Dienstag, 27. März 2012

Aufgemerkt: Tu Fawning



Zeit für einen Quickie zwischendurch. 

Die aufmerksamen Leser der Vogelschau werden es schon vor einigen Wochen gemerkt haben: es gibt was Neues der Kreateure des Überraschungsalbum der vorletzten Jahreswende, denn Tu Fawning melden sich mit "A Monument" kraftvoll zurück. Dem zuvor veröffentlichten "Bones" mit seiner aufreizenden Spielfreude und kongenialem Multiinstrumenteinsatz folgt nun das glanzvoll wabernde "Anchor", das sich durch rasselnde Untertöne, chorale Dopplungen und akute Vehemenz schon ganz schön weit aus dem Fenster lehnt. Und am 7.5.2012 können wir dann endlich das vollendete Ergebnis in den Lauschkanal führen.

Doch zuvor, hier kommen die Ohrenöffner:

   Tu Fawning - Bones

     Tu Fawning - Anchor

Mittwoch, 21. März 2012

Aufgemerkt: I Used To Be A Sparrow & Songs For The Sleepwalkers




Frühlingsfrische im Doppelpack.

Manchmal bin ich echt beeindruckt: Da denkt sich der geneigte Konsument frischgepresster Folkpop- und Countryblues-Platten nichts Böses und schon flattert mal wieder eine Anfrage ins Haus, die auf's erste Ohr zwar passen, aber nicht unbedingt den ursprünglichen Bänkelsänger-Kontext streift. Nach mehrmaligem Hören ertappt er sich aber dann doch beim Mitwippen, Schwelgen und Mitsingen. Vorhang auf für I Used To Be A Sparrow und Songs For The Sleepwalkers.

Leicht und doch mit dem gewissen schwermütigen Nimbus beginnt "Luke", das erste Album von I Used To Be Sparrow, die namentlich aus Dick Petterson und Andrea Caccese bestehen. Beide im Vorfeld schon mit einer musikalischer Vorerfahrung, jedoch erst seit kurzem vereint, was dann schlußendlich aufgrund der Ausgefeiltheit der Songs auf  "Luke" schon ein wenig verwundert. Das Anfangsduo aus "Cambodia" und "Life Is Good" steht hierbei synonym für das ganze Album, das sich aus fein arrangierten Popsongs zusammensetzt, die mal intim, meist aber kunstvoll ziseliert in die Gehörgänge schrauben. 
Texte die sich poetisch mit dem eigenen Wohl und Wehe befassen, gerne harmonisiert im Gleichklang aus Kopf- und Bruststimme wie im hervorragenden "Let Go", dass sich in vier Minuten immer wieder ein Stück an die euphorischeren I Am Kloot-Stücke annähert. Überhaupt scheint ein eher überschwänglicher Duktus die beiden Musiker mit Wurzeln in Schweden (Petterson) und Italien (Caccesse) zu durchwehen, gebremster Hurra-Effekt mit Hall und Widerhall, ankernd zwischen Folk und Pop, der sich nicht hundertprozentig der einen oder anderen Schublade zuordnen will. Mit dem ruhig dahinfliessenden "Lovers On The Moon" begeben sich die beiden auf die Spuren der gerade so angesagten Singer/Songwriter-Mode, die naturverbunden und heimelig, jedoch auch mit der ein oder anderen elektronischen oder artifiziellen Spitze aufwarten kann. 
So geht man mit "I Used To Be A Sparrow" auf eine anregende Reise, die sich auch namentlich in vielen Titeln widerspiegelt ("Hawaii", "Copenhagen"), auf der man aber auch gar zu gerne die ein oder andere Pause einlegt, um sich einfach von den unwiderstehlichen Melodien verzaubern zu lassen. Auf Dauer mag das dem ein oder anderen vielleicht ein klein wenig zu perfekt und ausgeglichen erscheinen, bei frühlingsfrischen Temperaturen und dem Spaziergang an der abendlichen Stadtsilhouette vorbei, ist "Luke" der geradezu ideale Begleiter.

 


Vor (und auch während) er mit I Used To Be A Sparrow unterwegs war, lässt sich Andrea Caccese aber auch nicht lumpen und fabriziert als Songs For The Sleepwalkers artverwandtes, jedoch deutlich zurückgenommeres Liedgut. Sein aus dem letzten Jahr stammendes Album "Our Rehearsed Spontaneous Reactions" zeigt mit seinen acht, bisweilen skizzenhaft daherkommenden Songwriterminiaturen weitere Facetten seines Könnens und tummelt sich irgendwo an der Grenze zwischen sehnsüchtelnder Elegie und experimentierfreudigem Indiefolk. Meistens sehr offen gehalten, wie im von klassischen Elementen durchzogenen "Down The Line", das mit seinen sanft aufgetürmten Streichern weniger tränenreich daherkommt, als man es auf das erste Ohr vermuten könnte. Generell scheint Caccese alais Songs For The Sleepwalkers allein einen deutlich geringeren Hang zur Klangfülle zu haben, die Songs wie das seinem neuen Projekt am nächsten kommende "We Are Still Here" decken eine weit weniger dicke Schicht an Klangfarben hab, die einzelnen Tupfer kitzeln vielmehr die Facetten nur in kleinen Dosen heraus. Die akustische Gitarre spielt die Hauptrolle, bekommt hier und da ein wenig Elektronik spendiert, vergißt aber darüber hinaus nicht, dass Caccesse der Hauptakteur ist, der lieber in Ruhe erzählt und das auch bis auf im ein wenig tiphoppig erscheinenden "Awake" auch konsequent durchzieht. Höhepunkt ist hierbei sicherlich "Set The World On Fire" mit einer Streicherbegleitung, die auch einem Bon Iver oder dem Bänkelsängerliebling Matt The Electrian Schauer über den Rücken laufen liesse. 
Meine Güte, was freue ich mich schon darauf, auch mit Songs For The Sleepwalkers in den Abend zu laufen, vielleicht am besten mit dem letzten Song "What If I Do", der allein schon in seiner schlichten Schönheit Gänsehautmomente auslösen kann.

 

Noch mehr Infos gibt's hier und hier und dazu das Versprechen, dass im Juni auch in Deutschland getourt wird 

Donnerstag, 8. März 2012

Tom Krimi



Warum eigentlich nicht?

Tom Krimi ist sprichwörtlicher Tausendsassa. Geboren in Bremen, sozialisiert mit BFBS und besitzt musikalische Wurzeln und Ableger mit Stereo De Luxe, Raz Ohara, Ellen Allien und so weiter und so weiter....
Ab dem 09.03.2012 darf sich sein neues Album "Why Don't We" in die Ohrmuscheln wachsen und wenn er damit generell nur halb so viel Glück hat, wie er es beim Bänkelsänger geschafft hat, dürfte ob der 12 bzw. 13 Stücke auf dem Album der ein oder andere Ohrwurm hängengeblieben sein. 
Klanglich entpuppt sich Tom Krimi als gelassener Singer/Songwriter bester Sorte, so wird gecroont, gejammert, geflüstert oder - und das kann er am besten - in feinster Elvis Costello-Manier gesungen. Dessen Vorbildfunktion stimmlicher Art klingt in "Why Don't We" auch immer wieder durch, gerade die Single "Drink Drink Drink" mit seinem verführerischen Refrain klingt nach "When I Was Cruel" hat aber dennoch genügend Eigenständiges an sich, um nicht vollends als Plagiat zu gelten. Die elegante Verücktheit eines Costellos, manchmal auch mit Cave'scher Larmoyanz oder dem traurigen Brummeln Mark Oliver Everetts von den Eels vermengt, das ist schon die Schnittmenge, derer sich Krimi bedienen kann. Versetzt mit beinahe zärtlicher Inbrunst schafft er es jedoch immer, neue Wege zu gehen. Die flotte Uptempo-Nummer "Cubical" zum Beispiel mit seinem eigenwilligen Text oder das furchtlos vorantreibende, sehr amerikanische "Mother Up Above" mit seinen pendelnden Gitarren oder gleich zu Beginn das einleitende "Blue Boredom", dass seinem Namen zunächst alle Ehre zu machen scheint und sich dann doch als glitzernde Eröffnungsballade entpuppt.
"Why Don't We" entwickelt über die gesamte dreiviertel Stunde genau die Art von Stimmung die einen Abend unter Freunden retten kann. Zuhören ist erlaubt, jedoch auch einfach mit den dunnkel gestimmten Tönen in den eigenen Gedanken nachzuhängen, ohne sich erwischen zu lassen und ganz wichtig: auch das ein oder andere, gerne schwer alkoholische Getränk kann als Hörbegleiter ganz hilfreich sein. Krimi schafft dazu den Soundtrack mit Blues, Rock, Chanson und Folk, so elegant wie möglich, jedoch auch so knorrig wie nötig.

Die Record Release Party findet am 14.03.2012 im Grünen Salon in Berlin statt und wer jetzt mindestens noch einen Grund braucht, um "Why Don't We" gut zu finden, darf sich vorerst mit dem Video anfreunden.

Dienstag, 6. März 2012

My monthly Mixtape: März

Es wird heimelig. Wohlklang und Harmonieseligkeit fein versponnen, durchwirkt von ausdrucksstarker Stimmgewalt. Das Mixtape fungiert in diesem Monat als Bote frühlingsfrischer Melodien, die von angepsychtem 70er-Jahre-Soft-Folkrock über traurig perlende Popminiaturen bis hin zu gespenstischen Kunstcoverliedern und lässt sich auch vom großen "Boss" nicht vollends aus der Reserve locken.

Die Zutaten gibt's hier:

01. Shearwater - Animal Life
02. Flights - From the Lake to the Land
03. Maverick Sabre - I Need
04. The Soft Hills - Phoenix
05. Lake Forest - Autumn Skies
06. A Whisper in the Noise - Black Shroud
07. Bright Moments - Milwaukee
08. Kristofer Åström - Queen Of Sorrow
09. Soap&Skin - Voyage Voyage
10. Felix Meyer - Hinterhofkino
11. Passenger - Staring At The Stars
12. Anaïs Mitchell - He Did
13. Damien Jurado - Working Titles
14. Tindersticks - Frozen
15. Fanfarlo - Tightrope
16. Bruce Springsteen - Wrecking Ball
17. Islands - Oh Maria
18. Perfume Genius - Hood
19. Kettcar - Ein Zimmer

und das Hörbeispiel folgt auf dem Fuße: 

Dienstag, 28. Februar 2012

Pretty Mery K


 Oh.

Oh? Wieder mal so eine nette Anfrage. Oh! Ein Bandname der sich an Elliott Smith anlehnt! Oh. Und ein Debutalbum, das so heißt, wie es klingt: Oooooh.

Pretty Mery K sind vier Musiker aus Dresden, die mit "Oh" ihr erstes gemeinsames Lebenszeichen von sich geben. Ihr Indie-Pop mit behutsamen Folk- und Rock-Berührungspunkten schimmert dabei in mindestens so vielen bunten Farben, wie es das unglaublich hübsch gestaltete Booklet verspricht. Überhaupt? Ein Booklet! In Zeiten von immer mehr Veröffentlichungen ausschließlich im Downloadbereich geizen Pretty Mery K nicht mit gestalterischer Vielfalt und gönnen jedem der 12 Songs ein eigenes gezeichnetes Bild, das Titel, Stimmung oder Gefühl nachzeichnet. 
"Oh" beginnt ruhig, fast ein wenig besinnlich, Meryem Kilic singt in "A Complaint" lieblich, ja sogar unschuldig, die Begleitung untermalt mit sanften Farben, die sich erst zum Ende des Stücks ein wenig ins Dramatische verlieren. Das folgende "Mery In Wonderland" klingt von Beginn an ein wenig forscher, der Musik jangelt ein wenig vor sich her, lässt sich auch vom bezeichnend fantasiedurchzogenen Text nicht aus der Reserve locken. So steckt "Oh" zuweilen ein wenig in der Zwickmühle, dass sich den hübschen Pop-Songs zuweilen ein bisschen viel Süße entfaltet. Das zurückhaltende, folkige "Moon" macht hierbei genauso wenig eine Ausnahme wie das immer wieder verwunschen tönende "Happy". Zwischen die zarten Gitarrentöne mischen sich dazu immer mal wieder Hintergrundgesänge, vielleicht gar das titelgebende "Oh", die zuckrig, aber eben nicht klebrig wirken und somit das Album mit zuviel Wohlklang überschütten. 
Für das langsam entspringende Frühjahr finden sich bei Pretty Mery K auf alle Fälle genügend kleine, niedliche Lieder, die selbst wenn sie etwas wagen, wie beim geheimnisvollen "Rattlesnakes" oder wünscheswerte Hits wie das wunderbare "Eden" sind, zu einer kleinen Gedankensammelreise zusammenfügen lassen. Ein wenig Twee, viel Pop und einen Schuß Indie-Folk - das darf man sich gerne auch Live anhören und dann die bislang ausschliesslich im Eigenvertrieb erhältliche CD erwerben. Releaseparty ist heute abend, den Rest der Termine gibt's hier:

28.02. in Dresden-Societätstheater (RELEASEKONZERT)
29.02. in Hildesheim-Club VEB
01.03. in Halle-Brohmers
02.03. in Leipzig-Horns Erben
03.03. in Eberswalde-Studiclub
04.03. in Berlin-Privatclub
07.03. in Münster- Teilchen&Beschleuniger
08.03. in Kiel-Prinz Willy
09.03. in Lübeck-Blauer Engel
10.03. in Hamburg-Grüner Jäger

29.03. in Bochum-Ebstein
30.03. in Düsseldorf- Forum Freies Theater/Freitagsklub
31.03. in Bielefeld- Verve
01.04. in Köln- Theater der Wohngemeinschaft
03.04. in Stuttgart-Zwölfzehn
04.04. in Strasbourg (F)- Mudd Club
05.04. in Freiburg-White Rabbit
06.04. in Mannheim- Mohawk
07.04. in Hof-Kunstkaufhaus
08.04. in München-8 below
 
...und wenn das jetzt alles noch nicht genug Anreiz ist, dann höre man doch einfach mal hier rein:
 
    
 
    

Mittwoch, 22. Februar 2012

Aufgemerkt: Sam Gray Singing & Betting On The Mouse



Manchmal bin ich überrascht, welche Vielfalt unter den netten Anfragen bezüglich einer Erwähnung, Vorstellung, Rezension oder Präsentationen herrscht. Vor kurzem hat ich Post von Fuer-Records im Postfach, mit der Bitte, mich doch mal ein wenig mit Sam Gray Singing und Betting On The Mouse zu beschäftigen. Und wenn man mich so lieb bittet, mache ich das in der Regel auch...

Anfangs hatte ich ja die Vielfalt unter den Anfragen angesprochen. Und beim ersten Hören des Sam Gray Singing-Albums "Songs About Humans", welches am 16.03.2012 erscheint, war ich ob der ersten Takte von "Scratches" schon bar erstaunt, denn solche Klänge halten bislang eher selten den Einzug auf dem Bänkelsänger. Da kracht und poltert es, Melodien bersten unter Feedback und tonalen Explosionen, die trotz allem durch die liebliche, fast schon bittersüße Stimme des Wahlösterreichers Samuel Gray zusammengehalten werden. Fährt man weiter im Album fort, tauchen plötzlich mystische Wechselgesänge auf,  die das verstörende "Bigotry" zwischen Krach und Lärm in eine Art Ruhephase lenken lassen. Doch Gray gönnt dem Hörer nur wenige Pausen, auf "Songs About Humans" ist ständige Aufmerksamkeit gefordert, um ja nicht den ein oder anderen Querschläger zu verpassen. Das einem traditionellen Songgerüst nahe kommende "January, Puerto De La Cruz" überrascht mit atonal geschichten Streichern, die Grays hier zurückgenommene, nahezu flüchtige Stimme umtänzeln, ja geradezu einrahmen. Das Album folgt dem Fluss des Sängers, der sich scheinbar ständig neu orientiert und den zuweilen weit entfernt scheinenden Horizont mühelos übersteigt.
 Es ist Gray anzumerken, dass er "Songs About Humans" sicherlich als Gesamtkunstwerk betrachtet, so stapeln sich die einzelnen Eindrücke zu einem turmhohen Konstrukt, dass sich nur schwer greifen lässt. Die kammermusikalische Grundausrichtung zerbricht immer wieder an chaosartigem Ausschwärmen und wird doch wieder zusammengesetzt, wenn Sänger und Instrumente so einträchtig miteinander musizieren wie in der Single "Dineen". Vergleichbarkeit zu schaffen, fällt auch nach mehrfachem Hören unsagbar schwer, vielleicht wenn man die Klngreisen Mark McGuires mit Xiu Xius brachialem Weltschmerz mischt, aber selbst das würde den immer durch das galante Piano eingefangenen, nur schwer greifbaren Songs nicht gerecht werden. Am besten verschafft man sich wohl selbst einen ersten Höreindruck und lauscht den in Norwegen aufgenommenen Stücken des gebürtigen Neuseeländers, der im übrigen ansonsten auf dem Label Jacob Faurholts zu Hause ist:


    





Betting On The Mouse aus Dänemark gehen komplett andere Wege. Deren angeschwärzter Indie-Rock ist ebenfalls bei Fuer-Records beheimatet und wird ab dem 30.03.2012 auch auf der EP "BOTM" zu hören sein. Schwermütig und doch kraftvoll fließen die lauernden Gitarren der Single "Desert Of Wasted Plans" in den Raum, von Sängerin Martha Marie Skouund ihrer zartherben Stimme bereitwillig empfangen. Wieder mal die 80er, hört man sich zwangläufig sagen, denn auch Betting On The Mouse erweisen den stoischen Sounds Ehre, ohne jedoch klare Bezugspunkte zu setzen. So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob das angedeutete Akkordeon in "Reach Me" ablenken oder das Gesamtbild unterstützen soll, Tatsache ist allerdings, dass es dem Song sehr gut steht und man dem Stück eine gewisse skizzenhafte Seefahrerromantik unterstellen könnte. Auch die übrigen beiden Stücke "Sleeping" und "Swimmingpool" changieren im Zwielicht und fangen das Spiel mit Licht und Schatten unterkühlt ein, letzteres sogar mit der beiläufigen, lasziven Kälte eine Beth Gibbons, so dass man gespannt sein darf, was die vier Dänen auf Albumlänge konstruieren können. Bevor das aber im Herbst nachzuprüfen ist, kann man sich ruhig auch mal mit der visuellen Umsetzung der Single verraut machen:

Donnerstag, 16. Februar 2012

Aufgemerkt: Man spricht deutsch...



Man konnte es dem Mixtape vom Anfang des Jahres durchaus anmerken: Irgendwie tummeln sich heuer verdammt viele deutschsprachige Künstler mit Bänkelsänger-Bezug in des Bloggers' Playlist. Grund genug nun mal kurz das Gehörte Revue passieren zu lassen und gleichermaßen den bislang schönsten Song des Jahres zu küren.

Erwähnenswert sind hier sicherlich Kettcar, die mit "Zwischen de Runden" den Nachfolger zum meiner Meinung nach ziemlich sperrigen "Sylt" präsentieren. Stimmlich immer noch Kettcar, zeigen sich klangliches Gewand und Stimmung durchweg ruhiger, was sicherlich auch an das mit Streichern und Tasten aufgestockte Instrumentarium geschuldet ist. So ist die Frage "wo bleiben die Geigen?" aus "Weil ich es niemals so oft sagen werde" Programm und kann auf nahezu alle Songs (inkl. Bonusteil 15 an der Zahl) angewendet werden. Eine der gelungenen Ausnahmen: das elektronisch verzierte "Schrilles buntes Hamburg". Dass sich jedoch mit dem melancholisch-schwelgerischen "Ein Zimmer" das beste Lied auf dem Bonusteil verbirgt, ist schon seltsam, aber dennoch ist "Zwischen den Runden" ein ordentliches Album geworden. 

Neben Kettcar als arriviertere Band sind sicher auch Kraftklub (Mit K) und Vierkanttretlager (Die Natur greift an) erwähnenswert, erstere weil die frühe Single "Ich will nicht nach Berlin" auch nach gefühlt 150stem Hördurchgang immer noch witzig ist und sich auch auf dem Album der Chemnitzer einige wirklich hörenswerte Pop/Rock/Hip Hop-Fetzen befinden, wie das vom Mixtape bekannte "Ritalin/Medikinet" und das nette Beck-Zitat "Karl-Marx-Stadt". Zweitere sind eher die ungestümen Söhne Tocotronics oder die ein wenig nachdenklicheren Brüder Turbostaats und genau in dieser Schnittmenge kann man auch die manchmal ein wenig linkischen Texte und Melodien verorten. Der stürmische Aufgalopp "Drei Mühlen" sticht hierbei heraus, genau wie die feine Popgeschichte "Fotoalbum" und das sich mählich steigernde "Um Schönheit zu sehen"

Elektronischer, verschrobener und doch tanzbarer haben wiederum die Türen und ihrer Version des Alphabets unters Volk geworfen. "ABCDEFGH...." hat allein mit der ersten Nummer "Rentner und Studenten" in ihrer 11 minütigen Stahlkraft samt demonstrativem Sprechchor und markigem Zitatenschatz ein echtes Highlight in petto, den Rest des Albums kann man sich aber auch vor allem aufgrund der wirklich stimmigen Musikalität und Gastbeitrags von Andreas Spechtl von Ja, Panik mehr als schmecken lassen.

Viel Rock, Pop und Elektrik, nicht wahr? Gut, dass es da Felix Meyer gibt, denn der begeistert in diesem Jahr bislang mit am meisten. "Erste Liebe, erster Tanz" ist ein Album mit zwölf (+ Prolog) Nummern, die klingen als kämen sie frisch von der Straße, temperamentvoll, lebensnah und manchmal ein wenig angeschmuddelt. Genau richtig für trübe Tage, denn wie schön ist es im Fenster sitzend über das "Hinterhofkino" nachzudenken, "Bilder wie Gefühle" im Hinterkopf mit sich herumzutragen und zu sinnieren, was man den nun "Bis Übermorgen" alles noch zu überlegen hat. Es ist schon so, dass Meyer manchmal dem Mey'schen Wortwitz zu sehr zuspricht, in der Gänze überzeugt "Erste Liebe, Erster Tanz" aber auf ganzer Linie.

Und wenn man dann noch solch einen Gassenhauer (treffender kann man folgenden Song kaum beschreiben) aus dem Ärmel schütteln kann, kann man Herzen im Sturm erobern. Meine Damen und Herren: Liebe, Dreck und Gewalt!

Sonntag, 5. Februar 2012

My monthly Mixtape: Februar





 Flimmerkälte und wärmende Worte. Mit Lanegan und Cohen haben zwei (Alt-)Meister des gesprechsungenen Wortes Einzug auf das Bänkelsänger-Mixtape gefunden, die den Februar mal so richtig schaurig-schön ins schummrige Zwielicht mit seinen Zwischentönen von Grau bis Mattschwarz entführen. Jedoch tauchen Feuerzungen und Glitzersterne auch in diesem Monat die musikalische Silhouette in manchmal fadenscheiniges Gold. So deutsch wie lange nicht mehr, so sanft umarmend, so fordernd und so verrückt versprechen die 18 Titel aufwühlende Texte, schillerndes Instrumentarium und das Gefühl von wahrhaftiger Straßenmusik.

01. Leonard Cohen - Going Home
02. Ben Howard - Old Pine
03. James Low & The Western Front - Thinking California
04. First Aid Kit - Emmylou
05. River Whyless - Stone
06. Jim Moray - The Captain's Apprentice
07. Blaudzun - Elephants
08. Laura Gibson - La Grande
09. Laura J Martin - The Hangman Tree
10. You Say France And I Whistle - Our Spiderweb
11. Mark Lanegan Band - Gray Goes Black
12. Vierkanttretlager - Fotoalbum
13. Felix Meyer - Liebe, Dreck & Gewalt
14. The Bookhouse Boys - Gone
15. Kraftklub - Ritalin  Medikinet
16. Sport - Der Tod singt den Blues
17. Hanni El Khatib - Heartbreak Hotel
18. Pop. 1280 - Bodies in the Dunes

Montag, 30. Januar 2012

Aufgemerkt: Jim Moray



Britisches, allzu Britisches.

Den hätte ich mir mal schon früher näher zu Gemüte führen sollen. Mehr als eine flüchtige Bekanntschaft mit dem letzen Album Jim Morays, "Low Culture", war nicht drin. Irgendwie hatte es wohl nicht genügend Initialzündung geboten, gut dass ich mich dann mal etwas näher mit "Skulk" beschäftigt habe, dem neuesten Werk des umtriebigen Multiinstrumentalisten. Bislang heimlich still und leise über bandcamp veröffentlicht, darf man sich im April auch über einen physischen Release freuen, Grund genug schon einmal die Vofreude zu schüren.

Bereits der erste Song "The Captain's Apprentice" weist den Weg ganz gut auf die bevorstehende dreiviertel Stunde, Folk britischer Prägung, der zwar durchaus den ein oder anderen historischen Bezug sucht, alldieweil der Mut zum Experiment doch durchaus spürbar wird. So werden klassiche Themen und Figuren in neue Kleider geschneidert und zuweilen in eine nahezu bildhaft anmutende Szenerie gestellt. "Lord Douglas" wirkt hier zum Beispiel mit seinem stoischen Gitarrenpicking wie ein kleiner Alasdair Roberts-Klon und das altertümliche "Horkstone Grawe" mit seinen feinen Gesangsharmonien erklingt wie aus einer anderen Epoche und nutzt unter anderem den Support der wunderbaren Jackie Oates.
Immer dann wenn Moray seinen Folkstücken das Mehr an Raum bietet und entweder mit raumgreifender Eleganz wie bei "Seven Long Years" strahlende Blechbläser, Glockenspiel und Chorgesang zu einem pathetischen Rundumschlag ausholt oder fast schon aufreizend die musikalische Raffinesse seiner Mitmuskanten in den Vordergrund rückt wie beim Kinderlied "Hind Etin" erwacht "Skulk" aus seiner puren Reinheit  und erreicht genau dann seine zahlreichen Höhepunkte. Der Klaviereinstieg bei "The Captain's Apprentice" ganz zu Anfang ist so ein Moment, genauso wie es der erste Refrain des Fleetwood Mac-Covers "Big Love" einer ist.
Die Instrumentierung auf Morays fünftem Studioalbum ist darüber hinaus über jeden Zweifel erhaben. Er selbst virtuos und klangvoll an Stimmband, akustischer und electriktrischer Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, Klavier, Orgel, Keyboard, Bouzouki, Banjo, Concertina und Melodeon schart neben Oates noch weitere Musiker der Brit-Folk-Szene um sich. Ganz dem Titel entsprechend schleicht sich "Skulk" in seiner ganzen Pracht unvermittelt an, um sich auch sicherlich auch nachhaltig im Ohr festzusetzen.


   Big Love by jimmoray

Sonntag, 29. Januar 2012

River Whyless



Rauschhaft naturumschlungen...

... sind wahrscheinlich Attribute, die "A Stone, A Leaf, An Unfound Door" von River Whyless (die sich früher mal Do It To Julia nannten) am besten umschreiben. Die Band, die sich selbst als Baroquefolk-Gruppe sieht kommt aus North Carolina und verarbeitet auf ihrem Album so ziemlich genau alles das, was dem Bänkelsänger lieb und teuer ist.

Die vier Musiker haben den so beliebten Indiefolk-Blumenstrauß lediglich in Nuancen erweitert und doch wirken die zehn Stücke eigenständig, abwechslungsreich und lassen sich nicht ohne weiteres mit Genre-Verwandten vergleichen. So strahlen die Songs fast immer eine innige Natürlichkeit aus, die vom beginnenden "Leaf" ausgehend das Album zusammenhält und organisch bis zum experimentierfreudigen "YU" durchhält. Womit wir sicherlich auch bereits das zweite kennzeichende Merkmal der Platte beim Namen genannt haben: denn vor allem in den längeren Stücken entwickeln die Amerikaner geradezu erzählerische Instrumentalpassagen, die den einzelnen Liedern neben genügend Seele auch Herz und Bauch mitgeben. Das merkt man vor allem beim herausragenden "Stone": hier knarzen Geige und Gitarre um die Wette, ein eigentlich leichtes Mumford & Sons-Therma verfängt sich in Streichergewitter und Tom Tom-Wirbel bis sich die fast schon post-rockende Atmosphäre wieder in die Spur fügt und zu einem vorantreibenden Americana-Kleinod wird. Das sich bei fast allen Songs Halli Anderson und Ryan O'Keefe am Gesangsmikrophon abwechseln und so für noch mehr Eigenartigkeit sorgen, braucht hier schon nicht mehr erwähnt werden.

Das dreigeteilte "Cedar Dream" bildet vielleicht so eine Art Herzstück des Albums, wobei zunächst der erste Part so eine Art Einschnitt darstellt. O'Keefe zittert sich nur zur Gitarre in einen Tagtraum und wird im zweiten Teil von Anderson zu mehr Tempo und Inbrunst verführt. Doch bevor sich das Stück komplett mit seiner Energie im Gehörgang festsetzen kann, schieben River Whyless drei weitere Lieder dazwischen, die sich klanglich zwar in das Gesamtkonzept des Albums einfügen, aber auch noch mal neue Facetten in das Klangbild hineinzaubern. Mit Glockenspiel und bestimmendem Rhythmus fodert der dritte albumtitelgebende Song "Unfound Door" zum Mitwippen, ja gar Tanzen auf, während sowohl "Pigeon Feathers" als auch "Widows Walk" die ruhigen, fließernden Momente auf virtuose Art bestreiten und sich dennoch nicht vor dem ein oder anderen Ausbruch scheuen. 
Kaum zu glauben, dass es sich bei "A Stone, A Leaf, An Unfound Door" um einen Erstling handelt, (wenngleich natürlich schon einige Jahre unter dem anderen Namen musiziert wurde) sind doch die Melodien ausgefeilt, das schmückende Beiwerk gezielt eingesetzt und die Stimmung einnehmend. So lässt man sich doch gerne mitnehmen und zu den weichen Violinklängen ein erstes Mal vom Frühling träumen. 

Man höre hier und lade bei Gefallen hier die erste Single herunter.