Potz Blitz! Der Urheber eines meiner Überraschungsalben des Jahres 2011 meldet sich mal eben kurz mit einem der bislang wundervollsten Songs des Jahres zurück. Und das sage ich bereits, obwohl das insgesamt 6:05 Minuten lange Stück von Neil Cousin gerade zum ersten Mal läuft und noch nicht mal einen vollständigen Durchlauf hinter sich hat. "Leg Bone Flume" heißt es, und führt uns, wie auch schon die Songs des Albums "Bonfire" tief in seelenvolle Gedankengänge hinein. "Headless Hawk" war seinerzeit sogar mein zweiter Liebling innerhalb meiner Jahreshitparade und "Leg Bone Flute" schlägt mit seiner mystischen Stimmung in die gleiche Kerbe. Die Stimme Cousins ist nach wie vor voller Wärme und Sehnsucht, mit Anmut und Sorgfalt begleiten sanftes Gitarrenpicking, Ukulelenarabesken und ein wundersamer Chor das sonderbare kleine Kunststück, das gleichzeitig Vorbote für das voraussichtlich im September erscheinende nächste Album "The Dreams Of Animals" ist. Habe ich eigentlich schon was zum Video gesagt? Nun, dann seht am besten selbst:
Sonntag, 7. August 2016
Montag, 1. August 2016
My (monthly) Mixtape: 2016-3
Jetzt ist Sommer - und nachdem das letzte Mixtape geschlagene sechs Monate zurück liegt, muss da mal dringend frischer warmer Wind rein. Die dritte Mischung des Jahres vereint aufgeheizten Breitwandpop von Wild Beasts, hinreißend spröden Britfolk von Alasdair Roberts oder Jenny Sturgeon, deutsche Sprachkabinettstückchen von JaKönigJa und Arthouseexperimente á la DM Stith. Darüber hinnaus überrascht diese Zusammenstellung mit frisch gepresstem Soul unterschiedlichster Geschmacksrichtungen, verschlungener Beinahefilmmusik, knochentrockenem Heartland-Americana, Horrorgeschichten von zwei blutjungen Mädchen und sehnsuchtsvolle Popballaden. Neugierig geworden? Auf geht die wilde Fahrt:
1. Jack & Amanda Palmer - In The Heat Of The Summer
2. Anthony D'amato - Rain On A Strange Roof
3. Blood Orange - Hadron Collider
4. DM Stith - War Machine
5. JaKönigJa - Emanzipation Im Wald
6. Michael Kiwanuka - Black Man In A White World
7. Rob Lynch - Runaway
8. The Avett Brothers - Fisher Road To Hollywood
9. The Avalanches - Frankie Sinatra
10. Wild Beasts - Celestial Creatures
11. Let's Eat Grandma - Rapunzel
12. Case/Lang/Veirs - Delirium
13. Bear's Den - Gabriel
14. William Ryan Fritch - Aftermath
15. Faun Fables - Ydun
16. Charlie Moses - Schatzi
17. The Felice Brothers - Aerosol Ball
18. Jenny Sturgeon - Maiden Stone
19. Kris Drever - Shipwrecked
20. Alasdair Roberts & James Green - At The Mid Hour Of Night
Lassen wir doch als Ohrenöffner mal wieder The Felice Brothers fungieren, auch wenn es alle anderen 19 auch verdient hätten (es aber in diesem Medium aus verschiedenen Gründen nicht möglich machen):
Samstag, 2. Juli 2016
Hitparade 2/2016
Vermutlich ist es müßig (und trotzdem tue ich es immer wieder) den Kniefall wegen zu wenig Schreiberei zu machen, allein die Gründe sind dieselben. Doch ohne eine zweite Hitparade wollte ich auf keinen Fall in die zweite Jahreshälfte gehen. Schnell wird deutlich, dass das zweite Quartal ganz schön viel durchgemischt hat und auch das dieses Mal die Songs fehlen. Vielleicht schiebe ich die ja noch irgendwann im Lauf der kommenden Tage nach, falls nicht, auf den zwanzig (bzw. einundzwanzig) folgenden Alben sind umgerechnet gut über 200 Stücke zu entdecken. Die Hitliste im Einzelnen:
01 Marlon Williams – Marlon Williams
02 Benjamin Dean Wilson – Small Talk
03 Adia Victoria – Beyond The Bloodhounds
04 Damien Jurado – Visions Of Us On The Land
05 Sturgill Simpson – A Sailor's Guide To Earth
06 William Ryan Fritch – New Words For Old Wounds/Clean War
07 Karl Blau – Introducing Karl Blau
08 Sheawater – Jet Plane & Oxbow
09 Meilyr Jones – 2013
10 Laura Gibson – Empire Builder
11 PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project
12 Holy Esque – At Hope's Revenge
13 Kevin Morby – Singing Saw
14 Tindersticks – The Waiting Room
15 Trupa Trupa – Heartache
16 The Cray Twins – The Pier
17 Isolation Berlin – Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit
18 Let's Eat Grandma – I, Gemini
19 Bergen - Zeiten Für Kerle
20 Susanna – Triangle
Der passende Ohrenöffner kommt von Benjamin Dean Wilson, der mit seinem kleinen feinen Songwriteralbum einen echten Klassiker geschaffen hat:
Dienstag, 5. April 2016
Um Ecken und über Kanten: The Cray Twins – The Pier
Ein gleichmäßiger Strom durchzieht das Debütalbum „The Pier“ von The Cray Twins alias Paul Baran und Gordon Kennedy.
Zähes Knistern, grelles Jaulen, schrilles Heulen – ein langsames
Kabinett von Geräuschen, die sich mal künstlich, zumeist aber
ungemein lebensnah und natürlich im Vorder-, Mittel- und Hintergrund
abwechseln. Die Szenerien der einzelnen Stücke neigen zur
Verschmelzung und trennen sich doch nach und nach voneinander ab.
Nimmt „Torshavn“ noch die gegenständliche Hafenkulisse auf und
lässt den Blick auf ein geschäftiges Treiben erahnen, wird es
spätestens bei „Fianuis“ abstrakter. Vom Wind zerteilte
Klagelaute könnten auf die Ahnen der inzwischen verlassenen Insel
North Rona deuten, auf der sich besagtes Fianuis einstmals befand,
das an- und abschwellende Brausen verstärkt den Eindruck noch und
lässt ein Gefühl von Ferne und Abgeschiedenheit zu.
Auf „The Pier“ loten Baran und
Kennedy die Grenzen von Langsamkeit, Unnahbarkeit und Endlichkeit aus, sie lassen
gewaltige Naturdrones bis in die Unendlichkeit wiederholen und
erweitern sie noch durch minimale Störfeuer aus Field Recordings
oder artifiziell erzeugten Glitches. Pulse und Echos, denen häufig
durch die Verfremdung der erzeugenden Instrumente ein völlig anderes
Klangbild geschaffen wird, wechseln dazu wie im Titeltrack mit dem Sound
schleifender Gläser, wirbelnder Gischt oder brechender Wellen. Texturen brechen auf „The Pier“
ausgetretene musikalische Pfade auf, in dem sie zum Beispiel im
dreiteiligen „Duao“ zuächst ein simples Nebeneinander
verursachen, dann aber im zweiten Teil Textfragmente hineinwinden und
sich dann zuletzt in die schlichte und kathartische Repetition
ergeben.
Nie ist sicher, ob sich die Klänge auf
„The Pier“ nur rein zufällig der Stimmhaftigkeit annehmen, wie
es „Harbour“ gleich zu Beginn weismachen will. Um so
irritierender ist die unvermittelte „Song-“Orientierung in „Song
From A Black House“, das mit einem Sacred Harp-Hymnus eröffnet
und sich in einen winddurchzogenen Choral verwandelt. Zuweilen
erinnert „The Pier“ hier an die deutlich weniger grenzenbefreite (aber nicht minder hervorragende)
Landschaftsbetrachtung „Diamond Mine“ von King Creosote und Jon
Hopkins, Baran und Kennedy gehen aber insgesamt gemeinsam mit ihren
zahlreichen Gästen (u.a. BJ Nielsen, Ken Vandermark) deutlich
konsequenter zu Werke und lassen ihre Sounds ohne Worte zu
Landschaftsbestandteilen werden. So verpuppt sich „The Pier“,
das am 21.03.2016 via Fang Bomb erschienen ist, zu einem
ausgefallenen und originellen „Klang-“Bild, dessen tonale
Erscheinung sich mühelos und mit beeindruckender Wirkung der
Bildhaftigkeit seiner Titel unterordnet.
Samstag, 2. April 2016
Hitparade 1/2016
Zwei Mixtapes, eine wohlmeinende
Rezension und jetzt schon eine erste Hitparade? Nun, dieses Jahr geht
einfach viel zu schnell rum und irgendwie habe ich noch nicht so viel
Muße gewunden, viel für den Bänkelsänger zu verschriftlichen.
Dafür war ich aber ganz doll für AUFTOUREN aktiv und habe dort für
8 meiner 10 Top Ten-Plätze des ersten Quartals warme Worte gefunden.
Interessanterweise habe ich in diesem Jahr bislang mehr folkferne als
-nahe Musik konsumiert und wenn ich mir die Veröffentlichungen in
der Vogelschau der kommenden Wochen so ansehe, scheint es hier immer
mehr zu einem Gleichgewicht zu kommen. Vielleicht ist es ja
tatsächlich so wie mit dem Schmecken, hier sollen sich ja auch die
Vorlieben alle sieben Jahre ändern bzw. zumidest neu sortieren. Und
der Bänkelsänger wird im September 7! Doch nun erst einmal zu den
Plätzen 1-10, von denen es die Nummer 1 zwar schon im letzten Jahr
in meine Endabrechung geschafft hat, doch da Marlon Williams
offiziell erst in diesem Jahr in hiesigen Gefilden auf Tonträger zu
erstehen war, habe ich hier mal eine Ausnahme gemacht.
01 Marlon Williams – Marlon Williams
02 Damien Jurado – Visions Of Us On
The Land
03 Shearwater – Jet Plane And Oxbow
04 The Drones – Feelin Kinda Free
05 Holy Esque – At Hope’s Ravine
06 Trupa Trupa – Headache
07 Meilyr Jones – 2013
08 Isolation Berlin – Und Aus Den
Wolken Tropft Die Zeit
09 Tindersticks – The Waiting Room
10 Bergen – Zeiten Für Kerle
Die Songliste ist wie gehabt eher ein
Stimmungbild von Stücken, die sich nicht auf den oben genannten
Werken befinden, aber mehr als einer Erwähnung bedürfen:
Apollo – Oceans II
Poliça – Lime Habit
Bosse – Nachttischlampe
David Ramirez – Harder To Lie
Matt Kivel – Jamie's
The Winterlings – Honeymoon In Baghdad
Albrecht Schrader – Leben In Der Großstadt
Pet Shop Boys – Twenty-Something
San Fermin & Sam Amidon – Shiver
Sturgill Simpson – In Bloom
Der Ohrenöffner kommt dann mal von Apollo, von dem ich mir in diesem Jahr dann auch mal ein Album wünschen würde:
Der Ohrenöffner kommt dann mal von Apollo, von dem ich mir in diesem Jahr dann auch mal ein Album wünschen würde:
Samstag, 26. März 2016
My (monthly) Mixtape: 2016-2
Rechtzeitig noch kurz vor Ostern soll eine zweite Mixtapeausgabe für 2016 her. Und die hat es hin sich: so laut war in den vergangenen Monaten kein weiterer Aufgalopp, allein unter den ersten fünf Beiträgen tummeln sich Metall und alternativer Rock, von denen letzterer sein Unwesen wohl auch gerne in demn 90ern getrieben hätte. Dazu kommen einige wohlfeile und gut abgeschmeckte deutsche Überraschungen, Oldschool Country, Disco(!)-Extravaganzen und überbordende Pop-Capricen - los geht's:
01. The Body - Wanderings
02. Bob Mould - Voices in My Head
03. TRUPA TRUPA - Halleyesonme
04. The Drones - Boredom
05. Le Magnetophone - Dorf im Herbst
06. Wintersleep - Shadowless
07. Mason Jennings - Future King
08. Richmond Fontaine - Two Friends Lost At Sea
09. James - To My Surprise
10. Damien Jurado - Cinco deTomorrow
11. Meilyr Jones - Rome
12. Brooke Waggoner - Fink
13. Violent Femmes - Holy Ghost
14. Loretta Lynn - Black Jack David
15. M. Ward - Girl From Conejo Valley
16. Bosse - Mordor
17. Isolation Berlin - Aufstehn, Losfahrn
18. Poliça - Lime Habit
19. Låpsley - Operator (He Doesn't Call Me)
20. Albrecht Schrader - Leben in der Großstadt
Den Ohrenöffner gibt dieses Mal der Abschlußsong des Mixtapes, eine kleine Pretiose deutschsprachigen Pops mit kostbar-kunstvollem Wortwitz und spiegelvorhaltenden Wahrheiten:
Freitag, 18. März 2016
Bergen - Zeiten für Kerle
War einmal ein Bärenmann.
Kaum zu glauben, dass der „Bärenmann“
der wunderbaren Dresdner Band bergen schon gut drei Jahre alt ist. Doch
immer noch scheint man diesem seltsamen Wesen aller Orten zu begnen, wenn man
sich erst einmal auf ihn eingelassen.
Diese alltäglichen Seltsam- und Persönlichkeiten sind
auch Themen auf „Zeiten für Kerle“, dem gleichsam verschrobenen
wie wunderbaren Minialbum, das den schmalen Grad zwischen Winterkühle
und Frühlingsknospen vortrefflich einfängt. Wieder singt Mario
Cetti mit seiner milden Gute-Nacht-Geschichten-Erzählerstimme vom
langsamen Erwachsenwerden, das er entweder spielerisch zu entdecken
scheint oder augenscheinlich überrascht als gottgegebenes Moment
aufnimmt. Mal bauen die Musiker mit Bau-“Klötzen“ an der eigenen
Geschichte und suchen Schutz im filigranen und selbst errichteten
Heim, mal werden bergen sentimental und fangen die tägliche
Routine und die erlebte Wiederholung mit leichter Country-Note im
titel gebenden „Zeiten für Kerle“ mit der gewohnten
Sprachbegeisterung ein.
Doch lassen sie auch den Abschied vom
„Bärenmann“ zu, dessen Geschichte nun mit melancholisch schönem
und sentimentalem Ende schließt und schließlich wagen sich bergen
gar im 6/8-Takt hinauf ans Meer, zur „Frau vom Fischer“, dass
moritatengleich Sehnsucht, Schuld und Sühne vereint und in den
Chroral „Wie ein stolzer Adler“ mündet. Ergriffen, erhaben und
vollmundig wie nie erzählt die Band eine erschreckend ehrliche
Geschichte, die nicht tragischer enden könnte.
Doch entgleisen nicht nur Zeit, Liebe
und Gedanken, im erstaunlichen „Die laufenden Toten“ nehmen
bergen uns mit in ihre Heimat, in der sich gerade am Wochenanfang
Unarten abspielen. Hier entgleist Schlimmeres, das Cetti in
beängstigende Worte kleidet: "es ist ein knackender Ton, wenn dein
Mitleid abreißt, wenn sich ein menschliches Herz aus sich selber
vereist, ohne Hast.“ So explizit waren die Musiker noch nie, die
trotz aller Ernsthaftigkeit im Text der Musik ein reines Herz und erbaulichen Wohlklang
schenken.
„Alles ist entgleist“, singen
bergen im eröffnenden Prolog, einem kurzen, aufwühlenden Experiment und belassen
es auf „Zeiten Für Kerle“, das am 26.02. via K&F Records erschienen ist, schließlich auch dabei, ohne sich
und ihren früheren Werken untreu zu werden. Sie bleiben so sehr Pop wie sie mögen, haben keine
Angst vor Schlager und Chanson und lassen sogar ein wenig
Lagerfeuer-Gefühl zu. Auch wenn der „Bärenmann“ in Zukunft von
ganz weit oben zuschaut, bergen haben ihn und seine positive
Seltsamkeit tief in ihr Herz geschlossen. Und lassen uns hoffentlich
noch lange daran teilhaben.
Dienstag, 9. Februar 2016
My (monthly) Mixtape - 2016/1
482369623895x wollte ich in disem Jahr bereits einen ersten Beitrag verfassen und so den bereits in zahlreichem Umfang vorliegenden spannenden Neuveröffentlichungen das ein oder andere Wort zu gönnen, jetzt ist es schlußendlich dann doch erst Februar geworden. Dass es dann doch "nur" ein Bänkelsänger-Mixtape geworden ist und nicht eine spannendes, obskures oder lang herbei gesehntes Album, ein farbenprächtiges Video oder ein erstes Bandportrait, ist der Zeit geschuldet. Aber hier gelobe ich (wieder mal) Besserung und komme nun zum Wesentlichen.
Die vorgestellten 16 Titel laden so farbenprächtig wie selten in ein neues Bänkelsänger-Jahr ein und versammeln mit Shearwater, James Yorkston und Turbostaat drei völlig unterschiedliche All Time-Favourites, mit Aidan Knight, The Anchoress und Matt Kivel drei wiederum herausragende Neuentdeckungen und mit "Harder To Lie" von David Ramirez einen ersten wahrhaften Lieblingssong. Doch nun zum Tape in seiner ganzen Gänze:
01. Dylan LeBlanc - Cautionary Tale
02. David Ramirez - Harder to Lie
03. YorkstonThorneKhan - Little Black Buzzer
04. Mass Gothic - Want to, Bad
05. The Anchoress - Doesn't Kill You
06. Anna Ternheim - For The Young
07. Dota - Vergiftet
08. Aidan Knight - The Arp
09. Turbostaat - Eisenmann
10. Matt Kivel - Jamie's
11. Shearwater - Glass Bones
12. Get Well Soon - Young Count Falls For Nurse
13. Hexvessel - Mushroom Spirit Doors
14. The Winterlings - Honeymoon in Baghdad
15. Sivert Høyem - Silences
16. Tindersticks - We Are Dreamers
Der Höraufmerker stammt vom Lieblingsliedaspiranten höchstselbst:
Ach so: ein Frohes Neues Jahr Euch allen!
Dienstag, 22. Dezember 2015
Hitparade - Die Alben des Jahres 2015
Auch dieses Jahr soll eine Hitparade der tollsten, hörenswertesten, überraschendsten und spannendsten Alben nicht fehlen. Insgesamt überrascht in diesem Jahr eine Hinwendung zum Pop, der mal elegant, mal raffiniert, mal experimentiell und mal sogar avantgardistisch dargeboten wird. Doch auch Freunde bänkelsängertypischer Musik kommen auf ihre Kosten, sorgen doch auch ausgewählte Schmankerln aus den Sparten Folk, Alt-Country und Americana für Furore. Und nun Vorhang auf für die Top 40:
01 Destroyer – Posion Season
Schon nach zwei bis drei Hördurchgängen stand fest, dass Den Bejar dieses Mal etwas noch Großartigeres geschaffen hatte, als auf seinen vorherigen Alben. Süffiger, raffinierter Pop, der sich geschmeidig in alle Richtungen ausstreckt und vor Verve und Eleganz nur so strotzt.
02 Daniel Knox – Daniel Knox
Daniel Knox steht der diesjährigen Nummer Eins in fast nichts nach, bedient er doch ähnliche Aufnahmekanäle. Auch hier überzeugen die feingesponnene Arrangements, die Knox mit seinem überragenden Bariton noch veredelt.
03 Roomful Of Teeth – Render
Nahezu gänzlich ohne Instrumentarium sorgen Roomful Of Teeth dieses Jahr für die Überraschung auf dem Bänkelsänger. Klassischer Kammerpop von neun Ausnahmestimmen, herausragend im Konzept, vortrefflich in der Ausführung.
04 John Grant – Grey Tickles , Black Pressure
Das verquerste Album Grants ist zugleich sein bestes. Das liegt nicht nur am alles überstrahlenden "Disappointing", vielmehr versammelt Grant hier all seine Tugenden und Boshaftigkeiten und formt ihnen perfekt passende klangliche Rahmen.
05 Joanna Newsom – Divers
Heiß ersehnt und gleich wieder verliebt. Dass "Divers" ihr vielleicht konventionellstes Album sei, wurde aller Orten bereits diskutiert, wenn aber Konvention zu solch fabelhaften Kompositionen wie dem ätherischen Titeltrack oder dem samtenen "Leaving This City" führt, bin ich mal ausnahmsweise Fan der Konvention.
06 Julia Holter – Have You In My Wilderness
Auch Julia Holter baut ihre Sounds weiter zu verführerischen unnahbaren Popsongs aus, und erschafft trotzdem turmhohe Gefühlswelten, die zwischen Autobiographischem, Weltschmerz und sanfter Psychologie oszillieren.
07 Chelsea Wolfe – Abyss
Die dunkle Note meiner Top Ten stammt eindeutig von Chelsea Wolfe, deren nokturne Klanggewalt enorme Vehemenz gewonnen hat. "Abyss" ist ein gravitätischer Tiefenrausch voller Verletzlichkeit, doch flicht sich immer wieder metallisch glänzende Melodien ein.
08 Sarah Kirkland Snider – Unremembered
Dass es ein Komponistenalbum in die Top Ten schafft, war ebenfalls nicht vorauszusehen. Doch was Sarah Kirkland Snider auf "Unremembered" DM Stith, Shara Worden und Padma Newsom in den Mund legt, sind wohlfeile Kunstlieder voll von Kindheitserinnerungen.
09 Circuit Des Yeux – In Plain Speech
Kapriolenschlagener Art-Pop an der Grenze zum Experiment mit Exkursen in aller Herren Genres: "In Plain Speech" ist ein Gesamtkunstwerk, an dessen Spitze das himmlische "Fantasize The Scene" steht.
10 Josh Ritter – Sermon On The Rocks
Ein bisschen "echter" Folk und Country sollte sich auch noch in den Top Ten tummeln und so sorgt Josh Ritter mit seiner hervorragenden neuen Songsammlung, in denen vor allem die Singalongs "Getting Ready To Get Down" und Henrietta, Indiana" sowie das pianogetränkte Spoken-Word-Wunder "Homecomin'" hervorstechen.
Den Rest nach den Zehn gibt es wieder in Listenform. Hier tummeln sich liebgewonnene Lieblingsbands, überrragende Newcomer, spannende Quereinsteiger und erstaunliche Grenzgänger:
11 Father John Misty – I Love You, Honeybear
12 The Decemberists – What A Terrible World, What A Beautiful World
13 Autre Ne Veut – Age Of Transparency
14 Tocotronic – Tocotronic (das rote Album)
15 Ryley Walker – Primrose Green
16 Marlon Williams – Marlon Williams
17 Susanne Sundfor – Ten Love Songs
18 Matthew E. White – Fresh Blood
19 The Mountain Goats – Beat The Champs
20 Will Varley – Postcards From Ursa Minor
21 Brandown Flowers – The Desired Effect
22 Noah Gundersen – Carry The Ghost
23 Algiers – Algiers
24 Myrkur – M
25 Wanda – Bussi
26 Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
27 Jonas Carping – Cocktails & Gasoline
28 Natalie Prass – Natalie Prass
29 Trembling Bells – The Sovereign Self
30 Jessica Pratt – On Your Own Love Again
31 Alasdair Roberts – Alasdair Roberts
32 The Dropout Patrol – Sunny Hill
33 Jackie Oates – The Spyglass & The Herringbone
34 Federal Lights – Coeur De Lion
35 Punch Brothers – The Phosphorescent Blues
36 Binoculers – Adapted To Both – Shade And Sun
37 Romano – Jenseits Von Köpenick
38 Red River Dialect – Tender Gold And Gentle Blue
39 Bilderbuch – Schick Schock
40 Tom Liwa Mit Flowerpornoes – Umsonst & Draußen
Vielleicht schicke ich am Jahresende noch ein "Und sonst?" nach, das jene Alben, EPs und Songs beinhalten soll, denen zumindest eine oder mehrere lobende Erwähnungen gebühren und die sonst nirgendwo auftauchen. Bis dahin rate ich zum Ohrenöffner, der dieses Mal Platz 3 gebührt:
Montag, 21. Dezember 2015
Hitparade - Die Songs 2015
Während im Hintergrund Stara Rzekas
Album „Zamknely sie oczy ziemi“ sich seinen Weg in die Gehörgänge
bahnt und ich noch am Jahresende noch auf der Suche nach dem
ultimativen Geheimtipp oder der übersehenen Pretiose bin, kann ich
ja schon mal anfangen, ein wenig Jahresrückblick zu wagen. Völlig
untypisch, geht es dieses Mal mit den Songs los, die mich in den
vergangenen 12 Monaten begeistert, erschüttert, weggeblasen,
erheitert, gefangen genommen, fasziniert und aufgerüttelt und mir
wahlweise Stehhaare, Freudentränen, Lächeln ins Gesicht oder
spontane Gefühlsregungen in Gesicht und Körper verursacht haben.
Waren sonst die Albenbeiträge, die
ohnehin schon in meiner Jahreshitparade auftauchen, nicht namentlich
erwähnt, gehe ich dieses Jahr auch hier andere Wege und beschreibe
nicht mehr und nicht weniger die Top Ten meine Lieblinge in Wort und Ton
(sofern vorhanden.)
Vorhang auf:
1 John Grant – Disappointing
Dieses Jahr führte kein weg an John
Grants Hymne an die Liebe vorbei, "Disappointing", gemeinsam mit Tracey Thorn
kongenial im Duett fabriziert und mit hinreißenden Bildern im
dazugehörigen Bildern versehen:
2 Dawes – All Your Favourite Bands
Dawes haben neben John Grant wohl den besten Mitsingrefrain geliefert, mit dieser wundervollen Zeile, die sowohl Hoffnung, Melancholie als auch Wunschdenken vereint: "and may all your favourite bands stay together":
3 Josh Ritter – Getting Ready To Get
Down
Unterschätzen wird Josh Ritter nach mehreren tollen Alben in Folge niemand mehr, das beweist er auch auf seinem aktuellen Werk "Sermon On The Rocks". Und wenn dort solch schmissiger Roots-Rock-Line-Dance-Country drauf ist wie bei dieser Augenzwinkerei kann nichts schief gehen:
4 Nathaniel Rateliff & The Night
Sweats – S.O.B.
Den hatte ich vorschnell zum Hit des Jahres gekürt, jetzt reicht es nicht mehr ganz für das Treppchen. Egal, "S.O.B." ist immer noch ein heißer Feger aus kontemporären Rhythm'n'Blues, zu dem man einfach tanzen muss:
5 Destroyer – Times Square
Vorweggenommen: Destroyers "Time Square" steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe an Songs auf dessen Album "Posion Season", doch dazu später mehr. Funkelperlenschöner lupenreiner Pop für die blaue Stunde:
6 Love A – 100.000 Stühle Leer
Deutscher, zugegeben angepoppter Punk findet außerhalb von den mir sehr verehrten Turbostaat nur sehr sehr selten auf dem Bänkelsänger statt. Love A mit ihrem wichtigen "100.000 Stühle leer" könnten hier (mit dem insgesamt auch sehr ansprechenden dazugehörigen Album "Jagd & Hund") für Abhilfe schaffen:
7 Father John Misty – Bored In The
USA
Ziemlich zu Anfang des Jahres sorgte diese herausragende Hommage an den barocken Pop der 60er-Jahre mit dem zynischen Text für Furore, und hat sie sich bis heute bewahrt:
8 Autre Ne Veut – Age Of Transparency
Ein Future-Soul-Künstler, bei dem ich mich dieses Jahr nicht entscheiden konnte. Das Album eine Großtat, doch der Titelsong noch viel viel größer. Allein der Chorus und das schmelzende Saxophon versetzen Berge:
9 Brandon Flowers – Can't Deny My
Love
Der hartnäckigste Ohrwurm des Jahres gebührt Brandon Flowers, dessen "Can't Deny My Love" einfach überall funktioniert, beim Autofahren, beim Bügeln, Kochen, in der Disco:
10 Tocotronic – Jungfernfahrt
Lärmiger Pop mit Selbstbezug. So schön konnte man schon lange nicht mehr mit den vier Jungs schwelgen. Und live waren sie ein Triumph (und wer sich jetzt wundert warum da unten "Zucker" läuft, leider war es mir nicht möglich ein adäquat einbettbares Klangbeispiel zu finden, und "Zucker" ist mittlerweile fast eben so stark):
Die weiteren Plätze im Überblick sehen dann wohl so aus:
11 Will Varley - As To My Soul
12 Jan Koch und das alte Cello –
Seemannsgarn
13 Sfir – (Der Geruch von) Große
Welt
14 Circuit des Yeux – Fantasize The
Scene
15 The Decemberists – Cavalry Captain
16 Tom Liwa mit Flowerpornoes –
Federkleid
17 Majical Cloudz – Silver Car Crash
18 Will Butler – Anna
19 Miguel – Coffee
20 Daughn Gibson – Shatter You
Through
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