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Sonntag, 15. Juli 2012

Stead



Selbstmachfolk.

Der Name klingt zwar nach Musik, jedoch: Erwartet man bei Stefano Antoci D'Agostino zwangläufig zerbrechlichen Lo-Fi-Folk? So ist die Überraschung durchaus groß, wenn sich die ersten Klänge von "Colors" dem Opener des Debutalbums "Rough" ganz beschaulich im Raum ausbreiten und sich doch nicht ganz einfach verdauen lassen. Eine ganze Reihe von Brüchen nutzt der unter dem Moniker Stead auftretende Wahllondoner mit sizialianischen Wurzeln, um den 8 Stücken eine sehr eigene, meist nicht ganz eindeutige Linie zu verpassen.

So klingt "Wheeler Dealer" ein wenig nach einem wenig ausformulierten Demo, das flüchtig an Ed Harcourt erinnert und "Another Me" wandert auf den Spuren der neuen englischen Songwriter-Szene. Das eingängie "Instead" wiederum funktioniert genau andersherum und wirkt aufgrund der Streichereinfassung reif, gediegen und trotz der kratzigen Stimme D'Agostinos warm und umarmend. 

Es ist nicht immer einfach, den eigentlich gar nicht so komplexen Songs sofort folgen zu können, verwischt Stead die den einen Song umfassende Stimmung mit einem gekonnten Streich, um beim nächsten Song noch schlichter, noch beseelter oder wie im Fall der aktuellen Single "Repetitive" noch eingängier zu erscheinen. Es bleibt hier im Übrigen zu überlegen, ob der beginnende Chorus nicht auch einen Hauch "Daughter" von Pearl Jam (allerdings in sehr leiser Variante) in sich trägt. Kaum ist der letzte wohlmeinende Akkord verklungen, nimmt sich D'Agostino für "29 Times" den irischen Songwriter Dave Muldoon zur Seite und ein leicht hektisch irrlichterndes Kabinettstückchen mit versetztem Sprechsingsang kommt zu voller Blüte. Doch damit nicht genug, denn auch der letzte Akt wird mit Unterstützung bestritten, Guilano Dottori, ebenfalls Songwriter und Landsmann D'Agostinos hilft "Giuggiulena" einen verhalten psychedelischen Anstrich zu verpassen und so sorgen beide für einen sehr gesetzten, aber auch passenden Abschluß des regulären Albums.

Regulär? Jawohl, denn "Rough" gibt es auch noch als "Rough Out"-Version, die mit zahlreichen Outtakes, Demos und sonstigem unveröffentlichten material mindestens noch mal genauso abwechslungsreich ist und einen Weg beschreitet, der für ein Debut höchst ungewöhnlich aber um so lobenswerter erscheint.

Hier gibt was zu sehen:

Repetitive - Stead from Lino Palena on Vimeo.


Mittwoch, 26. Januar 2011

Teitur



Aller guten Dinge sind vier...?

Das könnte schon ganz gut sein, zumindest wenn es nach dem aktuellen Album "Let The Dog Drive Home" Teitur Lassens geht. Wenn man nämlich dessen reguläre englischsprachige Studioalben zählt, kommt man auf diese Zahl, und irgendwie ist in diesem Fall auch ein wenig Wahrheit dran.
Hatte auf dem ersten Album "Poetry & Aeroplanes" noch behaglicher Folk und sanfter Pop das Szepter in der Hand, verschob sich das Erscheinungsbild auf dem Folgewerk "Stay Under The Stars" gewaltig Richtung Ambition und Anspruch, was man den manchmal anstregend vorgetragenen Liedgut auch anmerkte. Auf dem dritten schlicht "The Singer" betitelten Album wurde dann experimentiert, zu Folk, Pop und Songwriterkunst gesellte sich asketische Kunstfertigkeit, die in Rezitativen und nahezu a capella intonierten (Kunst-)Liedern gipfelte, die dennoch eingängig und warmherzig blieben.
"Let The Dog Drive Home" kombiniert so ein wenig die drei Alben, gewährt jeder Idee genügend Raum zur Entfaltung und hängt doch nicht vergangenen Zeiten nach. Pop ist dabei, "You Never Leave LA" als Paradebeispiel, mit ein bisschen Glück ein Kandidat für ein neues "Leaving On A Jetplane" für das 21. Jahrhundert. "Fly On The Wall", mit kraftvoll angeschlagenem Piano und schleichendem Schlagzeug schöpft dagegen eher aus ähnlichen Quellen wie Ed Harcourt, gerade wenn Teitur in kopfstimmennahe Bereiche vordringt, ähnelt er diesem sehr. Der Titeltrack hingegen soulrockt vor sich hin, um im Refrain zum Mitwippen einzuladen.
Ist also "Let The Dog Drive Home" schlichtweg die strategische Kombination verschiedenster Elemente seiner Vorgänger? Mitnichten! Allein mit dem nervösen "Stormy Weather", welches sich wie ein Boot im Sturm hin und her wirft, den verschleppten Walzern "Very Careless People" und "All I Remember From Last Night Was You" und dem vagabundierenden "Freight Train" schafft er genügend neue Räume und klammert sich nicht nur an seine bisherigen Stärken.
Es mag sein, dass Teitur die bleischwere Leichtigkeit, die "The Singer" auf hervorragende Weise auszeichnete, nicht hinübergerettet hat, sie weicht allerdings einer lichtdurchfluteten Dunkelheit, die ihm ausgesprochen gut zu Gesicht steht.

Kostprobe gefällig?:

Samstag, 19. Juni 2010

Ed Harcourt

Vor gut vier Jahren hat Ed Harcourt mich überrascht. Da sah ich auf "GoTV" einen Videoclip von "Visit From The Dead Dog" und dachte mir schon, der kann was. Als dann das Album "The Beautiful Lie" die angestellten Erwartungen vollends übertraf und mit "Rain On The Pretty Ones" und "Whirlwind In D Minor" gleich zwei weitere wunderbare Songs bereit hielt war ich sicher: hier ist ein echter Künstler am Werk. Um so erfreuter bin ich nun, dass das neue "Lustre" betitelte Album wieder ähnlich gute und bessere Songs bereit hält, allen voran das schwelgerische im 3/4-Takt vorgetragene "Fears Of A Father", das seltsam anheimelnde "When The Lost Don't Want To Be Found" und das schon experimentiell anmutende "Heart Of A Wolf". "Haywired" ist dagegen schon fast ein tradioneller Songwriter-Pop-Song, gravitätisches Schlagzeug, stimmungsvolle Streicherbegleitung und dazu diese vollmundige Stimme. Wieder ein Triumph!