dass dem Album einen mehr als würdigen Glanz verleiht.

...mal ausnahmsweise einen Song, den man auf dem Album vergebens sucht, der aber gerade weil man ihn anders kennen könnte, mehr als einfach nur ein Anspieltipp ist:

Donnerstag, 1. Dezember 2011

My Monthly Mixtape: Dezember



Draußen ist's ja noch so gar nicht weihnachtlich, daher gibt's auch keinen Grund das monatliche Mixtape musikalisch in die Richtung zu bringen. Stattdessen sollte bei der ein oder anderen Nummer herzhaft das Tanzbein geschwungen, mit geschlossenen Augen vor sich hin geschwelgt oder freudig mit Knie oder sonstigem Körperteil gewippt werden. Anlass dazu bieten 18 großflächig aus aller Herren Genres zusammengetragene Stücke, die von folkigem Rock'n'Roll über pathetischen Indierock bis hin zu gebrochenen Beach Boy-Kapriolen und 60s-Pop reichen. Ach so, ein wenig besinnlich wird's dann doch noch. Für Kreisler, Degenhardt und Leven nimmt der Bänkelsänger gleich drei Mal den Hut vom Haupt und wünscht auch nachträglich noch eine gute Reise.

01. Lanie Lane - Bang Bang
02. Liz Green - Hey Joe
03. Caithlin de Marrais - Lovers Light
04. Snow Patrol - Fallen Empires
05. Seth Lakeman - The Watchmakers Rhyme
06. Threadbare, Brother - Dark Mustard Door
07. Mary Hampton - Benjamin Bowmaneer
08. Goldmund - When Johnny Comes Marching Home
09. Christy Moore - Weekend in Amsterdam
10. Laura Veirs - The Fox
11. French Films About Trains - Not in Nottingham
12. Alvarius B - God Only Be Without You
13. Neil Cousin - The Headless Hawk
14. Niels Frevert - Zürich
15. Jackie Leven & Michael Cosgrave - To Live and Die in Levenland
16. Franz Josef Degenhardt - Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
17. Georg Kreisler - Geben Sie acht
18. Tom Waits - New Year's Eve

...dieses Mal nix Visuelles, aber allein das Hörerlebnis ist geradezu überragend:

   Bang Bang by Lanie Lane

...und bevor ich es dieses Mal vergesse: natürlich gibt's die Bänkelsänger-Mixtapes auch immer beim supertollen "Radio der von Neil Young Getöteten"!!!

Sonntag, 27. November 2011

Aufgemerkt: Was kommt 2012....?



Es kommt ein Lied.

Kurz vor Ende des Jahres bersten Blogs, Online- und Printmagazine sowie sonstige Medien ja geradezu vor Hitparaden, Polls, Listen, Charts und Resummees und auch der Bänkelsänger wird davor nicht halt machen. Doch bevor Ende des kommenden Monats die endgültige Abrechnung ins Haus steht, soll ein erstes Mal ausgeblickt werden, denn schließlich kündigen sich auch jetzt bereits die ersten spannenden Albumveröffentlichungen für 2012 an. Den Anfang haben hier bereits Lambchop gemacht, denn deren erste Hörprobe aus dem neuen "Mr. M" betitelten Album habe ich ja erst vor ein paar Tagen vorgestellt und auch schon lieben gelernt. Doch was kommt noch?

Januar und Februar sparen nicht mit klangvollen Namen, so darf man gespannt sein, was sich Jonathan Meiburg und seine Mannen, besser bekannt als Shearwater auf ihrem neuen Album "Animal Joy" ausgedacht haben. Wer es dunkler timbriert mag, freue sich auf Mark Lanegan, der "Blues Funeral" ebenfalls im Februar in den Ring wirft und illustre Gäste vom Schlage Greg Dulli und Josh Homme an Bord hat. Ähnlich gespannt ist der Bänkelsänger auf den neuen Fanfarlo-Longplayer, der Folk vom Vorgänger "Reservoir" wird wohl ein wenig vernachlässigt, wenn man der Vorabsingle "Deconstruction" Glauben schenken mag, wird's auf "Rooms Filled With Light" leidlich elektronischer. Den Part des heißerwarteteten Grenzgängers übernehmen Alcest. Die französischen Klangkünstler an der Schwelle zwischen Black Metal, Dream- und Shoegaze-Sequenzen und ätherischen Melodien klopfen bereits im Januar an, um "Les Voyages De L'Âme" in den klirrendkalten Winternächten zum Klingen zu bringen. Ein wenig Augenmerk verdienen dann sicherlich auch noch First Aid Kit aus Schweden mit ihrem Zweitling "The Lion's Roar". Das erste Video verspricht eine ganze Menge, verspukt und verstiegen wird's wohl werden und doch mit jeder Menge Wohlfühlharmonien. Irgendwie ist da ganz schön viel Düsteres dabei, auch das zweite Mini-Album von Anja Plaschg alias Soap&Skin kommt aus dieser Schublade nicht ganz raus.
Nach ersten Höreindrücken allerdings ganz vorne ist ein Musiker, der 2008 für eins der fabelhaftesten Alben des Jahres gesorgt hat, denn "Howling Songs" mit seinen ausufernden, wahnsinnigen und obskuren Gitarrenmomenten brachte die mit "Drinking Songs" und "Failing Songs" begonnene Trilogie zu einem wahrhaftigen Höhepunkt. Matt Elliott lässt uns wieder mal an seinen ganz eigenen Visionen teilhaben und lässt, wenn man dem Titeltrack seines neuen Werkes "The Broken Man" Glauben schenken darf, ein weiteres Meisterwerk folgen. Ganz ungeduldige können sich das Werk über seine bandcamp-Seite jetzt schon organisieren, doch der Bänkelsänger wird Hufe scharrend ausharren und das Album in seiner Gesamtheit erst zum physischen Release in geeigneter Umgebung (eine Flasche Rotwein wird nicht schaden) genießen.

Doch nun genug von mir, gibt's denn unter den Lesern schon eindeutige Vorfreudebringer? Wer mag, darf hier seine ersehnten Künstler kund tun, ich begnüge mich damit, das Feuer mit eben besagtem Matt Elliott weiter zu schüren:

 

Samstag, 26. November 2011

Threadbare, Brother



Im Kaminzimmer.

Es mag müßig sein, immer und immer wieder den Herbst und ganz speziell den November als die Zeit im Jahr zu küren, wo sich die traurigen und innigen Folkpoeten die Klinke in die Hand geben. Auch in diesem Jahr kann man sich wieder mal an der Vielfalt von intimen Glücksmomenten und aufbrausenden Wutgedanken erfreuen und hier mischt auch die neueste Bänkelsängerentdeckung munter mit.

Threadbare, Brother ist im Wesentlichen Timothy Walker und stammt aus Atlanta. Unter seinem Moniker hat er sein warmherziges erstes Album "When The War Is Through" veröffentlicht, dass schier überschwappt vor eben solchen Glücksmomenten. Ganz behutsam beginnt er in "The Famine Years", eine feine, sanfte Gitarrenmelodie schlängelt sich durch das verwaschene Herbstlaub. Die Stimme raschelt mit den Saiten um die Wette und lässt wieder einmal an amerikanische Großmeister vom Schlage Bob Dylan und Neil Young erinnern. Doch die Stimme ist es nicht allein, die "When The War Is Through" schon ein wenig abhebt, es ist die durch und durch herbstliche Stimmung, die das Album durchzieht. Sei es nun die chorale, ja weihnachtliche Andacht bei "Dark Mustard Door" oder der weite orchestrale Klang im Mittelteil von "Goodness". "Borrowed Man" schlägt die Brücke dann wieder zurück, Walker lässt Gitarren im Hintergrund vorbeischleichen und nimmt den Hörer für sich ein. Gefangen im Herzen des Sängers fühlt sich das Geborgen an, warm, zeitweilig natürlich auch ein wenig zu plakativ. Das macht aber nichts, denn nie wünscht man sich auszubrechen, nie fühlt sich diese Geborgenheit falsch an. 
Es ist wohl eher der hereinbrechende Abend mit seinen vielen Rotschattierungen denn die Nacht, die Walker in "We've Got The Nigt On Our Face" besingt. Hier lässt er die Zügel lockerer, ein wenig mehr Tempo tut dem Stück gut, dass sonst wahrscheinlich ein wenig zu dick aufgetragen wäre. Romantik ja, aber nicht zu jedem Preis. Das Klavier perlt ein wenig wie bei Tom McRae, die Slide-Guitar bekommt den klischeehaften Country-Twang und hoppla, ein bisschen Schweineorgel klopft auch an die Tür. So amerikanisch wie in diesem Moment klingt das Album selten, doch irgendwie funktioniert selbst das hier ohne vor falscher Rührung im Erdboden zu versinken. 
Das folgende "Half-Door" ist zweifellos einer der Höhepunkte eines durchgängig einnehmenden Albums. Auch hier wird leicht an der Temposchraube gedreht und Walker singt beseelt und hoffnungsfroh wie nie, unterstützt von lautmalerischer Perkussion und choralem Gefüge. So reiht sich auf "When The War Is Through" ein Song an den anderen, nahtlos und doch nicht ohne langweilig zu werden. Arglos und behutsam fügt Walker hier und da einen kleinen Stolperstein hinzu, der die Aufmerksamkeit des Hörers fordert und in doch nicht zu sehr von der warmherzigen Atmosphäre des Albums ablenken möge.

Lauscher aufgesperrt, hier gibt's den Ohrenöffner:

Montag, 21. November 2011

Aufgemerkt: Lambchop


Eine Hommage. Eine Widmung.

Meine Güte, was kredenzen uns denn da Kurt Wagner und seine Mannen, namentlich als Lambchop unterwegs, im kommenden Februar? 
Allein dass ein neues Album kommt ist ja schon eine mehr als gute Nachricht, aber was das vielköpfige Alt.-Country-Kollektiv da als ersten Song aus dem Hut zaubert, flüstert große Kunst in das verwöhnte Ohr. "Mr. M" heißt das ganze Werk und scheint eine recht intime, verjazzte und innige Angelegenheit zu werden. Wagner, mit seiner flüchtigen Stimme, ein in verträumtes Tremolo und doch spannungsgeladene Saitenstränge gebettetes Klangbild und ein Beginn, der fast schon cineastisch daher kommt. Vic Chesnutt, dem das Album gewidmet ist, schaut sicher mit tränenglänzenden Augen auf diesen Aufmerker, den man sogar kostenlos herunterladen kann.


...und als Erinnermich gibt's nun den Hit des letzten Albums Ohio (OH):
 
CAE Lambchop #1 - "National Talk Like A Pirate Day"

Donnerstag, 17. November 2011

Susie Asado



Ooooooooooooooooooooh.

Berlin, Berlin, immer wieder Berlin. Und New York. Und Gertrude Stein. Und ganz viele Ohs. Und ein wenig "Novemberleuchten". Und selbstverständlich eines: das Leben.
Susie Asado ist in erster Linie Josepha Asado, Berlinerlin, Singer/Songwriterin, Sprechsängerin, Chansoniere und famose Texterin. Dazu kommt eine Band, die aus filigransten Mittel eine sagenhaft vielschichtige Musik dazu macht, und im weitesten Sinne aus Tomi Simatupang an der E-Gitarre, Marko Hefele an der Violine und Jason Lewis an den Percussions besteht. Und die Vier veröffentlichen dieser Tage, genauer am 9.12.11 über KOOK ihr zweites Album "Traffic Island", dass der Bänkelsänger schon Probehören und -lieben durfte. 

Zwölf Mal holen Susie Asado ihre Zuhörer in ihre kleine Welt, die sich mit Sprachfetzen in Deutsch und Englisch füllt, halsbrecherische Violinenwinkelzüge hinter jeder Ecke hervorbringt und immer wieder von einer einfachen Ukulele zusammengehalten wird. Conrad durchlebt auf "Traffic Island" Situationsmomente, die sich mal an den Couplets und Chansons der goldenen Zwanzigerjahre orientieren. "Flugangst" fegt in diesem Zusammenhang viele Einflüsse zusammen und klingt gleichsam nach Dreigroschenoper, Claire Waldoff und 17 Hippies. Das Violinmotiv strotzt vor Virtuosität und die Liebe zum Vokal "o" wird zum ersten Mal so richtig deutlich. In "Autobiography Of A Skyscraper" geht es eben um die Autobiographie eines Wolkenkratzers und genau so schräg wie das im Wortsinn klingt, kreuzen Melodie, Text und Sinn immer wieder hart vor oder hinter dem Wind. Die Texte, ja die Texte lassen Deutungsmöglichkeiten en masse zu. Ist "Lady With Dog" nur eine sympathische Alltagsbeobachtung oder verbergen sich hinter den stachelspitzen Worten auch autobiographische Erinnerungsmomente? So wie Conrad Sprachen und Einflüsse mischt, lässt sich hier sicherlich das eine nicht vom anderen trennen, sicher ist nur, dass der verwobene, bildhafte Stil durchaus auch an den Werken der bandnamensgebenden Lyrikerin Getrude Stein orientiert. Doch nicht nur Text und Imagination bekommen hier im wahrsten Sinne des Wortes Flügel, auch die stilistische Vielfalt in musikalischer Hinsicht ist aussergewöhnlich. "Kleine" Folksongs wie "That Button" wechseln mit den Tangotakten von "The Collector", bei "Koffer Auf Koffer Zu" fühlt man sich dann auf einmal an die Berliner Schnauze einer Blandine Ebinger erinnert, deren Hollaender-Interpretationen nicht von weit entfernt winken. 
"Traffic Island" hat aufgrund dieser wahnsinnig vielen Facetten zuweilen Mixtape-Charakter oder Unterwegs-Charme, den sie sich selbst auch andichten, könnte das Album sonst einen anderen Titel tragen. Bei Tea und Keksen lässt es sich wohl am Besten genießen, voller Verzückung ob der mannigfaltigen Sprachspiele und Wendungen, ganz getreu den onomatopoetischen "O"-Variationen wie im fabelhaften "Plane Crash": ...too old told sold fold bold gold mold scold hold cold old. Oder eben: Vor Mosokonton mot gonz voolon tollon Odoon. 

Auf Tour sind die Vier auch und wer sich auf eine Reise, ein Abenteuer und wahrscheinlich eine Hommage an die goldene Zeit der spitzfindigen und klugen Kabinettstückchen, kapriziös, klug und von feiner Ironie durchzogen, einlassen mag, dem sei der ein oder andere vergnügliche Abend in folgenden Städten ans Herz gelegt:

08.12. BERLIN - Schokoladen
09.12. TRIEPKENDORF/Feldberger Seenlandschaft - Gasthof Tenzo
10.12. HAMBURG - Hasenschaukel
11.12. HANNOVER - Oberdeck (17 Uhr pünktlich!)
12.12. GÖTTINGEN - Apex
13.12. ERFURT - Woodstock
14.12. DARMSTADT - Hoffart-Theater (+ Mine)
15.12. TÜBINGEN - Wilhelma
16.12. CH-BERN - Café Kairo
17.12. CH-TROGEN - Le Viertel
18.12. CH-LAUSANNE - Brasserie du Château
19.12. CH-MOUTIER - Le Pantographe
20.12. CH-ZÜRICH - Café Henrici
21.12. NÜRNBERG - Galerie Bernsteinzimmer
22.12. BERLIN - Hauskonzert

Hörvergnügen, wie es dem Bänkelsänger und hoffentlich vielen anderen auch gefällt gibt's hier:  

LITTLE PLASTIC FIGURE

und hier:

Mittwoch, 16. November 2011

Aufgemerkt: Der Bänkelsänger bei Facebook?

....uiuiui, ob das geklappt hat? Ich hatte ja schon länger vor, den Bänkelsänger auch beim Facebook zu integrieren, habe es dann aber immer wieder auf die längere Bank geschoben. 
Nun könnte es so weit sein, die Seite ist eingerichtet, jetzt stellt sich nur die Frage, wie denn die Beiträge dorthin kommen, denn über solche seltsamen Dinge wie RSS-Feeds oder so'n Gedöns habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Nun denn, wenn man diesen Beitrag nun auch auf der Facebook-Seite lesen kann, bin ich froh und glücklich, wenn nicht....nun denn, ich übe ja noch. Jedenfalls gibt's wie immer jetzt noch Musik im Video und den beim Mixtape vergessenen Verweis darauf, dass man die aktuelle Ausgabe natürlich über kurz oder lang auch wieder beim "Radio der von Neil Young Getöteten" hören kann.

Eine prima Folkcombo namens New London Fire habe ich dann auch noch parat, vielleicht gibt's die Tage dazu noch ein paar Zeilen, ansonsten kann das feine Video aber auch schon eine ganze Menge erzählen:

Samstag, 12. November 2011

Christy Moore



Kein Hit von gestern.

Keltisch geprägter Folk spielt auf dem Bänkelsänger eine eher untergeordnete Rolle, doch nach mehrmaligem Hören des neuen Albums "Folk Tale" des irischen Folksängers Christy Moore muss ich mir zumindest in seinem Fall stellen: warum eigentlich? Moore ist bereits lange im Geschäft, veröffentlicht er doch bereits seit 1969 in schöner Regelmäßigkeit Alben, wobei er seine Hochzeit sicherlich in den 70er und 80er Jahren gehabt hat. Danach wurde es, auch aus gesundheitlichen Gründen ein wenig stiller um ihn, doch spätestens mit dem schönen "Listen" von 2009 beweist er wieder eine enorme Standhaftigkeit, die sich mit dem just dieser Tage erschienen "Folk Tale" nur noch verstärkt.

11 Stücke in bester irischer Folktradition dargeboten, intoniert mit sanftem, aber charakterstarken Bariton, gespickt mit der immer ein wenig vokalarmen Anmutung der irischen Sprache. Schon der Opener "Tyrone Boys" umfängt den Hörer mit seinem klassischen Songmuster, die Gitarre, mit Bedacht gezupft und immer wieder diese Stimme. Ein wenig erinnert Moore an den Engländer Chris Wood, dessen Ansatz jedoch weit traditoneller und historistischer zu sein scheint. Moore zaubert mit einfachsten Mitteln die im Herbst so gern angeführte Kaminzimmeratmosphäre, die sich mit Rotweinschwere paart und die man am einfachsten dick eingemummelt mit Decken und Kissen auf dem heimischen Sofa genießen kann. Doch sind es nicht nur die erzählerischen Balladen, die "Folk Tale" so warm und anschmeichelnd erscheinen lassen. Auch die ein wenig an deutsche Liedermacher vom Schlage eines Reinhard Mey erinnernde Geschichte um die "Little Honda Fifty" oder das luftige "Weekend In Amsterdam" tragen zum heimeligen Gesamtklang bei. In "Haiti" schwelgt Moore in heimlichem Fernweh und lässt sich dennoch die irischen Wurzeln nicht kappen. Natürlich, "Folk Tale" ist durchzogen von klassischer Folk-Instrumenten, Fiddle, Harmonika, Gitarre, dazu wird zeitweilig die ein oder andere Duettpartnerin an Bord geholt und doch klingt das Album zeitgemäß. 
Nahtlos fügt es sich in Moores Diskographie ein, die sicherlich zu den letzten Veröffentlichungen einen gehörigen Schuß Milde bekommen hat. Wenn dabei jedoch Stücke wie das titelgebende "Folk Tale" oder das ausdrucksstarke "On Morecambe Bay" entstehen, kann, nein muss man das einfach toll finden. Moore ist nunmal ein sympathischer Geschichtenerzähler, der sich über nun mehr als 45 Jahre immer wieder neue Facetten angeeignet hat und Vergleiche mit jüngeren Kollegen, wie dem artverwandeten Damien Dempsey oder dem leidlich in den Mainstream abgewanderten Seth Lakeman nicht scheuen muss. Und das kann man hier dann auch hören:

 


Montag, 7. November 2011

To Walt



Mal was ganz anders.

Noch ein Mixtape? Schon, aber ein ganz besonderes. Für den über bandcamp frei downloadbaren Sampler "To Walt" haben sich verschiedenste Musiker aus dem Folkumfeld an sehr unterschiedliche Interpretationen klassicher Walt-Disney-Songs versucht. Gott sei Dank spielen auf "To Walt" vor allem ältere Stücke aus zum Beispiel Dumbo, Robin Hood und dem Dschungelbuch die Hauptrolle, aber auch Toy Story und Pocahontas kommen zu ihren gebührenden Ehren.
Toll sind dabei die behutsamen Umsetzungen der Stücke, die so klingen, als säßen die Musiker gemeinsam mit dem Zuhörer im Wohnzimmer. Die Stimmung ist intim und unaufgeregt und hat doch das ein oder andere Zwinkern in den glänzenden Augen. Mastermind hinter dem kleinen Projekt ist Caleb Groh, ein junger Folkmusiker aus Boston, der eben eine Reihe aufstrebender Musiker wohl dafür begeistern konnte, diese kleine Disneyreise zu wagen. Vorstellenswert sind alle Beiträge, besonderes Augenmerk gilt aber dennoch ein paar ausgewählten Kostbarkeiten. Da ist zum einen das Duo French Films About Trains, dass sich am traurigen "Not In Nottingham" versucht und daraus eine feine 60tyfizierte Folknummer macht. Desweiteren muss Jeff Pianki aus Michigan erwähnt werden, der "I Wanna Be Like You" aus dem Dschungelbuch das Tempo nimmt und trotzdem die Atmosphäre fabelhaft einfängt. Die größten Highlights sind aber sicherlich das federleichte "Heigh Ho" der sieben Zwerge, der ebenfalls aus Michigan stammende Carter Moulton verwandelt sich in einen achten Zwerg, dem das verschmitze Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht zu wischen gelingt. Natürlich darf Craven Canary nicht unerwähnt bleiben, die sich "Oo-de-lally" aus Robin Hood annimmt und auch des Initiators' Version von "Colors In The Wind" darf in seiner kargen und doch so feingliedrigen Songwriterversion nicht unerwähnt bleiben. 
Jetzt sollte aber jeder selbst mal hören.

Eine Liveversion von Herrn Pianki als Ohrenöffner:


und hier gibt's das hübsche Werk noch mal:






 

Sonntag, 6. November 2011

My Monthly Mixtape: November


Uff, wieder mal spät geworden....doch dafür gibt's diesen Monat 19 fulminante Offenbarungen zwischen Kitsch, Kunst und Krempel, von denen so manche es erst in letzter Minute aufs Mixtape geschafft haben. Als da wären Kunstlieder von verwandlungsfreudigen Schattenwesen, opulente Songwriterkunst für die gro0e Bühne und jede Menge Klavier. So nah am reinen dunklen Folk war das Mixtape zudem lange nicht mehr, allein die Titel sprechen da für sich, von den dieses Mal in größerer Zahl anzutreffenden arrivierteren Künstlern ganz zu schweigen. Doch nun sinken wir gemeinsam in das gemütliche Polstersofa und lauschen den vorzüglichen Melodien:


01. Cass McCombs - The Same Thing
02. Of Monsters and Men - Dirty Paws
03. Matt Butcher - The Road
04. Blessed Feathers - Our Love Was Born In A Factory
05. Matt The Electrician - Accidental Thief
06. Bonnie 'Prince' Billy - New Tibet
07. Red Heart the Ticker - Lakes of Champlain
08. The Dimes - Walden and The Willow Tree
09. Tom Waits - Pay Me
10. My Brightest Diamond - Be Brave
11. Anna Ternheim - Bow Your Head
12. James Blake - A Case of You
13. Björk - Hollow
14. Loney, Dear - Largo
15. Radical Face - Ghost Towns
16. Bert Jansch - Yarrow
17. Brown Bird - Cast No Shadow
18. Have Gun, Will Travel - Streets Of New England
19. Justin Vivian Bond - In the End

...und da ich mich immer auch am neuen McCombs-Album Humor Risk erfreuen kann, gibt's hier den Opener des Mixtapes in voller Bildgewalt:






Montag, 31. Oktober 2011

Blessed Feathers



Miniaturen. 

Blessed Feathers kommen aus Wisconsin. Blessed Feathers machen Folkmusik. Blessed Feathers sind zu viert. Blessed Feathers können eine ganze Menge Instrumente spielen. Blessed Feathers neue Platte "From The Mouths Of The Middle Class" ist ziemlich toll. Blessed Feathers könnten eine Art "Mini-Decemberists" sein.

Denn genau wie die vom Bänkelsänger so innig geliebten Musiker rund um den Mastermind Colin Meloy bauen Blessed Feathers auch jede Menge Stimmung und Atmosphäre in ihre Songs ein und besetzen auf ihrem neuen Album zwar keine vollends neue Nische, stopfen aber vielleicht die Lücke, die von den Vorbildern mit dem dritten, spätestens aber mit der Folkoper "Hazards Of Love" nicht mehr ganz geschlossen werden konnte. Auf "From The Mouths Of The Middle Class" finden sich nämlich fein-ziselierte Folksongs, denen eine gewisse DIY-Machart anhaftet. "Our Love Was Born In A Factory" ist hier bestes Beispiel, schließlich zaucht es hier neben der perkussiv genutzen Gitarre ein verhuschter Chor auf, der dem Stück halbfertige Inbrunst vermittelt und den zeitweilig doch streitbaren Texten genügend Raum bietet. Doch keines der Stücke braucht dafür länger als gut drei Minuten. Hier unterscheiden sich Blessed Feathers deutlich von anderen Folkbands, es braucht keine ausufernden Instrumentalteile um den Songs genügend Stand mitzugeben, wenn es dann doch mal wortlos wird, wird eben ein "da-dam" angestimmt oder sanft vor sich hingesummt. 
"Poor Jesus (Lookout!)" sirrt durch seltsam gestrichene Saiten wie ein langsames Irrlicht, auch die Stimme Donivan Berube zittert sich ein wenig durch den Song und auch hier bietet sich ein Vergleich mit Herrn Meloy an. Betrachtet man nun noch einmal das dargebotene Instrumentarium und die entgegengebrachte Kunstfertigkeit, dieses auch zu bedienen, hört man neben den üblichen virtous dargebotenen Gitarren- und Streichersaiten auch Akkordeon, verschiedene Glocken- und Klingelzeichen, ein paar Bläser unterschiedlicher Größe wehen auch von Ferne vorbei. Im Großen und Ganzen scheinen sich Blesses Feathers manchmal ihrer eigenen Stärken gar nicht ganz gewußt zu sein, hätte man doch vor allem dem letzten Song "Winter Sister" trotz all seiner feinen Raffinesse noch eine Spur mehrExtravaganz gewünscht. Doch gehen wir noch einmal zurück und lauschen vergnügt dem Opener "By Song Through The Americans", denn hier passt alles: Vergleich, Eigenständigkeit und Klasse.
q.e.d.:

Freitag, 28. Oktober 2011

Justin Vivian Bond



Noch mehr Kunst. Dieses mal aber anders.

Justin Vivian Bond ist ein Teil des derb-komödiantischen Drag-Cabaret-Duos Kiki & Herb, doch auch schon seit geraumer Zeit als Solokünstler/in unterwegs. Nicht nur, dass er/sie im fabelhaften Film "Shortbus" zu sehen war, dem auch Scott Matthew ein paar Songs beigesteuert hat, einige Spoken-Word-Alben hat er/sie auch bereits zustande gebracht und sein/ihr neuestes "Dendrophile" hat in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt.

Wie es der Zufall nun mal will, hat er/sie "Dendrophile" zusammen mit Thomas Bartlett von Doveman aufgenommen und dieses Künstlersammelbecken hat so viele bänkelsängeraffine Artisten als Gäste in seinen Reihen, dass es eine wahre Freude ist, nennen wir nur mal die Dessner-Brüder von The National, Sam Amidon und Nico Muhly. 
Wenn man nun aber der Annahme Glauben schenken würde, Bond hätte ein entsprechendes Indiefolkrock-Album mit modernem Klassikeinschlag fabriziert, der irrt gewaltig. "Dendrophile" ist nicht mehr und nicht weniger eine Hommage an das Lied an sich. Man fühlt sich an das fabelhafte "Variety" von Marc Almond aus dem letzten Jahr erinnert, denn auch Bond verwandelt Cover und Eigenkompositionen in schillernde und barocke Folkpop-Gemälde. Allen voran: "In The End" welches in eben besagtem "Shortbus" von eben erwähntem "Scott Matthew" bereits in epischer, blechblasgewaltiger Breite zur Ehre gekommen ist. Bond hingegen besinnt sich auf sein/ihr einnehmendes Timbre, irgendwo zwischen Almond und Lale Andersen und windet sich zwischen wahnwitzigen Melodiebögen hindurch. Mal leichtfüßig beschwingt, mal kapriziöse Diva, einmal wie im rauhen "22nd Century" gar wie ein/eine raubeinige Folksänger/in erklimmt der/die Musiker/in die höchsten Höhen und taucht doch auch immer wieder hinab in das Halbdunkel zwischen Chintz und Plüsch. Die Musik baut sich dabei um ihn/sie auf und täuscht auch schon mal den ein oder anderen Überfall an, gleich im Opener "American Wedding" sprechsingt der/die Künstlerin sich durch ein folkiges Dickicht, beim Joni Mitchell-Cover "Court & Spark" wiederum verfängt er sich auf angenehmste Weise im feinen Popmäntelchen.
Selbstverständlich ist das teilweise ganz schön dick aufgetragen und kann natürlich mitunter auch ganz schön anstrengend werden, doch wenn zwischendurch im elegantem Jazz-Shuffle "Crowley A La Lee" der Kontrabass perlt wie feinste Champagnerblasen, darf man sich wieder enstpannt zurücklehnen und diese wirklich überraschende Hommage genießen.

Bitte sehr:

Da sich Justin Vivian Bond selbst weder als er noch als sie sondern zumindest im englischen als "v" bezeichnet, dass aber im Deutschen doof aussieht, habe ich die etwas schwer lesbare Variante er/sie gewählt. Sollte der/die Künstler/in selbst einmal diese Zeilen lesen, bitte ich um Verzeihung.

Montag, 24. Oktober 2011

My Brightest Diamond


Kunstlied - Kunst - Lied.

Huch! Damit hätte ich ja nun gar nicht gerechnet. Haben PJ Harvey, Tori Amos und Björk in diesem Jahr gute bis sehr gute Alben vorgelegt und auch unbekanntere Größen wie Laura Marling, St. Vincent und Meg Baird des Bänkelsängers' Herz erfreut, schickt sich nun Shara Worden alias My Brightest Diamond an, durchaus noch ein Wörtchen mitzureden. 
"All Things Will Unwind" heißt das dritte Album und zeigt die enorme Bandbreite der Künstlerin, die schon mit Sufjan Stevens musiziert hat und auch dem Konzeptalbum "The Hazards Of Love" der Decemberists als Waldkönigin ihre Stimme geliehen hat.
Genau in dieser Schnittmenge befindet sich auch das neueste Werk, das dunkle Timbre der New Yorkerin schlägt sich durch ein Dickicht von Klängen und Tönen. Die Stücke, angereichert mit perlendendem Instrumentarium sind Kunstlieder, häufig durchkomponiert und komplex in der ersten Anmutung. Mit der in vielen Fällen klassischen Versatzstücken bewegt sich vieles zwischen dem letzten Album von Tori Amos, jedoch ohne deren musikhistorischem Zitateschatz und "Have One One Me" von Joanna Newsom, jedoch noch prunkvoller ausgestaltet. Da erinnert ein "Be Brave" zeitweilen wiederum an die Zusammenarbeit mit Colin Meloy und das erst zaghafte, holzbläserbegleitete "She Does Not Brave The War" schiebt sich langsam zu einer wundersamen Ballade empor, die sich irgendwie als zerrissene Musicalnummer einordnen lässt. Worden beherrscht dabei ihr Hauptinstrument wie die gerne wieder zitierte Königin aus der Decemberists-Oper: furios tänzelt sie über die Gamelan-Klänge in "Ding Dang" und gönnt sich direkt zum Beginn mit "We Added It Up" eine schimmernde Kapriole, die dem Album vom ersten Moment an die richtige Stimmung beschert.
Selbst ein auf den ersten Blick unscheinbares Liedchen wie "High Low Middle" bekommt bei Worden mindestens drei oder vier Schlenker mehr als notwendig und fällt trotzdem nicht aus der Rolle. Trotz der unsagbaren Vielfalt die aus "All Things Will Unwind" eben auch eine Art Mini-Singspiel macht, braucht es, wie beim artverwandten "Hadestown" von Anais Mitchell aber nur wenige weitere Mitsänger, lediglich ein paar Chorfetzen durchwandern die Songs wie im magischen "Reaching Through To The Other Side", auch dem schlingernden "Everything Is In Line" reicht ein Duettpartner zum vollendeten Glück.

Es ist aufregend, der Sängerin in jeder ihrer Episoden zu lauschen und sich vor Vergnügen das ein oder andere Bein abzufreuen, wenn das gesamte Arsenal an passendem Instrumentarium nacheinander oder alles auf einmal auf der Bildfläche erscheint. Und diese Spannung durchzieht sich über die gesamte Albumstrecke, so dass sich Shara Worden eindeutig in den Kreis der Anwärterinnen für das beste Album einer weiblichen Künstlerin 2011 einreihen darf.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Brown Bird



Eine kleine Herbstmusik.

Immer wenn es draussen immer früher dunkel wird, sucht sich der Bänkelsänger seine kleine Herbstmusik. Dieses Jahr könnten Brown Bird aus Seattle die herzerwärmende Rolle spielen, bringen sie doch alle Attribute mit. 
Da wären zum einen die knarzige Stimme David Lambs, die auf dem neuen Album "Salt For Salt" ganz formidabel mit den ungestümen Cellotönen, die seine musikalische Partnerin Morganeve Swain aus dem Instrument herauskitzelt, harmonieren. In seiner ganzen Pracht erstrahlt diese Art Zwiegspräch bei "Bilgewater", doch auch die anderen Stücke haben ihre Besonderheiten. Das folgende "End Of Days" zum Beispiel ist ein zurückgenommenes Duett und lässt wiederum ihrer Stimme mehr Raum. So wechseln sich die beiden stets ab, wandeln zwischen leichtfüßigen und tänzerischen Reels und Jigs auch auf Katzenpfötchen und streuen die ein oder andere geschmackvolle Ballade ein.
"Shiloh" überrascht hingegen als unruhiges Instrumental mit Handclaps, nervösem Cellodröhnen und mollener Struktur. "Salt For Salt" wirbelt sich schnurstracks in die Herzen der Hörer, gönnt sich bei "Blood Of Angels" gar einen leichten R.E.M.-Moment und ist vor allem nie langweilig. Ob die Instrumente gezupft oder gestrichen und die beiden gemeinsam in trauter Harmonie oder geordnet nacheinander stimmlich in das Geschehen eingreifen, ständig passiert etwas, immer lauert eine kleine Kante oder Unschärfe und belebt das Klangbild. Sicher, der geneigte Hörer denkt sich sicherlich an ähnlich geartete Zweimannbands vom Schlage "Among The Oak & Ash" (die ich inzwischen recht häufig als Referenz anführe), doch hier kommt so eine liebliche Rabaukerei mit zum Einsatz, die Tatendrang und Vehemenz verspricht. Zuweilen gemahnt das Album sogar an eine amerikanische Variante von Poems For Laila zu Zeiten ihres fabelhaften Werks "Another Poem For The 20th Century", denn auch hier erarbeiten sich Lamb und Swain den ein oder anderen kulturellen Seitenblick und haben auch nichts gegen folkloristsiche Elemente von europäischen Seelenverwandten. Und spätestens wenn man sich bei "Cast No Shadow" und seinem stürmischen "Those Were The Days"-Refrain in feinster Folkrock-Sentimentalität ergibt, gibt es eh keine Zweifel mehr.

Wetten?:

 

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Live: Sun Airway & Architecture In Helsinki

Brizzeln...Zappeln. Chillen....Rumhampeln.

Pop in allen seinen unterschiedlichen Facetten wollten am gestrigen Konzertabend die Amerikaner von Sun Airway aus Philadelphia und die quirligen Indiepopper aus Melbourne namens Architecture in Helsinki zu Gehör bringen. Gut, dass die Australier bester Stimmung waren und den etwas blutleeren Auftritt der Vorband wettmachten. 
Dabei konnte die Band um den Songwriter John Barthmus auf dem wohlbetitelten Debutalbum "Nocturne Of Exploded Crystal Chandelier" mit feinem Electropop mit träumerischen Nuancen und glitzernden Rauschemelodien durchaus überzeugen. Doch irgendwie, und hier mag ich auch mal die Akustik im Gleis 22 verantwortlich machen wollen, kam das Liveerlebnis verwunschen und - viel schlimmer -  verwaschen rüber. Die starke Single "Oh, Naoko" war mit Sicherheit unter den gespielten Songs, villeicht auch das tolle "American West",  doch leider war ausserhalb des gut akzentuierten Schlagzeugs vor allem stimmlich kaum ein Unterscheid zwischen einzelnen Stücken auszumachen. So bekam der Auftritt leider eine unangenehm chillige Note, die für sich genommen sicherlich noch in Ordnung ging und durch bunte Lichtbrizzeleien unterstützt wurde, aber eben nicht zur erwarteten Popexplosion des Hauptacts passen wollte.
Dieser übertraf dann wiederum die an ihn gerichteten Erwartungen vollends. Nicht nur, dass "Klassiker" und "Lieblinge" der ersten drei Alben gekonnt in Szene gesetzt wurden, nein, auch die neuen Songs wussten wider Erwarten zu überzeugen. "Moment Bends" aus dem Frühjahr stand auch klar im Zentrum des Konzerts, jenes Album, dass zum ersten Mal die Disco- und Funkelemente stärker aus den überdrehten Tweepopmelodien herauskitzelte. In den Studeoversionen ein wenig zu einfallslos und gelinde gesagt uninspiert vorgetragen, bekamen live vor allem "Escapee" und "W.O.W." ein sehr hübsches Kleidchen angezogen und auch die Singles "That Beep" und Contact High" fanden sich, eingeengt in so viele großartige Popmelodien bestens zurecht und glänzten mit den gutaufgelegten sechs Musikanten um die Wette. Cameron Bird, Kopf der Band, schraubte seine Stimme zuweilen in höchstes Falsett und Kellie Sutherland hatte wohl mindestens zehn Energieriegel gefuttert und tanzte, quietschte und schalalala-te sich, gerne im Duett mit (fast) jedem einzelnen weiteren Musiker, von rechts nach links. Doch nicht nur Sutherland und Bird glänzten mit ihrer Spiel- und Experimentierfreude, auch die übrigen Musikanten beteiligten sich daran, z.B. dem Hit "Do The Whirlwind" ein Shoegaze-Korsett zu reichen, "It5!" in der Zugabe bis zum Gehtnichtmehr in die Höhe zu pitchen oder immer mal wieder in eine feine und vor allem lustige Choreografie einzustimmen. 80 Minuten lang konnten die Australier dabei das Publikum fesseln, denn, man glaubt es kaum, auch hier wurde getanzt, bei der "Hommage an den Black Forest Cake" Debbie gezappelt und spätestens beim formidablen "Heart It Races" lauthals mitgesungen. 

Fazit: Architecture In Helsinki machen Spaß. Sun Airway könnten das wohl auch. Das Publikum im Gleis 22 kann nicht nur nervig dazwischenquatschen und muss auch nicht immer zwischendurch Getränkenachschub holen. Die Australier sind keine Schönheiten, aber Charakterköpfe und sollten so schnell wie möglich noch mal wiederkommen. Dann aber bitte auch das tolle "The Cemetery" zu Gehör bringen.

"Wild Palms" Sun Airway - Official Music Video

Architecture in Helsinki - Escapee

Montag, 10. Oktober 2011

Red Heart The Ticker



So kunstvoll, so verschroben...

 ...und doch so leicht und einfach klingen Red Heart The Ticker auf "Your Name In Secret I Would Write". Auf dem haben Robin McArthur und Tyler Gibbons zwölf  uralte amerikanische Volksweisen versammelt, die Robin sicherlich auch schon als Kind von ihrer Großmutter vorgesungen bekommen hat. Doch nicht nur die Stücke selbst atmen den Hauch der Geschichte, auch die verwendeten Instrumente haben vielfalls historischen Wert und werden, mit der gebotenen Ehrfurcht, eben auch in althergebrachter Weise verwendet.

Ähnlich wie vor zwei Jahren Among The Oak & Ash polieren McArthur und Gibbons die Kostbarkeiten behutsam auf, und auch die verhaltene Produktion verweist eher auf ein historisches Zeitdokument denn auf modernen Folk-Zeitgeist. Die Atmosphäre auf "Your Name In Secret I Would Write" ist intim, ja vielleicht sogar ein wenig verschlossen, als ob aus dem Schatzkästchen  kein Ton, keine Note, ja nicht mal ein Wort herausfallen dürfte. Die Dulcimerklänge während "Mother's In The Graveyard" klagen ein Lied davon und Robins Stimme hallt beim tragischen "Lakes Of Champlain" verklärt nach. Die karge Begleitung sorgt hier jederzeit für Gänsehaut und die wie zufällig hineingesungene Zweitstimme Gibbons will einem schier das Herz zerreissen. Das folgende "Single Again" allerdings ist kraftvollerer Natur und wird von einem schlichten Abzählreim zu einem stampfenden Ringelreihen. Diese feine Note der Wanderung auf dem Grat erfrischt das Album immer wieder und lässt es nicht staubtrocken wirken. Mit feinem Gespür fügen sich vor allem Schlagwerk und Schellenkranz in die Folksongs ein, so dass schlichtes Liedgut wie bei "Braes Of Yarrow" zur funkelnden Erinnerung wird. McArthur und Gibbons interpretieren gerade die einfachen Stücke so schlicht wie möglich und doch bekommen Kinderlieder, Moritaten und Mörderballaden eine passende Färbung verpasst, um sich nicht hinter den modernen Folkinterprationen verstecken zu müssen. Um jedoch den Abstand zum Erbe nicht zu groß werden zu lassen, streuen sie zwei originale Miniaturen aus der Vergangenheit ein, die sich als "field recordings" aus dem Nachlass von Robins Großmutter wunderbar in die mit Patina überzuckerte Platte einfügen.

Man höre und fröstele vor Vergnügen:

 
...erwähnen muss ich noch, dass leider keine 20 Leser an der ersten "Umfrage" auf dem Bänkelsänger mitgemacht haben, ich aber dennoch schon ein klitzekleines Meinungsbild bekommen habe und hiervon auch Einiges umsetzen werde. Zum zweiten habe ich völlig vergessen zu erwähnen, dass es das aktuelle Mixtape des Bänkelsängers in Kürze natürlich auch wieder auf dem "Radio der von Neil Young Getöteten" läuft, dem man sowieso und immer ein Öhrchen leihen darf.

Dienstag, 4. Oktober 2011

My Monthly Mixtape: Oktober



Der Oktober hat's in diesem Jahr schwer gegen seinen güldenen Vormonat anzukommen. Zumindest was das Wetter angeht. Das Bänkelsänger-Mixtape hingegen steht seinem Vorgänger in nichts nach. Ohne zu viele gängige Klischees aufzuwerfen, eignet sich die aktuelle Auswahl mal wieder hervorragend um 
1. die schon drei Jahre für besondere Anlässe aufgehobene Flasche Rotwein einfach mal spontan ihrem ursprünglichen Verwendungszweck zu überlassen
2. den Stapel an liebgewonnenen Coffeetablebooks bei Kakao mit Marshmallows wieder und wieder durchzuschauen oder
3. einfach mal schlagartig einen Apfelstrudel zu backen 
und sich eben regelrechtes Herzerwärmen zuzufügen.

Musikalisch behält im Oktober der Folk klar die Überhand, häufig sind es heulende und streitbare Wölfe, doch auch zärtliche Barden und unnahbare Poetinnen stimmen in den abwechslungsreichen Reigen an. 
  
01. Tyler Ramsey - The Valley Wind
02. Matt The Electrician - I Will Do The Breathing
03. Oliver Swain - I'm on Fire
04. Frank Turner - Redemption
05. Big Harp - Goodbye Crazy City
06. Wilco - Black Moon
07. Jay Clifford - Empyrean
08. The Waterboys - Politics
09. Jens Lekman - New Directions
10. Jono McCleery - Wonderful Life
11. St. Vincent - Cruel
12. Zola Jesus - Seekir
13. Kasabian - Days Are Forgotten
14. Jason Bajada - Sunday Song
15. Tori Amos - Job's Coffin
16. Meg Baird - Beatles and the Stones
17. Laura Marling - Night After Night
18. Feist - A Commotion
19. Ry Cooder - El Corrido De Jesse James

Den musikalischen Ohrenöffner übernimmt dann eine der dieses Mal besonders stark vertretenen Musikerinnen:


...und wer noch mehr hübsche Tipps haben möchte oder zu dem ein oder anderen Stück noch die ein oder andere weiterführende Info, darf sich gerne meinen traditionellen Herbstspaziergang durch den Folk auf AUFTOUREN durchschauen.

Freitag, 30. September 2011

Hitparade 2011 - Vol. III


Bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 30°C habe ich mir bislang selten Gedanken über die Dreivierteljahreshitparade gemacht. So unglaublich viel hat sich immer noch nicht geändert, lediglich die Platzierungen einiger Alben sind ein wenig wilder als sonst durcheinander gewirbelt worden. Langzeitwirkung, ick hör dir trapsen. Nun gut, without fourther ado: Die Hitparade!


1) Cult Of Youth - Cult Of Youth
2) Cass McCombs - Wit's End
3) Matt Bauer - The Jessamyne County Book Of The Living
4) Josh T. Pearson - The Last Of The Country Gentlemen
5) James Blake - James Blake
6) King Creosote & Jon Hopkins - Diamond Mine
7) Patrick Wolf - Lupercalia
8) The Decemberists - The King Is Dead
9) The Mountain Goats - All Eternals Deck
10) Laura Marling - A Creature I Don't Know
11) Locas In Love - Lemming
12) PJ Harvey - Let England Shake
13) Bon Iver - Bon Iver
14) Jono McCleery - There Is
 15) Tu Fawning - Hearts On Hold
16) Declan De Barra - Fragments, Footprints & The Forgotten
17) Blood Orange - Coastal Grooves
18) Daniel Martin Moore - In The Cool Of The Day
19) Jamie Woon - Mirrorwriting
20) Frank Turner - England Keep My Bones
 
Das mit den Songs hatte sich bewährt, drum gibt's wieder mal 10 fabelhafte "Aussenseiter" aus diesem Quartal, die es knapp mit dem Longplayer nicht geschafft haben, in der Hitparade aufzutauchen.
 
Die Songs (wie immer in willkürlicher Reihenfolge):
Jay Clifford - Empyrean
Matt The Electrician - I Will Do The Breathing
 Dakotafish - Strange Symmetry
Silent Feature Era - The Horsebreaker
The Horrible Crowes - Behold The Hurricane
Mike Noga - Eileen
Stephen Simmons - The Circus
Jens Lekman - New Directions
St. Vincent - Cruel
The Waterboys - Politics
 
Den Ohrenöffner gibt's dann hier:
 
 
...und wer noch nicht hat und vielleicht noch möchte (ich bettele wirklich ungern, dann aber wirklich gut!): meine Jubliäumsabstimmung!