Sonntag, 15. Mai 2011

Moses Luster And The Hollywood Lights



Gedämpfte Lichter...

oder zumindest Kerzenflammen scheinen hier die richtige Beleuchtung zu sein und nicht die titelgebenden, gleißenden Leuchten der Traumfabrik. Das Album "I'm The Lion" gleicht einem Drift durch die Abenddämmerung, manch einer mag sich bei einem trockenen Drink am abgeschabten Tresen einer schummrigen Bar sehen. Moses Luster und seine Hollywood Lights spielen knappe 40 Minuten mit Licht und Schatten und werden nicht müde immer neue Stimmungen in die Waagschale zu werfen.
Musikalisch wird hier dem verwitterten Blues und Country des "alten Amerikas" gehuldigt, auf den ersten Blick dreckig und vernarbt, erst auf den zweiten Blick entpuppen sich die rauhen Klänge als flackerndes Leuchtfeuer.
Im an den "Loverman" des vorzüglichen Nick Cave erinnernden "Lover" zum Beispiel, das förmlich mit lasziver Wut auf hoher Flamme lodert oder im energischen "Kingpin" das sich zwischen manierlichen Frauenchören auch ein wenig forderndes Handclapping gönnt, von der quengelnden Orgel ganz zu schweigen.
"Pyroclastic" klingt dann wiederum wie für einen 70er-Jahre-Gangsterstreifen gemacht, gerade wenn die Ganoven schwerbewaffnet das prunkvolle Casino entern und dann doch der Held auf der Bildfläche erscheint. Überhaupt Las Vegas scheint passender Schauplatz für "I'm A Lion" zu sein, wuchtig, ausufernd und manchmal ein Stück "over the top", ganz so wie es Mr. Luster zu gefallen scheint. Schmutziger Glanz beherrscht die Szenerie, die sicherlich auch dem Seelenverwandten Tom Waits oder Johnny Cash gefallen hätte, bei letzterem zumindest in dessen Spätphase.
"Someday" wird nach den wüsten Stampfern zum ersten Mal ruhiger, nur zum Piano wird begonnen, fast entschließt man sich, sanft zu mildem Zwiegesang in die Nacht zu gleiten. Doch weit gefällt: im Höllenritt "The Fist Of Karma" reisst sanft aufgetürmte Stille entzwei und die darin aufgestaute Energie wird nach zartherben Start rasch ausgebreitet. Wer übrigens beim letztgenannten Song an frühere Phillip Boa-Glanztaten denkt, liegt meines Erachtens gar nicht so falsch.

Über die eher übersichtlich gestaltete Bandcamp-Seite kann ein weiterer Eindruck gewonnen werden, das Video bietet zudem einen Augen- und Ohrenschmeichler:

Eurovision Song Contest: Der Abend

Hochgehandelt und doch gefallen,

ist wohl Motto des diesjährigen Grand Prix, denn kaum einer der vorher in der Google-Gunst an der Spitze stehenden Interpreten noch die todsicheren Tipps britischer Buchmacher konnten sich in der Endabrechnung vorne behaupten. Dennoch war es ein gelungener Contest, der mit einigen Highlights, einer gelungenen Show und einem durchaus würdigen Sieger aufwarten konnte. Dass dazu die Technik exzellent, die Moderatoren arriviert und gut aufgelegt waren und der Beginn mit den 43 Lenas eine wirklich spektakuläre Idee war, kann man dem 56. Wettbewerb nur zugute halten. Doch alles Schritt für Schritt, kommen wir zur Kritik im Einzelnen.


1) Finnland/Paradise Oskar - Da Da Dam
Es lag dann wohl doch an der unglücklichen Startnummer Eins, dass des Bänkelsängers' Favorit mit seiner lockeren Folknummer allein zur Gitarre nur im unteren Fünftel zu finden war, der wahrlich märchenhafte Auftritt des kleinen Axel vor der aufegehenden Weltkugel hatte sicherlich mehr verdient.

