Samstag, 2. Juli 2016

Hitparade 2/2016


Vermutlich ist es müßig (und trotzdem tue ich es immer wieder) den Kniefall wegen zu wenig Schreiberei zu machen, allein die Gründe sind dieselben. Doch ohne eine zweite Hitparade wollte ich auf keinen Fall in die zweite Jahreshälfte gehen. Schnell wird deutlich, dass das zweite Quartal ganz schön viel durchgemischt hat und auch das dieses Mal die Songs fehlen. Vielleicht schiebe ich die ja noch irgendwann im Lauf der kommenden Tage nach, falls nicht, auf den zwanzig (bzw. einundzwanzig) folgenden Alben sind umgerechnet gut über 200 Stücke zu entdecken. Die Hitliste im Einzelnen:


01    Marlon Williams – Marlon Williams
02    Benjamin Dean Wilson – Small Talk
03    Adia Victoria – Beyond The Bloodhounds
04    Damien Jurado – Visions Of Us On The Land
05    Sturgill Simpson – A Sailor's Guide To Earth
06    William Ryan Fritch – New Words For Old Wounds/Clean War
07    Karl Blau – Introducing Karl Blau
08    Sheawater – Jet Plane & Oxbow
09    Meilyr Jones – 2013
10    Laura Gibson – Empire Builder
11    PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project
12    Holy Esque – At Hope's Revenge
13    Kevin Morby – Singing Saw
14    Tindersticks – The Waiting Room
15    Trupa Trupa – Heartache
16    The Cray Twins – The Pier
17    Isolation Berlin – Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit
18    Let's Eat Grandma – I, Gemini
19    Bergen - Zeiten Für Kerle
20    Susanna – Triangle

Der passende Ohrenöffner kommt von Benjamin Dean Wilson, der mit seinem kleinen feinen Songwriteralbum einen echten Klassiker geschaffen hat:


Dienstag, 5. April 2016

Um Ecken und über Kanten: The Cray Twins – The Pier



Ein gleichmäßiger Strom durchzieht das Debütalbum „The Pier“ von The Cray Twins alias Paul Baran und Gordon Kennedy. Zähes Knistern, grelles Jaulen, schrilles Heulen – ein langsames Kabinett von Geräuschen, die sich mal künstlich, zumeist aber ungemein lebensnah und natürlich im Vorder-, Mittel- und Hintergrund abwechseln. Die Szenerien der einzelnen Stücke neigen zur Verschmelzung und trennen sich doch nach und nach voneinander ab. Nimmt „Torshavn“ noch die gegenständliche Hafenkulisse auf und lässt den Blick auf ein geschäftiges Treiben erahnen, wird es spätestens bei „Fianuis“ abstrakter. Vom Wind zerteilte Klagelaute könnten auf die Ahnen der inzwischen verlassenen Insel North Rona deuten, auf der sich besagtes Fianuis einstmals befand, das an- und abschwellende Brausen verstärkt den Eindruck noch und lässt ein Gefühl von Ferne und Abgeschiedenheit zu.

Auf „The Pier“ loten Baran und Kennedy die Grenzen von Langsamkeit, Unnahbarkeit und Endlichkeit aus, sie lassen gewaltige Naturdrones bis in die Unendlichkeit wiederholen und erweitern sie noch durch minimale Störfeuer aus Field Recordings oder artifiziell erzeugten Glitches. Pulse und Echos, denen häufig durch die Verfremdung der erzeugenden Instrumente ein völlig anderes Klangbild geschaffen wird, wechseln dazu wie  im Titeltrack mit dem Sound schleifender Gläser, wirbelnder Gischt oder brechender Wellen. Texturen brechen auf „The Pier“ ausgetretene musikalische Pfade auf, in dem sie zum Beispiel im dreiteiligen „Duao“ zuächst ein simples Nebeneinander verursachen, dann aber im zweiten Teil Textfragmente hineinwinden und sich dann zuletzt in die schlichte und kathartische Repetition ergeben.

Nie ist sicher, ob sich die Klänge auf „The Pier“ nur rein zufällig der Stimmhaftigkeit annehmen, wie es „Harbour“ gleich zu Beginn weismachen will. Um so irritierender ist die unvermittelte „Song-“Orientierung in „Song From A Black House“, das mit einem Sacred Harp-Hymnus eröffnet und sich in einen winddurchzogenen Choral verwandelt. Zuweilen erinnert „The Pier“ hier an die deutlich weniger grenzenbefreite (aber nicht minder hervorragende) Landschaftsbetrachtung „Diamond Mine“ von King Creosote und Jon Hopkins, Baran und Kennedy gehen aber insgesamt gemeinsam mit ihren zahlreichen Gästen (u.a. BJ Nielsen, Ken Vandermark) deutlich konsequenter zu Werke und lassen ihre Sounds ohne Worte zu Landschaftsbestandteilen werden. So verpuppt sich „The Pier“, das am 21.03.2016 via Fang Bomb erschienen ist, zu einem ausgefallenen und originellen „Klang-“Bild, dessen tonale Erscheinung sich mühelos und mit beeindruckender Wirkung der Bildhaftigkeit seiner Titel unterordnet.

Samstag, 2. April 2016

Hitparade 1/2016



Zwei Mixtapes, eine wohlmeinende Rezension und jetzt schon eine erste Hitparade? Nun, dieses Jahr geht einfach viel zu schnell rum und irgendwie habe ich noch nicht so viel Muße gewunden, viel für den Bänkelsänger zu verschriftlichen. Dafür war ich aber ganz doll für AUFTOUREN aktiv und habe dort für 8 meiner 10 Top Ten-Plätze des ersten Quartals warme Worte gefunden. Interessanterweise habe ich in diesem Jahr bislang mehr folkferne als -nahe Musik konsumiert und wenn ich mir die Veröffentlichungen in der Vogelschau der kommenden Wochen so ansehe, scheint es hier immer mehr zu einem Gleichgewicht zu kommen. Vielleicht ist es ja tatsächlich so wie mit dem Schmecken, hier sollen sich ja auch die Vorlieben alle sieben Jahre ändern bzw. zumidest neu sortieren. Und der Bänkelsänger wird im September 7! Doch nun erst einmal zu den Plätzen 1-10, von denen es die Nummer 1 zwar schon im letzten Jahr in meine Endabrechung geschafft hat, doch da Marlon Williams offiziell erst in diesem Jahr in hiesigen Gefilden auf Tonträger zu erstehen war, habe ich hier mal eine Ausnahme gemacht.

01 Marlon Williams – Marlon Williams
02 Damien Jurado – Visions Of Us On The Land
03 Shearwater – Jet Plane And Oxbow
04 The Drones – Feelin Kinda Free
05 Holy Esque – At Hope’s Ravine
06 Trupa Trupa – Headache
07 Meilyr Jones – 2013
08 Isolation Berlin – Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit
09 Tindersticks – The Waiting Room
10 Bergen – Zeiten Für Kerle

Die Songliste ist wie gehabt eher ein Stimmungbild von Stücken, die sich nicht auf den oben genannten Werken befinden, aber mehr als einer Erwähnung bedürfen:


Apollo – Oceans II
Poliça – Lime Habit
Bosse – Nachttischlampe
David Ramirez – Harder To Lie
Matt Kivel – Jamie's
The Winterlings – Honeymoon In Baghdad
Albrecht Schrader – Leben In Der Großstadt
Pet Shop Boys – Twenty-Something
San Fermin & Sam Amidon – Shiver
Sturgill Simpson – In Bloom


Der Ohrenöffner kommt dann mal von Apollo, von dem ich mir in diesem Jahr dann auch mal ein Album wünschen würde:




Samstag, 26. März 2016

My (monthly) Mixtape: 2016-2



Rechtzeitig noch kurz vor Ostern soll eine zweite Mixtapeausgabe für 2016 her. Und die hat es hin sich: so laut war in den vergangenen Monaten kein weiterer Aufgalopp, allein unter den ersten fünf Beiträgen tummeln sich Metall und alternativer Rock, von denen letzterer sein Unwesen wohl auch gerne in demn 90ern getrieben hätte. Dazu kommen einige wohlfeile und gut abgeschmeckte deutsche Überraschungen, Oldschool Country, Disco(!)-Extravaganzen und überbordende Pop-Capricen - los geht's: 

01. The Body - Wanderings
02. Bob Mould - Voices in My Head
03. TRUPA TRUPA - Halleyesonme
04. The Drones - Boredom
05. Le Magnetophone - Dorf im Herbst
06. Wintersleep - Shadowless
07. Mason Jennings - Future King
08. Richmond Fontaine - Two Friends Lost At Sea
09. James - To My Surprise
10. Damien Jurado - Cinco deTomorrow
11. Meilyr Jones - Rome
12. Brooke Waggoner - Fink
13. Violent Femmes - Holy Ghost
14. Loretta Lynn - Black Jack David
15. M. Ward - Girl From Conejo Valley
16. Bosse - Mordor
17. Isolation Berlin - Aufstehn, Losfahrn
18. Poliça - Lime Habit
19. Låpsley - Operator (He Doesn't Call Me)
20. Albrecht Schrader - Leben in der Großstadt

Den Ohrenöffner gibt dieses Mal der Abschlußsong des Mixtapes, eine kleine Pretiose deutschsprachigen Pops mit kostbar-kunstvollem Wortwitz und spiegelvorhaltenden Wahrheiten: 





Freitag, 18. März 2016

Bergen - Zeiten für Kerle




War einmal ein Bärenmann.

Kaum zu glauben, dass der „Bärenmann“ der wunderbaren Dresdner Band bergen schon gut drei Jahre alt ist. Doch immer noch scheint man diesem seltsamen Wesen aller Orten zu begnen, wenn man sich erst einmal auf ihn eingelassen.

Diese alltäglichen Seltsam- und Persönlichkeiten sind auch Themen auf „Zeiten für Kerle“, dem gleichsam verschrobenen wie wunderbaren Minialbum, das den schmalen Grad zwischen Winterkühle und Frühlingsknospen vortrefflich einfängt. Wieder singt Mario Cetti mit seiner milden Gute-Nacht-Geschichten-Erzählerstimme vom langsamen Erwachsenwerden, das er entweder spielerisch zu entdecken scheint oder augenscheinlich überrascht als gottgegebenes Moment aufnimmt. Mal bauen die Musiker mit Bau-“Klötzen“ an der eigenen Geschichte und suchen Schutz im filigranen und selbst errichteten Heim, mal werden bergen sentimental und fangen die tägliche Routine und die erlebte Wiederholung mit leichter Country-Note im titel gebenden „Zeiten für Kerle“ mit der gewohnten Sprachbegeisterung ein.

Doch lassen sie auch den Abschied vom „Bärenmann“ zu, dessen Geschichte nun mit melancholisch schönem und sentimentalem Ende schließt und schließlich wagen sich bergen gar im 6/8-Takt hinauf ans Meer, zur „Frau vom Fischer“, dass moritatengleich Sehnsucht, Schuld und Sühne vereint und in den Chroral „Wie ein stolzer Adler“ mündet. Ergriffen, erhaben und vollmundig wie nie erzählt die Band eine erschreckend ehrliche Geschichte, die nicht tragischer enden könnte.

Doch entgleisen nicht nur Zeit, Liebe und Gedanken, im erstaunlichen „Die laufenden Toten“ nehmen bergen uns mit in ihre Heimat, in der sich gerade am Wochenanfang Unarten abspielen. Hier entgleist Schlimmeres, das Cetti in beängstigende Worte kleidet: "es ist ein knackender Ton, wenn dein Mitleid abreißt, wenn sich ein menschliches Herz aus sich selber vereist, ohne Hast.“ So explizit waren die Musiker noch nie, die trotz aller Ernsthaftigkeit im Text der Musik ein reines Herz und erbaulichen Wohlklang schenken.

„Alles ist entgleist“, singen bergen im eröffnenden Prolog, einem kurzen, aufwühlenden Experiment und belassen es auf „Zeiten Für Kerle“, das am 26.02. via K&F Records erschienen ist,  schließlich auch dabei, ohne sich und ihren früheren Werken untreu zu werden. Sie bleiben so sehr Pop wie sie mögen, haben keine Angst vor Schlager und Chanson und lassen sogar ein wenig Lagerfeuer-Gefühl zu. Auch wenn der „Bärenmann“ in Zukunft von ganz weit oben zuschaut, bergen haben ihn und seine positive Seltsamkeit tief in ihr Herz geschlossen. Und lassen uns hoffentlich noch lange daran teilhaben. 


Dienstag, 9. Februar 2016

My (monthly) Mixtape - 2016/1



482369623895x wollte ich in disem Jahr bereits einen ersten Beitrag verfassen und so den bereits in zahlreichem Umfang vorliegenden spannenden Neuveröffentlichungen das ein oder andere Wort zu gönnen, jetzt ist es schlußendlich dann doch erst Februar geworden. Dass es dann doch "nur" ein Bänkelsänger-Mixtape geworden ist und nicht eine spannendes, obskures oder lang herbei gesehntes Album, ein farbenprächtiges Video oder ein erstes Bandportrait, ist der Zeit geschuldet. Aber hier gelobe ich (wieder mal) Besserung und komme nun zum Wesentlichen. 

Die vorgestellten 16 Titel laden so farbenprächtig wie selten in ein neues Bänkelsänger-Jahr ein und versammeln mit Shearwater, James Yorkston und Turbostaat drei völlig unterschiedliche All Time-Favourites, mit Aidan Knight, The Anchoress und Matt Kivel drei wiederum herausragende Neuentdeckungen und mit "Harder To Lie" von David Ramirez einen ersten wahrhaften Lieblingssong. Doch nun zum Tape in seiner ganzen Gänze:

01. Dylan LeBlanc - Cautionary Tale
02. David Ramirez - Harder to Lie
03. YorkstonThorneKhan - Little Black Buzzer
04. Mass Gothic - Want to, Bad
05. The Anchoress - Doesn't Kill You
06. Anna Ternheim - For The Young
07. Dota - Vergiftet
08. Aidan Knight - The Arp
09. Turbostaat - Eisenmann
10. Matt Kivel - Jamie's
11. Shearwater - Glass Bones
12. Get Well Soon - Young Count Falls For Nurse
13. Hexvessel - Mushroom Spirit Doors
14. The Winterlings - Honeymoon in Baghdad
15. Sivert Høyem - Silences
16. Tindersticks - We Are Dreamers

Der Höraufmerker stammt vom Lieblingsliedaspiranten höchstselbst:


Ach so: ein Frohes Neues Jahr Euch allen!

Dienstag, 22. Dezember 2015

Hitparade - Die Alben des Jahres 2015


Auch dieses Jahr soll eine Hitparade der tollsten, hörenswertesten, überraschendsten und spannendsten Alben nicht fehlen. Insgesamt überrascht in diesem Jahr eine Hinwendung zum Pop, der mal elegant, mal raffiniert, mal experimentiell und mal sogar avantgardistisch dargeboten wird. Doch auch Freunde bänkelsängertypischer Musik kommen auf ihre Kosten, sorgen doch auch ausgewählte Schmankerln aus den Sparten Folk, Alt-Country und Americana für Furore. Und nun Vorhang auf für die Top 40:

 01 Destroyer – Posion Season

Schon nach zwei bis drei Hördurchgängen stand fest, dass Den Bejar dieses Mal etwas noch Großartigeres geschaffen hatte, als auf seinen vorherigen Alben. Süffiger, raffinierter Pop, der sich geschmeidig in alle Richtungen ausstreckt und vor Verve und Eleganz nur so strotzt.

02 Daniel Knox – Daniel Knox

Daniel Knox steht der diesjährigen Nummer Eins in fast nichts nach, bedient er doch ähnliche Aufnahmekanäle. Auch hier überzeugen die  feingesponnene Arrangements, die Knox mit seinem überragenden Bariton noch veredelt.

03 Roomful Of Teeth – Render

Nahezu gänzlich ohne Instrumentarium sorgen Roomful Of Teeth dieses Jahr für die Überraschung auf dem Bänkelsänger. Klassischer Kammerpop von neun Ausnahmestimmen, herausragend im Konzept, vortrefflich in der Ausführung.
 
04 John Grant – Grey Tickles , Black Pressure

Das verquerste Album Grants ist zugleich sein bestes. Das liegt nicht nur am alles überstrahlenden "Disappointing", vielmehr versammelt Grant hier all seine Tugenden und Boshaftigkeiten und formt ihnen perfekt passende klangliche Rahmen.
 
05 Joanna Newsom – Divers

Heiß ersehnt und gleich wieder verliebt. Dass "Divers" ihr vielleicht konventionellstes Album sei, wurde aller Orten bereits diskutiert, wenn aber Konvention zu solch fabelhaften Kompositionen wie dem ätherischen Titeltrack oder dem samtenen "Leaving This City" führt, bin ich mal ausnahmsweise Fan der Konvention. 

06 Julia Holter – Have You In My Wilderness

Auch Julia Holter baut ihre Sounds weiter zu verführerischen unnahbaren Popsongs aus, und erschafft trotzdem turmhohe Gefühlswelten, die zwischen Autobiographischem, Weltschmerz und sanfter Psychologie oszillieren.  

07 Chelsea Wolfe – Abyss

Die dunkle Note meiner Top Ten stammt eindeutig von Chelsea Wolfe, deren nokturne Klanggewalt enorme Vehemenz gewonnen hat. "Abyss" ist ein gravitätischer Tiefenrausch voller Verletzlichkeit, doch flicht sich immer wieder metallisch glänzende Melodien ein.

08 Sarah Kirkland Snider – Unremembered

Dass es ein Komponistenalbum in die Top Ten schafft, war ebenfalls nicht vorauszusehen. Doch was Sarah Kirkland Snider auf "Unremembered" DM Stith, Shara Worden und Padma Newsom in den Mund legt, sind wohlfeile Kunstlieder voll von Kindheitserinnerungen. 

09 Circuit Des Yeux – In Plain Speech

Kapriolenschlagener Art-Pop an der Grenze zum Experiment mit Exkursen in aller Herren Genres: "In Plain Speech" ist ein Gesamtkunstwerk, an dessen Spitze das himmlische "Fantasize The Scene" steht.

10 Josh Ritter – Sermon On The Rocks

Ein bisschen "echter" Folk und Country sollte sich auch noch in den Top Ten tummeln und so sorgt Josh Ritter mit seiner hervorragenden neuen Songsammlung, in denen vor allem die Singalongs "Getting Ready To Get Down" und Henrietta, Indiana" sowie das pianogetränkte Spoken-Word-Wunder "Homecomin'" hervorstechen.

Den Rest nach den Zehn gibt es wieder in Listenform. Hier tummeln sich liebgewonnene Lieblingsbands, überrragende Newcomer, spannende Quereinsteiger und erstaunliche Grenzgänger:

11 Father John Misty – I Love You, Honeybear
12 The Decemberists – What A Terrible World, What A Beautiful World
13 Autre Ne Veut – Age Of Transparency
14 Tocotronic – Tocotronic (das rote Album)
15 Ryley Walker – Primrose Green
16 Marlon Williams – Marlon Williams
17 Susanne Sundfor – Ten Love Songs
18 Matthew E. White – Fresh Blood
19 The Mountain Goats – Beat The Champs
20 Will Varley – Postcards From Ursa Minor

21 Brandown Flowers – The Desired Effect
22 Noah Gundersen – Carry The Ghost
23 Algiers – Algiers
24 Myrkur – M
25 Wanda – Bussi
26 Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
27 Jonas Carping – Cocktails & Gasoline
28 Natalie Prass – Natalie Prass
29 Trembling Bells – The Sovereign Self
30 Jessica Pratt – On Your Own Love Again

31 Alasdair Roberts – Alasdair Roberts
32 The Dropout Patrol – Sunny Hill
33 Jackie Oates – The Spyglass & The Herringbone
34 Federal Lights – Coeur De Lion
35 Punch Brothers – The Phosphorescent Blues
36 Binoculers – Adapted To Both – Shade And Sun
37 Romano – Jenseits Von Köpenick
38 Red River Dialect – Tender Gold And Gentle Blue
39 Bilderbuch – Schick Schock
40 Tom Liwa Mit Flowerpornoes – Umsonst & Draußen

Vielleicht schicke ich am Jahresende noch ein "Und sonst?" nach, das jene Alben, EPs und Songs beinhalten soll, denen zumindest eine oder mehrere lobende Erwähnungen gebühren und die sonst nirgendwo auftauchen. Bis dahin rate ich zum Ohrenöffner, der dieses Mal Platz 3 gebührt:

 

Montag, 21. Dezember 2015

Hitparade - Die Songs 2015



Während im Hintergrund Stara Rzekas Album „Zamknely sie oczy ziemi“ sich seinen Weg in die Gehörgänge bahnt und ich noch am Jahresende noch auf der Suche nach dem ultimativen Geheimtipp oder der übersehenen Pretiose bin, kann ich ja schon mal anfangen, ein wenig Jahresrückblick zu wagen. Völlig untypisch, geht es dieses Mal mit den Songs los, die mich in den vergangenen 12 Monaten begeistert, erschüttert, weggeblasen, erheitert, gefangen genommen, fasziniert und aufgerüttelt und mir wahlweise Stehhaare, Freudentränen, Lächeln ins Gesicht oder spontane Gefühlsregungen in Gesicht und Körper verursacht haben.
Waren sonst die Albenbeiträge, die ohnehin schon in meiner Jahreshitparade auftauchen, nicht namentlich erwähnt, gehe ich dieses Jahr auch hier andere Wege und beschreibe nicht mehr und nicht weniger die Top Ten meine Lieblinge in Wort und Ton (sofern vorhanden.)

Vorhang auf:

1 John Grant – Disappointing

Dieses Jahr führte kein weg an John Grants Hymne an die Liebe vorbei, "Disappointing", gemeinsam mit Tracey Thorn kongenial im Duett fabriziert und mit hinreißenden Bildern im dazugehörigen Bildern versehen:



2 Dawes – All Your Favourite Bands

Dawes haben neben John Grant wohl den besten Mitsingrefrain geliefert, mit dieser wundervollen Zeile, die sowohl Hoffnung, Melancholie als auch Wunschdenken vereint: "and may all your favourite bands stay together":

3 Josh Ritter – Getting Ready To Get Down

Unterschätzen wird Josh Ritter nach mehreren tollen Alben in Folge niemand mehr, das beweist er auch auf seinem aktuellen Werk "Sermon On The Rocks". Und  wenn dort solch schmissiger Roots-Rock-Line-Dance-Country drauf ist wie bei dieser Augenzwinkerei kann nichts schief gehen: 


4 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – S.O.B.

Den hatte ich vorschnell zum Hit des Jahres gekürt, jetzt reicht es nicht mehr ganz für das Treppchen. Egal, "S.O.B." ist immer noch ein heißer Feger aus kontemporären Rhythm'n'Blues, zu dem man einfach tanzen muss:



5 Destroyer – Times Square

Vorweggenommen: Destroyers "Time Square" steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe an Songs auf dessen Album "Posion Season", doch dazu später mehr. Funkelperlenschöner lupenreiner Pop für die blaue Stunde:




6 Love A – 100.000 Stühle Leer

Deutscher, zugegeben angepoppter Punk findet außerhalb von den mir sehr verehrten Turbostaat nur sehr sehr selten auf dem Bänkelsänger statt. Love A mit ihrem wichtigen "100.000 Stühle leer" könnten hier (mit dem insgesamt auch sehr ansprechenden dazugehörigen Album "Jagd & Hund")  für Abhilfe schaffen:



7 Father John Misty – Bored In The USA

Ziemlich zu Anfang des Jahres sorgte diese herausragende Hommage an den barocken Pop der 60er-Jahre mit dem zynischen Text für Furore, und hat sie sich bis heute bewahrt:


8 Autre Ne Veut – Age Of Transparency

Ein Future-Soul-Künstler, bei dem ich mich dieses Jahr nicht entscheiden konnte. Das Album eine Großtat, doch der Titelsong noch viel viel größer. Allein der Chorus und das schmelzende Saxophon versetzen Berge:



9 Brandon Flowers – Can't Deny My Love

Der hartnäckigste Ohrwurm des Jahres gebührt Brandon Flowers, dessen "Can't Deny My Love" einfach überall funktioniert, beim Autofahren, beim Bügeln, Kochen, in der Disco:


10 Tocotronic – Jungfernfahrt

Lärmiger Pop mit Selbstbezug. So schön konnte man schon lange nicht mehr mit den vier Jungs schwelgen. Und live waren sie ein Triumph (und wer sich jetzt wundert warum da unten "Zucker" läuft, leider war es mir nicht möglich ein adäquat einbettbares Klangbeispiel zu finden, und "Zucker" ist mittlerweile fast eben so stark):



Die weiteren Plätze im Überblick sehen dann wohl so aus:

11 Will Varley - As To My Soul
12 Jan Koch und das alte Cello – Seemannsgarn
13 Sfir – (Der Geruch von) Große Welt
14 Circuit des Yeux – Fantasize The Scene
15 The Decemberists – Cavalry Captain
16 Tom Liwa mit Flowerpornoes – Federkleid
17 Majical Cloudz – Silver Car Crash
18 Will Butler – Anna
19 Miguel – Coffee
20 Daughn Gibson – Shatter You Through

Montag, 23. November 2015

My (monthly) Mixtape 2015/11



Jetzt, nachdem endlich (fast) alle Blätter gefallen sind und es draußen knackig kalt geworden ist, ist wieder mehr Zeit für gute Musik. Grung genug, sich die erlesene Auswahl auf dem Mixtape des Monats einmal genauer zu betrachten. Die Novemberausgabe versammelt hierbei auf gut 70 Minuten Spielzeit Abersonderliches, trifft doch Adeles Breitwandorgan auf die Orgeldrones von Anna Von Hausswolff, der vertrackte Experimental-Trap von Rabit auf den Roadtrip-Country von Eric Church oder der erfreulich erfrischende Songpoet Jan Koch und das alte Cello auf die verträumt psychedelischen Australier von King Gizzard & The Wizard Lizard. Ach, und wieder Mal eröffnet ein potentieller "Song des Jahres" das Mixtape: 

01. Will Varley - As for My Soul
02. Baron - Dragonfly
03. Matt Bauer - Fields, No Body
04. Nadia Reid - Track of the Time
05. King Gizzard & The Lizard Wizard - Bone
06. Eric Church - Mistress Named Music
07. Jan Koch und das alte Cello - Seemannsgarn
08. Jacob Faurholt - Future Wife
09. Grimes - California
10. Adele - I Miss You
11. Anna von Hausswolff - Evocation
12. Rabit - Fetal
13. Emily Portman - Darkening Bell
14. Martin Courtney - Northern Highway
15. Corb Lund - Sadr City
16. Von Brücken - Lady Angst
17. Guy Garvey - Belly of the Whale
18. Josh Ritter - Homecoming


Wählen wir aufgrund der Vielfältigkeit des Ohrenöffner mit Bedacht:




Sonntag, 8. November 2015

JP Hoe



Eine kleine Herbstmusik.

Vor kurzem hatte ich hier ein paar Worte über den sanft schmeichelnden Indiefolk der Kanadier von Federal Lights verloren. Gemeinsam mit diesen war der Songwriter JP Hoe im Herbst auf der Canadian Showcase-Tour und hat mit „Hideaway“ nahezu zeitgleich sein neues Album veröffentlicht.

Auf „Hideway“ versammeln sich kraftvolle und geschmackvoll dicht ausstaffierte Country- und Folksongs, die JP Hoe immer mit so einem gewissen Sehnsuchtskick in der Stimme vorträgt. „Learn To Let You Go“ ist so einer von diesen Songs, in den Strophen mit ausreichend Streichereleganz umgarnt, bricht es im Chorus komplett aus dem Sänger heraus, der mir nichts, dir nichts zum seelenvollen Crooner wird. Der leichte Crisp in seiner Stimme veredelt, neben den lässigen Pianoakkorden und den Background-Bläsern auch das folgende „Like I Did Back“, das mit viel Energie und Leidenschaft vorgetragen wird.

Generell merkt man JP Hoe seine Spielfreude in jedem der 11 Titel auf „Hideaway“ an. Vor allem dann, wenn es aus den schönen erzählerischen Strophen in den heroischen, mit viel Inbrunst vorgetragenen Refrain mündet, scheint er sich am wohlsten zu fühlen. Das fängt in der herrlich altmodischen Americana-Liebeserklärung „Beautifully Crazy“ an, die sicher nicht von ungefähr als erste Single ausgewählt wurde, geht über das wehmütige, aber sehr intenstive "Save You" und hört beim kurzen, aber umso energischen „My Silhouette“ auf.

Eigentlich passiert auf „Hideaway“ nicht viel, was man nicht auch auf anderen amerikanischen Songwriter-Album erwarten würde. JP Hoe bekommt es aber hin, seine Begeisterung an der Musik in jeden einzelnen gesungenen Ton hineinzulegen und schafft es so, dass manchmal etwas stereotype Songwriting auszublenden. Einige Songs hätten eine so tiefgehende Bedeutung für ihn, dass er sich beim Spielen komplett in ihnen verlieren würde, sagt er selbst über die Stücke auf „Hideway“. Dass das keine hohle Phrase ist, hört man dem Album auf jeden Fall in jeder Sekunde an.

Den Ohrenöffner gab es in reiner Hörform bereits in den Kurzvorstellungen, jetzt und hier soll die Bebilderung unterstützen: