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Donnerstag, 21. Juni 2012

Staring Girl



"Bitte warte auf die guten Gedanken und dann halte den Kopf still, damit sie nicht verwackeln" 

Huch, Lyrik! Und dann auch noch so gegenwärtig gegenständlich. Staring Girl aus dem Norden Deutschlands (Hamburg, Kiel) sagen was sie denken und musizieren geschickt darum herum. Hat da jemand Kettcar gesagt? Oder Gisbert zu Knyphausen? Oder Moritz Krämer? Oder...? Wieder so eine schluffige Indie-Combo, die auf den Zug des melancholischen Popsongs aufspringt, ganz ordentlich aussieht und dabei Musik macht, die gleichermaßen nachdenklich und aufrüttelnd klingt? 

Staring Girl können da doch schon eine ganze Menge mehr. Zum einen schmiegen sich die kleinen Songs wie Handschmeichler ganz nah an eigene Gewohnheiten heran und Sänger Steffen Nibbe mit dem, ja was wohl, zu-Knyphausen-Timbre durchleuchtet Regen und Nacht um eng und dicht heranzukommen, an die schon erwähnten guten Gedanken. Die bösen Worte stehen hinter seinen Zähnen schließlich Schlange, denn Nibbe ist keiner von den plaktiven Predigern, er ist realisitischer Feingeist und genau davon handeln auch die zehn kleinen Alltagsgeschichten auf "7 Stunden und 40 Minuten", die Anfang des Monats bei K&F Records eingefangen worden sind. 

Momente, besser eingefangen als auf jedem Instagram-Schnappschnuss werden zu Geschichten, zu Gedankenspielen, die sich von den behaglichen Folk- und Alt-Country-Elementen im Indiepop der Hamburger Musiker einwickeln lassen. "Machen, tun, bewegen und eine Reihe Rücken am Tresen" heißt es in "Vorhänge" dass hiermit genau so ein Bild bereit hält sich genauso echt und realistisch anfühlt, wie es gemeint ist. Da werden "Cornflakes mit Milch" zum Symbol für Rhythmus und Melodie des Alltags, wieder ein Frühstück, wieder ein Tag, wieder zahlreiche Momente, unzusammenhängend und doch passend. 

Staring Girl wagen sich allerdings kaum aus ihrem kleinen Diorama heraus. Manchmal möchte man Nibbe schütteln, am Schlaffittchen packen und ihm beim sich ewigen Zuhören stören: doch dann taucht auf einmal ein verhaltener Männerchor auf, "Vorhänge" wird zum beseelten Country-Shanty und lässt "7 Stunden und 40 Minuten" für einen kurzen Augenblick die Handbremse lösen. Doch schon beim folgenden "Mann Im Zimmer" fangen sich Musik und Sänger wieder, der schunkelnde Unterton verschwindet und die für einen Moment aufgerissenen Vorhänge schließen sich für mehr Intimität, die erneut tröstet und gut tut. 

Es ist kein lautes und aufregendes Album geworden, trotz der etwas unruhig startenden ersten Single "Türgriff abgebrochen" und doch ist es von einer filigranen Spannung durchzogen, die von der ebenso behutsamen, jedoch genauso interessanten Instrumentierung unterstützt wird. Wenn, wie in "Kaltes Haus" erst ein beseeltes Akkordeon für Stimmung und dann die jangelnde Gitarre für Gefühl sorgt oder die zarten Mundharmonikatöne in "Jeder Geht Allein" einen schütteren Americana-Moment hervorzaubern. 

Wahrscheinlich war der lyrische Einstieg bei Nibbe und seinen Mannen Programm: Hier wackelt nichts und somit ist "7 Stunden und 40 Minuten" voll von lyrischen, behaglichen, angehnehmen, einnehmenden und vor allem guten Gedanken. 
 
 

Sonntag, 13. Juni 2010

Live: Gisbert Zu Knyphausen

Schade drum. Da hatte die münsteraner Veranstaltungsreihe "Sozialpalast" auf das Bahnhofsgleis 9/12 geladen und einen hochkarätigen deutschen Musiker eingeladen und ihm eine junge Musikerin als Attaché an die Seite gesetzt und nur wenige der zahlreich anwesenden Zuhörer wollten zuhören...
Aber von vorne!

Als um 22:00 Uhr Hr. zu Knyphausen vom einfahrenden ICE in das Wartehäuschen des Gleises trat und mit seinen wunderbaren Texten und seinen einfachen aber intensiven Gitarrenmelodien seinen Zauber versprühte, war alles noch gut. Ein bunt gemischtes Programm aus beiden Alben, um das Häuschen herum saßen wohl so um die 500 Leute, die ihm lauschen wollten und im Takt mitwippten, ein lauer Sommerabend, dazu wer wollte Flaschenbier, eigentlich super. Zu Liedern wie "Spieglein, Spieglein", "Melancholie" und "Ich bin ein Freund Von Klischees Und Funkelnden Sternen" wurde sogar mitgesummt, teils gesungen, kurz gesagt, trotz des nicht ganz überzeugenden Sounds ein guter Auftakt. Als dann nach einer guten halben Stunde Desiree Klaeukens mit ihrer an Claire Oelkers und Suzie Kerstgens erinnernden Stimme ihr erstes Lied "Herbst" anstimmte, war die Aufmerksamkeit des Auditoriums schon fast vollständig verschwunden und wurde nach weiteren Wechseln immer weniger. Gisbert mühte sich nach Kräften, gab gutgelaunt Zugeinfahrten bekannt, sag eine hübsche Version von "Kräne" und eine noch schönere von "Wer Kann Sich Schon Entscheiden" und war wohl auch ein wenig beeindruckt, ob der Menge an Heerscharen, die sih zu seinen Füßen eingefunden hatten. Was an letzen Songs begeitragen wurde, hatte ich dann schon nicht mehr mitbekommen, nach "Neues Jahr" begrüßte der Sänger den einfahrenden Münchner ICE noch mit einer Melodie, die unter den aufgesprungenen und zur Flucht bereiten Besuchern allerdings kaum mehr auffiel.

Fazit: was nix kostet, ist auch (meistens) nix. Hat meine Oma schon gesgt, und ich denke auch: Hätte man im Vorfeld nur 5€ Eintritt genommen, wären die "Störenfriede" zu Haus geblieben, hätten die netten Damen von der Bahnhofsmission nicht ständig mit ihren Sammeltassen geklappert und vielleicht hätte dann auch eine geringere Hintergrundgeräuschkulisse für mehr Spaß an der Sache gesorgt. Beim nächsten Mal.

Sonntag, 25. April 2010

Gisbert Zu Knyphausen

...neben "Paris" von Hans Unstern der meiner Meinung nach beste deutschsprachige Song in diesem Jahr, allerdings ist die gesamte neue Platte "Hurra!Hurra!So Nicht" auch nicht zu verachten, aber "Kräne" schlägt sie alle: