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Donnerstag, 21. November 2024

Im Schnelldurchlauf: Ein paar Lieblinge 2024

 Nein, das ist kein Ranking, keine Hitparade, kein Mixtape und auch keine Jahresendchartsliste. 

Vielmehr der gestern bereits angekündigte Versuch, einigen Alben eine erste oder zumindest seltene deutschsprachige (Mini-Rezension) an die Hand zu geben, die es bisher (noch) nicht in die einschlägigen Print- und Online-Magazine geschafft haben. Vor Jahren habe ich mir für solche Eventualitäten des Schnelldurchlauf ausgedacht, in dem ich drei bis sechs Alben, EPs, seltener auch Singles unter die Lupe genommen habe und ihnen zumindest drei bis fünf Sätze und eine Einschätzung spendiert habe. Lust auf eine erste Runde für dieses Jahr? Dann geht's jetzt los. 



Charley Crockett - $10 Cowboy

Es ist eines der traditionellsten Country-Alben des Jahres - und damit nicht genug. Der umtriebige Crooner hat noch in diesem Jahr für einen Nachschlag gesorgt und das fast ebenbürtige "Visions Of Dallas" im Sommer hinterhergeschoben. Die Eckdaten sind einfach: klassische Crooner-Sounds in der Stimme, eine gehörige Portion Soul, bei den Uptempo-Nummern ein Quäntchen Honkytonk und viel Wehmut im Timbre. Dass das dann mal an Glen Campbell oder Merle Haggard erinnert ist dabei genau so gewollt, wie die klangliche Verwandtschaft zu aktuellen Vertretern vom Schlage eines Daniel Romano oder Sturgill Simpson.





Cloud Cult - Alchemy Creek

Seit "Feel Good Ghosts (Tea-Partying Through Tornadoes)" aus dem Jahr 2008 hat die Band aus Minneapolis eine ganze Reihe weiterer Alben herausgebracht, doch erst mit "Metamorphosis" aus dem vorvergangenen Jahr ist sie wieder unter dem Radar hervorgekrochen. Das ist gut so, denn deren fantasievoller Indie-Rock mit teils atemberaubender Opulenz und diversen Mini-Hits ist auch auf dem aktuellen Album unglaublich gut. Allen voran das kraftvolle "I Am A Forcefield" sollte es eigentlich auf die Bestenlisten vieler schaffen und Fans von so unterschiedlichen Bands wie The Decemberists, Of Montreal, The Ladybug Transistor oder Death Cab For Cutie sollten mal ein Ohr riskieren. 




Man Man - Carrot On Strings

Es gehört zum guten Ton, auch mal über die Stränge zu schlagen - und genau das tut die Band aus Los Angeles um Mastermind Honus Honus nur zu gerne. Ähnlich wie die vorgenannten Cloud Cult drehen sie zahlreiche Genres durch eine Art musikalischen Fleischwolf, reichern die Mixtur dann aber noch mit einer gehörigen Portion Wahnsinn an und scheuen bei "Odyssey" auch vor krautigen Passagen nicht zurück. Highlight ist die Single "Alibi", eine unverschämt eingängige, bildgewaltige Hommage an die Vaudeville-Shows der 20er-Jahre und gleichermaßen mit Power- und Sunshine-Pop flirtend. 







Montag, 29. Mai 2017

Im Schnelldurchlauf – 2017 (I)




Inzwischen findet auf dem Bänkelsänger selbst viel zu wenig statt, während ich zumindest bei Facebook mit den Zwischenmahlzeiten noch den ein oder anderen musikalischen Volltreffer in den Fokus rücke. Grund genug den Schnelldurchlauf zu reaktivieren, um zwar nicht in epischer Ausformulierung, dafür aber vielfältig prägnant wieder mehr Musik ins Blickfeld zu bringen.
Dabei lasse ich mich wie gehabt eher vom eigenen Geschmack, denn von der gefühlten Dringlichkeit oder Aktualität leiten, was mich direkt beim ersten Künstler landen lässt, bei dem ich mich vor allem darüber ärgere, dass ich mich mit dessem Erstlingswerk erst nach dessen münsterschen Konzert beschäftigt habe und somit leider nicht auf Verdacht dort gewesen bin.


Der eigentlich bislang nur als Schauspieler in Erscheinung getretene Schilling macht auf Vilnius drängendern, chansonesken Pop, der sich zwischen die Stühle zu setzen scheint und gerade deshalb wunderbar funktioniert. Die jungenhafte Stimme Schillings, die mehr erzählt, denn tatsächlich singt, passt sowohl zur irgendwo zwischen Hinterhofband, Landstreicherfolk und Spelunkenjazz changierenden Musik als auch zu den Geschichten, von denen der Mime zu berichten hat. Vor allem das flirrende, einnehme Abschlussstück „Kalt Ist Der Abendhauch“, die ungestüme „Ballade von René“ und das hin und her stolpernde „Rasteryaev“ machen die besten Figuren, aber selbst das aufs erste Ohr ungewohnt süßliche Duett „Ja oder Nein“ mit Annett Louisan oder das Bettina Wegner-Cover „Kinder“, dass eine Spur zu beschaulich geraten ist, lassen „Vilnius“ zu einem erstaunlichen Erstlingswerk werden. Schon jetzt ein ernsthafter Kandidat, wenn es um die Jahresabrechung geht. 


Hurray For The Riff Raff – The Navigator

Deutlich zu wenig Beachtung hierzulande hat das mittlerweile sechste Studioalbum von Hurray For The Riff Raff bekommen. „The Navigator“ beschäftigt sich mit den puertoricanischen Wurzeln Alynda Segarras. Segarra ist Tausendsassa, kreativer Kopf und Leadsängerin zugleich und lässt während der gut vierzig Minuten Spieldauer hinreißend eingängige, mit viel Lokalkolorit gefärbte Indiefolksongs erklingen, wie das nach PJ Harvey schielende „Living In The City“. Doch auch das großartige „Pa'lante“, das ganz tief in der mittelamerikanischen Kultur badet, die tropische Americana-Fantasie „Rican Beach“ und selbst das einrahmende Doppel aus „Entrance“ und „Finale“ fangen die Stimmung zwischen wehmütiger Rückschau und emanziepierter Vorschau brilliant ein. 


Colter Wall – Colter Wall

Geschichten erzählen wie einstmals am Lagerfeuer oder aber auf den weiten Trails des mittleren Westen – mit der Stimme musste sich der blutjunge Colter Wall einfach an zum Teil historischen Americana- und Country-Titeln versuchen und lässt auf seinem selbstbetitelten Debüt keinen Zwischenton aus. Rostig, mürbe, so dunkel und tief wie ein Brunnenschacht veredelt das Organ des Kanadiers Hymnen wie Jimmy Rodgers „Thirteen Silver Dollars“ oder Bobby Helms „Fraulein“. Doch nicht nur die Stimme macht aus „Colter Wall“ einen ständigen Begleiter im Ohr. Denn auch die unglaublich virtuosen Banjo- Fiddle- und Steelguitarklänge machen aus Mörderballaden wie dem formidablen „Kate McCannon“ echte Silver Bullets für die geschundene amerikanische Seele.

Montag, 31. August 2015

Im Schnelldurchlauf: Songwriter aus aller Herren Länder



Veröffentlichungsfluten. Gerade jetzt im Spätsommer, wo viele Künstlerinnen und Künstler ihr im Herbst anstehendes Album in den Fokus rücken wollen, ist die Auswahl an eintrudelnden Promoanfragen schier unergründlich. Sich hier die Favoriten herauszupicken, ist nicht immer einfach, doch je größer sich das Angebot gestaltet, desto eher macht sich der geneigte Rezensent ans Werk um zumindest den passendsten, spannendsten oder ungewöhnlichsten Anschreiben ein paar Zeilen zu widmen. Dieses Mal passiert das mal wieder im Schnelldurchlauf, der trotzdem mit entsprechender Sorgfalt und dem nötigen Enthusiasmus kompiliert wurde.

Machen wir den Anfang mit Eric Fastén, der seine neue EP "Brand New Fashion" am 08.09.2015  unter das Volk bringen wird. Die neue Single "Overwhelmed" ist skandinavischer Songwriter-Pop der besten Sorte, leises Fingerpicking legt sich bestimmt um die schmeichelnde Stimme, der alsband eine Sängerin anhand gestellt wird, bevor sich sachte Streicher und eine dezente, aber nichtsdestotrotz stimmungsvolle Rhythmik zu Wort meldet.


Handclaps und Glockenspiel, dazu süßliches Stimmengemisch, das mal nach Belle & Sebastian, mal nach Slow Club, aber immer nach ganz viel Sonne klingt, kommt von Federal Lights aus Kanada deren zweites Album "Coeur De Lion" am 18.09.2015 erscheint. Wenn neben dem Vorboten vom ersten Album "We Were Found In The Fog", der den schönen Titel "I See Love" trägt, alles so unbedingt nach Weltumarmungsfolkpop klingt, der sich aber auch einmal die Träne im Knopfloch trägt, könnte das eine feine Sommerverlängerung werden.


Gemeinsam mit Federal Lights im September unterwegs ist JP Hoe, der seine Songwriterfantasien mal zurückgenommen, aber meistens mit ungeheuerer Inbrunst zum Besten gibt. "Beautifully Crazy" erinnert an Ryan Bingham, was sicherlich nicht die schlechteste Referenz ist und neugierig auf das später im September erscheinende Album "Hideaway" macht.

Und wer mag sollte sich für Federal Lights und JP Hoe hier einen Platz reservieren:

21.09.15 - Oberhausen - Druckluft
22.09.15 - Berlin-  Auster Club
23.09.15 - Dresden - Bärenzwinger
25.09.15 - Hamburg - Reeperbahn Festival
26.09.15 - Saarn - Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe
27.09.15 - Norderstedt - Musicstar
29.09.15 - Köln - Blue Shell
30.09.15 - Aachen - Musikbunker


And now to something completely different: Spoken-Word-Poetry über schluderig sympathische Popmelodien, die sich laut Pressetext weit weg vom Rest des eigentlich Outputs bewegen soll. Neufundland veröffentlichen ihre selbstbetitelte EP am 04.09.2015 und haben dem ersten Ohrenöffner "Rückenwind Pt. II" ein schurfend schönes Video spendiert:





Dienstag, 28. Juli 2015

Im Schnelldurchlauf: Heyward Howkins/Chet Delcampo



Beschleunigte Entschleunigung.

Vor drei Jahren im Sommer war's. Da hatte sich Heyward Howkins via freundlicher Anfrage an den Bänkelsänger gewandt und sein damaliges Album "The Hale & Hearty" vorstellen wollen. Folkmelodien, die so freundlich strahlen wie die Augustsonne und Countryklänge, denen auch ein wenig Melancholie aus dem Knopfloch troff. Damals hatte Chet Delcampo seine Finger als Produzent im Spiel und wie es der Zufall will, kommen beide jetzt im doppelten Doppelpack mit ähnlich sonnenverwöhntem Klangspektrum zurück.


Heyward Howkins zeigt sich auf seiner 7" deutlich popnäher als zuvor. Das muntere "Forecasting" funktioniert als federleichter Himmelguckbegleiter auf halbem Weg in Richtung John Martyn, der sich irgendwie zwischen Bienchen, Blümchen und dem süßen Nichtstun einfinden will. Das folgende "Midway" deutet ebenfalls raffiniertes Popverständnis an, ohne vollends in belangloser Eingängigkeit zu versinken. Zu "Midway" darf man somit auch mehr als einen Sommer lang schwelgen und tanzen.

 


Chet Delcampo färbt seine beiden Stücke ein wenig herbstlicher, was allein schon an seiner Stimmfarbe liegt, die mindestens drei Nuancen tiefer liegt. Auch legt er beiden Stücken ein wenig schmückendes Beiwerk anbei und gönnt ihnen neben den Backgroundvocals durch Rosie McNamara Jones ("Leading Her To Believe") und Amy Pickard und Erica Vanstone ("Drives Around The City") energisches und vollmundiges Gitarrenspiel sowie den ein oder anderen Streicherschlenker.


Alle vier Songs lassen sich via bandcamp in vollster Güte anhören und wer mag, sollte hier bedenkenlos zum Kauf genötigt fühlen. Audiovisuell hat zumindest Chet Delcampo einen Beitrag der vorgestllten Songs zu bieten, bei Heyward Howkins muss der Soundcloud-Behelf reichen:









Montag, 29. Juni 2015

Im Schnelldurchlauf: Folkvariationen



Bei solch einer Hitze ist die Aufmerksamkeitsspanne ja erfahrungsgemäß eher kurz, von daher lag ein "Schnelldurchlauf" nahe, um ein paar zuletzt gehörten Alben, die sonst vielleicht durchs Raster gefallen wären, doch noch den gebührenden Rahmen angedeihen zu lassen. 

Kathryn Williams - Hypoxia

Nicht nur die gespenstisch schimmernde Produktion ihres Freundes Ed Harcourt oder der Bezug auf Sylvia Plaths "The Bell Jar" machen "Hypoxia" von Kathryn Williams zu einem sehr hörenswerten Album. Es ist vielmehr das Zusammenspiel aus Atmosphäre und Klang, das die zumeist eher kurzen Songs zu kleinen Kostbarkeiten werden lässt. Das fängt bei "Electric" einem sehr sanften, aber dennoch eindringlichen Seelenstreichler an und führt über das lautmalerische und von Harcourt geschriebene "Cuckoo" hin zum "Tango With Marco", der sich fast schon aufreizend elegant in Szene zu setzten vermag. 




The Deslondes - The Deslondes

Über Facebook bereits kurz angerissen, ist das selbst betitelte Album von The Deslondes auch in Gänze ein kurzweiliges Vergnügen. Immer mit einem leicht verblichenen Antikschleier behaftet, drängeln sich die zwölf Stücke, die Roots-Rock, Americana, Honkytonk und Western-Swing im Blut haben, ganz schön ins Rampenlicht. Von der ersten Single "Fought The Blues And Won", die irgendwo in der Schnittmenge von Pokey LaFarge und C.W. Stoneking zu liegen scheint bis hin zu Herzschmerz-Szenarien wie dem wunderschönen "Louise" entwickelt sich auf "The Deslondes" das via New West Records erschienen ist, ein ziemlich einzigartiges und wahrlich historisches Musikdiorama.



Nadja Stoller - Earthbound 

Einnehmende Klavierakkorde eröffnen "Earthbound", das neue Album Nadja Stollers, das bereits im Mai diesen Jahres das Licht der Welt erblickte. Wie ein ruhiger, nicht immer völlig gelassen scheinender Fluß gleiten die zehn Kompostionen durch verwegen schimmerndes Zwielicht und münden nicht selten nach anfänglichem Scherenschlag doch wieder zusammen. Windschiefe, von Ferne tönende Flöten, nervöses Pizzicato und dazu eine unnachahmliche Stimme die von Joanna Newsom über Sharon Van Etten bis hin zu den Casidy-Schwestern viele Facetten darstellen kann machen "Earthbound" zu einem entdeckungsreichen und vielfältigen Zweitwerk.
 


Astral Swans - All My Favourite Singers Are Willie Nelson

Lo-Fi-Folk, dem ein wenig Psychedelic als Farbtupfer beigemischt wurde, der aber gleichermaßen auch ein paar Spritzer Jangle-Pop abbekommen hat, kommt aus Kanada, genauer gesagt aus Calgary und wird von Matthew Swann alias Astral Swans auf dessen Debütalbum "All My Favourite Singers Are Willie Nelson" zum besten gegeben. Die Einflüsse scheinen vielfältig, schielen doch so unterschiedliche Musiker wie Daniel Johnston, Nick Drake oder Dan Mangan um die Ecke und machen das Album bunt wie eine Patchworkdecke. 



Dienstag, 27. Januar 2015

Im Schnelldurchlauf – Frauen an die Macht



Schon im vergangenen Jahr buhlten so einige Musikerinnen um die vorderen Plätze in des Bänkelsängers' Jahreshitparade und kaum ist das Jahr ein paar Tage hat, versammeln sich schon ein paar weitere Hochkaräter, um auch 2015 für Furore zu sorgen.

Gerade erst in der ersten „Aufgemerkt“-Rubrik angesprochen, punktet der chansoneske Indiepop mit Folkanmutung von Leonie singt durch seine Vielfältigkeit, erwärmen aktuell auch noch Jessica Pratt, Tanya Tagaq, Björk und Natalie Prass Herz und Seele.

Jessica Pratt und ihr zweites Album „On Your Own Love Again“ habe ich bereits vor kurzem auf AUFTOUREN ein paar Zeilen gewidmet, doch auch hier soll das zarte und trotzdem unfaßbar intime Werk nicht unerwähnt bleiben. Stimmlich an der Kante zwischen Joanna Newsom und Angel Olsen, durchzogenen von feingeistigem Folkgespinst und voller vorfrühlingshafter Wärme schafft es einen zeitlosen, fließenden Klang. Jeder Song schreit nach Liebe, ohne aufdringlich zu wirken, die Gitarre, gerne ein wenig am eigentlichen Akkord vorbei, zwingt zum Tagträumen. Ein erstaunliches Album, dass vor allem in seiner Gesamterscheinung wirkt und nicht von ungefähr ein beinahe historisches Klangbild nahebringt.

 

Natalie Prass wird ähnlich wie Jessica Pratt gerade als neuer Star am Songwriterhimmel gefeiert. Deutlich am souligen Folk eines Matthew E. White orientiert, schlenkert sich ihr selbstbetiteltes Debüt durch ein sehr amerkanisch anmutendes Songbook, das erst nach und nach seine Höhepunkte preis gibt. Streicher, die sich anmutig um die sanfte, helle Stimme der nun in Nashville lebenden Musikerin winden, dazu ein Hauch fragiler Bläser die Stücken wie dem fabelhaften „My Baby Don't Understand Me“ deutliche Eleganz verleihen und den Abschlußsong „It Is You“, der wahlweise Freudentränen oder Stoßseufzer gen Himmel schickt. 


Leben die ersten beiden Alben von eher sanften, eleganten Tönen, gehen Björk und Tanya Tagaq eher experimentierfreudie Wege. Die Isländerin verarbeitet auf ihrem nunmehr (je nach Zählweise) achten oder neunten Soloalbum "Vulnicura" ihre Trennung von Mathew Barney in epischen und lautmalerischen Bildern. Streicherkaskaden, elektronische Brüche, Gastvocals durch Antony Hegarty und die Zusammenarbeit mit Arca sowie The Haxan Cloak sorgen für ein dichtes Werk, dass in ihrem Gesamtkatalog zwar durch nahezu vollständige Refrainlosigekeit auffällt, aber gerade im ausufernden „Black Lake“ und dem fremdartigen „Notget“ so einnehmend wie lange nicht mehr war. Ein Triumph (nicht nur) des Herzens.

 

Vierte im Bunde ist die kanadische Inuk-Musikerin Tanya Tagaq, eine ehemalige Wegbegleiterin Björks, deren aktuelles Album „Animism“ gerade im vergangenen Jahr den Polaris Music Prize gewonnen hat. Auch diesem Album habe ich bereits eine AUFTOUREN-Rezension gewidmet und auch hier möchte ich ein paar Worte über dieses ungewöhnliche Werk verlieren. Wer Tagaq kennt, weiß dass sie den Kehlkopfgesang meisterhaft beherrscht und ihn auf „Animism“ fantastisch einsetzt. Ihre Songs erzählen von ökologischen Herausforderungen, von Mensch- und Tierwelt und erzeugen einzigartiges und poetisches Bild auf eine Welt im Wandel, ohne einen überheblich mahnenden Zeigefinger zu heben. 



Donnerstag, 5. Juli 2012

Im Schnelldurchlauf: 4x Schneewittchen



Nicht eins, nicht zwei, nicht drei...gleich vier hübsche (Neu-)Vorstellungen gilt es heute ans Herz zu legen, die zum einen unterschiedlicher nicht sein können, zweitens allesamt über Snowhite beworben (Danke, Anne) werden, drittens zum Teil schon ein paar Monate auf dem Buckel haben und viertens von Garagenrock über epischen Bombast und Killers-Attitude bis hin zu feingesponnenem hintersinnigen Humor alle Hebel ziehen, um ein buntgemischtes Programm zu malen. Gespannt? Na dann man los!

Beginnen wir mit dem untypischten Vertreter auf dem Bänkelsänger und lassen uns auf kreativ-kultivierten Indierock im urbanen Glitzerfummel ein: The Knights machen im 10. Jahr Bandgeschichte ihr Killers-Album und fangen gleich zu Beginn mit "Webster" ziemlich fulminant an. Aber auch die Hollywood-Visionen "Woody Allen" und "Scarlett Red" wissen mit Tempo, Esprit und gezügelter Ungezügeltheit zu überzeugen. "Pardon My Riot" ist am 15.06.2012 über das eigene Label "Boogie Knights Records" erschienen und versüßt den sommerlichen Discogang. Ein wenig Abwechslung hätte den 13 Songs ganz gut getan, so reicht es aber zumindest für mehrere durchzappelte Nächte.

Zweimal darf auch noch live gegroovt werden:

11.08.2012 Uetersen − Rock'n'Rose Festival, DE
17.08.2012 Hamburg − Wutzrock, DE

 Den Woody gibt's hier zum freien Download, ausserdem ist hier noch das entsprechende Video:


Musikalische Ausdrucksstärke, irgendwo im Niemandsland zwischen nervösem Post-Punk à la Cult Of Youth trifft auf episch vor sich hin mäandernden psychedelisch angehauchten Rock im Cinemascopeformat. "Ewig" heißt die neue EP von The Blue Angel Lounge aus Hagen und ist ebenfalls am 15.06.2012 via 8MM erschienen. Die brachiale Gewalt des Debutalbums "Narcotica" bekam noch mal ein wenig Feintuning, die 80er-Jahre-Tristesse etwas mehr Intensität so dass vor allem das formvollendete "In Distance Far Away From Me" sehr zu überzeugen weiß. Und "Ewig" jammert so herrlich auf Deutsch vor sich hin, dass man ihm jetzt schon einen Platz im eiskalten Herzen reservieren muss.

"In Distance" gibt's hier frei erhältlich, als weiterer Geschmacksträger fungiert das Video:



Ganz ohne folkinfizierte Musik geht aber auch nicht dieser Schnelldurchlauf über die Bühne. Thomas Baumhof war früher mal bei Subterfuge und nennt sich jetzt Ponyboy And Lovely Jeanny. Mit diversen Gastmusikern macht er herzzerreißende, augenzwinkernde, ironische, zynische, melancholische und immer sehr wahre Musik, sein Debut "The Life And Death Of Ponyboy" beweist das 13mal auf vorzügliche Art und Weise. Bereits am 18.05.12 via Snowhite erschienen, kratzt es mal am leiernden Dixieland wie bei "Hey There How Are You Doing", entwirft feine Tweepopskizzen in "Monika Finkelstein" und ist sowieso ein extrem relaxter Gitarrist, wie man "Winnetou" und der bald folgenden zweiten Single "Buffalo" wunderbar anhören kann. Ein wenig zerklüftet ist das Ganze noch, doch insgesamt ist es ein mehr als überzeugendes Solodebut.


Ganz frisch ist die EP "Supernatural" des grantig-grazilen Mädelstrios Velvet Two Stripes. 5 Stücke, pickepackevoll mit herrlich rotzigen Garagenrockern irgendwo zwischen den White Stripes, den Kills, den Ramones und und und. Am 29.06.12 über Snowhite in den Äther gepustet, bersten hier ganze Sturzbäche voller Energie, was man an den prachtvoll dahingebratzten Gitarren bei "Bottleneck" und dem bellenden "Hellhound" einwandfrei erkennen kann. Die drei Schweizerinnen machen keine halben Sachen, auch wenn die Songs manchmal ein wenig zu kopiert klingen (man beachte das Gitarrenintro bei "Bottleneck und klopfe bei Jack White an), aber Spaß macht "Supernatural" fast immer.

Live gibt's ein paar Festivals an die Hand:

28.07.2012 Butschwill − Openair Bütschwill, CH
04.08.2012 Thusis − Openair Hohen Rätien, CH
08.09.2012 Greifensee − Openair am Greifensee, CH 

Auf die Ohren (und Augen) das entsprechende Video:

 

Montag, 14. Mai 2012

Im Schnelldurchlauf: Lasse Matthiessen, Grimoon & M.i.p.V



Dreimal Neuvorstellung, dreimal Solaris Empire.

Manchmal reichen schon 20 Sekunden, um sich einem Lied mehr entziehen zu können. Lasse Matthiessens "Celluloid" ist zum Beispiel so eins und so kommt es, dass sich der Bänkelsänger mal wieder mit drei eher vielversprechenden Künstlern des sympathischen Berliner Labels beschäftigen durfte.

Fangen wir mit dem munter zwischen Berlin und Kopenhagen hin und her pendelnden Lasse Matthiessen an, dessen aktuelles Album "Dead Man Waltz" am 27.04.2012 veröffentlicht wurde. Matthiessen macht Bänkelsänger-Musik par excellence, sein mal schwermütiger, mal leichtfüßiger Mix aus erzählerischen Folksongs und einnehmenden Americana-Stücken changiert hierbei immer wieder hin und her. Das eröffenende "Celluloid" zum Beispiel nimmt mit kraftvollen Streichern die sanfte Stimme des Songwriters gefangen und lässt so einen Spannungsbogen entstehen, der auf hohem Niveau durchaus noch Ausreisser nach oben bietet. Das zerbrechliche "Black Queen" zum Beispiel oder das fabelhafte Gespann aus dem Titeltrack und dem vorangehenden "In The Dead Of The Night". Letztes ist als erste Single geradezu charakteristisch für die Stimmung des gesamten Albums, mit bittersüßer Dramatik und ausdrucksstarkem Refrain. Aber auch nach hinten hinaus verliert "Dead Man Waltz" nicht an einnehmender Verführung. Das beinahe karg vor sich hin fließende "Chasing Wolves" erinnert hier an Matt Bauer, mit den beiden letzten Songs wird eine beinahe schon countryeske Eingängigkeit geschaffen, die Matthiessen ruhig, besonnen, doch immer pointiert zum Ausdruck bringt. Ein feines, melancholischönes Stück Musik, dass trotzdem aufrüttelt und Lust auf mehr macht.


Neben Lasse Matthiessen findet sich mit Grimoon ein weiterer Act eher folkloristischer Natur im aktuellen Schnelldurchlauf wieder. Weitaus dunkler, wenn gleich nicht farbloser gleitet die herzzereißende Stimme der Französin Solenn Le Marchand durch die acht Stücke von "Le Déserteur", dem bereits Mitte April veröffentlichen Albums des musikalisch als auch visuell sehr regen musikalischen Projekts. Fast ausschließlich wurde bis dato auf Französisch oder Spansich gesungen, nun findet sich auch ein englisches Lied "Directions" auf dem Album, dass sich klangliche Vorbilder irgendwo zwischen Black Heart Procession, Paul Roland und Arcade Fire gesucht zu haben scheint und da der Sänger Pall Jenkins eben von "The Black Heart Procession" für die Produktion verantwortlich war, klingt "Le Déserteur" eben durchaus nach sehnsüchtelnder Dunkelheit, zerbrechlichen Nebelschwaden und kunstvollem Gespinst. Höhepunkt des Album ist der letzte Song "Tango De Guerre", eine in dunkelrotem Schimmer liegende Geschichte gegen das Vergessen, das in seiner chansonesken Gewalt auch ein Nachdenksong, von z.B. 17 Hippies hätte sein können. Prädikat: wertvoll.


Etwas ratlos hingegen lässt mich das am 08.06.2012 erscheinede Album "M.i.p.V II" von Músicas intermináveis para Viagem (M.i.p.V) zurück. Die Band, um die brasilianische Sängerin Laura L. macht Musik, die einem aufmerksamen Hörer sicherlich eine Vielzahl an spannenden Momenten bereithält, leider fehlen hier dem Bänkelsänger die klaren Aufmerksequenzen. Die Titel versprechen eigentlich eine spannende Reise, heißen die Stücke doch zum Beispiel "Der Gesang des freien Raben" oder "Berliner Passage", allein die ambienten, postrockenden Strukturen, die sich irgendwo zwischen abgeschliffener Portishead-Brillianz und instrumentalem Sommermorgenblues ansiedeln lassen, lassen den Funken zu häufig nur leise weiterglimmen. Es gibt mit Sicherheit ein audiophiles Publikum, das dann auch den einzigen Gesangspart auf "M.i.p.V II" bei "Medo da Morte" goutieren wird, leider bleibt im Ohr des Bänkelsängers' zumindest nicht ganz so viel wie sonst zurück. Einen Ohrenöffner gibt's trotzdem:

  

Samstag, 14. Januar 2012

Im Schnelldurchlauf: Toni Kater, Junes & Dan Freeman and The Serious

Lange schon kein...ach ich weiß. Dieses Jahr ist noch keine 2 Wochen alt und schon bin ich mit regelmäßigen Beiträgen im Rückstand. Deshalb gibt's jetzt auch als erste Neuvorstellungen für 2012 gleich einen Dreierpack, der sich komplett bei Solaris Empire tummelt. Fangen wir doch mal an:



Toni Kater - Sie fiel vom Himmel

Huch! Deutsche Popmusik auf dem Bänkelsänger? Kann das gutgehen? Jepp, es kann, wenn man sich dem neuen Album "Sie fiel vom Himmel" von Toni Kater widmet, dass am 20.01.12 erscheint. Beim ersten Hören erschließen sich die Songs noch nicht wirklich, manchmal züngeln die Stücke auch ein wenig mit befindlichkeitspoppigen Flammen nach Aufmerksamkeit, doch je länger man sich mit der abwechlungsreichen Produktion beschäftigt, desto mehr Facetten lassen sich entdecken. Eröffnet wird "Sie fiel vom Himmel" fast schon ein wenig glatt, doch spätestens beim erzählerischen "América" das Toni Kater gemeinsam mit Rudolf Moser von den Einstürzenden Neubauten singt, bekommt das Album Glut zugefächelt. Watteweiche Popsongs, die Kater auch mit Moser produziert hat, wechseln sich mit sanft experimentiellen Klängen ab, hier fallen vor allem "Raubtier" und "1 Land" positiv aus dem Rahmen, sowie der letze Track "Was sind das für Zeiten", der wiederum sein Soundgerüst von Schneider TM bekommt. Es ist schon erstaunlich, wie gut man das Thema Pop in Deutschland anpacken kann, ohne knietief im Kitsch zu versinken und dennoch Mut zu Gefühl, Pathos und Klangfülle zu vermitteln.

 



Junes - Don't Leave Me In Autumn

Drei Wochen später, nämlich am 17.02.12, erblickt dann "Don't Leave Me In Autumn" das Licht der Welt. Das dritte Album von Junes besteht aus feinen Indiepop-Songs, die es sich leisten können, den ein oder anderen Elektroschnipsel unterzubringen, ohne gewollt "hip" zu erscheinen. Hier und da klingt ein Geige mit, dann wieder zieht ein Stück wie "Crawling Over Me" am Gemüt und packt seine Hörer am Schlafittchen, um sich mit ihm gemeinsam gedankenverloren durch den Raum zu treiben. Manchmal scheint aber auch soviel Wohlklang zuviel des Guten zu sein. Die zwölf Stücke auf "Don't Leave Me In Autumn" sind wohltemperiert, haben dann aber doch hin und wieder eine Ecke oder Kante zu wenig, um sich im Vordergrund festhalten zu können. Wenn das aber durch Lieder wie das fabelhafte "Save Me" oder das gefühlvolle "Take Away My Pain" aufgefangen wird, kann man sich mit dem Album wunderbar in den Frühlingsabend träumen, und darauf hoffen, dass einen das Gefühl eben dann doch nicht im Herbst verlässt.

 



Dan Freeman And The Serious - I Lie A Lot

Zum Schluß noch der Vermerk auf den Tasmanier Dan Freeman, der bereits im vergangenen November sein Debut " I Lie A Lot" veröffentlicht hat. Freeman mischt seine Songwriterkunst mit Einflüssen aus Elektronik und Powerpop und schlägt auf seinem Erstling schon mal den ein oder anderen Haken. Ganz entzückend gelingt ihm das auf "Fall Slow", dass sich aufmerksamheitsheischend aus dem Albumkontext erhebt und selbst die guten Singles "Words Of Mine" und "Oh My" nach Punkten schlägt. Wer sich von den Livequalitäten des Musikers, der in Berlin Saxophon studiert hat und seine Bandkollegen an der Hochschule für Musik kennengelernt hat: darf sich auf folgende Termine freuen:

31.01.12 Stuttgart, zwölfzehn
01.02.12 Duisburg, Steinbruch
02.02.12 Hannover, Feinkostlampe
03.02.12 Chemnitz, Aaltra
04.02.12 Magedeburg, Moritzhof
06.02.12 Osnabrück, Mojo

Samstag, 27. August 2011

Im Schnelldurchlauf (II)

Lange kein Post und noch länger kein Schnelldurchlauf.

Nachdem im ersten Schnelldurchlauf experimentiellere Klänge an der Tagesordnung waren, holen wir dieses mal zur großen Geste aus. Pop mit breiterer Brust, der sich aber nicht hinter den Pathosbergen verstecken muss: Other Lives, Dakotafish und Beirut.

Other Lives habenauf ihrem selbstbetitelten Debutalbum vor zwei Jahren feinen Folkpop angeboten. Der spielt auf dem wunderschönen Zweitling "Tamer Animals" zwar immer noch eine Rolle, wird aber zugunsten raumgreifender Popmelodien und sinnlichem Harmoniegesang ein wenig an die Seite gedrängt. So ein wenig schimmern die Fleet Foxes durch, jedoch auch ein Hauch von I Am Kloot oder sogar Prefab Sprout, was man am ehesten im vorzüglichen Titeltrack oder der ersten Single "For 12" anhören kann.


Dakotafish sind eine Überraschung der vergangenen Woche. Die last.fm-Tags versprachen indie und bon iver, die Musik bietet aber so viel mehr. Mit nicht ganz so breiter Brust wie die vorgenannten Other Lives wandert das kalifornische Trio über muntere Melodiespannungsbögen, die verhuscht und tanzbar gleichermaßen wirken. Auf Auftouren.de habe ich kürzlich das neue Blood Orange-Album besprochen, "Many Moons" klingt wie der poppige Gegenentwurf, der bei "Impossible Histories" verhaltene Discomomente aufwirft, bei "Strange Symmetry" ein heimliches Harmoniebad nimmt und in "Great Ones" einen weiteren Sommerhit auftischt.


Über Beirut zu sprechen, bzw. über deren Mastermind und einziges festes Bandmitglied Zach Condon mündet fast immer in der schier unfassbaren Instrumenten- und Einflussvielfalt. Dass würde auch bei "The Rip Tide" genauso sein und dass alles selbstverständlich bei nahezu gleichbleibender Qualität. Hatte die letzte Doppel-EP die ein oder andere elektronische Spielerei an Bord, wirft Condon diese auf "The Rip Tide" meistens über selbiges, eben um sich an seelenschmeichelnder Klangfülle zu verschuchen. Das klingt dann zärtlich-naiv wie bei "A Candle's Fire", dunkelmelancholisch wie bei "Goshen" oder eben wie Beirut, nämlich turbulent, folklorisistisch und bunt und --- mit ganz viel Seele.


 

Dienstag, 3. Mai 2011

Im Schnelldurchlauf (I)

Lust auf eine neue Rubrik? Inspiriert durch die Rubrik "Was Kommt Im.." auf dem sehr sympathischen wie informativen Blog "Der Impuls", versuche ich mich mal an kurzen Zusammenfassungen, was weniger dadurch begründet ist, keine Lust auf normal lange Beiträge zu haben. Es fehlt aktuell vielmehr die Zeit, wie sonst ist zu erklären, dass der April gerade mal sechs Bänkelsänger-Beiträge enthält. Ich gelobe aber Besserung. Und für alle, die eigentlich das Mixtape als ersten Mai-Post erwartet haben, bitte ich noch um ein wenig Geduld, vermutlich komme ich erst in der kommenden Woche dazu. 

So, jetzt aber los mit: Alexander Tucker, Snowman und Son Lux.

Alexander Tucker - Dorwytch
Den hatte ich ja eigentlich als "interessant aber leidlich unhörbar" abgehakt, nachdem das letzte Album "Portal" zwar sehr gut war, aber dann doch zu selten im Player rotiert war. Irgendwas fehlte bei den stimmungsvollen Gitarrenarrangements des Engländers, der sich auch schon mal in gewagte Drone-Experimente verlor. Auf "Dorwytch" holt er vieles davon nach, zuviel könnte man auch meinen, denn die Folk- und Psychedlic-Pop-Songs sind allesamt von großer Intensität und verlangen doch nach der ein oder anderen Pause. 14 Stück sind es geworden und verlangen jede Menge Aufmerksamkeit, die man dem Album aber, am besten beim Träumen in der freien Natur, zumindest häufiger schenken sollte.


Son Lux - We Are Rising

Ryan Lott ist Son Lux und kommt aus New York. Auf dem Debut vor drei Jahren hatte er die kostbare Pretiose "Weapons" versteckt, einen Song der sich hinter dem dritten Portishead-Album hätte nicht verstecken müssen. Auf "We Are Rising" übernimmt "Flickers" diese Rolle. Vordergründig sicherlich Songwriter, schleicht ein Piano auf Katzenpfötchen durch Beats, Schlagwerk und filigrane Chorarrangements, teils so luftleer, das auch das diesjährige Referenzwerk James Blakes' nicht weit entfernt scheint. Allerdings gilt hier, wie bei beiden weiteren vorgestellten Alben: ohne gewisse Anstrengung macht das Zuhören nur halben Spass.


Snowman - Absence

Ach schade. War doch "The Horse, The Rat And The Swan" der experimentellen und avantgardistischen Rocker aus Australien mein heimliches Lieblingsalbum 2008, so kommt deren drittes Werk "Absence" bei weitem nicht an diese düstere und organische Stimmung heran. "Absence" ist dennoch ein mehr als hörenswertes Werk geworden, "Hyena" ist zum Bespiel ein hymnischer, verschachtelter Gruselspuk, in Gänze verliert sich dessen schaurige Wirkung allerdings in elektronischem Überfluss und zu viel konstruiertem Echochaos. Mit ein wenig mehr Songfokus und weniger Skizzenhaftigkeit hätte sich "Absence" sicherlich wieder im Vorderfeld der Jahrescharts platzieren können, so bleibt es gehobenes Mittelmaß.