Freitag, 1. August 2014

My monthly Mixtape - August



Es ist Sommer, es ist ausnahmsweise mal richtig warm und selbst die unglaublichen Regenfluten vom vergangenen Montag konnten nichts daran ändern, dass es seit Urzeiten mal wieder ein pünktlich am ersten Tag des Monats erscheinendes Bänkelsängermixtape gibt.

Ausgehend von der vielen tollen Resonanz auf den letzten Folk&Americana-Beitrag ist auch die Augustausgabe mit jeder Menge an frischen, erdverbundenen Klängen ausstaffiert, jedoch kommen auch Conaisseure experimentiellerer Töne und alternativerer Rhythmen zum Zuge. Wilde Bluegrass-Fingerpickings wechseln dabei mit brachialem Gitarrenstörfeuer ab, es wird in drei, vielleicht sogar vier Sprachen gesungen und neben alten Bekannten, liebgewonnenen Neulingen und erfreulichen Wiedergängern tummelt sich auch der mutmaßlich beste Song des Jahres unter den zwanzig Kandidaten. Und nein, es ist kein Folksong im eigentlichen Sinne. Viel Spaß beim Rätseln, hier sind die Beteiligten:

 01. Dead Fingers - Big Black Dog
02. Corb Lund - Big Butch Bass Bull Fiddle
03. Jon Allen - Lady of the Water
04. Greg Ashley - Bruises
05. Trampled By Turtles - Silver Light
06. Jeff Beadle - This Aint Heaven
07. VerseChorusVerse - No More Years
08. Stu Larsen - Some Kind of Gypsy
09. Alex Behning - Desiree (Hinterhofschuhe Aus New York)
10. Chatham County Line - Any Port in a Storm
11. Der Nino Aus Wien - Wiener Melange
12. The Skygreen Leopards - Is It Love, Love, Love
13. King Creosote - Pauper's Dough
14. Morrissey - The Bullfighter Dies
15. Slow Club - Complete Surrender
16. The Raveonettes - Endless Sleeper
17. Perfume Genius - Queen
18. Manic Street Preachers - Let's Go to War
19. Fink - White Flag
20. Vampillia - The Volcano Song


Den Ohrenöffner gibt "Lady Of The Water", eine wunderbare klassische Folkweise:


Freitag, 25. Juli 2014

Aufgemerkt: Americana&Folk von zwei Kontinenten



Nachdem die letzte komplette Einzelrezension eine halbe Ewigkeit zurückliegt, hatte ich eigentlich den festen Vorsatz, dem nächsten vortrefflich für den Bänkelsänger geeigneten Album wieder solch einen Raum zu geben. Wie es der Zufall allerdings will, erscheinen dieser Tage vier wirklich herausragende Alben, die das Zusammenfassen dergestalt lohnen, dass sie allesamt ähnlicher musikalischer Ausprägung und von erlesener Güte sind. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass es auf dem Bänkelsänger gar keine einzelnen Betrachtungen mehr geben soll. Lassen wir uns doch erst einmal überraschen und beginnen mit dem ersten der vier Werke.


Jeff Beadle – The Huntings End

Jeff Beadle kommt aus Kanada und ist ein guter Folksänger. Jetzt habe ich auf dem Bänkelsänger während der vergangenen fünf Jahre den ein oder anderen Musiker ähnlicher Machart präsentiert, doch muss ich sagen, dass mich gerade Jeff Beadle während der ersten Hördurchgänge seines Debütalbums „The Huntings End“, welches am 1. August via Butterfly Collectors erscheint, mehr und mehr gefesselt hat. Stimmlich changiert Beadle irgendwo zwischen dem wunderbaren Rocky Votolato und dem nicht minder talentierten Simone Felice, was vor allem im herausragenden „Cautious Lovers“ zum Ausdruck kommt. Zur hart angeschlagenen Gitarre barmt Beadle sich in einen Sog von Gefühlen, die nicht kalt lassen können und vor inniger Wärme überborden. Es sind die klassischen Versatzstücke, mit denen sich Beadle seiner eigenen Americana-Version nähert, ob mit Mundharmonikabegleitung wie im herzzerreißenden „Heartbreak Hood“ oder in dem er seine Stimme kippen oder umher vagabundieren lässt wie bei „This Ain't Heaven“. Sicher, reinrassiger Americana-Sound atmet noch ein Quäntchen mehr Staub und dennoch lässt der trockene und dennoch umarmende Klang auf „The Huntings End“ wenig Wünsche offen. Selbst eine anschließende Tour gönnt uns der Musiker und kann in folgenden Orten zu folgenden Zeiten besichtigt werden:

AUG 05. : Trier - Wohnzimmer Konzert
AUG 06. : Schwäbisch Hall - Anlagencafe
AUG 07. : Haldern - Haldern Pop Festival
AUG 08. : Dortmund - Subrosa
AUG 10. : Cologne - Lichtung
AUG 11 : Düsseldorf - Brause
AUG 14 : Kiel - Prinz Willy
AUG 15 : Lübeck - Blauer Engel
AUG 16 : Münster - Gartenparty (invitation only)
AUG 20 : Mönchengladbach - Kulturküche
AUG 21 : Kassel - Radarien Club Konzerte
AUG 22 : Jena - Wohnzimmer.Sessions.Jena
AUG 23.: tba 

 


The Gentle Lurch – Workingman's Lurch

Es gibt Labels, die scheinen wie für den Bänkelsänger gemacht zu sein. Nach dem furiosen Hillside von Lestat Vermon erscheint am 25.07. nach langen 5 Jahren bei K&F Records „Workingman's Lurch“ von The Gentle Lurch. 11 sehr eigene, teils karg instrumentierte Americana-Versionen aus Dresden. Allerdings, auch hier gilt es sich dann doch noch mal konkreter über den Begriff „Americana“ Gedanken zu machen. Sind die wahnsinnig schön in ihre Bestandteile zerfasernden Stücke auf „Workingman's Lurch“ nicht viel mehr? Das entschleunigte „The Darkest Grove Of Pines“ etwa, das unheilschwanger mit den Worten beginnt „No One Has Anything To Say, But We Don't Mind, We Keep Silent For The Night“ oder der erzählerischen Titelsong umreißen ein deutlich umfangreicheres Genreangebot auf dem Album, dass laut Eigenaussage der Band um Cornelia Mothes, Frank Heim, Ronnay Wunderwald, Timo Lippold und Lars Hiller ein „ehrliches Rockalbum“ sein soll. Allein die Art und Weise, auf die während der ersten zwei Minuten musiziert wird, die schmeichelnde Klarinette, das Pizzicato-Echo der Streicher, der wechselnde Hintergrundgesang lassen nicht darauf schließen. „Workingman's Lurch“ ist auch nicht die Wundertüte, die gerne dann als metaphorisches Hilfsmittel genutzt wird, wenn ein Album aus zu vielen Töpfen nascht und irgendwann satt wirkt. Vielmehr sind die vielen Einflussgeber Mittel zum Zweck und vervollständigen das dritte Album der Band zu einer möglichen Neuinterpretation volkstümlichen Liedguts, dass trotz aller bewussten Patina modern und vor allem zeitgemäß klingt.

 

Trampled By Turtles – Wild Animals

Nach einer kanadischen Interpretation und einem deutschen Vertreter ist es wichtig auch mal die kontemporären Americana-Versionen des Mutterlands in Augenschein zu nehmen und schnell bleibt man beim aktuellen Oeuvre von Trampled By Turtles namens „Wild Animals“ stehen. Die aus Duluth in Minnesota stammende Band hat seit je her eine vom Bluegrass und Country-Rock infizierte Musikauffassung, wie man auch dem bereits auf dem Bänkelsänger vorgestellten Monsterhit „Codeine“ vom Album „Blue Sky And The Devil“ attestieren muss. „Wild Animals“ lässt die Fingerpickings gemächlicher dahin gleiten, setzt neue Akzente in Richtung Gospel und Roots Rock und, wen wundert's, hat in dem tollen „Repetition“ einen veritablen Hit an Bord. Das neue „Codeine“ ist wiederum das blitzschnelle „Comeback Home“, ein Bluegrass.-Stampfer allererster Güte. Doch auch das eröffnende Titelstück mit seinem choralen Hintergrund und einem eher gemessenen Grundtempo sowie die einnehmende Westernballade „Silver Light“ lassen auch aufgrund der Produktion des auf Slowcore spezialisierten Alan Sparhawk von Low lassen „Wild Animals“ zu einem wirklich guten Album werden. 

 


Old Crow Medicine Show – Remedy

Eine artverwandte Mixtur an Country, Folk, Bluegrass und Americana brauen auch die sieben Mannen von der Old Crow Medicine Show aus Nashville, Tennessee. Ketch Secor heißt der Sänger der Truppe und lässt sich mit begeisternder Musikalität mal von nervöser Steel-Gitarre oder waidwunder Mundharmonika begleiten. Auf „Remedy“ passiert dabei eine ganze Menge. Mal flirren die Saiten verschiedenster Instrumentengruppen wie vom Sturm gepeinigte Windräder durch die Landschaft wie beim berauschenden „8 Dogs 8 Banjos“, mal wird pathosbefreit gelitten wie im wunderschönen „Dearly Departed Friend“. Es ist das Wechselspiel aus ungeheuerlichem Tempo und gelassener Südstaatenatmosphäre, dass aus „Remedy“ ein tolles, wenn nicht sogar das beste der bisherigen fünf Alben der Band macht. Und wer von Old Crow Medicine Show bislang nur die Dylan-Kollaboration „Wagon Wheel“ kannte, darf sich dieses mal auf „Sweet Armadillo“ freuen, denn da mischt der größte Einflussgeber der Band mit.

 

Doch damit nicht genug. Eigentlich hätten gerade aus dem gerade mal wieder vom Bänkelsänger an seine Genregrenzen gebrachten Americana-Segment noch ein Vielfaches angesprochen werden können, denn hier passiert gerade eine ganze Menge. Doch dass soll Bestandteil eines neuen „Aufgemerkt'“ werden. Habt acht!



Montag, 7. Juli 2014

My monthly Mixtape: Juli



Wir drehen den Spieß wieder um, benennen die Mixtapeausgabe wieder nach dem aktuellen Monat und nachdem ich jetzt drei Beiträge in relativ kurzer Folge auf die Reihe bekommen habe, glaube ich auch, dass ich das zumindest in Ansätzen beibehalten zu können.

Dieser Monat versammelt 19 feine Musikstücke, die von minimalistischer Instrumentation bis zum großen Auftritt in audiophilem Cinemascope reichen. Die sich von einfachen Liebesliedern hin zu lustigen Singalongs hangeln und zwischen drin auch vor bärbeißem Country, hinreißenden Popmelodien und starken Rocksongs nicht haltmachen. Ein Mixtape somit für fast jeden Geschmack. Und wer's nicht glaubt, der liest's hier halt nach:

01. Hamilton Leithauser - 5 AM
02. Eugene McGuinness - I Drink Your Milkshake
03. Jack White - Would You Fight For My Love
04. The Felice Brothers - Cherry Licorice
05. Passenger - 27
06. Walter Martin - We Like the Zoo ('Cause We're Animals Too) [feat. Matt Berninger]
07. Joe Henry - Sparrow
08. Andrew Bird - Frogs Singing
09. Gregor Meyle - Hier Spricht Dein Herz
10. Old Crow Medicine Show - Dearly Departed Friend
11. St. Paul & The Broken Bones - Broken Bones & Pocket Change
12. Sharon Van Etten - Your Love Is Killing Me
13. The Secret Sisters - Lonely Island
14. The Pearlfishers - Open up Your Colouring Book
15. Sylvan Esso - Hey Mami
16. James - Curse Curse
17. Kasabian - Stevie
18. The Phantom Band - Atacama
19. Strand of Oaks - Heal

Den Ohrenöffner kennen die Facebook-Verfolger schon, jetzt kommen die Secret Sisters auch noch mal auf dem Blog zur Geltung:

Mittwoch, 2. Juli 2014

Hitparade zwischendurch: Für die Ewigkeit



Vor ein paar Wochen wurden bei den netten Kollegen von Plattentests.de nach 2008 mal wieder die 100 Songs für die Ewigkeit per User-Voting bestimmt. Die Top 3 sind mit The Smiths, Joy Division und Radiohead zwar nur bedingt Bänkelsängerkost, tauchen aber auch in meiner eigenen Top 100 auf. Und das sogar auf durchaus prominenten Plätzen.

Damit bis zum Mixtape mal wieder ein bisschen Zeit überbrückt wird und hier und auch auf des Bänkelsängers' Facebook-Präsenz wieder genügend Lesestoff vorhanden ist, poste ich meine erstellte Liste doch einfach auch noch mal hier:

1. The Smiths – There Is A Light That Never Goes Out
2. Rocky Votolato – Suicide Medicine
3. Björk – Bachelorette
4. The Decemberists – Eli, The Barrowboy
5. Arcade Fire – Intervention
6. Vic Chesnutt – Coward
7. Shearwater – Rooks
8. The Mountain Goats – Up The Wolves
9. Nick Garrie – The Nightmare Of J.B. Stanislas
10. DM Stith – Fire Of Birds
11. Björk – Human Behaviour
12. Anywhen – Dinah & The Beautiful Blue
13. The White Stripes – Dead Leaves And The Dirty Ground
14. Nick Drake – Black Eyed Dog
15. The Decemberists – The Infanta
16. The Smiths – Cemetry Gates
17. Nick Cave & The Bad Seeds – 15 Feet Of Pure White Snow
18. Phillip Boa & The Voodooclub – Fine Art In Silver
19. Patrick Wolf – The Childcatcher
20. The Mountain Goats – Moon Over Goldsboro
21. The National – Fake Empire
22. Gisbert Zu Knyphausen – Kräne
23. Morrissey – Irish Blood, English Heart
24. DeVotchKa – How It Ends
25. The Veils – Under The Folding Branches
26. The Decemberists – We Both Go Down Together
27. The White Stripes – Hotel Yorba
28. Nick Cave & The Bad Seeds – Brother, My Cup Is Empty
29. Seth Lakeman – Lady Of The Sea
30. Patrick Wolf – The Libertine
31. A Whisper In The Noise – Havoc
32. The Smiths – Sweet And Tender Hooligan
33. Sam Amidon – How Come That Blood
34. Ed Harcourt – Rain On The Pretty Ones
35. Radiohead – Paranoid Android
36. Bon Iver – Flume
37. Tocotronic – Explosion
38. Cult Of Youth – New West
39. Jackson C. Frank – Blues Run The Game
40. Strand Of Oaks – Sterling
41. Johnny Cash – Folsom Prison Blues
42. David Ford – Go To Hell
43. The National – Start A War
44. Mumford & Sons – White Blank Page
45. Violent Femmes – Blister In The Sun
46. Billy Bragg – A New England
47. Damien Rice – The Blower's Daughter
48. Einstürzende Neubauten – Stella Maris
49. Simple Minds – Belfast Child
50. Rocky Votolato – Automatic Rifle
51. Phil Ochs – Flower Lady
52. Silver Jews – Aloysius, Bluegrass Drummer
53. Pet Shop Boys – Being Boring
54. Neil Cousin – The Headless Hawk
55. Alasdair Roberts – Unyoked Oxen Turn
56. Kettcar – Balu
57. Turbostaat – Insel
58. Blitzen Trapper – Black River Killer
59. Leonard Cohen – Famous Blue Raincoat
60. Teitur – The Singer
61. Fleet Foxes – Oliver James
62. Jacob Golden – Out Come The Wolves
63. Chris Bathgate – Serpentine
64. Warren Zevon – Werewolves Of London
65. Joy Division – Love Will Tear Us Apart
66. Anywhen – The Siren Songs
67. Joanna Newsom – Good Intentions Paving Company
68. Animal Collective – Brother Sport
69. Sufjan Stevens – Decatur
70. Hans Unstern – Paris
71. Del Shannon – Runaway
72. The Divine Comedy – A Lady Of A Certain Age
73. James – Whiteboy
74. Manic Street Preachers – The Everlasting
75. Deine Lakaien – Mindmachine
76. The Church – Under The Milky Way
77. Architecture In Helsinki – The Cemetry
78. The Sisters Of Mercy – Marian
79. Zac Brown Band – Toes
80. Arcade Fire – Neighborhood #3 (Power Out)
81. Josh Ritter – Folk Bloodbath
82. The Killers – Read My Mind
83. Neutral Milk Hotel – Holland, 1945
84. I Am Kloot – No Fear Of Falling
85. Barry Ryan – Eloise
86. The New Pornographers – Entering White Cecilia
87. Jens Lekman – Friday Night At The Drive-In Bingo
88. Kettcar – Landungsbrücken Raus
89. Tom Waits – Misery Is The River Of The World
90. Islands – The Arm
91. Keane – This Is The Last Time
92. Frankie Laine – Jezebel
93. Carter U.S.M. - Suppose You Gave A Funeral And Nobody Came
94. Kante – Die Tiere Sind Unruhig
95. Matt Elliott – The Right To Cry
96. Depeche Mode – Enjoy The Silence
97. The Tiger Lillies – Banging In The Nails
98. Nick Drake – River Man
99. The Felice Brothers – Frankie's Gun!
100. Fischer-Z- Marliese

Natürlich gibt es bei solch einer Liste erstens keine Gewähr für Vollständigkeit, zweitens sieht solch ein Kompendium schon nach eineinhalb Stunden wieder völlig anders aus und drittens stimmt die Richtung immer noch, wie sich auch anhand der vorangegangenen Listenaktionen ablesen lässt. Und da damals schon jede Menge Videos dazu gepostet worden sind, nehm ich jetzt nur eins, das aber mit dem mir größtmöglichen Vergnügen. Viel Spaß beim Stöbern!

