Montag, 26. Oktober 2015

My (monthly) Mixtape 2015/10



Und wieder geht ein Jahr. Es ist immerhin schon Herbst, nicht wahr? So langsam merkt man dann doch die den Körper umschleichenden kalten Winde und sieht  den hintereinanderher jagenden bunten Blätter zu. Im Oktober wird's somit ein wenig besinnlicher als sonst und vor allem im hinteren Teil des Bänkelsängermixtapes werden eher ruhige Töne angeschlagen. Zuvorderst stehen aber sarkastische und/oder kunstvolle Pop- und R'n'B-Varianten, schummrige Spätsommermusik und Line-Dance-Songwriting. Ach und der Folk kommt dieses Mal auch nicht zu kurz:

    01. John Grant - Disappointing (feat. Tracey Thorn)   
    02. Autre Ne Veut - World War Pt. 2   
    03. Editors - Life is a fear   
    04. Majical Cloudz - Silver Car Crash   
    05. EL VY - I'm the Man to Be   
    06. Joanna Newsom - Leaving the City   
    07. Lana Del Rey - Salvatore   
    08. Findlay Brown - Ride into the Sun   
    09. Protomartyr - Why Does It Shake   
    10. Jonas Carping - Higher Ground   
    11. Tom Liwa mit Flowerpornoes - Federkleid   
    12. Josh Ritter - Getting Ready To Get Down   
    13. Wanda - Meine Beiden Schwestern   
    14. Susan James - Poseidon's Daughter   
    15. Daniel Martin Moore - Golden Age   
    16. Ben Weaver - Black Horse   
    17. Monk Parker - Sadly Yes   
    18. Glen Hansard - McCormack's Wall   


...und als Ohrenöffner gibt es das vielleicht geschmäckerspaltendste Video des Jahres:



Montag, 19. Oktober 2015

Federal Lights



Von den kleinen Dingen.

Indiefolk hat auf dem Bänkelsänger zuletzt fast ein Nischendasein gefristet. Das lag weniger daran, dass derzeit kaum Besprechenswertes veröffentlicht wurde, sondern vielmehr an der Öffnung des Blogs für fast schon zu viele andere Nischen.

Mit Federal Lights, die ich in Kurzform bereits vor ein paar Wochen aufs Korn genommen habe drängt jetzt allerdings eine Band ans Licht, die mit „Coeur De Lion“ ein herzensschönes Album voller strahlender Indiefolkmomente hervorgebracht hat. Jean-Guy Roy heißt deren Frontmann und hat eine vollmundige, nach Kerzenwachs und Rotwein duftende Stimme, die wie geschaffen ist für die schattierten Abendstunden des Herbstes. Die Band oszilliert dabei vom hellen Tagesanbruch in die Nacht hinein und wechselt stöndig die Seiten. Ganz den Titeln entsprechend schummert sich „Dark Of The Night“ beinahe an das tieftönende Timbre des The National-Frontmanns Matt Berninger heran, während „Then Came The Light“ die zarten Melodieknospen der artverwandten Frühwerke von Noah & The Whale aufgreift.

Die kanadische Band schafft es hier eine immense Bandbreite aufzurufen und es sich trotzdem in ihrem in Teilen durchaus popaffinen Folkkosmos gemütlich zu machen. Dafür sorgen auch mal verführerische Balladen wie das wunderschöne „Amelia“, dessen behutsame Pianotupfer einen hellen Kontrast zu Roys zitterndem Bariton liefern oder das langsam verschleppte "Ctrl.Alt.Delete" Harmonischer Zwiegesang prägt hier wie auch häufiger auf dem Rest des Albums die Refrains, wobei zum Beispiel im  Titelsong mal die Rollen getauscht werden und sich der liebliche Sopran Jodi Roys deutlicher in den Vordergrund spielt.

„Coeur De Lion“ ist eines dieser kleinen, aber feinen Folk/Popalben geworden, die sich nicht nur melodisch wie eine kostbare Miniatur vor dem Hörer präsentieren. Auch die sehr alltäglichen Themen die Roy und seine Mitstreiter besingen, werden eher fein ziseliert, dargeboten, und selbst das vermeintlich kraftvolle „Lie To Me“ besitzt kleine filigrane Klangmuster, die vor allem an den Ecken und Enden des Songs für das gewisse Etwas sorgen.

Freitag, 9. Oktober 2015

Lauschbilder: Adam Angst

Mal wieder eher Bild als Bilder, aber erstens großartig umgesetzt, zweitens musikalisch ein sehr ansprechender Grenzgänger und drittens ziemlich wichtig. Also das Video. Und der Text. Also alles. 
Adam Angst singt "Splitter Von Granaten" und macht sich gute und schlechte Gedanken, die man sich einfach mal durch den Kopf gehen lassen und das Gesehene nicht einfach kurz danach vergessen sollte. 


Und wer die visualisierte Version nur ein bisschen mag, darf dann gerne hier zugreifen, denn der Erlös wird komplett für Pro Asyl gespendet.

Mittwoch, 30. September 2015

Hitparade 2015 - Vol. 3



Das vielerorts (zumeist künstlich) heraufbeschworene Sommerloch bringt eine ganze Reihe an Veränderungen in des Bänkelsängers' Hitparade; nicht nur auf den hinteren Plätzen, es hat sogar zu einer neuen Nummer Eins gereicht:

01  Destroyer – Poison Season
02  Daniel Knox – Daniel Knox
03  Julia Holter – Have You In My Wilderness
04  Roomful Of Teeth – Render
05  Circuit Des Yeux – In Plain Speech
06  The Decemberists – What A Terrible World , What A Beautiful World
07  Sarah Kirkland Snider – Unremembered
08  Father John Misty – I Love You, Honeybear
09  Susanne Sundfør – Ten Love Songs
10  Chelsea Wolfe – Abyss
11  Algiers – Algiers
12  Tocotronic – Tocotronic (das rote Album)
13  The Mountain Goats – Beat The Champ
14  Ryley Walker – Primrose Green
15  Matthew E. White – Fresh Blood
16  Marlon Williams – Marlon Williams
17  Binoculers – Adapted To Both Shade And Sun
18  Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
19  Jessica Pratt – On Your Own Love Again
20  Trembling Bells – The Sovereign Self
21  Brandon Flowers – The Desired Effect
22  Myrkur – M
23  Scott Matthew – This Here Defeat
24  Dagobert – Dagobert
25  My Morning Jacket – The Waterfall
26  Samantha Crain – Under Branch & Thorn & Tree
27  Noah Gundersen – Carry The Ghost
28  Natalie Prass – Natalie Prass
29  Nadja Stoller - Earthbound
30  Richard Thompson – Still

Die Songs des Quartals finden sich wie immer in großer Zahl bereits auf den Alben des bisherigen Jahres, doch sollen auch diejenigen nicht unerwähnt bleiben, die es noch nicht in die Hitparade geschafft haben, sei es nun mangels eines geeigneten Longplayers oder einfach nur deshalb, weil das zugehörige Album noch nicht veröffentlicht wurde oder weil außer dem erwähnten Hit der Rest des zugehörigen Werkes von gar nicht ganz so erlesener Güte ist:

John Grant (feat. Tracey Thorn - Disappointing
Majical Cloudz - Silver Car Crash
Low - What Part Of Me
Robert Sarazin Blake - Our Winter In New York
Beirut - August Holland
Romano - Der Schöne General
Federal Lights - Amelia
Keston Cobblers Club - Wildfire
Nathaniel Rateliff & The Night Sweats - S.O.B.
Mas Ysa - Look Up

....und da es keine Hitparade ohne Ohrenöffner geben sollte, entscheide ich mich dieses Mal hierfür:



und hierfür:





Dienstag, 29. September 2015

Vögel Die Erde Essen



Vögel Die Erde Essen – Besuch Von Innen

Uff!

Hatte ich nicht erst gestern davon gesprochen, dass es in den letzten Monaten auch immer mal wieder Grenzgänger schaffen, sich in den Bänkelsänger-Kanon zu integrieren. Doch bis wohin reicht dieser Kanon überhaupt auf? Ziemlich folkfremd und countryentfernt agieren dieses Mal Vögel DieErde Essen, und wieder einmal ist es Kreismusik, die nach WÆLDER früher im Jahr wieder deutliche Meter zwischen die ursprüngliche Sprechgesangorientierung und diese neueste Veröffentlichung legen.

Musikalisch ist „Besuch Von Innen“ ein Kongglomerat aus Freiheit und Wagemut, aus Konzept und Improvisation, aus Geräusch und Wohlklang. Über neun Songs hinweg machen Moritz Bossmann, Jan Preissler und Oli Friedrich die Musik, die ihnen spürbar aus dem Rückenmark direkt in die Finger und Stimmbänder zu fließen scheint. Das ist Punk, das ist Krautrock, das ist Noise, doch da sind auch hymnisch-hypnotische Popmelodien, die wie in „Froschmann“ skizziert: „alle Humanoiden zum Tanzen zwingen“. Es ist der schmale Grat, den die Vögel die Erde Essen überwinden, weder rudern sie zu stark mit den Armen um einen der neun Songs komplett aus dem Kontext herausstechen zu lassen, noch lassen sie den Lärm und das Geräusch überhand nehmen, um der Grundmusikalität Einhalt zu gebieten.

„Das Lied schläft in der Maschine“ stellten bereits die Einstürzenden Neubauten auf „NNNAAAMMM“ vom Album „Ende Neu“ fest und zuweilen scheinen Vögel die Erde Essen genau dieses Mantra zu beherzigen. Die immerwährende Abwärtsspirale des „Fahrstuhl Nach Unten“ mit den blubbernden Bass- und den mahlenden Gitarrenfiguren wagen sich tief unter die Erde, bis der süßliche Gesang eine beinahe zärtliche Melodie als verbindendes Element auffährt. Doch schon kurze Zeit später entsteigen die drei dem Gefährt und lassen das Klanggewitter von vorne beginnen.

Jeder Song auf „Besuch Von Innen“ wirkt gleichzeitig improvisiert und konzeptioniert. Nicht nur beim langen „Fahrstuhl nach Unten“ wird das deutlich, auch das deutlich zuapackendere „Picknick am Abgrund“, dass einem gleich zu Beginn einen regelrechten Nackenschlag verpasst oder das herrlich betitelte „Gotischer Sakralbau“ verfügen über diese Zwiespältigkeit. Zuweilen verlieren sich die Musiker aber dabei ein wenig zu sehr in ihrer Liebe zum Instrument, was vor allem bei „Zwei Helikopter“ und dessen eher ziellosen Schluss auffällt. Dem wiederum gegenüber steht die Volksliedvertonung (und da haben wird dann doch noch einen finalen Bänkelsängerbezug!) „Lass Rauschen“ aus „Des Knaben Wunderhorn“, der das Kleid aus rhythmischer Gewalt und breiten Instrumentalflächen gut zu Gesicht steht.

Hatte ich zu Beginn Uff! Gesagt? Es scheint fast so, als schlügen nicht nur zwei Herzen in der Brust der Vögel die Erde Essen. Denn schien das kantige Gemisch aus Gegensätzen zunächst nur schwer verdaulich, verbirgt sich unter dem Lärm doch ein beruhigend zugängliches Debütalbum, dass gerade daraus seine Stärke zieht. 




...und ein paar Live-Termine gibt's obendrein:

29.09.2015 - Hamburg - Übel und Gefährlich
30.09.2015 - Kiel - Schaubude
02.10.2015 - Helmbrechts - Betore Festival
18.10.2015 - Berlin - Monarch
19.10.2015 - Bernburg - Hotel Wien
21.10.2015 - Göttingen - tba
20.10.2015 - Dresden - Groovestation
22.10.2015 - Nürnberg - Club Stereo
23.10.2015 - Waidhofen - Ybbs (AT)
24.10.2015 - Schaffhausen - Tap Tab (CH)
26.10.2015 - Zürich - Dynamo (CH)
29.10.2015 - Freiburg - White Rabbit
30.10.2015 - Münster - Gleis 22

Montag, 28. September 2015

My (monthly) Mixtape 2015/9



Dieses Jahr ist echt eine Wundertüte, was den musikalischen Horizont des Bänkelsängers angeht. Sicherlich, auch 2015 überwiegen folkige und countryeske Töne, doch gerade auf den Mixtapes versammeln sich nach wie vor Klangfarben, die entweder an den Randbereichen entlangschleichen oder dem normalerweise vorherrschenden Kosmos diametral gegenüber stehen. So auch die Septemberzusammenstellung, die es gerade noch in der letzten halben Woche zur Kompilation gebracht hat. Zu den einzelnen Interpreten lässt sich dieses Mal nur so viel sagen: Viel bunter geht es nicht, und hätte mir Anfang des Jahres jemand gesagt, ich packe einen goldbezopften Berliner Schlager-Rapper mit Metal im Hinterkopf gemeinsam mit durchkomponierten Erinnerungskunstliedern und bärbeißigem Düsterpostpunk auf nur eine einzige Zusammenstellung, ich hätte ihm wohl einen Vogel gezeigt. Doch nun zu den Delinquenten: 


    01. JP Hoe - Beautifully Crazy   
    02. Joan Shelley - Brighter Than The Blues   
    03. Evening Hymns - Evil Forces   
    04. Fay Wildhagen - Fire on the Mountain   
    05. The School - Love Is Anywhere You Find It   
    06. Stereophonics - C est La Vie   
    07. Blank Realm - River of Longing   
    08. Romano - Köpenick   
    08. The Libertines - Fame and Fortune   
    10. Autobahn - Impressionist   
    11. Frankie & The Heartstrings - Berlin Calls   
    12. The View - House of Queue's   
    13. Youth Lagoon - The Knower   
    14. Low - What Part of Me   
    15. Robert Sarazin Blake - Our Winter in New York   
    16. Beirut - August Holland   
    17. Van Morrison - Moondance   
    18. Isbells - I Don't Need Any Colour   
    19. Julia Holter - Everytime Boots   
    20. Sarah Kirkland Snider - The Speakers   

Und wenn man schon mal von ihm spricht, sollte er auch zu Wort kommen (und ja, dass ist mein Ernst):


Doch alle die ich damit verschrecken könnte, lauschen hier bitte weiter:


Mittwoch, 9. September 2015

Aufgemerkt: Die Goldenen Zitronen - "Fan Without Fan"







Premierenfeier auf dem Bänkelsänger und das mit solch illustrem Gastgeber.


Der heißt nämlich Die Goldenen Zitronen und veröffentlicht  am 18.09.2015 sein Reenactment-Album "Flogging A Dead Frog" via Altin Village & Mine. Die Neubearbeitung einzelner ausgewählter Stücke der letzten drei Alben beeinhaltet neben dem bereits kürzlich veröffentlichten "If I Were A Sneaker", das in seiner anglifizierten Version eine deutlich andere Wirkung erzielt, auch die heute präsentierbare Single "Fan Without Fan", die nahtlos, aber dennoch überraschend direkt an das letzte reguläre Album "Who's Bad" und dessen Abschlußakkord "Wer hier" anschließt. Wer jetzt nach dem bänkelsängerischen Moment fragt, lasse sich erst einmal ein auf die instrumentale Essenz des Stücks ein, dass erst am Schluss sein wahres Gesicht und seine feine Kontextualisierung preis gibt.


Wem das jetzt noch nicht reicht, lausche dem Neo-Evergreen "IF I Were A Sneaker" in seiner neuen, deutlich zwingenderen Form:

 

Montag, 31. August 2015

Im Schnelldurchlauf: Songwriter aus aller Herren Länder



Veröffentlichungsfluten. Gerade jetzt im Spätsommer, wo viele Künstlerinnen und Künstler ihr im Herbst anstehendes Album in den Fokus rücken wollen, ist die Auswahl an eintrudelnden Promoanfragen schier unergründlich. Sich hier die Favoriten herauszupicken, ist nicht immer einfach, doch je größer sich das Angebot gestaltet, desto eher macht sich der geneigte Rezensent ans Werk um zumindest den passendsten, spannendsten oder ungewöhnlichsten Anschreiben ein paar Zeilen zu widmen. Dieses Mal passiert das mal wieder im Schnelldurchlauf, der trotzdem mit entsprechender Sorgfalt und dem nötigen Enthusiasmus kompiliert wurde.

Machen wir den Anfang mit Eric Fastén, der seine neue EP "Brand New Fashion" am 08.09.2015  unter das Volk bringen wird. Die neue Single "Overwhelmed" ist skandinavischer Songwriter-Pop der besten Sorte, leises Fingerpicking legt sich bestimmt um die schmeichelnde Stimme, der alsband eine Sängerin anhand gestellt wird, bevor sich sachte Streicher und eine dezente, aber nichtsdestotrotz stimmungsvolle Rhythmik zu Wort meldet.


Handclaps und Glockenspiel, dazu süßliches Stimmengemisch, das mal nach Belle & Sebastian, mal nach Slow Club, aber immer nach ganz viel Sonne klingt, kommt von Federal Lights aus Kanada deren zweites Album "Coeur De Lion" am 18.09.2015 erscheint. Wenn neben dem Vorboten vom ersten Album "We Were Found In The Fog", der den schönen Titel "I See Love" trägt, alles so unbedingt nach Weltumarmungsfolkpop klingt, der sich aber auch einmal die Träne im Knopfloch trägt, könnte das eine feine Sommerverlängerung werden.


Gemeinsam mit Federal Lights im September unterwegs ist JP Hoe, der seine Songwriterfantasien mal zurückgenommen, aber meistens mit ungeheuerer Inbrunst zum Besten gibt. "Beautifully Crazy" erinnert an Ryan Bingham, was sicherlich nicht die schlechteste Referenz ist und neugierig auf das später im September erscheinende Album "Hideaway" macht.

Und wer mag sollte sich für Federal Lights und JP Hoe hier einen Platz reservieren:

21.09.15 - Oberhausen - Druckluft
22.09.15 - Berlin-  Auster Club
23.09.15 - Dresden - Bärenzwinger
25.09.15 - Hamburg - Reeperbahn Festival
26.09.15 - Saarn - Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe
27.09.15 - Norderstedt - Musicstar
29.09.15 - Köln - Blue Shell
30.09.15 - Aachen - Musikbunker


And now to something completely different: Spoken-Word-Poetry über schluderig sympathische Popmelodien, die sich laut Pressetext weit weg vom Rest des eigentlich Outputs bewegen soll. Neufundland veröffentlichen ihre selbstbetitelte EP am 04.09.2015 und haben dem ersten Ohrenöffner "Rückenwind Pt. II" ein schurfend schönes Video spendiert:





Sonntag, 30. August 2015

Aufgemerkt: Lilly Among Clouds



Pop. Pop. Pop. Pop.

Lilly Brüchner alias Lilly Among Clouds macht Popmusik. Nicht mehr, nicht weniger. Das Selbstverständnis, dass ihrer ersten selbstbetitelten EP innewohnt, ist dabei aber von einer außerordentlichen Qualität. Stimmlich bewegt sich die gebürtige Würzburgerin nicht weit weg von von der aktuellen Singer/Songwriterinnen-Mode, schimmern je nach mal der abgetönte Alt einer Sharon van Etten, die überschlagenden Sopranspitzen einer Laura Marling oder sogar das sanfte Reiben von Angel Olsen durch die Songs. Allein der nicht immer stimmungssichere musikalische Hintergrund aus elektronischen Akzenten bedarf noch ein paar Kanten und Ecken. Besonders gut gelingt das im anschmiegsamen "Remember Me", dessen akustische Gitarrenakkorde und die turbulente Pianomelodie einen angemessenen Rahmen für die leichte Elektriziät in Beat und Rhythmus schaffen. Das abschließende  "Long Distance Relationship" wiederum kann sich hier nicht wirklich entscheiden, die Melodien schreien nach Charts, die Ausgestaltung nach Anspruch. Am besten gelingt dieser Spagat wiederum im eröffnenden "Keep", dass in dieser Form durchaus auch einer Natasha Khan alias Bat For Lashes aus der Feder geflossen wäre. "Lilly Among Clouds" ist Pop in vielen, zuweilen noch ausbaubaren Facetten, dem Herzblut, aber manchmal eben auch ein bisschen Kalkül anzumerken ist. Das das nicht weiter schlimm ist beweisen die Songs wie eben das alles überstrahlende "Remember Me", die den Vergleich mit denen anderer klaviergetriebener Künstlerinnen nicht scheuen muss. 

Live überzeuge man sich hier von den Qualitäten:

03.09.2015 Würzburg - Posthalle (Record Release-Konzert)
05.09.2015 Dresden The Sound of Bronkow Music Festival
17.09.2015 Erlangen - E-Werk
18.09.2015 Chemnitz - Atomino
19.09.2015 Magdeburg - Moritzhof
20.09.2015 Berlin - Monarch
21.09.2015 Hannover - Warenannahme
22.09.2015 Rostock - Helgas Stadtpalast
23.09.2015 Hamburg - Reeperbahn Festival
26.09.2015 Düsseldorf - FFT

Bildlich gibt es hier den Ohrenöffner:

 

Montag, 24. August 2015

My (monthly) Mixtape 2015/8



In ya face! So und nicht anders muss man Nathaniel Rateliffs Aufgalopp verstehen. Und das ist nur der Anfang eines Mixtapes, dass zwar zunächst tief in den unterschiedlichen Folk-, Country-, Rootsrock-, Americana- und Songwriterschubladen wühlt doch spätestens im letzten Drittel kommt der beständige Eklektizismus wieder vollends zum Tragen. Psychedelischer Experimental-Pop im 60s-Gewand, Neo-Folk-Noir im schwarzmetallenen Kleid, weit ausgestellter Sophisti-Pop und elektrisierndes Elektronikgewitter sind nur einige wenige Eckdaten der diesmonatigen Zusammenstellung:

01. Nathaniel Rateliff And The Night Sweats - S.O.B.   
02. Rayland Baxter - Oh My Captain   
03. Fred Abbott - Hollywood   
04. Frank Turner - Josephine   
05. Daniel Romano - Two Word Joe   
06. Bobby Long - Cold Hearted Lover Of Mine   
07. Gill Landry - Fennario   
08. Keston Cobblers Club - Wildfire   
09. Noah Gundersen - I Need a Woman       
10. Eleni Mandell - Cold Snap       
11. The Whistles & the Bells - Ghost Town       
12. Mark Rogers & Mary Byrne - First Fall Nights       
13. The Old Ceremony - Ghosts Of Ferriday       
14. The Maccabees - Kamakura       
15. Destroyer - Midnight Meet the Rain       
16. Chelsea Wolfe - Simple Death       
17. Deradoorian - Your Creator       
18. Myrkur - Byssan Lull       
19. Briana Marela - Follow It       
20. HEALTH - Stonefist   

Was bleibt mir anderes übrig, als wieder und wieder und wieder dieses geniale "S.O.B." zu posten. Jetzt dann eben als Ohrenöffner:

Nathaniel Rateliff & The Night Sweats - S.O.B. (Official Video) from Greg Barnes on Vimeo.