2) Bosnien-Herzegovina/Dino Merlin - Love In Rewind
Trompete, Gitarre und ein klatschender Grandseigneur: mehr brauchte der Balkanstaat nicht um sich auf einen hervorragenden sechsten Platz zu singen. Der Refrain war aber auch zu eingängig, über das Clochard-Outfit darf man aber ruhig geteilter Meinung sein.

3) Dänemark/A Friend In London - New Tomorrow
Weltverbesserersongs hatten dieses Jahr durchaus Konjunktur. Sprints aus dem Stand über die große Bühne im schwarzen OP-Hemd waren eher Einzelstücke, verschafften dem launigen und ohrwurmigen Popsong aber immerhin Platz 5.

4) Litauen/Evelina Sasenko - C'est Ma Vie
Das war schon ein ziemlich unvorteilhaftes Outfit, dass die Dame aus dem Baltikum zu ihrer disneyinspirierten Musicalnummer da trug, die so unglaublich antiquiert daher kam, dass es auch dem Glöckner von Notre-Dame den Buckel hätte runterutschen können.

5) Ungarn/Kati Wolf - What About My Dreams?
90er-Jahre-Europop ist tot. Sicherlich wird die Riesin im blauen Satinhandtuch in den regenbogenfarbenen Discos dieser Welt als neue Muse hofiert, für einen ESC im Jahre 2011 reicht eine starke Stimme zu billigen Popbeats halt nicht mehr aus.

6) Irland/Jedward - Lipstick
Connie Francis hat es vorgemacht: Lippenstift am Jacket geht immer. Die quietschfidelen Legomännchen mit der Adventskerzenfrisur konnten den hohen Erwartungen zwar nur bedingt gerecht werden, der energiegeladene Auftritt war dann trotzdem für einen Platz in den Top Ten gut.

7) Schweden/Eric Saade - Popular
Gefühlte 37mal hat der Bravocoverboy "Popular" gerufen, dabei musste er sich aus Glaskäfigen befreien und leidlich "powerful" durch die Gegend tanzen. Eingängigkeit siegt über schlichten Geschmack, der Bänkelsänger sagt: "Bäh!" und wundert sich über Platz 3.

8)Estland/Getter Jaani - Rockefeller Street
Hier wurden auch Erwartungen in Grund und Boden gestampft. Der Auftritt vor New Yorker-Pappmachee-Wolkenkratzern im Bonbonkostüm war eigentlich wunderbar, doch anscheinend fühlte sich Europa bei der puppengesichtigen Getter Jaani zu sehr an die farbverwandeten "Aqua" erinnert.

9) Griechenland/Loukas Yiorkas - Watch My Dance
Was war das denn? Ich hatte mich über das Weiterkommen des wohl schlechtesten Rappers der Welt bereits im Halbfinale gewundert, dass der pathosgeschwängerte Ethno-HipHop-Folkloremix aber sogar die Top Ten entert hat mich bar erstaunt.

10) Russland/Alexey Vorobyov - Get You
Dicke Hose 2011. Der gelackte Alexey kam so unglaublich überheblich und von sich überzeugt rüber, dass der harmlose Popsong vor lauter Selbstverliebtheit zur Nebensache wurde. Dass dabei die Choreographie mehr nach holperndem Boybandgelumpe aussah, machte die Sache höchstens unfreiwillig komisch.

11) Frankreich/Amaury Vassili - Sognu
Der korsische Supertenor hat dann den Bogen doch überspannt. "Sognu" war dann doch zuviel Vangelis mit dem Holzhammer, als dass sich die schöne Pop-Oper in den Gehörgängen festsetze. Statt "Bolero 12 Points" leider nur Platz 15.

12) Italien/Raphael Gualazzi - Madness Of Love
Die wohl dickste Überraschung. Die unglaublich angenehme und mit warmer Stimme vorgetragene Pop'n'Jazz-Nummer bringt Italien nach 14 Jahren Abstinenz einen tollen zweiten Platz. Ein Pianoman deluxe, der jetzt hoffentlich nicht komplett durch den Mainstreamwolf gedreht wird.

13) Schweiz/Anna Rossinelli - In Love For A While
 Wahrscheinlich hat auch hier die Startnummer als Ladehemmer gewirkt. Die hübsche, von der Presse als "Lena-Kopie" bezeichnete Anna verzauberte mit einer hübschen Folknummer, die allerdings doch zu harmlos war und trotz "nanana"-Refrain nicht im Ohr hängenblieb. 

14) Großbritannien/Blue - I Can
So ein wenig scheint der Name verpufft zu sein. Als großes Comeback angekündigt, hat sich die englische Boyband mittleren Alters mit dem Obama-Gedächtsnispopsong keinen großen Gefallen getan, da Höhepunkte bis auf die netten Synthiklänge im Refrain auch eher Mangelware waren.

15) Moldau/Zdob Si Zdub - So Lucky
Na endlich passierte mal wieder was auf der Bühne. Einradfahrende Gartenwichtel, obskure Blasinstrumente, wilde Zirkusfanfaren und hin und her hopsende Skasänger: ein Ohrenschmaus hört sich zwar anders an, der Preis für die originelleste Bühenshow war den Moldawiern aber sicher.

16) Deutschland/Lena - Taken By A Stranger
Na immerhin Top Ten. Das künstlich ver"vampte" Fräuleinwunder wird erwachsen und bestätigt zumindest in Ansätzen ihre ESC-Form. Ein wenig verrucht, ein wenig futuristisch und ein wenig Spannung ergeben einen lockeren Cocktail zu dem nur die Eisschnellläuferinnern nicht sonderlich gepasst haben.

17) Rumänien/Hotel FM - Change
Einer der Ohrwürmer am heutigen Morgen. Das sympatische Popliedchen aus Rumänien glänze vor allem durch bei östlichen Staaten selten genutzes "richtiges" Englisch, was aber vor am britischen Leadsänger liegt. Ansonsten war der "muse"artige Gesang zu Anfang schon ein wenig zu kalkulierend.

18) Österreich/Nadine Beiler - The Secret Is Love
Das an Whitney Houston und Mariah Carey erinnernde Ballädchen im Mireille-Matthieu-Gedächtnislook fand ich anfangs langweilig, der zauberhafte Auftritt zeigte aber die unglaubliche Bühnenpräsenz der jungen Künstlerin. Leider auch ein Stück weg von den erwarteten Ergebnissen.

19) Aserbaidschan/Ell/Nikki - Running Scared
Ein moderner Grand-Prix-Sieger. Toll produziert, frisch vorgetragen und hübsch inszeniert im gerade so angesagten Nude und White-Look. Wenn zur Hälfte des Songs der Feuerregen prasselt, hätte man den Song auch von Take That vortragen lassen können, so durfte das ungleiche Duett einen historischen Erfolg feiern.

20) Slowenien/Maja Keuc - No One
In einer Mischung aus Bustier und Ritterrüstung singt sich die Slowenin vor vollbusigen Sidekicks in den Vordergrund der Bühne, schade dass die bombastische Produktion und die alberne Inszenierung von der wirklich guten Stimme abgelenkt haben, so war's halt nur mittelmäßig.

21) Island/Sjonni's Friends - Coming Home
Den tragischen Hintergrund zur Entstehungsgeschichte von Lied und Band mal außen vorgelassen, war das ein vergnügtes Kaffeekränzchen. Die fidelen Musiker mit echten Instrumenten haben sich ordentlich für die nächste Sommermatineé empfohlen, mehr war aber mit dem harmlosen Barfolksong nicht drin.

22) Spanien/Lucia Pérez - Que Me Quitten Lo Bailao
Da hätte man jetzt auch jedes x-beliebige Strandmädchen aus Spanien hinstellen können, austauschbare Stimme, austauschbarer Auftritt. Lediglich der Refrain zeugte trotz Landessprache von einigermaßener Ohrwurmqualität, aber die hatte der "Ketchup-Song" weiland auch...

23) Ukraine/Mika Newton - Angel
Allzuviel ist ungesund. Sandmalerei wurde auf der LED-Wand geboten. Die war spektakulär. Über das Liedchen der blonden Frau mit den Engelsflügeln hätte man diesen vielleicht rüberrieseln lassen, dann wäre wenigstens ein wenig mehr Aufmerksamkeit bei ihr geblieben.

24) Serbien/Nina - Caroban
Das beste nicht hauptsächlich englischsprachige Lied des Abends war einer der optischen Leckerbissen. Twiggy hüpft mit ihren kunterbunten Freundinnen vor einer psychedlischen Leinwand auf und ab und versprüht lässige 60er-Jahre-Nostalgie.

25) Georgien/Eldrine - One More Day
Das Lakritzschneckenkleid, die musikalische Verquickung von Linkin Park und den Guano Apes, dazu eine Stimme zum Steineschmeißen und ein heiserer Rapper: wie es diese Ausgeburt der Hölle auf Platz 9 landen konnte, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

Was bleibt nun als Fazit noch zu sagen. Dass sich der Bänkelsänger zwar mit dem Siegertitel anfreunden kann, sich aber noch mehr über eine bessere finnische, deutsche und estnische Platzierung gefreut hätte. Dass Italien wieder Lust auf den ESC hat und es dann auch verdient auf den zweiten Platz geschafft hat. Und dass der gestrige Abend mit Käseigel, Piroggen, Sektchen und guten Freunden trotz der besagten Tränchen im Knopfloch fabelhaft war. Den Sieger kann jeder posten, ich nehme die Nummer 2 und freue mich jetzt schon auf 2012 wenn es heißt: Welcome To Baku!

Samstag, 14. Mai 2011

Eurovision Song Contest : ein Überblick

Stammleser müssen heute und morgen ganz tapfer sein, der Bänkelsänger tobt wieder mal seine ESC-Begeisterung aus:

Im letzten Jahr lag ich mit meiner Prognose ja gar nicht so schlecht, dieses Jahr will ich erneut wagen, den größten Musikwettbewerb der Welt stimmungsvoll einzuläuten und auch die hoffnungsvollsten und interessantesten Songs und Künstler herauszuheben. Dass dabei mein Augenmerk dem Folk- und seinen Verwandeten gilt, ist nicht überraschend, da in diesem Jahr aber relativ wenig in dieser Richtung im Finale passieren wird, gibt's ein wenig mehr Vielfalt unter meinen Vorschlägen, los geht's:

Paradise Oskar - Da Da Dam
Über den netten finnischen Jungen von Nebenan, der mit verschmitztem Lächeln nur zu Gitarre singt und dabei die Welt verbessern will, hatte ich schon im Januar berichtet, jetzt ist er der erste Starter des Finales und inzwischen ein hochgehandelter Geheimtipp.

Getter Jaani - Rockefeller Street
Die bonbonfarbene Kulisse und das strahlende und quirlige Auftreten der Estin machen den Song zu einem quietschbunten Popsong, in dem viel passiert. Augen auf und nicht erschrecken.

Dino Merlin - Love In Rewind
Das ist Folk mit (Balkan-)Seele. Wenn der graue Wolf zur Gitarre in leider leidlich schlechtem Englisch über die Bühne wandert, kommt ein wenig Nostalgiefeeling auf. Der bosnische Beitag ist einer der "Grower" seit dem Halbfinale.

Raphael Gualazzi - Madness Of Love
Italo-Jazz, der wirklich gut und luftig daher kommt und bei dem man es dem Sänger anmerkt, dass er wirklich Spaß hat, wenn er am Piano sitzt.

und zum Schluß den Topfavoriten:

Amaury Vassili - Sognu
Nach den Vorschußlorbeeren und unglaublich guten Wettquoten bei den Buchmachern dieser Welt müsste der französische Tenor mit der Wallmähne jetzt schon das gläserne Mikro in Händen halten, nicht mal zu nrecht, denn sein korsischer Bolero ist echt fein:

 

Wie gehabt, wünsche ich denen die gucken, einen fabelhaften Fernsehabend, denjenigen die es eben nicht anschauen Durchhaltevermögen, denn ab Montag gibt es den Bänkelsänger in seiner normalen Form zurück und sage jetzt todesmutig voraus, dass der nächste Grand Prix nicht in Deutschland, wohl aber gut in Finn-, Ir- oder Estland stattfinden könnte. 

Montag, 9. Mai 2011

My monthly Mixtape: Mai


Ein wenig spärlich waren die letzten Einträge nach wie vor, was nicht zuletzt daran lag, dass der Bänkelsänger zu einem kleinen Wochenendtrip an der Mosel war. Das monatliche Mixtape ist somit ein wenig vom Anfang in die Mitte des Monats gerutscht, leider ist damit auch die monatliche Sendung auf dem "Radio Der Von Neil Young Getöteten" noch nicht ganz fertig, die Tracklist ist aber inzwischen komplett. 
Tierisch geht es zu auf dem Maibeitrag, Fliegen, Lämmer und Hyänen wetteifern auf's Schärfste, ein wenig Naturmystik gibt's obendrein, von Alltzumenschlichem ganz zu schweigen. Musikalisch geht es sehr abwechslungsreich zu, von zwielichtigem und elektronischem Folk über altertümliche Volksweisen bis hin zu echtem Trinkgesang. Wohl bekomm's.

01. Jamie Woon - Street
02. Son Lux - Flickers
03. Implodes - Screech Owl
04. Snowman - Hyena
05. Budam - The Fly
06. Ja, Panik - Nevermind
07. Bill Callahan - Baby's Breath
08. Montmorensy - Grass in Antarctica
09. 17 Hippies - Dorn
10. Mick Harvey - October Boy
11. Danger Mouse & Daniele Luppi - The Rose With A Broken Neck (feat. Jack White)
12. The Head And The Heart - Coeur D'Alene
13. Fleet Foxes - Sim Sala Bim
14. Alexander Tucker - God's Creature
15. Cass McCombs - The Lonely Doll
16. Little Scream - The Lamb
17. Chris Bathgate - Poor Eliza
18. Jim Bianco - Sinners

The Lamb by Little Scream

Dienstag, 3. Mai 2011

Im Schnelldurchlauf (I)

Lust auf eine neue Rubrik? Inspiriert durch die Rubrik "Was Kommt Im.." auf dem sehr sympathischen wie informativen Blog "Der Impuls", versuche ich mich mal an kurzen Zusammenfassungen, was weniger dadurch begründet ist, keine Lust auf normal lange Beiträge zu haben. Es fehlt aktuell vielmehr die Zeit, wie sonst ist zu erklären, dass der April gerade mal sechs Bänkelsänger-Beiträge enthält. Ich gelobe aber Besserung. Und für alle, die eigentlich das Mixtape als ersten Mai-Post erwartet haben, bitte ich noch um ein wenig Geduld, vermutlich komme ich erst in der kommenden Woche dazu. 

So, jetzt aber los mit: Alexander Tucker, Snowman und Son Lux.

Alexander Tucker - Dorwytch
Den hatte ich ja eigentlich als "interessant aber leidlich unhörbar" abgehakt, nachdem das letzte Album "Portal" zwar sehr gut war, aber dann doch zu selten im Player rotiert war. Irgendwas fehlte bei den stimmungsvollen Gitarrenarrangements des Engländers, der sich auch schon mal in gewagte Drone-Experimente verlor. Auf "Dorwytch" holt er vieles davon nach, zuviel könnte man auch meinen, denn die Folk- und Psychedlic-Pop-Songs sind allesamt von großer Intensität und verlangen doch nach der ein oder anderen Pause. 14 Stück sind es geworden und verlangen jede Menge Aufmerksamkeit, die man dem Album aber, am besten beim Träumen in der freien Natur, zumindest häufiger schenken sollte.


Son Lux - We Are Rising

Ryan Lott ist Son Lux und kommt aus New York. Auf dem Debut vor drei Jahren hatte er die kostbare Pretiose "Weapons" versteckt, einen Song der sich hinter dem dritten Portishead-Album hätte nicht verstecken müssen. Auf "We Are Rising" übernimmt "Flickers" diese Rolle. Vordergründig sicherlich Songwriter, schleicht ein Piano auf Katzenpfötchen durch Beats, Schlagwerk und filigrane Chorarrangements, teils so luftleer, das auch das diesjährige Referenzwerk James Blakes' nicht weit entfernt scheint. Allerdings gilt hier, wie bei beiden weiteren vorgestellten Alben: ohne gewisse Anstrengung macht das Zuhören nur halben Spass.


Snowman - Absence

Ach schade. War doch "The Horse, The Rat And The Swan" der experimentellen und avantgardistischen Rocker aus Australien mein heimliches Lieblingsalbum 2008, so kommt deren drittes Werk "Absence" bei weitem nicht an diese düstere und organische Stimmung heran. "Absence" ist dennoch ein mehr als hörenswertes Werk geworden, "Hyena" ist zum Bespiel ein hymnischer, verschachtelter Gruselspuk, in Gänze verliert sich dessen schaurige Wirkung allerdings in elektronischem Überfluss und zu viel konstruiertem Echochaos. Mit ein wenig mehr Songfokus und weniger Skizzenhaftigkeit hätte sich "Absence" sicherlich wieder im Vorderfeld der Jahrescharts platzieren können, so bleibt es gehobenes Mittelmaß.   

Donnerstag, 28. April 2011

Arborea



Wunderliche Welten.

Arborea klingt mehr als naturverbunden. Um so sonderbarer erscheint es da, dass das neue Album von Buck und Shanti Curran "Red Planet" heißt, ein Name der ja eigentlich eher nach Weltraum, genauer nach Mars klingt.

Musikalisch lässt sich erst einmal nichts überirdisches festmachen, der Opener "The Fossil Sea" ist ein sanfter, instrumentaler Einstieg, danach sorgt das bordunbassbegleitete "Black Is The Colour" für angespannte Nackenhaare. Nicht weil es für unwegsame Spannungsmomente sorgen würde, vielmehr weil sich die säuselnde Stimme Shantis wie eine Decke in die Melodien einhüllt und es ein Leichtes wäre mit den Gitarren- und Steichersaiten um die Wette zu schnurren. Das folgende "Phantasmagoria In Two" bleibt ebenfalls gut zugedeckt, bei "Spain" hingegen darf auch schon mal ein elegant daherkommendes Cellolüftchen durch das Dickicht brechen. Nicht umsonst singt Shanti davon den Wind zu fangen, um die wohligen Gefühle noch einmal einfangen zu können.
Einerseits bietet "Red Planet" diese fabelhaften Sonntagmorgenmomente, während die Sonnenstrahlen auf die noch angewärmte Bettdecke fallen und die Gedanken noch zwischen Traum und Wirklichkeit pendeln, andererseits steigern sich die beiden aber auch darüberhinaus, wenn sie eingeleitet durch das namensgebende Instrumental "Red Planet" anschließend die Nacht beschwören. Über neun Minuten tauschen sie die Morgenröte mit dem Zwielicht, die vorher noch so beschauliche Idylle weicht einer spröden Abendlandschaft, die sicherlich auch vom ein oder anderen Krater durchzogen sein könnte. "Wolves", Wölfe heißt dieses wohl zentrale Stück auf "Red Planet", dass an längst vergangene Volksweisen erinnert, gebunden in eine mystisch-volkstümliche Erscheinung, karg und trotzdem vollmundig.
Shanti Currans Stimmfarbe begeistert dabei in allen Stücken mit prägnanter Brillianz, einerseits so ergreifend wie Sandy Danny und Anne Briggs, andererseits auch kindlich und naiv wie im atmosphärischen und nur mit blechernden Gitarrenklängen intonierten "Song For Obol" Dass beide Musiker über die ganze Album hinweg eine Vielzahl teils ungewöhnlicher Instrumente hinzuziehen, ist dabei weder verwunderlich, sondern erzielt vielmehr genau die Spannung, die "Red Planet" trotz allen Flusses zu einem aussergewöhnlichen Hörerlebnis werden lässt. 
Hinfort mit den Kategorien, weder irden noch überirdisch, sinnlich scheint das einzig selig machende Attribut zu sein, wie man hier sehen und hören kann:




Montag, 25. April 2011

Implodes



Flirrende Flammenschwüle.

Nahezu instrumentales Liedgut ist auf dem Bänkelsänger durchaus gern gesehen, nach den kosmischen Grouper-Klängen dürfen nun auch Implodes ihre weitaus irdischeren Klänge in den Äther schicken. "Black Earth" heißt deren Erstlingswerk und oszilliert geradezu spielerisch von shoegazernden Gitarrenwällen hin zu ambienten Schalleskapaden.
Implodes kommen aus Chicago und wandeln auf verschlungenen Drone-Pfaden einher, lassen aber durchaus auch von Ferne erschallenden Melodien ausreichend Raum, ohne gleichzeitig wiederum eingängig zu wirken. So scheinen bei "White Window" Wellen aus Einzeltönen direkt in die Gehörgänge zu springen, wenn da nicht im Hintergrund sakrale Harmoniegebilde vorbeihuschen. Die Gitarren im folgenden "Screech Owl" klingen wiederum wie ein Zwitterwerk aus Sonic Youth-Harmonik und skizzenhaften Shoegaze-Fragmenten. Unterstützt von erdigen Trommeltönen und mehrstimmigem Flüstern erwächst eine schier naturmystische Atmosphäre, die nie künstlich oder gezwungen wird, fast schon organisch winden sich langgezogene Töne durch die wie zufällig hingeworfenen Strukturen.
Sämtlicher Gesang wirkt dabei verwunschen, ja durchaus auch verwaschen und versteckt sich hinter den stoischen und nur sehr langsam bewegten Klängen. In den zugänglichsten Momenten, wie im nach vorne gespielten "Meadowsland" erinnert "Black Earth" an die Candy Claws oder an Altar Eagle, ohne jedoch deren süßliche GHrundstimmung einzufordern. Implodes kommen ohne den genretypischen Zuckerguss aus, sie schaffen es gar im "Song For Fuckin Damon II (Trap Door)" grantelnd zu klingen und verwischen hier ein paar ihrer vorwitzig gelegten Ambientspuren.
Sie erweitern diese dann vielmehr wie im schlingernden "Wendy" noch um psychedelische Wohlfühlmomente und schließen im letzten Stück "Hands On The rail" mit einem wohlfeilen Harmonieklang ihre Reise um die Welt voller Zufriedenheit.

Man lade,höre und staune: Oxblood

  


Montag, 18. April 2011

Grouper



Wunderweiße Nebelschwaden.

Anlässlich eines Mixtape-Austausches, ich glaube es war eine der längst vergangenen plattentests.de-Osterwichtel-Aktionen bekam ich es zum ersetn Mal mit Liz Harris, die in der Regel unter ihrem Moniker Grouper auftritt zu tun. "Fishing Bird" vom Album "Dragging A Dead Deer Up A Hill" war darauf enthalten und zog mit seinem sonnendurchfluteten Gespinst aus Klangschichten und einer aus fernsten Fernen erschallenden Frauenstimme in seinen Bann.
Nun sind mit "A I A: Alien Observer" und A I A: Dream Loss" gleich zwei nachfolgende Longplayer erschienen, die wiederum mit unglaublich weit in Raum und Zeit strahlenden Klängen auf sich aufmerksam machen. "Alien Observer" ist dabei eher von zurückhaltender Schönheit, nicht dumpf und dennoch eher von tief unter der Erde kommend. "Vapour Trails" ist hier das Prunkstück, gedämpfte Hammer- und Glockenschläge, ein simmernder, leidlich einlullender aber dennoch betörender Gesang, formlos und doch perfekt in die allgemeine Schwerelosigkeit eingebettet. Harris schlingert Sternenwolken entgehen, oder hangelt sich eben an den Kondensstreifen entlang, freischwebend, gerüstfrei und nahezu haltlos.
Ausufernder, jedoch ohne opulent zu wirken scheint hingegen "Dream Loss" wirken zu wollen. Die Strukturen verwischen hier noch stärker in großflächige Bruchstücke, ohne jedoch beliebig oder ziellos zu wirken. "Atone" ist gar so zerbrechlich, dass erst bei genauem Hinhören eine björkische Verwandtschaft erkannt werden kann, der Rest wallt und schwelt in breiten Bahnen vor sich her.
Grouper macht "Field Recordings" ohne Aufnahmegerät, viele ihrer ambienten und sphärischen Stücke klingen wie eine Momentaufnahme tief untem im Ozean oder weit über den Sternen, nie hektisch, immer bedächtig und entspannt.

Entschleunigung ohne Kalkül:

Donnerstag, 14. April 2011

Budam



Heavy Songwriting.

Die ersten 120 Sekunden von "The Fly" sind magisch. Selten findet sich ein Albumopener der einerseits verstört, gruselt, fasziniert und verzaubert gleichermaßen.
Budam, eigentlich Buì Dam ist ein Tausendsassa von den Faroer-Inseln und hat mit "Man" sein zweites Album veröffentlicht. Auf diesem neun Titek umfassenden Werk geht der umtriebige Musiker so viele unterschiedliche Wege, dass es einem schier schwindelig werden mag. Die Stimme durchaus dem Waitschen Klangkosmos entlehnt, darf aber auch den Vergleich mit Nick Cave, dem hochverehrten Mark Growden oder dem erst kürzlich hier vorgestellten Alexander Hacke wagen. Ist "The Fly" ein schleichendes Monster in Moll, reißt einem das stetig vorwärts taumelnde und schleppende "The Elephant" schier den Boden unter den Füßen weg und mit dem folgenden "The Man Who Knows Everything" darf auch ein zerstörerischer Pop-Song mit Geräuschen, Stimmen und Klängen aus allen Ecken des Raumes nicht fehlen.
"Man" ist eine Reise, die mit den eigenem Vorstellungsvermögen brechen kann und trotzdem ist das herbeigeführte Chaos zu keiner Zeit unkontrolliert. Budam schreit, kreischt, krakeelt und croont sich in Tonlagen jeglicher Couleur, lässt die Stimme überschlagen und bleibt trotzdem melodiös, wie im kirmesmusikalischen "The Bicycle" wo neben Pianoklängen dann auch mal Trompeten erschallen dürfen und die meist düstere Atmosphäre ein stückweit hintenan gestellt wird.
Es ist kaum verwunderlich, dass die wagemutigen Kompositionen auch auf der Bühne in wundersame Szenen verpackt werden, schließlich ist der Färinger nicht nur Sänger und Songwriter, sondern vor allem Künstler. Bildsprache als Konzept, verbunden mit Spiritualität, Raffinesse und einem gewissen Maß an Verrücktheit und Wahnsinn: "Man" greift immer und beständig von allen Seiten an. Wenn auf das nervöse "The Aeroplane" das fast schon kontemplative "You Are My Religion" folgt und die Stimme an den Inselnachbarn Teitur erinnert kommt man sogar in einen schwelgerischen Traumzustand. Das fibrige "God Is Fucking With Our Heads" wird dann wiederum durch das mit Spieluhr eingeleitete "Last Song" abgelöst, das Budam, wie viele seiner Stücke auch mit weiblichen Hintergrundvocals anfüllt. "All You Dream You Get To Keep" ist dann trotz des irreführenden Vorgängersongs letzter Song des Albums und gleichzeitig eine wunderbar behutsame Verabschiedung mit der Bitte, sich dieser Traumerlebnisse doch weiterhin bewusst zu werden. Mit größtem Vergnügen.

Und hier der Augen- und Ohrenöffner:

Mittwoch, 6. April 2011

Hits von gestern: And Also The Trees - My Lady D'Arbanville

Da ich mich heute darüber gefreut habe, diese Urväter des Düsterfolkrocks wieder mal in Münster im Gleis 22 sehen zu können, gibt's deren wunderbare Coverversion des Cat Stevens-Klassikers in voller epischer Breite allerdings leider mit einigen klanglichen Einschränkungen: