Sonntag, 3. Juni 2012

My monthly Mixtape: Juni


 Fundstücke. Der Juni bringt so viel zusammen, wie schon lange kein Monat mehr. So suchen wir den Strand ab und finden Zerbrochenes, Aneinandergefügtes, Aufeinandergestelltes, Angesetzes, Zerklüftetes und Rundgewaschenes. Begeben wir uns also auf die kleine Expedition und finden nahezu 50 Jahre Historie, denn das Mixtape des Monats umspannt vom lässigen Doo-Wop-Soul der Fifties über die psychedelischen Schlieren der 60er und 70er-Jahre auch ätherisches Popempfinden, pathetische Folkrockmelancholie und sanftes Songwriterliedgut aktuellster Prägung und bleibt doch komplett im Jahre 2012.


01. Tu Fawning - Anchor
02. Exitmusic - Passage
03. Daughn Gibson - Tiffany Lou
04. Garda - Upper/Lower Water Course
05. Edward Sharpe & The Magnetic Zeros - Man On Fire
06. Nick Waterhouse - Say I Wanna Know
07. Ben Schadow - Einer aus Stolz, einer aus Scham
08. Regina Spektor - Don't Leave Me (Ne Me Quitte Pas)
09. L.A. - Older
10. Joel Alme - If She Ever Knew
11. Forest & Crispian - A Horse's Tale
12. King Charles - LoveBlood
13. Kassidy - One Man Army
14. The Medics - Griffin
15. Soulsavers - Longest Day
16. Imaginery Family - The Bird Watcher
17. Ulver - Magic Hollow
18. Samuel Lockridge - Woodland Hymn

Aufmerker gäb's viele, den schönsten hatte ich kürzlich schon mal bei facebook präsentiert, die Botschaft jedoch so toll, dass er hier noch mal in voller Bildgewalt zu sehen ist:


...und da ich es im Mai nicht geschafft habe, wird's im Juni bestimmt wieder eine Bänkelsängerausgabe auf dem "Radio der von Neil Young Getöteten" geben.

Montag, 28. Mai 2012

Aufgemerkt: Forest & Crispian



Erfüllung pur.

Es ist doch jedes Jahr das gleiche Dilemma. Gerade für uns Folkfreude bieten Frühling und Herbst die feinsten Farbtupfer an, doch zumeist will sich kein rechter Sommerhit finden lassen. Gott sei dank haben sich die Schweden von Forest & Crispian ein Herz gefasst und mit ihrem dritten Album "Morgenlands" für Abhilfe gesorgt, wovon man sich ab dem 08.06.2012 über Für Records überzeugen kann.

Doch von Anfang an. "Morgenlands" erinnert in seiner Verspieltheit an ein Kaleidoskop voller farbenprächtiger Edelsteine, die je nach Lichteinfall und eigener Interpretationsfreude funkeln wie in 1001 Nacht. Wie sonst kann man sich erklären, dass ausgerechnet der Albumtitel aus einem Foxtrott des Operettenkomponisten Robert Stolz entlehnt ist, und das es sich die vier Schweden auch nicht nehmen lassen, eben jenes orientalische Kunstliedchen auf Deutsch anzustimmen. Gemeinsam mit dem munter aufspielenden "This Ain't A Song For People Wanting To Have Fun" funktioniert dieses Intermezzo fabelhaft und ist nur eins von vielen kabarettesken kleinen Kunststückchen, die aus "Morgenlands" diese feine Revue aus tanzbaren Indiepop und -folkstückchen machen, die mit tiefgründig verschmitzen Texten aufwarten. Nehmen wir nur die erste Single "Let The Best Band Win", die das an eine Jean-Michael Jarre-Skizze erinnernde "The Rider" vorangestellt bekommt und dann selbst zum piano- und geigengetriebenen Feelgood-Hit wird, der seine bittersüße Botschaft trotzdem nicht verstecken muss.
Ähnlich wie im vorvergangenen Jahr Erland & The Carnival" bedienen sich Forest & Crispian mit beherztem Schwung in vielen Schubfächern, mal finden sie dabei diese feinen Salonpopstücke, die auch Belle & Sebastian oder dem Musicalprojekt God Help The Girl gut zu Gesicht gestanden hätten (Who Killed Young Robin), ein anderes mal wird der galoppierende Britfolk der 60er-Jahre zitiert (A Horse's Tale) und dann taucht auf einmal dieses Monstrum "Everyone Is Entitled To A War Machine" auf, das mit seiner repetitiven Art fast schon comichaftes Mini-Opern-Format aufweist. Es ist ein kunterbunter Kirmesplatz, den sich die vier Schweden zu eigen machen, schließlich tauchen Kirmelsorgeln genauso auf wie Marching Drums, lassen ihre Stimmen durchaus auch mal niedlich und kindlich über die Klinge springen und umschiffen die Kitschklippen mit so viel Spielfreude und Lieblichkeit, dass es unumgänglich ist, die Musiker bei der Hand zu nehmen und sich in diesem Panoptikum der Kreativität zu verlaufen. 
Sollten sich durch diese Lobhudelei immer noch Fragezeichen auf der Stirn der zukünftigen Konsumenten befinden, greife der geneigte Hörer zum abschließenden "Copenhagen", dass von Ferne an den Klassiker "Seasons In The Sun" erinnert und schwelge beherzt der untergehenden Sonne entgegen. Der Bänkelsänger hat sicherlich eines der fabelhaftesten Alben dieses Jahres gehört. Ganz bestimmt!




Sonntag, 27. Mai 2012

Eurovision Song Contest: Der Abend






Favoritemsieg beim ESC der Superlative. 

Zum 57. Mal durften sich beim Klassentreffen europäischer Sangeskunst die schönsten, ausssergewöhlichsten und selbstverständlich auch besten Vertreter des jeweiligen Starterlandes mit ihren Beiträgen messen. Aserbaidschans Hauptstadt Baku zeigte sich vor 120 Millionen Zuschauern am Bildschirm modern und doch traditionsbewußt, auch das Moderatorentrio um den Vorjahressieger Eldar zeigte sich bis auf Schwächen im Französischen von der bestmöglichen Seite. Lediglich die etwas fade Eröffnungssequenz und der Zwischenakt von Emin, seines Zeichens Schwiegersohn des aserbaidschanischen Präsidenten waren zu lang und vor allem zu farblos, um sich mit dem Motto "Light Your Fire" vollends zu identifizieren. 

Doch wie auch in den vergangenen Jahren kommen wir nun zur Kritik im Einzelnen:

1) Vereinigtes Königreich/Engelbert Humperdinck - Love Will Set You Free
Ein ähnliches Phänomen wie im letzten Jahr beim Paradise Oscar. Mit der Startnummer 1 gewinnt man beim ESC kaum einen Blumentopf trotzdem der arg glattgebügelte Brite sehr gut gesungen hatte. Ein wenig mehr Punkte hätten dem inbrünstigen Pop-Schlager defininitv gut zu Gesicht gestanden, so muss sich Großbritannien mal wieder fragen, wen sie denn nun überhaupt schicken müssten, um Punkte zu bekommen.

2) Ungarn/Compact Disco - Sound Of Our Hearts 
 Hier war das Finale wohl schon Belohnung genug. Die gruselige Mischung aus eletronischem Pathos-Pop mit Artikulationsschwierigkeiten und 08/15-Melodien wollte in diesem Jahr kaum einer Hören. Gut so, denn die im Vorfeld angedichteten Vergleiche zu Depeche Mode wirkten mehr als haarsträubend.

3) Albanien/Rona Nishliu - Suus
Eine Überraschung. Mit Malefiz-Gedächtniskostümierung und einer denkwürdigen Frisur, die sich als Dreadlock über das Dekolltee der stimmgewaltigen Sängerin hinwegzog sang sie sich über gefühlte 17 Oktaven mit ihrem Klagelied auf einen hervorragenden fünften Platz.

4) Litauen/Donny Montell - Love Is Blind
Nicht nur blind, sondern wohl auch taub. Auch mit pailettenbesetzer Augenbinde und Akrobatik im Anzug wird aus einer angejazzten Schlagerschmonzette noch kein feiner ESC-Beitrag. Zumal Donny den Song in kuriosem Englisch in eine wahrhafte Disco-Scheußlichkeit münden lässt - erschreckend.

5) Bosnien-Herzigowina/Maya Sar - Korake Ti Znam
 Ordentliche Pianoballade, die sicherlich auch den plüschigen Bars dieser Welt gut angekommen wäre. Auch bei Maya setzt sich der diesjährige Trend zum etwas comichaften Gothic-Kleidchen durch, als schwarzer Engel mit gestutzen Flügeln sang sich sich zwar gefällig, aber eben doch zu harmlos vor der Windmaschine entlang ins hintere Mittelfeld.

6) Russland/ Buranovskiye Babushki - Party For Everybody
Sechs Omis in udmurtischer Tracht singen einen Volkslied-Schlager-Mix mit englischen Brocken, dessen Refrain sich leider als ein vehementer Ohrwurm entpuppt. Ob's das Plätzchenbacken oder der sich drehende Ofen war, mag dahin gestellt sein, ein zweiter Platz ist definitiv zu viel des Guten.

7) Island/Greta Salóme & Jónsi - Never Forget
Schade! Das große, kristallklare Ethno-Duett wurde den Erwartungen dann doch leider nicht gerecht. Trotz hohem Einsatz und feiner Melodien konnten sich die wehmütigen Geigenklänge und die herrlichen Akkorde der beiden hervorragenden Musiker nicht in den Ohren Europas festsetzen.

8) Zypern/Ivi Adamou - La La Love
 Im angesagten Nudelook halsbrecherisch um und auf den Büchertisch. Hätte Ivi zumindest den Hauch einer Stimme gehabt, hätte das unter Umständen funktionieren können. So wirkte "La La Love" viel zu anstregend, zumal nach den diversen Kapriolen durchaus hören konnte, das die Luft raus war. 

9) Frankreich/Anggun - Echo (You And I)
Ambitioniert, aber eben nicht stringent. Die Französin mit den südostasiatischen Wurzeln wollte dann wohl doch zu viel. Ihr zu aufgesetzer Mix aus moderner Popmusik mit Gepfeife und Getanze und Winterbundesjugendspielen war in den drei Minuten zu sehr auf Aufmerksamkeit bedacht - und schwupps war sie wieder weg.

10) Italien/Nina Zili - L'Amore È Femmina (Out Of Love)
Ein Beitrag, der gewinnen hätte müssen (oder zumindest noch weiter oben platziert). Nian ist eine tadellose Sängerin und hatte den leicht an "Big Spender" gemahnenden Soulpop-Song voll im Griff. Eine unglaubliche Ausstrahlung und die fabelhafte Stimme reichten dann Gott sei Dank noch zur Top Ten.

11) Estland/Ott Lepland - Kuula
Der kann auch singen. Mit einer fast nicht vorhandenen Bühnenshow kann man, wenn man die entsprechende Stimme hat, anscheinend doch noch punkten und so ist eine der stärksten Balladen im Feld zu Recht so weit vorne gelandet. 

12) Norwegen/Tooji - Stay
Es reicht halt dann doch nicht, wie ein Abercrombie&Fitch-Model auszusehen und seinen schlichten Ethno-Pop-Song mit guettaesker Melodienvielfalt aufzurüschen. Der Kapuzenbeauty hat seinen eigentlich gelungen Genremix nicht gut genug gesungen, da half auch der Geburtstagsbonus nicht - Platz 26!

13) Aserbaidschan/Sabina Babyeva - When The Music Dies
Leona Lewis könnte das mit Sicherheit besser. Wie bereits in den vergangenen Jahren wurden die besten Songschreiber eingekauft, doch was nutzt die schönste Powerballade, wenn Sabina so viel Charisma besitzt wie Wackelpudding. Ob es Verneigung vorm Gastgeber war, die "When The Music Dies" so hoch nach oben gehievt hat, bleibt mir, auch ob der eher spannungsarmen Bühnenshow ein Rätsel.

14) Rumänien/Mandinga - Zalilah
Das hat mich überrascht. Hatte ich den Gute-Laune-Sommerhit doch schon als nächsten Anwärter für Bulgariens Goldstrand-Diskotheken fest gebucht, mehr als Mittelfeld war dann aber wohl mit der Mischung aus lateinamerikanischer Folklore und Marching Band nicht drin - trotz Instrumentenvielfalt mit Dudelsack.

15) Dänemark/Soluna Samay - Should Have Known Better
Hier weint man sicherlich auch ein paar bitter Tränen. War die Straßenmusikerin zu harmlos, um mit ihrem feinen Pop-Song, der sich irgendwo zwischen Natalie Imbruglia und Sixpence Non The Richer einpendelt, in Europa ein paar Punkte abzuholen. Oder lag es an der etwas seltsam anmutenden "Skipper"-Mütze?

16) Griechenland/Eleftheria Eleftheriou - Aphrodisiac
Laaaaaaaaaaangweilig. Können die Griechen mal ein neues Lied zum ESC schicken. Auch "Aphrodisiac" bedient sich mal wieder im Euro-Dance-Pop-Regal, greift beherzt zu ein paar Bouzuki-Elementen und schnappt sich zielstrebig dass kürzeste Kleid Marke "billiges Flittchen". Endlich mal mit Mittelfeld bestraft - Nächster!

17) Schweden/Loreen - Euphoria.
 Erste. Ob nun verdient oder nicht: "Euphoria" ist schon ein gutes Lied. Ob man nun dazu als Waldfee verkleidet Capoeira-Figuren machen muss oder den Ronja-Räubertochter-Stammestanz aufführt: ein wenig mehr Artikulation auf der einen, ein bisschen mehr Freude nach dem Sieg wäre schön gewesen.

18) Türkei/Can Bonomo - Love Me Back
Ahoi Kamerad! Die Bühnenshow war sicherlich einer der unterhaltsamten des Abend, die gesangliche Leistung eher zum Kielholen. Ein türkisches Shanty, dazu Matrosen mit Capes, die wie betrunkelne Fledermäuse tanzend auf Kaperfahrt gehen - Europa hat schon schlimmeres gehört und belohnt die Grinsekatze mit der TopTen.

19) Spanien/Pastora Soler - Quédate Conmigo
Endlich mal wieder Top Ten. Ich wette, wenn Pastora zumindest einmal freundlicher dreingeblickt hätte, wäre noch mehr drin gewesen, denn die gefühlvolle Ballade gehörte mit zu den gesangsstärksten Nummern des Abends. Vielleicht hätte man aber doch eine englische Version wählen sollen, um noch erfolgreicher zu sein, mir hingegen gefiel der insgesamt wieder mehr zur Landessprache gehende Trend ausnehmend gut.

20) Deutschland/Roman Lob - Standing Still
Gut war's. Genau der schlichte sympathische Auftritt, den ich mir gwünscht hatte, um den feinen, kleinen Popsong am besten wirken zu lassen. Mit Platz 8 besser platziert als zwischenzeitlich vermutet, darf man dem sympathischen Musiker ruhig aufmunternd auf die Schulter klopfen.

21) Malta/Kurt Calleja - This Is The Night
Dabei haben die mit so viel Spaß getanzt. Die Nummer des dauergrinsenden Maltesers macht Spaß, keine Frage, der Refrain bliebt seeeeeeeeeeehr lange im Ohr und die Tanzschritte sehen lustig aus. Ich behaupte mal, dass der Kurt, wäre er sagen wir mal für die Ukraine oder Russland angetreten, einen TopTen-Platz ergattert hätte.

22) Mazedonien/Kaliopi - Crno E Belo
Aus konventioneller Ballade ohne Schnicksack wird ein feuriges Rockgrusical. Stimmlich sehr interessant mit inflationär eingesetzem Vibrato trug der Hosenanzug der Sängerin dann wohl doch zu sehr auf, um den Song Marke "Gianna Nannini trifft Within Temptation beim Rondo Venezinao-Konzert" noch weiter nach vorn zu hieven.

23) Irland/Jedward - Waterline
Eigentlich schade. Da haben die zwei HB-Männchen schon einen viel besseren Song im Handgepäck als im letzten Jahr und spielen in Kostümen, die entweder an Prinz Eisenherz oder C3PO erinnern, mit dem Wasser, und dann reicht es gerade mal für einen Platz im hinteren Drittel. Machen sie nun wohl ihre Drohung war und kommen wieder bis sie gewinnen?

24) Serbien/Zeljko Joksimovic - Nije Ljubav Stvar
Wahrscheinlich könnte er dem geneigten ESC-Fan das sprichwörtliche Telefonbuch vorsingen und trotzdem würden alle anrufen. Seine diesjährige, die Balkanseele streichelnde Folkballade hatte allerdings auch wieder eine Güte, die mit einem guten dritten Platz hinreichend belohnt wurde.

25) Ukraine/Gaitana - Be My Guest.
Oder eben "Gay-Tanya" wie sich liebevoll nenne. Mit leichtem "Blume-Von-Hawaii"-Einschlag und kraftvollem Fanfarenstoss sang sie sich irgendwo an der Grenze zwischen Ru Paul und Gloria Gaynor vor berockten Tänzern schon mal in EM-Form. Platz 15 ist allerdings sicherlich nicht das beste Omen...

26) Molawien/Pasha Parfeny - Lautar
Doooof. Wieso erkennt Europa das Hitpontial des fabelhaften Pashas nicht. Gut, er sieht schon aus wie ein dauergrinsender Colin Farell, aber diese Freude, diese Balkan-Trompeten, diese Katy-Perry-Gedächtskleidchen und dieser bescheuerte Text: mehr ESC geht doch eigentlich kaum. Nun gut, immerhin fast TopTen, damit kann ich einigermaßne leben.

Den Sieger poste ich (wieder nicht), dieses Mal gibt's den am ehesten auf dem Bänkelsänger beheimateten Drittplatzierten aus Serbien:


...und damit verabschiede ich mich von der diesjährigen ESC-Bühne, gratuliere noch einmal artig nach Schweden und bedanke mich für einen durchaus spektakulären Eurovisionsabend, der qualitativ in diesem Jahr doch so einiges zu bieten hatte. Mit dem obligaten Käseligel, guten Freuden und Fassbrause wurde wieder einmal mitgefiebert bis aufs Blut und so gibt's jetzt nur noch eins zu sagen: Sag ol, Baku!









Freitag, 25. Mai 2012

Eurovision Song Contest 2012 - ein Überblick



Themenwechsel. 

Auch in diesem Jahr gibt es auf dem Bänkelsänger eine klitzekleine Vorausschau sowie eine längere Nachlese des Eurovision Song Contests. Nachdem im Lauf der Woche die beiden Halbfinals schon gehörig für Skurrilitäten, gute Laune und in Teilen auch wirklich gute Musik gesorgt haben, wird nun traditionsgemäß vor dem morgigen Finale schon einmal ein Blick auf des Bänkelsängers' Favoriten geworfen werden.

Den Anfang macht wieder einmal Estland, hier geht Ott Lepland mit seiner sehr intensiven und vor allem gut gesungenen Ballade "Kuula" an den Start. Der Mut zur Lücke macht den jungen Sänger aus, wird bei diesem eher auf Stimme und Atmosphäre Wert legendenen Beitag die Pyrotechnik, Kleiderauswahl und Menge an Beteiligten doch komplett vernachlässigt.

Ein wenig mehr Drama und vor allem mehr Show bietet in diesem Jahr Island mit Greta Salóme & Jónsi  und deren "Never Forget", dass sie dann leider doch auf Englisch singen werden. Allerdings macht das mit stimmungsvollen Geigenklängen und beinahe klassisch anmutende Duett auch so eine Menge Freude und fällt vor allem durch die typisch nordische Mystifizierung auf.

Balkan-Folk mit Seele kommt von Einem, der weiß wie's geht: Željko Joksimović. Nach "Lane Moje" vor einigen Jahren und vielen weiteren Titeln, an denen er mitgeschrieben hat ist "Nije Ljubav Stvar" ein weiterer Höhepunkt für Serbien. Ob die einnehmende Nummer dieses Mal für den Titel reicht?

Topfavoritin neben der am höchsten gehandelten Schwedin Loreen ist aber mit sicherheit die für Italien ins Rennen gehende Nina Zilli und ihr "L'amore è femmina". Feiner 60s-infizierter Soulpop mit leichter Chansonschlagseite und einem unglaublichen Hitpotential.

Topfavorit des Bänkelsängers ist wiederum Pasha Parfeny aus Moldawien. "Läutar" heißt sein mit stürmischen Trompeten eingeleiteter Feel-Good-Song was so viel wie "Musiker" heißt. Und den nimmt man ihm trotz der bisweilen etwas eigentwilligen Kostümierung vollends ab. Kostprobe gefällig:

 


Auch dieses Jahr wünsche ich den bestmöglichen ESC-Abend, den man sich vorstellen kann, allen Nichtguckern zumindest frohe Pfingsten und verspreche, dass es auf dem Bänkelsänger spätestens am Montag wieder um Bänkelsängermusik geht.










Montag, 14. Mai 2012

Im Schnelldurchlauf: Lasse Matthiessen, Grimoon & M.i.p.V



Dreimal Neuvorstellung, dreimal Solaris Empire.

Manchmal reichen schon 20 Sekunden, um sich einem Lied mehr entziehen zu können. Lasse Matthiessens "Celluloid" ist zum Beispiel so eins und so kommt es, dass sich der Bänkelsänger mal wieder mit drei eher vielversprechenden Künstlern des sympathischen Berliner Labels beschäftigen durfte.

Fangen wir mit dem munter zwischen Berlin und Kopenhagen hin und her pendelnden Lasse Matthiessen an, dessen aktuelles Album "Dead Man Waltz" am 27.04.2012 veröffentlicht wurde. Matthiessen macht Bänkelsänger-Musik par excellence, sein mal schwermütiger, mal leichtfüßiger Mix aus erzählerischen Folksongs und einnehmenden Americana-Stücken changiert hierbei immer wieder hin und her. Das eröffenende "Celluloid" zum Beispiel nimmt mit kraftvollen Streichern die sanfte Stimme des Songwriters gefangen und lässt so einen Spannungsbogen entstehen, der auf hohem Niveau durchaus noch Ausreisser nach oben bietet. Das zerbrechliche "Black Queen" zum Beispiel oder das fabelhafte Gespann aus dem Titeltrack und dem vorangehenden "In The Dead Of The Night". Letztes ist als erste Single geradezu charakteristisch für die Stimmung des gesamten Albums, mit bittersüßer Dramatik und ausdrucksstarkem Refrain. Aber auch nach hinten hinaus verliert "Dead Man Waltz" nicht an einnehmender Verführung. Das beinahe karg vor sich hin fließende "Chasing Wolves" erinnert hier an Matt Bauer, mit den beiden letzten Songs wird eine beinahe schon countryeske Eingängigkeit geschaffen, die Matthiessen ruhig, besonnen, doch immer pointiert zum Ausdruck bringt. Ein feines, melancholischönes Stück Musik, dass trotzdem aufrüttelt und Lust auf mehr macht.


Neben Lasse Matthiessen findet sich mit Grimoon ein weiterer Act eher folkloristischer Natur im aktuellen Schnelldurchlauf wieder. Weitaus dunkler, wenn gleich nicht farbloser gleitet die herzzereißende Stimme der Französin Solenn Le Marchand durch die acht Stücke von "Le Déserteur", dem bereits Mitte April veröffentlichen Albums des musikalisch als auch visuell sehr regen musikalischen Projekts. Fast ausschließlich wurde bis dato auf Französisch oder Spansich gesungen, nun findet sich auch ein englisches Lied "Directions" auf dem Album, dass sich klangliche Vorbilder irgendwo zwischen Black Heart Procession, Paul Roland und Arcade Fire gesucht zu haben scheint und da der Sänger Pall Jenkins eben von "The Black Heart Procession" für die Produktion verantwortlich war, klingt "Le Déserteur" eben durchaus nach sehnsüchtelnder Dunkelheit, zerbrechlichen Nebelschwaden und kunstvollem Gespinst. Höhepunkt des Album ist der letzte Song "Tango De Guerre", eine in dunkelrotem Schimmer liegende Geschichte gegen das Vergessen, das in seiner chansonesken Gewalt auch ein Nachdenksong, von z.B. 17 Hippies hätte sein können. Prädikat: wertvoll.


Etwas ratlos hingegen lässt mich das am 08.06.2012 erscheinede Album "M.i.p.V II" von Músicas intermináveis para Viagem (M.i.p.V) zurück. Die Band, um die brasilianische Sängerin Laura L. macht Musik, die einem aufmerksamen Hörer sicherlich eine Vielzahl an spannenden Momenten bereithält, leider fehlen hier dem Bänkelsänger die klaren Aufmerksequenzen. Die Titel versprechen eigentlich eine spannende Reise, heißen die Stücke doch zum Beispiel "Der Gesang des freien Raben" oder "Berliner Passage", allein die ambienten, postrockenden Strukturen, die sich irgendwo zwischen abgeschliffener Portishead-Brillianz und instrumentalem Sommermorgenblues ansiedeln lassen, lassen den Funken zu häufig nur leise weiterglimmen. Es gibt mit Sicherheit ein audiophiles Publikum, das dann auch den einzigen Gesangspart auf "M.i.p.V II" bei "Medo da Morte" goutieren wird, leider bleibt im Ohr des Bänkelsängers' zumindest nicht ganz so viel wie sonst zurück. Einen Ohrenöffner gibt's trotzdem:

  

Montag, 7. Mai 2012

Lauschbilder: ein Versuch



Mal wieder so'n Versuch. Und eine Möglichkeit, die vielen netten Anfragen von Musikern und Labels zumindest noch mal auf eine andere Art zu würdigen. In lockerer Folge (und eben nicht so regelmäßig wie bei der empfehlenswerten AUFTOUREN-Musik ins Auge-Rubrik) will ich Visuelles in den Fokus rücken, häufig auch verbunden mit Kurzinfos zu erschienenen Veröffentlichungen und Gratisdownloads.

Den Anfang machen drei alte Bekannte und ein Frischling:

Fangen wir mit dem bereits am längsten veröffentlichten Video an und das schickt das sympathische Duo Straight From The Harp in den Ring. "GoGoGoGoGo" heißt es und knüpft musikalisch an die vorangegangene Mischung aus filigraner Elektronik, poppigen Klängen und natürlich Bluesharptönen an. Das Lauschbild im angesagten Handkamera-Retrolook gibt's hier, das Album "I´m On Fire Just For You" folgt später im Jahr:


Erst kürzlich hatten sich Pretty Mery K hier vorgestellt und ihr frühlingsfrisches Album "Oh" im Handgepäck. Jetzt ist seit ein paar Tagen das Video zu "Mery In Wonderland" zu sehen, das skurril, quietschbunt und hervorragend zum niedlichen Ton des Stücks passt. Genießt das Lauschbild:



Neu auf dem Bänkelsänger sind Garda, die im Video zum Song "Upper/Lower Water Course" vom neuen Album "A Heart Of A Pro" so viel Wasservarianten durchspielen, dass es bei den teils einschwebend verschwommenen Bildern schon mal schwummerig werden kann, der sanft dahin plätschernde Folkpop-Song der Dresdner Band passt allerdings vorzüglich und wird somit zum dritten Lauschbild:


...einen besonderen Leckerbissen gibt es noch zum Schluss, denn Neil Cousin, der mit seinem letztjährigen Album "Bonfire" überzeugt und einen der Titel auch in des Bänkelsängers' Hitparade 2011 katapultiert hat, hat auch ein feines Video zum schönen "Oh For The Spring" parat. Und noch was viel besseres: den kann man sich nämlich direkt selbst frei downloaden und dann inklusive Kopfkino einen eigenes Lauschbild. Jetzt aber erstmal das angefertigte:

Dienstag, 1. Mai 2012

My monthly Mixtape: Mai


Die Spielarten des Folks werden wieder mal ausgereizt bis zum geht nicht mehr. Wenn selbst launige Folkpopbands wie Of Monsters & Men die deutschen Charts entern, gibt's hier noch viele weitere mehr oder weniger folkinfizierte Beispiele, die sich mindestens ebenso gut dazu eignen, wie die hier im November schon mit einem Mixtape-Beitrag geehrten Isländer. Ob man sich dabei nun die 50s und 60s herbeisehnt wie bei Crybaby oder M.Ward oder sich einfach mit verdammt feinen Ohrwürmern wie bei L.A., Tom Williams & The Boat in den Vordergrund spielt oder gar kunstvollen Avantpop pflegt wie es Django Django oder Alexander Tucker vormachen, darf sich jeder selbst aussuchen.

01. Tom Williams & the Boat - Teenage Blood
02. The White Buffalo - Ballad of a Dead Man
03. Horse Feathers - Fit Against the Country
04. Hospital Bombers - When The Cows Come Home
05. M. Ward - I Get Ideas
06. Django Django - Love's Dart
07. Frida Hyvönen - California
08. Locas in Love - Bushaltestelle
09. Jack White - I'm Shakin'
10. L.A. - Over And Over
11. Simone Felice - You & I Belong
12. And Also The Trees - Hunter not the hunted
13. Patrick Watson - Lighthouse
14. Jay Brannan - Beautifully
15. Crybaby - I Cherish The Heartbreak More Than The Love That Lost
16. Holmes - Debris
17. Trembling Bells & Bonnie 'Prince' Billy - Ferrari In A Demolition Derby
18. Alexander Tucker - Mullioned View
19. Rufus Wainwright - Montauk
20. Digger Barnes - Pure As Gold

und weil ich mich dieses Mal nicht für das eine oder andere Ohrmuschelaufsperrtonbeispiel entscheiden kann, gibt's eins hier und dieverse andere dann im Laufe des Monats über den Facebook-Account. Selbstverständlich gibt's allerdings auch wieder eine Bänkelsänger-Sendung beim "Radio Der Von Neil Young Getöteten", wann's da allerdings los geht, kann ich aktuell noch nicht sagen...Musik, zwei, drei:

 



...

Montag, 30. April 2012

Shaban & Käptn Peng



Den erstens kommt es anders...

Wenn mich eine Anfrage erreicht, die sich eigentlich so gar nicht mit dem auf diesem Blog vorgestellten Musikspektrum deckt, gehe ich erfahrungsgemäß erst einmal in Habachtstellung. So auch bei Kreismusik, die das Berliner Hip Hop-Duo Shaban & Käptn Peng in den Ring schicken, um mit ihrem Album "Die Zähmung der Hydra" den "digitalen Wortwald zu durchwandern". Interessanterweise waren mir die beiden allerdings schon vor ein paar Wochen aufgefallen, während ich auf der Suche nach spannenden neuen Videos bei deren wunderbarer Kurzgeschichte "Sie mögen sich" stehengeblieben war.

Doch von Anfang an. Der Hip Hop von Shaban & Käptn Peng ist anders. Vor allem einmal sticht die ungewöhnliche Wortgewalt hervor, die sich bereits in den teils philosophisch, teils dadaistisch, (real-)satirischen Titeln der Tracklist wiederfindet. Da wird wie im Albumtitel bereits angedeutet mit der Hydra gekämpft, es geht in ein mythisches Land namens Oha, Menschen werden zu Füchsen und Pelikanen und Flotten von Mutatanten ziehen durchs Land. Musikalisch werfen die beiden Gwisdek-Brüder, die sich hier Shaban Alonso und Käptn Peng nennen, mit zahlreichen Referenzen um sich. Neben der augenscheinlichen Vorliebe für deutschsprachigen Mittneunziger-Hip-Hop tauchen Querverweise auf, die von sonderbaren Alltagsklängen über Sci-Fi-Gedudel bis hin zu filmmusikalischen Zitaten reichen. Selbst späte C86-Bands scheinen den beiden eine durchaus gelegene, wenn vielleicht auch unbewusste Quelle zu sein, erinnern doch die Beats von "OHA" und "Parantatam" an Pop Will Eat Itself, doch eigentlich spielen die Klangwelten im Vergleich zur Lyrik eine eher untergeordnete Rolle.

Allen angesprochenen Themen auf "Die Zähmung der Hydra" gerecht zu werden, geschweige denn eben jene zu erwähnen, würde den Rahmen sprengen, ein Kontest der allerdings vielen Gedanken der beiden innewohnt, ist der allem und jedem grundlegende Kreislauf des Universums. Dazu die immerwährende Frage nach dem Sein, die im eröffnenden "Sein Name sei Peng" auf die Spitze getrieben wird: "Bitte nehmen sie eine Identität an, den Anonymität ist die Maske von Tätern".  Große und kleine Metaphern, bildhaftes und doch realistisches Wortgut, das irgendwo zwischen Unsinn und großer Kunst bei "Die Störung" oder dem tollkühnen "Haus Brennt" entweder weise, verstiegen, seltsam oder geradlinig sein will und das auch kann.

"Viel Spaß beim Durchdrehn" heißt es in "Die Störung" und genau das ist bei Shaban & Käptn Peng Programm. Mitunter in halsbrechischerem Tempo werden Figuren wie die Silberrückenpfeilgiftninjas aus "Haus Brennt" lebendig, zählt man die Orte und Personen die "Die Zähmung der Hydra" bevölkern auf, muss man schon das große Einmaleins beherrschen. 15 Titel, die teils in epischer Breite von mehr Sinn und Unsinn erzählen als das Leben selber und einen Kreis von Ideen gestalten, die sich im Mai auch live zehnmal miterleben lassen.

    09.05 Berlin — Lido
    10.05 Magdeburg — Moritzhof
    11.05 Bremen — Lagerhaus
    12.05 Dresden — Groove Station
    14.05 Regensburg — Heimat
    15.05 München — Hansa 39
    16.05 Erlangen — E-Werk
    17.05 Frankfurt — Das Bett
    19.05 Köln — Studio 672
    20.05 Hamburg — Knust

...und wer jetzt denkt, das Hip Hop eigentlich nichts auf dem Bänkelsänger zu suchen hat, dem sei noch einmal das fabelhafte "Sie mögen sich" ans Herz gelegt, dass auch visuell meisterhaft in Szene gesetzt wurde:





Samstag, 21. April 2012

Aufgemerkt: Ben Schadow

Kleine Geschichten.

Bis zur Veröffentlichung dauert es noch einen knappen Monat, dann erblickt das erste Soloalbum von Ben Schadow mit dem hübschen Titel "Liebe Zur Zeit Der Automaten" das Licht der Welt. 

Vor einigen Wochen hatte ich bereits über Pretty Mery K geschrieben, bei denen Schadow ebenfalls als Musiker und Produzent mitwirkt und wenn man sich dann gleich mal seine Gesamtdiskographie mit allen Beteiligungen anschaut entdeckt man Namen wie Bernd Begemann und Dirk Darmstädter, Olli Schulz, Finkenauer und Kettcar, denen er allesamt schon mal mit Bassbegleitung mehr als ausgeholfen hat.

Nun also solo mit "Liebe Zur Zeit Der Automaten" (nach einer Geschichte von E.T.A. Hoffmann). Schadow macht keinen Hehl daraus, wo sich seine Inspirationsquellen schon überall durchs Geäst geschlängelt haben. Titel wie "Gnade trägt man in Särgen" oder "Einer aus Stolz, einer aus Scham" klingen nach 90er-Jahre Hamburger Schule, musikalisch gibt es hingegen Brückenschläge von 60s-Pop bis hin zu moderner Liedermacherharmonik und drängelndem Indierock.
Schadow skizziert kleine Alltagsszenerien ohne mit dem Seziermesser alles in seine Bestandteile zu zerlegen. Besonders gelungen ist das im nachdenklichen "Einer aus Stolz, einer aus Scham", das mit verschlepptem Walzertakt irgendwo zwischen grauer Melancholie und aufblitzender Ironie spielt. Im countryesken "Herz Aus Holz" holt er wiederum so fein ziseliertes Liebesliedchen aus wenigen fein gesetzten Worten und das abwechslungsreiche "Eigentlich kann es ja nur besser werden" erinnert gar an die Großtaten des besten deutrschsprachigen Albums des Vorjahres von Locas In Love. Manchmal verwandeln sich die Songs auf  "Liebe Zur Zeit Der Automaten" allerdings auch in eine Art Zitatenreigen, da "heilen Wunden" wie im dann doch recht liebestrunken vor sich hin mäandernden "Heller Fleck im schwarzen Meer" gleichermaßen wie der "Regen grau durch das Glas der Wand schleiert." (Was wenn es mich wach entdeckt). Das Album sammelt in seinen mit In- und Outro einfassten 10 Stücken viele Kleinigkeiten auf, fügt sie mit Versatzstücken, die Schadow in den letzten zwanzig Jahren zu Ohren gekommen sind, zu einem phantastischen, wenn gleich doch erschreckend realistisch erscheinenden Mikrokosmos zusammen. Es geht um Liebe, um Tod, um Romantik und vor allem um die Wege sich gesanglich damit auseinanderzusetzen. Schadow gelingen hier immer wieder aneckende Gedankenspiele, die sich vielleicht nicht immer vollends innovativ, aber konsequent sympathisch präsentieren und dabei das ein oder andere Augenzwinkern zulassen.

Das Album erscheint am 18.05.2012 via Timezone, die Single "Ich Fall immer auf die gleichen Dinge rein" bereits 2 Wochen früher.

Hinhören darf man aber auch hier schon mal:

  

Dienstag, 10. April 2012

Nigel Wright



Junge/Gitarre.

Wie fängt man eigentlich den xten Blogbeitrag an, der sich mal wieder einem jungen wortgewandten Musiker widmet, der vordringlich zur Gitarre seine entweder erzählerisch-lautmalerische oder textlastig-lyrische Prosa in die Welt singt und sich dabei stimmlich irgendwo zwischen den Genrereferenzen Nick Drake, Jeff Buckley und William Fitzsimmons ansiedeln lässt?  Huch schon passiert, dann sollte nun auch schleunigst der Name des neuesten "Wunderkindes" folgen, denn jung ist Nigel Wright in jedem Fall, ob er hingegen auf "Milfoil" wahre Wunder vollbringt, muss sich erst noch beweisen.

Sicher, der Opener "Advance" ist geschmackvollster Songwriter-Folk, der die ein oder andere Energie-Kompomnente mit sich herumschleppt und aus einem leichten Hall heraus durchaus kraftvoll zupacken kann. Das Gitarrenspiel beherrscht der Amerikaner aus den Blue Ridge Mountains auf alle Fälle, im heimeligen "This Far" pickt er mit feinster Akkuratesse und lässt die Saiten zur teilweise gedoppelten Stimme nur so fliegen. Ach so, die Stimme ist der größte Pluspunkt Wright, klingt er doch mit knapp 20 schon ziemlich reif und weise, lässt sich aber auch nicht vollends in trunkenen Moll-Blues eintauchen. Dunkel ja, aber nicht finster, so scheinen die Stücke auf "Milfoil" immer nahe dran zu sein, in die Nacht hineinzukippen, doch durch die kurzweiligen Arrangements tröpfelt immer mal wieder feines dünnes Licht durch die in ihrer Schlichtheit bezaubernden Gitarrenklänge. Ein Klavier, eine etwas härter angeschlagener Akkord, ein Tempowechsel inklusive voranstürmender Chorbegleitung wie im begeisternden "Solid Muse". Knurrige Begleitung und Drake'sche Ostinato-Motivik die entfernt an den "Black Eyed Dog" erinnert, umfängt einen dann in "The Retreat" und sogar ein aufmüpfiges Instrumental an zweiter Stelle verweisen auf erheblich mehr Vielfalt, als es die einleitenden Sätze suggeriert hatten. Bedenkt man dazu, dass Wright "Milfoil" zum großen Teil im Alter von 16 Jahren verfasst hat, darf dann schlussendlich auch gestaunt werden, zumal den 9 Songs auch zum Ende hin nicht die Luft ausgehen, was das ruhige "Upside" und das schwelgende Titelstück eindrucksvoll beweisen.

Wright verfeinert die Erfolgsrezeptur Junge/Gitarre zwar nicht erheblich, hat jedoch genügend Eigenständigkeit durch ungewohnte Versatzstücke, seine mit hohem Wiedererkennungswert ausgezeichnete Stimme und schlichtweg guten Songs, deren Nachfolger mit dem hervorragenden "Anna" bereits in den Startlöchern stehen. Und im Sommer/Herbst gibt's eine Tour, dann darf man sich hoffentlich auch von den leibhaftigen Künsten überzeugen.

Und jetzt wünsche ich dem Nigel noch mehr Aufmerksamkeit als er es eh schon bekommt, kann es schließlcih etwas Feineres geben, als sich mit solchen Ohrenschmeicheleien durch den Frühling zu retten:

 


Weiterlesenswert: der Folkspaziergang bei AUFTOUREN, denn da darf nicht nur der Nigel auch noch mal singen :-)