Mittwoch, 29. Juli 2015

My (monthly) Mixtape 2015/7



Auch kurz vor Julischluss ist es noch nicht zu spät für eine neue Mixtape-Vorstellung. Tummelten sich auf den vergangenen Ausgaben immer wieder vor allem bekannte Namen, sind heuer eher Künstler aus der zweiten Reihe zu finden, deren Oeuvre aber nicht minder empfehlenswert ist. Zum Beispiel das großartige "Dark Child" des hierzulande völlig unbekannten Australiers Marlon Williams oder die fabelhafte Robin Hood-Reminiszenz der Watkins Family Hour. Neben diesem eher klassischen Bänkelsängermaterial tummeln sich aber auch unter anderem relaxter Post-Indiepop von Mas Ysa, Bedroom-R'n'B à la Miguel und ambiente Waldschratereien von Forndom in der Liste. Hier ist das gute Stück in seiner vollen Gänze:

01. Ezra Furman - Restless Year
02. Miguel - Coffee
03. Cayucas - Dancing at the Blue Lagoon
04. Meg Baird - Counterfeiters
05. Samantha Crain - Outside The Pale
06. Watkins Family Hour - Not in Nottingham
07. Dean Owens - Dora
08. Fraser A. Gorman - Broken Hands
09. Andy Shauf - Jerry Was A Clerk
10. The Cairo Gang - Gangsters Holding Hands
11. William Fitzsimmons - Beacon
12. Forndom - När Alvkungens Rike Faller Samman
13. Richard Thompson - All Buttoned Up
14. Trembling Bells - Killing Time in London Fields
15. Sasha Siem - So Polite
16. Mas Ysa - Look Up
17. Marlon Williams - Dark Child
18. Sfir - (Der Geruch Von) Große Welt

...und hier darf gelauscht werden, wie Samantha Crains fabelhafte Akustikversion von "Outside The Pale" klingt:

 

Dienstag, 28. Juli 2015

Im Schnelldurchlauf: Heyward Howkins/Chet Delcampo



Beschleunigte Entschleunigung.

Vor drei Jahren im Sommer war's. Da hatte sich Heyward Howkins via freundlicher Anfrage an den Bänkelsänger gewandt und sein damaliges Album "The Hale & Hearty" vorstellen wollen. Folkmelodien, die so freundlich strahlen wie die Augustsonne und Countryklänge, denen auch ein wenig Melancholie aus dem Knopfloch troff. Damals hatte Chet Delcampo seine Finger als Produzent im Spiel und wie es der Zufall will, kommen beide jetzt im doppelten Doppelpack mit ähnlich sonnenverwöhntem Klangspektrum zurück.


Heyward Howkins zeigt sich auf seiner 7" deutlich popnäher als zuvor. Das muntere "Forecasting" funktioniert als federleichter Himmelguckbegleiter auf halbem Weg in Richtung John Martyn, der sich irgendwie zwischen Bienchen, Blümchen und dem süßen Nichtstun einfinden will. Das folgende "Midway" deutet ebenfalls raffiniertes Popverständnis an, ohne vollends in belangloser Eingängigkeit zu versinken. Zu "Midway" darf man somit auch mehr als einen Sommer lang schwelgen und tanzen.

 


Chet Delcampo färbt seine beiden Stücke ein wenig herbstlicher, was allein schon an seiner Stimmfarbe liegt, die mindestens drei Nuancen tiefer liegt. Auch legt er beiden Stücken ein wenig schmückendes Beiwerk anbei und gönnt ihnen neben den Backgroundvocals durch Rosie McNamara Jones ("Leading Her To Believe") und Amy Pickard und Erica Vanstone ("Drives Around The City") energisches und vollmundiges Gitarrenspiel sowie den ein oder anderen Streicherschlenker.


Alle vier Songs lassen sich via bandcamp in vollster Güte anhören und wer mag, sollte hier bedenkenlos zum Kauf genötigt fühlen. Audiovisuell hat zumindest Chet Delcampo einen Beitrag der vorgestllten Songs zu bieten, bei Heyward Howkins muss der Soundcloud-Behelf reichen:









Dienstag, 14. Juli 2015

Aufgemerkt: Sfir




Post-Punk-Eskapaden.


Es gibt noch nicht ganz so viel zu hören von Sfir, einer Berliner Band, die sich wie ein grauer Phönix über die Mauern der Stadt zu erheben scheint. Die erste EP "Große Welt" erscheint dieser Tage und mit ihr die namensgebende Single "(Der Geruch Von) Große Welt". Auf ihr verschmelzen Sprache und Struktur, von Sänger Max Stern mit ähnlich flüchtiger Nichtigkeit wie einstmals Ian Curtis in die rauchklare Nacht herausgespien. Dazu ein Mantel aus Lärm und Noise, zusammengehalten von knochentrockenem Schlagwerk, das mit infektiösem Drang nach Vorne drängt. Das meisterhafte Video, dass sich sichtlich an den monochromen Visionen eines Anton Corbijn orientiert, tut ein Übriges und so wird die aufrührende Tristesse zu einem Gesamtkunstwerk aus Bild, Text und Ton, das Lust auf ganz viel mehr macht.

 

Dienstag, 30. Juni 2015

Hitparade 2015 - Vol. 2



Seit den vergangenen drei Monaten haben es dann doch eine ganze Reihe von wahrscheinlichen Aspiranten tatsächlich in den zweiten Quartalsüberblick des Jahres geschafft, die Nummer Eins zu verdrängen war dann aber trotzdem knapp zu schwierig. Die Plätze hinter Daniel Knox haben dennoch den Wind zahlreicher Neuankömmlinge gespürt, allen voran den des wundervollen A Capella-Epos "Render" von A Roomful Of Teeth und den tieftönenden Kunstfolk auf "In Plain Speech" von Circuit Des Yeux.

01. Daniel Knox – Daniel Knox
02. Roomful Of Teeth – Render
03. Circuit Des Yeux – In Plain Speech
04. The Decemberists – What A Terrible World , What A Beautiful World
05. Father John Misty – I Love You, Honeybear
06. Susanne Sundfør – Ten Love Songs
07. Algiers – Algiers
08. Tocotronic – Tocotronic (das rote Album)
09. The Mountain Goats – Beat The Champ
10. Ryley Walker – Primrose Green
11. Matthew E. White – Fresh Blood
12. Binoculers – Adapted To Both Shade And Sun
13. Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
14. Jessica Pratt – On Your Own Love Again
15. Brandown Flowers – The Desired Effect
16. Scott Matthew – This Here Defeat
17. Dagobert – Dagobert
18. My Morning Jacket – The Waterfall
19. Natalie Prass – Natalie Prass
20. Nadja Stoller - Earthbound

Bei den Songs haben sich vor allem die Lieblinge auf den bereits erwähnten Alben hervorgetan, doch auch darüber hinaus haben einige Exemplare in diesem Quartal häufiger den Weg gen Ohrmuschel erreicht und den Zustand beseelten Zuhörens, beschwingten Mitwippens oder im besten Fall freudvollen Mitsingens erreicht.

Hier sind einige der empfehlenswerten Delinquenten (die 10 aus dem ersten Quartal gelten weiterhin): 

John Joseph Brill - Pieces
The Dropout Patrol - Beautiful Noise
Scout Paré-Phillips - Coldest Blue
Home Blitz - Betton Hill
San Fermin - Woman In Red
Villagers - Hot Scary Summer
Isolation Berlin - Prinzessin Borderline
Jenny Hval - That Battle Is Over
Yowler - Water
The Deslondes - Fought The Blues And Won

Was wäre eine Hitparade ohne Ohrenöffner, der dieses Mal trotz aller musikalischer Güte sicher nicht vor aller Ohren Gnade finden wird:

 

Montag, 29. Juni 2015

Im Schnelldurchlauf: Folkvariationen



Bei solch einer Hitze ist die Aufmerksamkeitsspanne ja erfahrungsgemäß eher kurz, von daher lag ein "Schnelldurchlauf" nahe, um ein paar zuletzt gehörten Alben, die sonst vielleicht durchs Raster gefallen wären, doch noch den gebührenden Rahmen angedeihen zu lassen. 

Kathryn Williams - Hypoxia

Nicht nur die gespenstisch schimmernde Produktion ihres Freundes Ed Harcourt oder der Bezug auf Sylvia Plaths "The Bell Jar" machen "Hypoxia" von Kathryn Williams zu einem sehr hörenswerten Album. Es ist vielmehr das Zusammenspiel aus Atmosphäre und Klang, das die zumeist eher kurzen Songs zu kleinen Kostbarkeiten werden lässt. Das fängt bei "Electric" einem sehr sanften, aber dennoch eindringlichen Seelenstreichler an und führt über das lautmalerische und von Harcourt geschriebene "Cuckoo" hin zum "Tango With Marco", der sich fast schon aufreizend elegant in Szene zu setzten vermag. 




The Deslondes - The Deslondes

Über Facebook bereits kurz angerissen, ist das selbst betitelte Album von The Deslondes auch in Gänze ein kurzweiliges Vergnügen. Immer mit einem leicht verblichenen Antikschleier behaftet, drängeln sich die zwölf Stücke, die Roots-Rock, Americana, Honkytonk und Western-Swing im Blut haben, ganz schön ins Rampenlicht. Von der ersten Single "Fought The Blues And Won", die irgendwo in der Schnittmenge von Pokey LaFarge und C.W. Stoneking zu liegen scheint bis hin zu Herzschmerz-Szenarien wie dem wunderschönen "Louise" entwickelt sich auf "The Deslondes" das via New West Records erschienen ist, ein ziemlich einzigartiges und wahrlich historisches Musikdiorama.



Nadja Stoller - Earthbound 

Einnehmende Klavierakkorde eröffnen "Earthbound", das neue Album Nadja Stollers, das bereits im Mai diesen Jahres das Licht der Welt erblickte. Wie ein ruhiger, nicht immer völlig gelassen scheinender Fluß gleiten die zehn Kompostionen durch verwegen schimmerndes Zwielicht und münden nicht selten nach anfänglichem Scherenschlag doch wieder zusammen. Windschiefe, von Ferne tönende Flöten, nervöses Pizzicato und dazu eine unnachahmliche Stimme die von Joanna Newsom über Sharon Van Etten bis hin zu den Casidy-Schwestern viele Facetten darstellen kann machen "Earthbound" zu einem entdeckungsreichen und vielfältigen Zweitwerk.
 


Astral Swans - All My Favourite Singers Are Willie Nelson

Lo-Fi-Folk, dem ein wenig Psychedelic als Farbtupfer beigemischt wurde, der aber gleichermaßen auch ein paar Spritzer Jangle-Pop abbekommen hat, kommt aus Kanada, genauer gesagt aus Calgary und wird von Matthew Swann alias Astral Swans auf dessen Debütalbum "All My Favourite Singers Are Willie Nelson" zum besten gegeben. Die Einflüsse scheinen vielfältig, schielen doch so unterschiedliche Musiker wie Daniel Johnston, Nick Drake oder Dan Mangan um die Ecke und machen das Album bunt wie eine Patchworkdecke. 



Dienstag, 23. Juni 2015

My (monthly) Mixtape 2015/6



Der Juni ist noch 'ne knappe Woche alt, Zeit für das sechste Mixtape des inzwischen ziemlich abwechslungsreichen Musikjahres. Wie auch auf den früheren Ausgaben ist die Auswahl eklektisch, die Stimmungen überzeugen durch Variantenreichtum und auch die Anzahl an Neuvorstellungen und alten Bekannten hält sich beinahe die Waage, so dass dieses Mal eine ausgesprochen ausgewogene Mischung für Hörvergnügen sorgen darf. Fängt es zunächst durchaus wüst an, streift das Mixtape dieses Mal tonale Abgründe und ist trotzdem von vielfältigem Melodienreichtum durchzogen. Vielleicht tanzt man bei einen Refrains nur einen Sommer, dafür dann aber umso heftiger. Und so buhlen nicht nur der edle Cocktail-Pop (der allerdings auf dessen aktuellem Album die Ausnahme bildet) Daughn Gibsons, der Bombastschmelz Brandon Flowers oder die androgyne Unterkühlheit von Circuit Des Yeux um unser aller Gunst, auch der Rest überzeugt und -rascht vollends.

01. Desaparecidos - Golden Parachutes
02. Home Blitz - Betton Hill
03. Astral Swans - Beginning of the End
04. The Wooden Sky - When The Day Is Fresh And The Light Is New
05. Algiers - Black Eunuch
06. Die Zikaden - Ach komm, das ist doch so 19. Jahrhundert
07. The Deslondes - Fought the Blues and Won
08. Barna Howard - Indiana Rose
09. Prinzhorn Dance School - Reign
10. Brandon Flowers - Can't Deny My Love
11. Daughn Gibson - Shatter You Through
12. Christopher Owens - Music Of My Heart
13. Lone Wolf - Crimes
14. Circuit Des Yeux - Fantasize the Scene
15. Nadja Stoller - Little Dead Bird
16. Kathryn Williams - Tango with Marco
17. Jenny Hval - Sabbath
18. The Milk Carton Kids - The City of Our Lady
19. The Weather Station - I Could Only Stand By
20. Dawes - All Your Favorite Bands
21. Of Monsters And Men - Wolves Without Teeth

Der Ohrenöffner sollte ein anderer sein, doch zwingen mich die Veröffentlichungsmöglichkeiten zu einem anderen, jedoch nicht minder lauschenswerten Beispiel:

 


Montag, 22. Juni 2015

Aufgemerkt: Binoculers



Was es ist.

Binoculers ziehen die Kreise größer. Nicht nur, dass Nadja Rüdebusch sich mittlerweile mit Daniel Gädicke zusammengefunden hat und somit zur Band geworden ist, auch der Sound hat sich seit dem letzten Album „There Is Not Enough Space In TheDark“ deutlich erweitert. Manierliche, meist zwischen Tag- und Nachtgleiche oszillierende Folk-Pop-Songs waren es damals, deren Aufmerksamkeitsspanne aber dann doch eher kurz oder aber sehr unmittelbar zu sein schien. Auf „Adapted To Both Shade And Sun“ , dass dieser Tage via Insular erscheinen ist, nehmen sich Rüdebusch und Gädicke erheblich mehr Zeit, um ihre Klangvorstellung zu entwickeln.

Das führt zunächst erst einmal dazu, dass sich Stücke wie das geheimnisvolle, in bleiches Mondlicht getauchte „Moonbeams“ nur noch in einzelnen Passagen an kontemporäreren Folkstücken orientieren. Vielmehr bedienen sich die beiden an schwebenden Shoegaze-Pop, der breiter, flächiger und vor allem weicher scheint als bisher. Knisterte zuvor ein Kaminfeuer, vor dass man sich zu den anheimelnden Songs zurückziehen konnte, scheint einem jetzt der besternte Himmel entgegen, der Licht andeutet und verspricht, aber dann doch im Dunkeln tappen lässt.

Tupfer an Tasten und Gitarre verheißen lichte Reflexe, die nachdenklich machen ohne den Zeigefinger zu heben. So treiben sie Menschen gedanklich voneinander weg wie im intimen „Shine And Then Gone“ oder gar über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus wie im darauf folgenden „Agravic“ dass mit seiner gemächlichen Gitarrenfigur sanft den Boden unter der Füßen verlieren lässt. Rüdebusch verzagt dabei nicht mit ihrer Stimme, vielmehr malt sie mit ihr in sanften Farben Empfindungen zwischen die Akkorde, die Wohlklang verheißen. Doch dieser Wohlklang scheut Binoculers eben nicht, auch die Schattenseiten des Lebens zu beleuchten.

Im sich nach allen Seiten streckenden „Bow And Arrow“ etwa, dem das dunkle und immer leicht flüchtige Timbre den Zweifel vergessen lassen macht oder gleich zu Beginn bei „Repeller Boat“, welches sich nah an den Dream Pop der frühen Beach House-Alben anschmiegt und die eigentlich eher düstere Thematik von der sich verflüchtigenden Magie eines Anfangs in schmeichelnde Töne hüllt. So fügen sich auf „Adapted To Both Shade And Sun“ Text und Ton zu einem halbdunklen Schattenwesen zusammen, dessen Worte so realitätsnah wie möglich und die dazugehörige Vertonung von eher zaubrischem Wesen ist. Dass sie dabei den Klang ihrer Stücke so weit erweitern, wie die konzentrischen Kreise eines über das Wasser gleitenden Steins erzeugt eine größtmögliche Annäherung. Teilweise so nah, dass sich die Wellen überschlagen, vereinen und zu einem wunderbaren Zusammenklang werden. 

Mittwoch, 20. Mai 2015

Aufgemerkt: Sophia & Beni



Wie ein Wiedersehen mit alten Freunden.

Anfang 2012 hatte ich bereits auf das nach wie vor sehr stimmige Album des Liedermachers Beni Feldmann hingewiesen. Nachdem ich seinem abwechslungsreichen Gebräu aus klassischen Volksweisen und zeitgenössischer Liedermacherei danach auch live lauschen und dabei feststellen durfte, dass er numehr in trauter Zweisamkeit gemeinsam mit Sophia Spöler unter dem Namen Sophia & Beni musiziert, gibt es nun Nachschub.

Jetzt liegt deren erstes Album "Friedensstrasse" vor und dieses setzt genau da an, wo "Ich schreibe einfach einen Song" aufhört. 12 Songs, die gleichsam auf der Straße, am Lagerfeuer, im Konzertsaal oder in den Fußgängerzonen und Wohnzimmern dieser Welt funktionieren. Sophia & Beni schleichen sich dabei wie vertraute Freunde an das Ohr des Hörers und nehmen ihn mit auf eine Reise, die unter anderem deutsches und irisches (Volks-)Liedgut streift und sowohl instrumental als auch durch die Dreisprachigkeit einige Überraschungen bereit hält.

Gab es auf Benis Debüt noch einige sprachliche Stolperer, fallen dieses Mal vor allem die anglophilen Stücke positiv auf, deutlich voran das federleicht wippende "Dance, Darling", dass der besten und schönsten Wirtin Münsters gewidmet sein soll und, hört man den zärtlichen Ton in der Stimme des Sängers und die sanft vor sich hintänzelnde Geige von Sophia, die zum Stelldichein bittet, scheint da nicht nur ein Körnchen Wahrheit im Ursprung zu liegen. Doch auch das vor allem von Sophia gesungene und von Leo Moran von den Saw Doctors geschriebene "Clare Island" weiß durch eine feine Nuancierung zu überzeugen. Vor allem dann, wenn beide Musiker zusammen singen, entpuppt sich das gesamte Potential des Duos, deren Kunstfertigkeit aber trotzdem vor allem in der filigranen Beherrschung ihrer Instrumente liegt. Das zeigt sich in den beiden Instrumentalstücken "Golden Nugget" und "Der Rote Corsa®", ersteres eine virtuose und vor allem furiose Violinenphantasie, letzteres eine Hommage an das erste Bandfahrzeug, dem die Liebe zum Touren und "Unterwegs Sein" aus jedem Takt entgegenspringt. 

"Friedensstraße" zeigt in vielen Momenten einen sehr souveränen Umgang mit dem Medium "Lied", denn Sophia & Beni schaffen es, neben vielen Eigenkompostionen und Inspirationen, auch fremde Texte und Töne in ihr breites Oeuvre zu integrieren. So darf ein spanischer Folkschlager namens "Eu Quero Apenas" aus der Feder von Roberto Carlos ebensowenig fehlen, wie die auch schon auf Benis Debüt vorgenommene Würdingung Hannes Waders mit "Unterwegs nach Süden", die tolle Volksliedinterpretation von "Bunt Sind Schon Die Wälder" darf dabei nicht unerwähnt bleiben.

Sophia & Beni machen auf "Friedensstraße" vieles richtig und haben es vor allem geschafft, ein Album zu erschaffen, dem man die Straßen und Wege anhört, auf denen die einzelnen Stationen und Situationen erschaffen wurden und viel besser noch, sich tatsächlich abgespielt haben.  

Was fehlt? Ein Ohrenöffner und der Vorschlag die beiden auf ihrer Homepage, ihrer Facebookseite und auf den kommenden Konzerten zu besuchen. 

 






Montag, 18. Mai 2015

My (monthly) Mixtape 2015/5



Nach dem Mixtape ist vor dem Mixtape und so kommt es auch schon Mitte Mai zur 5. Ausgabe des laufenden Jahres. Dieses Mal übernehmen psychedelische und verschwurbelte Momente einen Großteil der vorgestellten Songs, doch auch klar akzentuierter Indie-Rock (von dem man aufgrund der ersten beiden Alben nicht ohne weiteres ausgehen konnte), Protest-Songs, die ein wenig in Richtung Selbstzitat driften und A Capella-Varietäten kommen zu Gehör. Gesungen wird wieder mal in den unterschiedlichen Sprachen und Zungen und auch die Männlein- und Weibleinverteilung ist so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Doch nun genug der Vorrede, hier kommen die diesmonatigen Aspiranten: 

01. Jacco Gardner - Another You
02. Other Lives - 2 Pyramids
03. Patrick Watson - Good Morning Mr. Wolf
04. Peter Broderick - Colours of the Night
05. Roomful of Teeth - Vesper Sparrow
06. Ela Orleans - The Sky and the Ghost
07. Sophie Hunger - Heicho
08. The Tallest Man On Earth - Darkness of the Dream
09. Brown Bird - Blood From the Tree
10. Tocotronic - Solidarität
11. Vierkanttretlager - Krieg & Krieg
12. Mumford & Sons - Tompkins Square Park
13. Blur - My Terracotta Heart
14. Skinny Lister - Cathy
15. My Morning Jacket - Get The Point
16. Jackie Oates - The Devil and the Farmer's Wife
17. Giant Sand - Pen to Paper
18. San Fermin - Woman in Red

Es nennt sich zwar nur "Visualizer", dient aber aber dem Zweck des Ohrenöffners:



Ach, und für alle die es noch nicht wußten: die Mixtapes dieses (und auch fast aller vergangenen Ausgaben) laufen immer wieder im "Radio Der Von Neil Young Getöteten", dass aber auch außerhalb dieser Reihe sehr sehr fabelhafte Musik in den Äther schickt!

Montag, 11. Mai 2015

ESC 2015 - ein ein erster Vorgeschmack




Jetzt geht’s lo-hos....Naja, nicht jetzt, sondern erst in acht Tagen, wenn das erste Halbfinale über die Bühne geht. Doch warum nicht auch schon einmal in die Ferne schweifen, um den sich beim diesjährigen ESC in Wien darbietenden Künstlern schon einmal das erste Ohr zu leihen.


Wie jedes Jahr wetteifern um die 40 Nationen um den besten Song, und da anlässlich des 60. Jahrestags der Veranstaltung sogar Australien (die seit Jahren eine treue Fangemeinde stellen und im Stillen immer schon Ehrenmitglied der IBU waren) teilnehmen wird, ist das Teilnehmerfeld so bunt wie immer, so vielfältig wie selten und so schräg wie... nun, so richtig verrückt wird’s heuer anscheinend nicht. Doch nun von Anfang an und her mit des Bänkelsängers' Favoriten, die hier in eher ungeordneter Reihenfolge vorgestellt werden sollen:

  1. Elina Born & Stig Rästa – Goodbye To Yesterday (Estland)

Duette sind ja spätestens seit The Common Linnets vom vergangenen Jahr stark im Kommen, und so schicken sich die beiden Esten Elina Born & Stig Raäta mit ihrem sehr hübschen 60s-Pop in deren Fußstapfen zu treten. Ein sehr ansprechender Wechselgesang, dazu gefällige Bläser- und Streicherhintergründe, auch die Wettbüros lieben die Zwei, das könnte was werden.

  1. Kjetil Mørland & Debrah Scarlett – A Monster Like Me (Norwegen)

Auch Norwegen schickt ein sehr aussichtsreiches Gesangsduo ins Rennen. Kjetil Mørland und Debrah Scarlett frönen allerdings eher der elegischen Ballade, die nicht nur im Titel ein wenig (wir sprechen hier vom ESC-Kontext!!) mysteriös daherkommt.

  1. Maraaya – Here For You (Slowenien)

Einfach mal einen richtigen guten Popsong präsentiert Slowenien mit „Here For You“. Maraaya punktet hier nicht nur mit einem extrem eingängigen Refrain und einer unverwechselbaren Stimme, auch die Bühnenshow mit Kopfhörern und Luftgeiger verspricht einiges.

  1. Loic Nottet – Rhythm Inside (Belgien)

Der Belgier hat wohl eine ganze Menge Lorde gehört und sich auch die zugänglicheren Nummern von James Blake und Jamie Woon zumindest angehört. Hier wird eher minimaler Pop mit sehr angenehmen Post-Dubstep-Versatzstücken gekreuzt, bei der Stimmer bin ich mir allerdings noch nicht so sicher, ob das auf riesengroße Gegenliebe stossen wird.

  1. Daniel Kajmakoski – Autumn Leaves (Mazedonien)

Vermutlich keine Chance hat der für Mazedonien startende Daniel Kajmakoski, doch dessen hübsch gefälliger Folkpopsong „Autumn Leaves“ kann durchaus mit aktuellen Produktionen gleicher Machart mithalten.


So weit so gut, fünf mehr oder weniger bänkelsängeraffine Vorschläge müssen reichen, doch bietet der 2015er-Jahrjang durchaus noch das ein oder andere weiter Schmankerl, wie den flehenden Balkan-Troubardour Knez aus Montenegro, den sanften Songwriterpop vom Zyprer John Karayiannis, die harmonischen Folker The Makemakes aus Österreich, soliden Discopop aus Israel und Australien oder das fürchterlich harmlose, aber zumindest eingängigePopständchen unserer Ann Sophie.

Und wer jetzt noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, darf sich schon mal mit Elina und Stig auf den 23.05.2015 einstimmen: