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Montag, 16. März 2015

Moses Luster & The Hollywood Lights



Erlesenes Schummern.

Manch einer erinnert sich noch daran, dass als der Bänkelsänger vor nunmehr fünfeinhalb Jahren startete, dessen Hauptaugenmerk bei eher düsteren Folk- und Americana-Tönen lag. Inzwischen werden fast alle Spielarten kontemporärer und unabhängiger Folk- und Popmusik gestreift, auch vor experimentiellen Klängen und avantgardistischen Sphären- und Metallauswüchsen wurde nicht immer Halt gemacht, selbst Sprechgesang und Kabarett (wenn auch hier eher von finsterer Natur) durften so ihre Rolle spielen.

Mit dem neuen Album von Moses Luster & The Hollywood Lights kommt ganz entgegengestetzt zum Bandnamen mal wieder etwas Blaupausenmusik der ersten Stunde aufs Tablett. Mich hatte das erste Album "I'm  The Lion" schon überrascht, tauchte es doch weiland irgendwann irgendwo in den weiten Untiefen des obskuren Americanas auf und lehnte sich durch Stimme und Stimmung mal hier und mal da an und überzeugte vor allem durch eine Vielschichtigkeit die von ruppigem Countryrock bis hin zu halbseidenem Noirfolk reichte.

Das zweite Album barg dann nur noch vereinzelt Schätze, doch mit dem neuen Werk "The Hangman's Door" nehmen Moses Luster und seine Mannen wieder richtig Fahrt auf.  "Come Along With Us" heißt es dann auch folgerichtig und auf geht es durch einen holprigen Ritt, der wahlweise auf den spärlich beleuchteten Seitenstraßen Las Vegas oder gar in den verrauchten Hinterzimmern der Casinos spielen könnte. "I Got You" ist ein weiterer, mit zarten Frauenstimmen begleiterer Höhepunkt, so melodiös wie selten croont Luster über deutlich weniger waidwunde Wehmutsakkorde als zuvor.

Stimmlich wie immer im sinstren Schallraum beheimatet klingt er einmal wie ein versöhnlicher Tom Waits-Klon, aber auch Ähnlichkeiten an das Timbre eines Matt Berninger von The National schimmert wie im pianogetränkten "Coming Home" durch die dichten und spannenden Arrangements des Albums. Der Titeltrack wiederum wirbelt Wüstenstaub auf und atmet die Luft der großen Countryklassiker, "Sorrow Town" hätte hingegen auf den American Recordings von Johnny Cash auch keine schlechte Figur gemacht.

So spannt "The Hangman's Door" einen weiten Bogen, der einmal quer durch die amerikanische Tradition zu gehen scheint und nicht nur die funkelnden Plätze sondern auch die wenig gangbaren Nebenstraßen betritt. Ohren auf, hier kommt Moses Luster (von dem ausser einer sehr kurzen Biographie auf der Facebook-Seite immer noch kaum Lesbares im großen weiten Internet zu finden ist):



Sonntag, 15. Mai 2011

Moses Luster And The Hollywood Lights



Gedämpfte Lichter...

oder zumindest Kerzenflammen scheinen hier die richtige Beleuchtung zu sein und nicht die titelgebenden, gleißenden Leuchten der Traumfabrik. Das Album "I'm The Lion" gleicht einem Drift durch die Abenddämmerung, manch einer mag sich bei einem trockenen Drink am abgeschabten Tresen einer schummrigen Bar sehen. Moses Luster und seine Hollywood Lights spielen knappe 40 Minuten mit Licht und Schatten und werden nicht müde immer neue Stimmungen in die Waagschale zu werfen.
Musikalisch wird hier dem verwitterten Blues und Country des "alten Amerikas" gehuldigt, auf den ersten Blick dreckig und vernarbt, erst auf den zweiten Blick entpuppen sich die rauhen Klänge als flackerndes Leuchtfeuer.
Im an den "Loverman" des vorzüglichen Nick Cave erinnernden "Lover" zum Beispiel, das förmlich mit lasziver Wut auf hoher Flamme lodert oder im energischen "Kingpin" das sich zwischen manierlichen Frauenchören auch ein wenig forderndes Handclapping gönnt, von der quengelnden Orgel ganz zu schweigen.
"Pyroclastic" klingt dann wiederum wie für einen 70er-Jahre-Gangsterstreifen gemacht, gerade wenn die Ganoven schwerbewaffnet das prunkvolle Casino entern und dann doch der Held auf der Bildfläche erscheint. Überhaupt Las Vegas scheint passender Schauplatz für "I'm A Lion" zu sein, wuchtig, ausufernd und manchmal ein Stück "over the top", ganz so wie es Mr. Luster zu gefallen scheint. Schmutziger Glanz beherrscht die Szenerie, die sicherlich auch dem Seelenverwandten Tom Waits oder Johnny Cash gefallen hätte, bei letzterem zumindest in dessen Spätphase.
"Someday" wird nach den wüsten Stampfern zum ersten Mal ruhiger, nur zum Piano wird begonnen, fast entschließt man sich, sanft zu mildem Zwiegesang in die Nacht zu gleiten. Doch weit gefällt: im Höllenritt "The Fist Of Karma" reisst sanft aufgetürmte Stille entzwei und die darin aufgestaute Energie wird nach zartherben Start rasch ausgebreitet. Wer übrigens beim letztgenannten Song an frühere Phillip Boa-Glanztaten denkt, liegt meines Erachtens gar nicht so falsch.

Über die eher übersichtlich gestaltete Bandcamp-Seite kann ein weiterer Eindruck gewonnen werden, das Video bietet zudem einen Augen- und Ohrenschmeichler: