Mittwoch, 14. Dezember 2011

Lauscher



Von Waldgeistern, Irrwischen und Rotkehlchen.

Wo ist die Grenze. Bei der kürzlich erfolgten Umfrage zum zweijährigen Bänkelsänger-Jubiläum wurde doch das ein oder andere Mal um neue Facetten innerhalb der musikalischen Ausrichtung gebeten. Besonders das gerne etwas diffus kategorisierte Genre Neofolk fiel bislang ein wenig aus dem Rahmen, Grund genug sich mit einer Veröffentlchung zu beschäftigen, die sich durchaus innerhalb dieser Grenzen tummeln darf.
Lauscher nennt sich das Duo aus dem westfälischen Hamm, "Auf der Pirsch" das zugehörige Album und überzeugt mit einer wagemutigen und variantenreichen Interpretation fast schon traditionell anmutendem Liedguts, angereichert mit allerlei überraschenden und begeisternden Einfällen. 

Die beiden unterschiedlichen Stimmen des Duos bestehend aus Christine Walterscheid und Dominique M. Täger ergänzen, duellieren und dopplen sich immer wieder neu: Mal jagen sie sich durch das reich instrumentierte "Krähen Hassen", mal klingen sie verträumt und erzählerisch wie im magischen "Irrwisch". Täger übernimmt in den meisten Fällen die manischen, gerne auch kraftvollen Parts, die seiner dunklen, kratzigen Stimme hervorragend stehen. Christine Walterscheid hingegen lässt ihr klares, spitzes Timbre mit Leichtigkeit durch das verwobene Geäst aus Cajon-Percussion, perlenden Gitarrensaiten und diversem musikalischem Beifang klingen. Leicht und dennoch mit gewisser Inbrunst erzählen die beiden Geschichten, die sich immer ein wenig mystifizierend um "Natürliches" und "Menschliches" drehen, ob sie nun zum "Fellbaum" ziehen, übermütig durch das "Seelenlaub" streifen oder sich den "Morgentau" von der Zunge singen. Geschichtenerzähler auf der Schwelle zwischen lyrischen Sprachbildern und bildhafter Akkuratesse sind die beiden und zeigen das bei ihrem Album nur zu deutlich. Ästhetisch untermalen sie ihre Stücke auch mal mit Alltagsgeräuschen und sorgen damit dafür, dass "Auf Der Pirsch" immer wieder eine neue Marschrichtung eingehaucht wird. Sicher, manchmal scheint die immer mal wieder eingestreute harsche und martialische Stimme Tägers grell gegenüber den weichen Tönen, wie sie im zauberhaften "Zauberei" eingesetzt werden. Es ist auch sicherlich nicht jedermanns Geschmack, dass manch einem der Texte ein wenig zu viel Symbolik hineininterpretiert werden kann und auch die Tatsache, dass es einem schon überdrüssig werden kann, immer und immer wieder von einer neuen, manchmal stark abstrahierten Metapher konfrontiert zu werden, in erster Linie überwiegt aber doch die Freude am Vortrag der beiden Musiker. 
Spätestens wenn Christine Walterscheid im abschließenden "Rotkehlchen" in eben die Rolle des launigen Singvogel schlüpft und mit wahrnembarer Beigeisterung den Alltag des kleinen Tieres lebensnah und mit überzeugender Frische vorträgt, hat man sich trotz der ausserordentlichen Länge des Albums bestens unterhalten gefühlt und entscheidet sich sicherlich schnell für einen wiederholten Durchgang, um wieder "auf die Pirsch" zu gehen. 
Fühlen, hören, geniessen:

   Krähen hassen by Lauscher

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