 

Montag, 23. Juni 2014

Hörbar 2014/1 - Der Bänkelsänger rekapituliert

Ich habe dieses Jahr schon verdammt viel Musik gehört. Und ich habe auch schon eine ganze Menge über Musik geschrieben. Ausserdem habe ich auch so das ein oder andere Mixtape erstellt. Nur hat das hier keiner sehen können, da ich den Bänkelsänger leider schon seit geraumer Zeit sträflich vernachlässigt habe, dafür aber eine ganze Reihe an Rezensionen bei AUFTOUREN veröffentlicht habe. Da ich mich nicht wiederholen will und wiederum Besserung geloben will, fasse ich einfach mal das bisher gehörte diesen Jahres in meiner speziellen „Hörbar“ zusammen und versuche bezeiten auch wieder mal das ein oder andere Mixtape zu veröffentlichen.

Genug der Vorrede, hier geht’s weiter...

2014 ist bislang ein leidlich düsteres Jahr, zumindest was den musikalischen Output meiner bevorzugten und neuentdeckten Musiker und Musikerinnen angeht. Sorgte gleich zu Beginn des Jahres die karge und intime Selbstbetrachtung Mark Kozeleks alias Sun Kil Moon auf „Benji“ für Begeisterung, setzten sich im Verlauf der folgenden Monate noch dunklere Töne durch. Der Einfachheit halber skizziere ich jetzt pro Album einfach mal ein paar Stichworte zusammen.

Meine Hörbar:

Ben Frost – A U R O R A - ist vielleicht noch nicht das beste, aber mit Sicherheit ein klarer Thronanwärter 2014, denn dieser kristallklare, schwarzglänzende, urbane Nachtmoloch saugt einem das Mark des Lebens aus den Knochen und lässt einen sprachlos und begeistert zugleich zurück.

  

Swans – To Be Kind – eifert dem ebenso herausragenden Vorgänger nach und vereint den den Swans eigenen druckvollen Hang zur Repetition mit einem Post-Punk-Verständnis, dass einen schier um den Verstand bringt.


Protomartyr – Under Color OfOfficial Right – bringt die bange Tristesse von Post-Punk und gothinfiziertem Rock unter einen Hut mit bärbeißiger Melodiosität.



Wo bleibt der Folk? Wo die Moritaten? Wo sind die bänkelsängertypischen Country- und Americanawege? Die haben es bislang noch nicht auf das Treppchen geschafft, allerdings sollen stellvertretend ebenfalls drei vortreffliche Werke genannt werden.

Sun Kill Moon – Benji – überrascht mit einem innigen, intimen Blick auf den Interpreten, der eindringlich über sich, seine Familie und Freunde und vor allem Gott und die Welt singt.

 

Sharon Van Etten – Are We There – überzeugt durch einen fast ebenso innigen Blick auf ihr Innerstes, allerdings deutlich wehmutgetränkter, dafür aber mit mehr Songorientierung.


Seth Lakeman – Word Of Mouth – nimmt nach „The Freedom Fields“ sein bisher bestes Album auf, auf dem so viele gute „Folk“-Songs drauf sind, wie lange nicht mehr.

 

Jetzt muss ich allerdings noch zwei weitere Alben würdigen, die im Laufe des bisherigen Jahres den Weg in meinen Briefkasten gefunden haben, als da wären:

Fredrik Kinbom – Oil – ist das absolute Überraschungsalbum, denn der stille und unglaublich musikalische Songwriterfolk ist fabelhaft instrumentiert, wird stilvoll vorgetragen und sorgt für den ein oder anderen Gänsehautmoment.

 

Lestat Vermon – Hillside – bringt auf seinem Zweitling Folk und Pop in nahezu perfekten Einklang ohne Beliebigkeit vorzutäuschen.

 

Doch das war in diesem Jahr beleibe noch nicht alles. Neben den oben erwähnten Alben hat der Bänkelsänger unter anderem bei den Werken von Angel Olsen, Noah Gundersen, Micah P. Hinson, Felix Meyer, Owen Pallett und Nick Waterhouse Bestnoten zu verteilen, die vielen guten bis mittelguten Alben führe ich jetzt mal nicht noch zusätzlich ins Feld.

So kann und soll es weitergehen. Der treue Follower dürfte überdies bemerkt haben, dass die Vogelschau in diesem Jahr bislang relativ regelmäßig gepflegt wurde und so soll's dann auch bleiben. 

Die Verlinkungen zu den einzelnen Alben führen zu den AUFTOUREN-Rezensionen, nicht dass noch irgendwer denkt, ich schmücke mich mit fremden Federn!

Samstag, 5. April 2014

My monthly Mixtape - März

Laut und leise, vehement und zurückgenommen. Dazu teilweise verkopft, verstiegen und verquer. Zuweilen aber auch anschmiegsam, ansprechend und anregend. Meistens lässig, liebenswert und lustvoll. Gerne aber auch nachdenklich, nervenzerrend und nebulös. Immer aber vorzüglich und somit fester Bestandteil des neuen Bänkelsängermixtapes, das im Folgenden zu Goutieren ist: 

01. The Hold Steady - I Hope This Whole Thing Didn't Frighten You
02. Manchester Orchestra - Girl Harbor
03. Future Islands - Spirit
04. Malachai - Sweet Flower
05. Mac DeMarco - Blue Boy
06. St. Vincent - Psychopath
07. Carla Bozulich - Deeper Than The Well
08. Saintseneca - Uppercutter
09. The Soft Hills - The Fold
10. Fredrik Kinbom - Ought To
11. Ages and Ages - Divisionary (Do the Right Thing)
12. Nick Waterhouse - This Is A Game
13. Johnny Cash - She Used To Love Me A Lot
14. Micah P. Hinson - I Ain't Movin'
15. Jus Post Bellum - Sharp Was The River Bending
16. Simone Felice - Bye Bye Palenville
17. Mighty Oaks - Horse
18. Bastard Mountain - Meadow Ghosts

Wie immer wird es auch in den folgenden Tagen auf dem "Radio der von Neil Young Getöteten" zu Gehör gebracht, jetzt muss erst einmal der Höraufmerker für Aufmerksamkeit sorgen:







Dienstag, 4. März 2014

My monthly Mixtape - Februar



Huch, ist ja schon März, daher schnell frisch ans Werk und die Februar-Rückschau für das Mixtape kompiliert. Nachdem ich Anfang des Monats dem fabelhaften Seth Lakeman (inklusive des hervorragenden Folk/Songwriter-Duos Sophia & Beni, von denen ich eine Hälfte genau hier schon mal beschrieben habe) zum ersten Mal live beiwohnen durfte, durfte ein Stück seines aktuellen Albums "Word Of Mouth" genauso wenig fehlen, wie Beiträge aus den weiteren bisherigen Album des Jahres-Kandidaten Angel Olsen und Sun Kil Moon. Dazu packen wir noch eine ganze Reihe an verstiegenen Neofolk-Varietäten, Gender- und Zerstörungspop, spielfreudige Alternative-Folker und ganz schön viel Drama. Hinhören, gerne auch im Laufe der kommenden Tage auf dem "Radio der von Neil Young Getöteten", das auch die bisherigen Mixtapes in unregelmäßiger Reihenfolge immer wieder zum Besten gibt.

Doch nun zur Liste im Einzelnen:

01. Fanfarlo - Cell Song
02. Ed Harcourt - In My Time of Dust
03. Seth Lakeman - The Courier
04. Augustines - Weary Eyes
05. The Farewell Drifters - The Day You Left
06. Noah Gundersen - Dying Now
07. Beck - Morning
08. Tara Jane O'Neil - Over. Round, in a Room. Found
09. Angel Olsen - Enemy
10. Kimi Kärki - Red Rooster
11. Paul Roland - Bates Motel
12. Lost in the Trees - Lady in White
13. Wild Beasts - Mecca
14. Marc Almond - Death of a Dandy
15. Planningtorock - Human Drama
16. Xiu Xiu - Lawrence Liquors
17. Scott H. Biram - Only Whiskey
18. Sun Kil Moon - Ben's My Friend


Ende März/Anfang April kommt Seth Lakeman übrigens noch mal nach Deutschland, bis dahin gibt's als Aufmerker noch mal seine aktuelle Single:

Sonntag, 2. Februar 2014

My monthly Mixtape - Januar


Nun immer eher als Rückschau und demnach noch ein wenig konzentrierter kompiliert, soll auch 2014 ein Jahr voll von Bänkelsänger-Mixtapes werden. 

Den Anfang macht ein Schaulaufen ungewöhnlicher Klänge, reicht doch die Bandbreite von sonnendurchflutetem Shoegaze-Postrock-Experiment bis hin zu Neofolk-Songwritertum, von bluesigem Americana bis hin zu flirrend versoultem Schlafzimmerfolk. Könnte spannend werden, oder? Hier wäre der erste Vorschlag für 2014:

01. Alasdair Roberts & Robin Robertson - A Fall of Sleet
02. James Vincent McMorrow - Cavalier
03. Chris Grant - Our Story
04. Andrew Duhon - The Moorings
05. The Magic Theatre - The Sampler
06. Damien Jurado - Silver Timothy
07. Spaceman Spiff - Teesatz
08. Terry Lee Hale - Black Forest Phone Call
09. Alcest - La nuit marche avec moi
10. Warpaint - Love Is To Die
11. Kimi Kärki - Young Goodman Brown
12. The Hidden Cameras - Gay Goth Scene
13. Ed Harcourt - We All Went Down with the Ship
14. Mark Pickerel and His Praying Hands - Burn The Shrine
15. Doug Paisley - Old Times
16. Ja, Panik - Eigentlich wissen es alle

Den Höraufmerker ist sicherlich auch längerfristig ein echter Ohrenschmaus:

  Cavalier - James Vincent McMorrow




Sonntag, 15. Dezember 2013

Hitparade 2013 - Die Alben des Jahres

Ein fast bänkelsängerloses Jahr ist nahezu rum. So karg wie 2013 war es hier noch nie und doch konnte ich mich in diesem Jahr keinesfalls hörenswerter Alben erwehren. Diese habe ich jetzt mal in Reihenfolge gebracht, zum einen um mir selbst den nötigen Ansporn für mehr Beiträge im kommenden Jahr zu geben, zum anderen wenigestens den Alben die entsprechende Würdigung zu geben, die sie mangels entsprechender Beiträge hier noch nicht bekommen haben.

Los gehts:



1    San Fermin – San Fermin

Das wohl überraschendste Debüt des Jahres erklimmt prompt die Spitze und lässt auch beim xten Durchgang keine Langeweile aufkommen. Die fabelhafte Mixtur aus barockem Pop und opulentem  Folk aus der Feder Ellis Ludwig-Leones überstrahlt in diesem Jahr alles und lässt auf eine farbenprächtige Zukunft hoffen.



2    Sam Amidon  - Bright Sunny South

Der junge Altmeister der Wiedererweckung traditioneller Folktugenden hat auch 2013 ein neues Meisterstück abgeliefert. Dieses Mal eher luftig instrumetiert, mit viel Geist für 70s-Folk und einem Hang zu watteweichen Bläsersätzen.



3    Cass McCombs – Big Wheel And Others
Das beste Doppelalbum des Jahres kommt von Cass McCombs. Mit seiner spannenden, eindringlichen Erzählweise und seiner unendlichen Bandbreite kommt selbst bei seinen mählich vor sich hin mäandernden Songs keine Langeweile auf.



4    Daughn Gibson – Me Moan

Es ist die Americana-Version für das neue Jahrtausend. Staubige Roadmovies werden in den dunkel glitzernden Cowboyanzug gezwängt und schillern mit den Neonlichtern am Strassenrand um die Wette. Truckerromantik? Schon, aber wenn dann mit Sahnehäubchen.



5    Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away

Wer hätte gedacht, dass Mr. Cave seinen meditativen Sprechsingsang noch einmal solche Intensität verleiht. Blues und Rock und Folk mit Noir-Charakter, irgendwo zwischen Erleichterung und Bangemachen, aber von herausragender Güte.



6    Bergen – Bärenmann
Kann den  Schlager Sünde sein. Nur weil die Band Deutsch singt und manierlichen Pathos in ihren kleinen Alltagsgeschichten unterbringt, ist das längst kein Befindlichkeitspop, sondern eine himmlisch haarsträubende Folkpop-Versuchung in zartbitter.



7    Volcano Choir – Repave

Workaholics werden beim Bänkelsänger belohnt. Justin Vernons farbenprächtiger Bilderbogen mit seiner Zweitband überzeugt mit deutlich mehr zugänglichen Songs als auf deren Debüt und lässt für das nachfolgende Solowerk viele Türen offen.



8    Crime & The City Solution – American Twilight

Da sind sie wieder da und landen mir nichts dir nichts in den Top Ten. Zwingender, geradezu fordernder alternativer Rock, der mindestens so dunkel wie das diesjährige Cave-Album ist. 



9    Matt Elliott – Only Myocardial Infarction Can Break Your Heart

Eher molldurchtränkt, wenn auch aufgehellter als auf den Vorgängeralben präsentiert sich Matt Elliott. Sein bislang längster Song "The Right To Cry" gehört gleichermaßen zu seinen besten und auch sonst ordnet sich sein diesjähriger Wurf nahtlos in die ausgezeichnete Diskographie ein.



10    Hanni El Khatib – Head In The Dirt

Er ist schon ein wenig zahmer als auf seinem wunderbar dreckigen Debüt. Dennoch macht Hanni El Khatib auch auf "Head In The Dirt" so viel richtig, dass er es gerade noch in des Bänkelsängers Top Ten schafft und so manchen eher arrivierteren Kandidaten hinter sich lässt.


Den Rest gibt's kurz und bündig in Listenform:

11    The National – Trouble Will Find Me
12    The Revival Hour – Scorpio Little Devil
13    Kirrin J Callinan – Embracism
14    PINS – Girls Like Us
15    Arcade Fire – The Reflektor
16    Chelsea Wolfe – Pain Is Beauty
17    Nadine Shah – Love Your Dum And Mad
18    Frank Turner – Tape Deck Heart
19    Pokey LaFarge – Pokey LaFarge
20    Stuart Warwick – The Butcher's Voice
21    Son Volt – Honky Tonk
22    Matt Berry – Kill The Wolf
23    Laura Marling – Once I Was An Eagle
24    Alasdair Roberts & Friends – A Wonder Working Stone
25    Man's Gin – Rebellion Hymns
26    Daniel Romano - Come Cry With Me
27    Frog Eyes – Carey's Cold Spring
28    Christopher Owens – Lysandre
29    Tocotronic – Wie Wir Leben Wollen
30    Jason Isbell – Southeastern
31    King Gizzard & The Lizard Wizard – Eyes Like The Sky
32    James Blake – Overgrown
33    Magic Arm – Images Rolling
34    Chris Watson - In St Cuthbert's Time
35    Dagobert – Dagobert
36    Banque Allemande – Willst Du Chinese Sein Musst Du Die Ekligen Sachen Essen
37    Possessed By Paul James – There Will Be Nights When I'm Lonely
38    Teitur – Story Music
39    Akron/Family – SubVerses
40    Buffalo Tales – Roadtrip Confessions

Und wer jetzt noch einen Höraufmerker erwartet, der darf sich auf das fabelhafte "Sonsick" von San Fermin freuen: 

 
 

Montag, 18. November 2013

My (monthly) Mixtape: Oktober/November



Ach ja, jetzt habe ich doch dieses Jahr fast mal Lieblingsjahreszeit überschlagen. Schließlich reihen sich im Herbst manische Singer/Songwriter, liebliche Folkbarden, alternative Country-Helden, Zwielichtsirenen und energische Liedermacher zum farbenfrohen Stelldichein in den Reigen ein, um gerade den Bänkelsänger behaglich in den Winter zu wiegen.

Nun gibt es doch noch ein wohlfeil kompiliertes Mixtape, dem das Schmuckstück fehlt. Hätte ich das fabelhafte rotweinschwere "The Right To Cry" mit in die Plylist genommen, hätte ich wiederum auf so einige Pretiosen verzichten müssen und daher darf man stattdessen auf den Link klicken um sich 17 Minuten von diesem sonderbaren magischen Bariton und dessen fingerfertigem Gitarrenspiel in den Bann ziehen lassen.

Darüberhinaus haben es 18 funkelperlende Stücke geschafft, die Gunst des Bänkelsängers für sich zu gewinnen. 18mal Musik an der Grenze von Herbst und Winter, meistens mit leicht schattenden Klängen behaftet, doch immer mit größtmöglicher Intensität. Und wenn ich nur auf einen Song ganz besonders hinweisen darf, dann träumt doch bitte mit "Methuseleah" in die klarkalten Nächte.

Hier geht's los:

1. Arcade Fire - Normal Person
2. Gloria - Eigenes Berlin
3. San Fermin - Methuseleah
4. John Allen - Tou Shalt Be saved
5. Jason Isbell - Traveling Alone
6. Colin Meloy - Waterloo Sunset
7. Teitur - Antonio And His Mobile Phones
8. Ha Ha Tonka - Rewrite Our Lives
9. Have Gun, Will Travel - Standing At The End Of The World
10. Johnny Flynn - Fol-De-Rol
11. Jory Carroll - Visions Of Kerouac
12. Palm Springs - Could You Be Wrong
13. Paul Mosley - The Beast
14. Piers Faccini - Black Rose
15. Prefab Sprout - Grief Built The Taj Mahal
16. Vikesh Kapoor - The Ballad Of Willy Robbins
17. The Dodos - Confidence
18. David Lang - Pain Changes


Eins der schönsten Videos des Jahres gibt's überdies als Ohrenöffner: