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Montag, 11. Juni 2012

Crystal Shipsss



Schon komisch.

Da wird das letzte Album Jacob Faurholts erst jetzt offiziell in Deutschland veröffentlicht und schwupps kommt er mit einem neuen Projekt um die Ecke. Crystal Shipsss hat aber nichts zu tun mit den intimen, behaglichen, aber doch kargen Folksongs auf "Dark Hours".
Vielmehr sucht sich Faurholt auf "Yay" ganz neue Wege. Verwunschen, verspult und immer mit jeder Menge DIY-Gefühl vagabundiert er durch 10 Stücke, von den die meisten nach knapp zwei Minuten schon wieder vorbei sind.

Es sind kleine Lo-Fi-Verrücktheiten, die trotz oder gerade wegen ihrer kindlichen Kurzweiligkeit im Ohr bleiben. Nicht lange, aber immer lange genug, um sich noch einen weiteren Durchgang von "Yay" zu gönnen.
Da ist die Single "Smile", die das Ohr ungewohnt rauschhaft umgarnt und dann doch plötzlich wieder verschwindet. Das nachdenkliche "My Dark Slimy Soul", dass sich wie ein Shot aus Zuckerwatte mit Lakritzgeschmack urplötzlich im Genick festsetzt und sein Gespinst für das Folgende noch dichter webt. 

Unbeherrscht ist Faurhault trotz aller Experimentierfreunde aber nicht. Die Melodien tauchen nur nicht mehr so früh und unvermittelt auf, ist das Klangbild jedoch in Mark und Bein übergegangen, Man fühlt sich erinnert an das "Lust Lust Lust"-Album der Raveonettes, an The Jesus & Mary Chain, an Petitessen des ersten Album der The Pains Of Being Pure At Heart. Nur fehlt den skizzenhaften Songs vielleicht zuweilen der Halt, hier wäre weniger Konsequenz sicherlich hilfreich gewesen.

Doch auch so bereitet Faurhault einen hübschen kleinen Lückenfüller, der vor allem neugierig macht auf Faurhault selbst. Nimmt man nur die letzten beiden Veröffentlichungen des Wahlberliners und gebürtigen Dänen und seine Umtriebigkeit als Muster, kommt da sicherlich noch eine ganze Menge nach. Mit "Yay" lässt sich das mit Spannung und Experimentierfreude erwarten und so darf dann auch das obligate Video für das heute bei Raw Onion Records erscheinende Album nicht fehlen:

 

Mittwoch, 22. Februar 2012

Aufgemerkt: Sam Gray Singing & Betting On The Mouse



Manchmal bin ich überrascht, welche Vielfalt unter den netten Anfragen bezüglich einer Erwähnung, Vorstellung, Rezension oder Präsentationen herrscht. Vor kurzem hat ich Post von Fuer-Records im Postfach, mit der Bitte, mich doch mal ein wenig mit Sam Gray Singing und Betting On The Mouse zu beschäftigen. Und wenn man mich so lieb bittet, mache ich das in der Regel auch...

Anfangs hatte ich ja die Vielfalt unter den Anfragen angesprochen. Und beim ersten Hören des Sam Gray Singing-Albums "Songs About Humans", welches am 16.03.2012 erscheint, war ich ob der ersten Takte von "Scratches" schon bar erstaunt, denn solche Klänge halten bislang eher selten den Einzug auf dem Bänkelsänger. Da kracht und poltert es, Melodien bersten unter Feedback und tonalen Explosionen, die trotz allem durch die liebliche, fast schon bittersüße Stimme des Wahlösterreichers Samuel Gray zusammengehalten werden. Fährt man weiter im Album fort, tauchen plötzlich mystische Wechselgesänge auf,  die das verstörende "Bigotry" zwischen Krach und Lärm in eine Art Ruhephase lenken lassen. Doch Gray gönnt dem Hörer nur wenige Pausen, auf "Songs About Humans" ist ständige Aufmerksamkeit gefordert, um ja nicht den ein oder anderen Querschläger zu verpassen. Das einem traditionellen Songgerüst nahe kommende "January, Puerto De La Cruz" überrascht mit atonal geschichten Streichern, die Grays hier zurückgenommene, nahezu flüchtige Stimme umtänzeln, ja geradezu einrahmen. Das Album folgt dem Fluss des Sängers, der sich scheinbar ständig neu orientiert und den zuweilen weit entfernt scheinenden Horizont mühelos übersteigt.
 Es ist Gray anzumerken, dass er "Songs About Humans" sicherlich als Gesamtkunstwerk betrachtet, so stapeln sich die einzelnen Eindrücke zu einem turmhohen Konstrukt, dass sich nur schwer greifen lässt. Die kammermusikalische Grundausrichtung zerbricht immer wieder an chaosartigem Ausschwärmen und wird doch wieder zusammengesetzt, wenn Sänger und Instrumente so einträchtig miteinander musizieren wie in der Single "Dineen". Vergleichbarkeit zu schaffen, fällt auch nach mehrfachem Hören unsagbar schwer, vielleicht wenn man die Klngreisen Mark McGuires mit Xiu Xius brachialem Weltschmerz mischt, aber selbst das würde den immer durch das galante Piano eingefangenen, nur schwer greifbaren Songs nicht gerecht werden. Am besten verschafft man sich wohl selbst einen ersten Höreindruck und lauscht den in Norwegen aufgenommenen Stücken des gebürtigen Neuseeländers, der im übrigen ansonsten auf dem Label Jacob Faurholts zu Hause ist:


    





Betting On The Mouse aus Dänemark gehen komplett andere Wege. Deren angeschwärzter Indie-Rock ist ebenfalls bei Fuer-Records beheimatet und wird ab dem 30.03.2012 auch auf der EP "BOTM" zu hören sein. Schwermütig und doch kraftvoll fließen die lauernden Gitarren der Single "Desert Of Wasted Plans" in den Raum, von Sängerin Martha Marie Skouund ihrer zartherben Stimme bereitwillig empfangen. Wieder mal die 80er, hört man sich zwangläufig sagen, denn auch Betting On The Mouse erweisen den stoischen Sounds Ehre, ohne jedoch klare Bezugspunkte zu setzen. So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob das angedeutete Akkordeon in "Reach Me" ablenken oder das Gesamtbild unterstützen soll, Tatsache ist allerdings, dass es dem Song sehr gut steht und man dem Stück eine gewisse skizzenhafte Seefahrerromantik unterstellen könnte. Auch die übrigen beiden Stücke "Sleeping" und "Swimmingpool" changieren im Zwielicht und fangen das Spiel mit Licht und Schatten unterkühlt ein, letzteres sogar mit der beiläufigen, lasziven Kälte eine Beth Gibbons, so dass man gespannt sein darf, was die vier Dänen auf Albumlänge konstruieren können. Bevor das aber im Herbst nachzuprüfen ist, kann man sich ruhig auch mal mit der visuellen Umsetzung der Single verraut machen:

Donnerstag, 11. August 2011

Jacob Faurholt

Inverser Sommer.

Jetzt spricht man allgemein vom Sommerloch und der damit verbundenen dünnen Veröffentlichungsdecke, doch irgendwie merke ich davon noch gar nichts. Nicht, dass nicht weniger Musik an des Bänkelsänger's Ohr drängen würde, oh nein, aber wo kein Sommer ist, kann auch kein Sommerloch entsehen. Gott sei Dank schöpft man da  aus dem wohlgefüllten Promopostfach, dass gerade jetzt im August einige Schmankeln bereit hält.

Jacob Faurholt hält mit seinem Album "Dark Hours" genau solch ein Kabinettstückchen parat. Der Däne und aktuelle Wahlberliner mit der markanten Stimme hat auf seiner aktuellen Veröffentlichung wohl Stimmungen gesammelt und viele davon hätten eigentlich nicht schlecht in die tendenziell dunkleren Jahreszeiten gepasst. Dann wenn ein eisiger Wind über das Land pfeift und man sich in die "Black Lake Lodge" zurückziehen will, die Faurholt mit verhaltener Inbrunst besingt. "Medicine" für die Seele, die sich scheinbar mühelos im Gehörgang festzusetzen vermag. Der umtriebige Musiker, der sich auch schon bei CocoRosie und Efterklang eingehakt hatte, umarmt die dunklen Stunden, im regennassen "The Hoax" duettiert er dabei mit Nona Marie Invie von Dark Dark Dark. Diese innige Zweisamkeit manifestiert sich über das Album zusehends, dass er dabei eine ganze Schatzkiste an Klangmitteln durchstöbert, tut der Sache dabei gottseidank keinen Abbruch. "Creatures In The Sea" ist hier Beispiel und Ausnahme zugleich, wieder harmonieren die weiblichen und männlichen Gesangsstimmen vortrefflich und da ist eben auch das Arsenal an Instrumenten, aufgestockt durch rasselende Perkussion und einem verwaschenen Akkordeon. "Put My Scars In A Shell As I Walk Home" singt Faurholt in "Like Cars Crashing", und definiert den Charakter von "Dark Hours" in nur einem einzigen Satz. Eingepackt in eine zerbrechliche Muschelschale, aus der die Klänge nur gedämpft in die Aussenwelt dringen, trägt er seine Songs, die eben auch Narben zurück lassen können, aus der Weite in die stillen Räume seines inneren Ichs. Behutsam, vorsichtig, manchmal ein wenig ziellos. So bleibt Faurholt immer allein und doch zu zweit, wenn er die Muschelschale ein wenig öffnet, nur um zu sehen, wer ihn denn noch begleiten mag.

Ein Hörbeispiel zeigt den weg nach Innen:

Jacob Faurholt - Creatures in the Sea from Jacob Faurholt

Und ein weiteres, denn ein Stückchen weiter hinaus:

 
Weiterlesen kann man hierzu auch gerne mal bei meinem netten Kollegen von "Der Impuls", der dem Musiker auch kürzlich einen Beitrag gewidmet hat.