Montag, 18. Mai 2015

My (monthly) Mixtape 2015/5



Nach dem Mixtape ist vor dem Mixtape und so kommt es auch schon Mitte Mai zur 5. Ausgabe des laufenden Jahres. Dieses Mal übernehmen psychedelische und verschwurbelte Momente einen Großteil der vorgestellten Songs, doch auch klar akzentuierter Indie-Rock (von dem man aufgrund der ersten beiden Alben nicht ohne weiteres ausgehen konnte), Protest-Songs, die ein wenig in Richtung Selbstzitat driften und A Capella-Varietäten kommen zu Gehör. Gesungen wird wieder mal in den unterschiedlichen Sprachen und Zungen und auch die Männlein- und Weibleinverteilung ist so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Doch nun genug der Vorrede, hier kommen die diesmonatigen Aspiranten: 

01. Jacco Gardner - Another You
02. Other Lives - 2 Pyramids
03. Patrick Watson - Good Morning Mr. Wolf
04. Peter Broderick - Colours of the Night
05. Roomful of Teeth - Vesper Sparrow
06. Ela Orleans - The Sky and the Ghost
07. Sophie Hunger - Heicho
08. The Tallest Man On Earth - Darkness of the Dream
09. Brown Bird - Blood From the Tree
10. Tocotronic - Solidarität
11. Vierkanttretlager - Krieg & Krieg
12. Mumford & Sons - Tompkins Square Park
13. Blur - My Terracotta Heart
14. Skinny Lister - Cathy
15. My Morning Jacket - Get The Point
16. Jackie Oates - The Devil and the Farmer's Wife
17. Giant Sand - Pen to Paper
18. San Fermin - Woman in Red

Es nennt sich zwar nur "Visualizer", dient aber aber dem Zweck des Ohrenöffners:



Ach, und für alle die es noch nicht wußten: die Mixtapes dieses (und auch fast aller vergangenen Ausgaben) laufen immer wieder im "Radio Der Von Neil Young Getöteten", dass aber auch außerhalb dieser Reihe sehr sehr fabelhafte Musik in den Äther schickt!

Montag, 11. Mai 2015

ESC 2015 - ein ein erster Vorgeschmack




Jetzt geht’s lo-hos....Naja, nicht jetzt, sondern erst in acht Tagen, wenn das erste Halbfinale über die Bühne geht. Doch warum nicht auch schon einmal in die Ferne schweifen, um den sich beim diesjährigen ESC in Wien darbietenden Künstlern schon einmal das erste Ohr zu leihen.


Wie jedes Jahr wetteifern um die 40 Nationen um den besten Song, und da anlässlich des 60. Jahrestags der Veranstaltung sogar Australien (die seit Jahren eine treue Fangemeinde stellen und im Stillen immer schon Ehrenmitglied der IBU waren) teilnehmen wird, ist das Teilnehmerfeld so bunt wie immer, so vielfältig wie selten und so schräg wie... nun, so richtig verrückt wird’s heuer anscheinend nicht. Doch nun von Anfang an und her mit des Bänkelsängers' Favoriten, die hier in eher ungeordneter Reihenfolge vorgestellt werden sollen:

  1. Elina Born & Stig Rästa – Goodbye To Yesterday (Estland)

Duette sind ja spätestens seit The Common Linnets vom vergangenen Jahr stark im Kommen, und so schicken sich die beiden Esten Elina Born & Stig Raäta mit ihrem sehr hübschen 60s-Pop in deren Fußstapfen zu treten. Ein sehr ansprechender Wechselgesang, dazu gefällige Bläser- und Streicherhintergründe, auch die Wettbüros lieben die Zwei, das könnte was werden.

  1. Kjetil Mørland & Debrah Scarlett – A Monster Like Me (Norwegen)

Auch Norwegen schickt ein sehr aussichtsreiches Gesangsduo ins Rennen. Kjetil Mørland und Debrah Scarlett frönen allerdings eher der elegischen Ballade, die nicht nur im Titel ein wenig (wir sprechen hier vom ESC-Kontext!!) mysteriös daherkommt.

  1. Maraaya – Here For You (Slowenien)

Einfach mal einen richtigen guten Popsong präsentiert Slowenien mit „Here For You“. Maraaya punktet hier nicht nur mit einem extrem eingängigen Refrain und einer unverwechselbaren Stimme, auch die Bühnenshow mit Kopfhörern und Luftgeiger verspricht einiges.

  1. Loic Nottet – Rhythm Inside (Belgien)

Der Belgier hat wohl eine ganze Menge Lorde gehört und sich auch die zugänglicheren Nummern von James Blake und Jamie Woon zumindest angehört. Hier wird eher minimaler Pop mit sehr angenehmen Post-Dubstep-Versatzstücken gekreuzt, bei der Stimmer bin ich mir allerdings noch nicht so sicher, ob das auf riesengroße Gegenliebe stossen wird.

  1. Daniel Kajmakoski – Autumn Leaves (Mazedonien)

Vermutlich keine Chance hat der für Mazedonien startende Daniel Kajmakoski, doch dessen hübsch gefälliger Folkpopsong „Autumn Leaves“ kann durchaus mit aktuellen Produktionen gleicher Machart mithalten.

  1. …

So weit so gut, fünf mehr oder weniger bänkelsängeraffine Vorschläge müssen reichen, doch bietet der 2015er-Jahrjang durchaus noch das ein oder andere weiter Schmankerl, wie den flehenden Balkan-Troubardour Knez aus Montenegro, den sanften Songwriterpop vom Zyprer John Karayiannis, die harmonischen Folker The Makemakes aus Österreich, soliden Discopop aus Israel und Australien oder das fürchterlich harmlose, aber zumindest eingängigePopständchen unserer Ann Sophie.

Und wer jetzt noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, darf sich schon mal mit Elina und Stig auf den 23.05.2015 einstimmen:








Freitag, 1. Mai 2015

Scheunenfunde: Mount Rushmore Safari




Zuzüglich zur Rubrik „Aufgemerkt“, die sich ja ursprünglich und eigentlich auch noch immer um eher neue Veröffentlichungen kümmert bzw. auch auf erst in Zukunft folgende Alben hinweist und diese mit ersten tonalen Lebenszeichen antriggert und den regulären Beiträgen ohne klassische Kategorieeinordnung folgen nun die „Scheunenfunde“.

Hier kommen Alben, Songs, Videos oder sonstige mediale Auswüchse zu Wort, die schon eine geraume Zeit auf dem Buckel haben und vielleicht auch schon die ein oder andere Woche im Promopostfach rumgedümpelt sind. Den Anfang machen Mount Rushmore Safari, die bereits im Februar ihr zweites Album angekündigt haben. Doch darum geht es jetzt eben nicht. Vielmehr soll der euphorisierende Indie-Rock ihres Debüts „Elba“ Thema sein.

Dieses noch mal über das wahrhaft fabelhafte „John Wayne“ anzupreisen, wäre allerdings müßig, schließlich tummeln sich acht weitere Songs auf „Elba“, die allerdings nicht immer komplett ebenbürtig scheinen. Da ist zum Beispiel „Wanted You To Die“, das süffigen Radiopop mit nervösem Nachhall bietet. Geschmacklich ausgewogen, aber eben ohne die ganz große Überraschung. Schon ausgefallener und deutlich nach den aktuellen The Killers-Werken schielend, präsentiert sich „Nothing's Gonna Stop“, dem aber im Vergleich zu den Amerikanern der glamouröse Überbau fehlt. Deutlich wird auf „Elba“ vor allem, dass sich Mount Rushmore Safari geradezu herzzerreißend in energische Refrains hineinwinden. Andreas Sorgenfrei mimt hier den selbstbewußten Frontmann, seine Stimme ist kraftvoll, neigt aber auch zur klanglichen Schwermut, was vor allem in den gitarrendomierten Stücken wie „Elba“, „House On Fire“ und eben „John Wayne“ deutlich wird.

Hier liegt auch die Stärke des Albums, dessen musikalisches Spektrum limitiert bleibt, trotzdem immer mal wieder andere Genre-Schubladen aufgestossen werden. Es sind die Songs, die von ihrer Mitsing-Intensität leben, die fast immer am Anschlag sind und dadurch vor Kraft und Energie nur so strotzen. Lediglich das etwas beschaulichere „Butterfly“ fällt neben dem viel zitierten „John Wayne“ aus dem Rahmen, ersteres weil es das Tempo zunächst deutlich raus nimmt und eher nach den New Romatics der 80er klingt und schwülwarmen Loungepop bietet. Und „John Wayne“ ist halt eben dieser kleine Ewigkeitshit, der allein durch den Titel und den unwiderstehlichen Chorus nach Höherem greift.

So ist „Elba“ ein erster Scheunenfund, der sich als launiges und konsequentes Album rund um einen Hit präsentiert, der dann das ganze Potential der Band aufzeigt. Der Aufmerker vom Februar kündigt deutlich mehr Sonne an, mal sehen, wie sich eine lichtdurchflutete Kompositionen mit dem funkelnden Popverständnis versteht.

Weil man es gar nicht oft genüg hören kann, gibt es als Ohrenöffner erneut „John Wayne“:

Mittwoch, 22. April 2015

My (monthly) Mixtape 2015/4


Irgendwie seltsam, oder? Da entschuldigt man sich bereits Anfang des Jahres im Vorfeld dafür, dass die langlebigste Rubrik des Bänkelsängers eventuell nicht mehr ganz ihrem Namen gerecht wird, und trotzdem erblickt jetzt im vierten Monat des Jahres auch die dazugehörige Ausgabe das Licht der Welt. 19x neue und neueste Melodien mit mehr oder weniger Folk in den Harmonien, aber dennoch unbedingt empfehlenswert. Das Spektrum ist breit, dürfen doch neben ausgewiesenen Bänkelsängerlieblingen wie Rocky Votolato, Björk und The Mountain Goats auch spektakuläre Neulinge wie die zornigen Post-Punker von Isolation Berlin oder die verwunschenen House Of Wolves ihren Teil zum Zusammenklang beitragen. Besonders Ohrenmerk darf vor allem auch James Blackshaw gelten, der nämlich zum ersten Mal überhaupt die Stimme erhebt und seinen psychedelischen Instrumentalfolk damit deutlich bereichert. Auf geht's:


01. The Dropout Patrol - Beautiful Noise
02. Stornoway - Between the Saltmarsh and the Sea
03. The Staves - Blood I Bled
04. Rocky Votolato - Boxcutter
05. Calexico - Falling From the Sky
06. Wolfgang Müller - Ansonsten der Sommer
07. Death Cab For Cutie - Black Sun
08. James Blackshaw - Confetti
09. House of Wolves - Daughter of the Sea
10. Isolation Berlin - Prinzessin Borderline
11. The Mountain Goats - Foreign Object
12. Simon Joyner - You Got Under My Skin
13. Love A - 100.000 Stühle leer
14. Villagers - Hot Scary Summer
15. Oliver Gottwald - Perpetuum immobile
16. Lord Huron - The World Ender
17. Soko - Peter Pan Syndrome
18. Sufjan Stevens - No shade in the shadow of the cross
19. Björk - Stonemilker


 Ich weiß, das die Verfolger (es tue sich keiner einen Zwang an, dort auch auf gefällt mir zu klicken) meiner Facebook-Seite bereits in den Genuß des diesmaligen Ohrenöffners gekommen sind und das das musikalisch auch sicher eher ein Grenzgänger ist, doch ist "100.000 Stühle leer" von Love A viel zu gut und wichtig, als das man es nicht immer wieder angucken, -hören und -preisen sollte:


Mittwoch, 15. April 2015

Um Ecken und über Kanten: WÆLDER



WÆLDER - Anachronie

Das Rascheln der Stadt. Ana-chronie.

Das Flüstern im Walde. „Kwer“ zur Musik.

Post-Organisches Wabern, Pulsieren. Atmen. Der Klang der Musik wie eine „Feder“. Mal leicht, mal „Gruen“. Mal schillernd in allen Farben.

Unterwegs. Auf dem Puls atmen. Egal ob in „Bruxelles“, Reykjavik“ oder in „Khartum“.


Eine Hypnose. Ein Wechselbad. Licht.

Und Schatten. Beats. Stimmen. Töne die sich in „Zeit.“ und „Licht“ zerteilen. Verfremdung. Die Details zerfließen „In“ Einzelteile.

Sonne und Mond. Licht und Schatten. „Lunisolar“.

Mal eng. Mal weit. „Maoi“. Ohne Zusammenhang werden aus Zahlen „381“ Wirkungen, aus Worten enstehen Geräusche“ die wie „Fabeln“ Lebensbilder allegorisch verarbeiten.

Wege. Eine Straße. „Strata“.

Zusammen. Werden. Aus. Einzelteilen. Und. Fragmenten. Elektroide Popsongs. Die. Sich. Wiederum. Zu. Einem. Gesamtklang. Zusammensetzen.



Dieses Mal müssen spontane Gedankenexplosionen dazu dienen, dieses wirklich famose erste Nicht-Hip Hop-Album auf Kreismusik zu würdigen, anders kommt man der befremdlichen Nachtmusik von WÆLDER kaum näher. Um aber einmal eine Genreschublade aufzumachen: hypnotischer Post-Dubstep mit geborstener Popauffassung und einem Bodensatz aus Ambient, Folk und LoFi. Man höre und staune:


Montag, 13. April 2015

The Dropout Patrol


Sanft und seidig - und doch mit Widerhaken.

Als 2012 dem selbstbetitelte Album von The Dropout Patrol auf dem Bänkelsänger ein paar Zeilen angediehen wurden, sprach ich davon, dass es "das neue Lieblingsalbum" werden könnte, wenn man sich für folkgetriebenem Indiepop begeistern kann. 2015 kann ich diese Worte für das via K&F Records und Altin Village & Mine erschienene "Sunny Hill" fast wiederholen.

Auf das erste Ohr ist der Ton rauher, die Melodien verschachtelter, die Rhythmik komplizierter. Der Folk, der schon vor drei Jahren eine deutliche Popschlagseite hat, findet nur noch in der hintersten Ecke statt, stattdessen mäandern deutliche schwerere Gitarrenakkorde durch das Album und verursachen dabei wundervollen Krach, oder eben "Beautiful Noise" wie es direkt im ersten Stück ahnungsvoll heißt. Auch das tolle, kraftvolle "Feeding Ghosts" hat deutlich mehr Energie, startet es doch mit energischer Instrumentalwucht und wird erst nach und nach von der federleichten  und jubelschweren Stimme Jana Sotzkos in die Schranken gewiesen. 

Musikalisch klingt das zuweilen nach Sonic Youth ohne deren harschen Überbau, nach Locas In Love (aber eben auf Englisch) oder nach Warpaint, wobei deren progressive Ausflüge auf dem letzten Album hier höchstens in den manchmal zu weit ausholenden In- und Outros zu finden sind. Paradebeispiel ist hier "Wednesday Nights At The Salon", dass sich fast ein Drittel seiner Spielzeit instrumental in ein mollenes Mantra hineinarbeitet: "No one, not tonight" heißt es, ein klares deutliches Statement, dass der dunklen Stimmung auf "Sunny Hill" die Krone aufsetzt. 

Bleierne Echos und heisere Schattengesänge  sowie eine tröstlich triste Entschleunigung im Mittelteil sorgen in "Fear Of Flight" für Atmosphäre, die Licht nur zwischen den Zeilen zulässt und dennoch funkeln sowohl die Musiker als auch die Sängerin wie schwarzer Samt. Dass sich "Sunny Hill" aber im Gegensatz zum Vorgänger nicht anschmiegen will liegt der deutlich stärkeren Musikaliät in jedem einzelnen Song. Es sind nicht nur einfach nur Popsongs, denen einen Postrockkorstett geschneidert wurde, vielmehr entfalten sie sich (zuweilen aber eben dann doch ein wenig zu viel) zu Nachtfaltern, deren irrisierende Flügel nach allen Seiten ausschlagen.

"Sunny Hill" macht es einem deutlich schwerer ein Lieblingsalbum zu werden, allerdings ist auch klar, dass nach ein wenig mehr Arbeit auch ein bisschen längeres Vergnügen entstehen könnte.


Montag, 30. März 2015

Hitparade 2015 - Vol. 1



Da war doch mal was? Ich habe nachgeschlagen, zuletzt im Sommer 2012 hatte ich eine Quartalshitparade, in der ich meine Albumlieblinge der vergangenen 3 Monate mal in Reih und Glied gebracht habe. Überdies nannte ich noch einiges wohlfeiles Liedgut beim Namen, welches sich zwar auf den Bänkelsängermixtapes tummeln könnte, das aber durchaus noch mal Erwähnung ob dessen Güte finden sollte. Gut drei Jahre später gibt es nun mal wieder so eine erste Liste, die in zehn Alben bereits zeigt, welch fulminate Jahresendabrechnung erwartbar werden könnte. Doch nun genug der Vorrede, hier sind die Platzierungen im Einzelnen:

01 Daniel Knox – Daniel Knox
02 Susanne Sundfør – Ten Love Songs
03 Father John Misty – I Love You, Honeybear
04 The Decemberists – What A Terrible World, What A Beautiful World
05 Matthew E. White – Fresh Blood
06 Ryley Walker – Primrose Green
07 Jessica Pratt – On Your Own Love Again
08 Laura Marling – Silent Movie
09 Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
10 Dagobert – Afrika

Scheint vor allem Platz 1 aktuell wie in Stein gemeißelt zu sein, wechseln die übrigen Platten teilweise munter je nach Tagesform durch und auch jenseits des aktuell zehnten Platzes stehen schon weitere Alben Gewehr bei Fuß.

Der Tradition folgend kommen nun noch 10 Songs, die entweder nicht auf den oben genannten Alben zu finden sind, gar kein Albumbestandteil sind oder eventuell gar nicht im entsprechenden Zeitraum erschienen sind, dem Bänkelsänger aber trotzdem einen Heidenspaß bereiten. Als da wären:

DM Stith - Imperial Leather
Benjamin Clementine - Nemesis
Natalie Prass - It Is You
Jake Xerxes Fussell - Push Boat
The Slow Show - Dresden
John Southwood - Niagara Falls Is Not Niagara Falls
Daughn Gibson - Shatter You Through
Lois - Before You
Will Butler - Anna
Love A - 100.000 Stühle Leer 

Selbstverständlich gibt es einen Ohrenöffner, der wie auch schon beim gestrigen Mixtape vom bisherigen Album des Jahres kommt und auch noch mal aufzeigt, wie vielfältig solch ein herrlicher Bariton klingen kann: 


Sonntag, 29. März 2015

My (monthly) Mixtape 2015/3



Das erste Quartal ist fast geschafft und somit wird es Zeit für eine dritte Mixtape-Bestandsaufnahme für 2015. Dieses Mal scheinen sich vier übergeordnete Themen in den 18 ausgewahlten Stücken zu verbergen. Zunächst verneigen sich einzelne Stücke mal mehr, mal weniger vor ihren historischen Vorbildern, wobei die Bandbreite hier schier unübersichtlich scheint, dann spielen ausdrucksstarke Stimmen eine Rolle, die vor allem düstere und gehaltvolle Baritone ins Rampenlicht stellt und man soll es kaum glauben, welche Unterschiede sich ausmachen lassen. Drittes Thema ist die instrumentale Virtuosität vor allem an den unterschiedlichen Instrumentensaiten, aber auch Streicher und diverse Tasteninstrumente werden heuer deutlich in den Fokus gehoben. Zuletzt ist es weniger Thema, vielmehr eine Feststellung, denn im Gegensatz zur Jahreszeit scheint die Dunkelheit zurück auf dem Bänkelsänger zu sein, auch wenn gerade Locas In Love etwas anderes versprechen: 

01. The Slow Show - Dresden
02. Champs - Vamala
03. Will Butler - Anna
04. Susanne Sundfør - Kamikaze
05. Laura Marling - Gurdjieff's Daughter
06. Courtney Barnett - Pedestrian At Best
07. Locas In Love - Da ist ein Licht
08. Yowler - Water
09. Ryley Walker - Primrose Green
10. Torpus & The Art Directors - Poem For A Friend
11. The New Atlas - Freight Train
12. José González - Leaf Off  The Cave
13. Whitehorse - Evangelina
14. Moses Luster and the Hollywood Lights - The Hangman's Door
15. Daniel Knox - Blue Car
16. Scott Matthew - Effigy
17. Matthew E. White - Feeling Good Is Good Enough
18. Dagobert - Das traurige Ende eines schönen Tages

Als Appetithappen nehme ich dieses Mal einen deutlichen Aspiranten für die Top Ten in der Jahresendabrechnung:


Montag, 16. März 2015

Moses Luster & The Hollywood Lights



Erlesenes Schummern.

Manch einer erinnert sich noch daran, dass als der Bänkelsänger vor nunmehr fünfeinhalb Jahren startete, dessen Hauptaugenmerk bei eher düsteren Folk- und Americana-Tönen lag. Inzwischen werden fast alle Spielarten kontemporärer und unabhängiger Folk- und Popmusik gestreift, auch vor experimentiellen Klängen und avantgardistischen Sphären- und Metallauswüchsen wurde nicht immer Halt gemacht, selbst Sprechgesang und Kabarett (wenn auch hier eher von finsterer Natur) durften so ihre Rolle spielen.

Mit dem neuen Album von Moses Luster & The Hollywood Lights kommt ganz entgegengestetzt zum Bandnamen mal wieder etwas Blaupausenmusik der ersten Stunde aufs Tablett. Mich hatte das erste Album "I'm  The Lion" schon überrascht, tauchte es doch weiland irgendwann irgendwo in den weiten Untiefen des obskuren Americanas auf und lehnte sich durch Stimme und Stimmung mal hier und mal da an und überzeugte vor allem durch eine Vielschichtigkeit die von ruppigem Countryrock bis hin zu halbseidenem Noirfolk reichte.

Das zweite Album barg dann nur noch vereinzelt Schätze, doch mit dem neuen Werk "The Hangman's Door" nehmen Moses Luster und seine Mannen wieder richtig Fahrt auf.  "Come Along With Us" heißt es dann auch folgerichtig und auf geht es durch einen holprigen Ritt, der wahlweise auf den spärlich beleuchteten Seitenstraßen Las Vegas oder gar in den verrauchten Hinterzimmern der Casinos spielen könnte. "I Got You" ist ein weiterer, mit zarten Frauenstimmen begleiterer Höhepunkt, so melodiös wie selten croont Luster über deutlich weniger waidwunde Wehmutsakkorde als zuvor.

Stimmlich wie immer im sinstren Schallraum beheimatet klingt er einmal wie ein versöhnlicher Tom Waits-Klon, aber auch Ähnlichkeiten an das Timbre eines Matt Berninger von The National schimmert wie im pianogetränkten "Coming Home" durch die dichten und spannenden Arrangements des Albums. Der Titeltrack wiederum wirbelt Wüstenstaub auf und atmet die Luft der großen Countryklassiker, "Sorrow Town" hätte hingegen auf den American Recordings von Johnny Cash auch keine schlechte Figur gemacht.

So spannt "The Hangman's Door" einen weiten Bogen, der einmal quer durch die amerikanische Tradition zu gehen scheint und nicht nur die funkelnden Plätze sondern auch die wenig gangbaren Nebenstraßen betritt. Ohren auf, hier kommt Moses Luster (von dem ausser einer sehr kurzen Biographie auf der Facebook-Seite immer noch kaum Lesbares im großen weiten Internet zu finden ist):



Sonntag, 15. März 2015

Torpus & The Art Directors



Frischer Wind aus Norden.

Zugegeben, ich kenne das erste Album der Band aus Niebüll (jetzt Hamburg) nicht, doch wenn es, wie im Promozettel vermerkt, stimmt, dass die Instrumentenanzahl auf "The Dawn Chorus" deutlich reduziert wurde, muss "From Lost Home To Hope" ziemlich überladen gewesen sein.Was allerdings auf dem neuen Album zu hören ist, ist vielfältiger, ausformulierter und in weiten Teilen sehr begeisternder Folkpop, der den Vergleich mit Genregrößen nicht scheuen muss. 

"The Dawn Chorus" ist zunächst einmal ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, wechseln sich doch schnelle und gerne auch euphorisierende Nummern mit ruhigen, behaglichen Lagerfeuerschunklern ab. Zu Beginn fahren die Musiker hier deutlich mehr Geschwindigkeit auf als im Mittelteil, welcher durch das langsam nach vorne stolpernde "Don't Gather Roses" bewußt eingebremst wird und gerade durch diese sehr amerikanisch wirkende Entschleunigung zu den besten Nummern gehört. Doch Torpus & The Art Directors sind vor allem dann besonders stark, wenn ihre Songs ein bisschen aus dem Ruder laufen. Hat der Opener "In Hushed Tones" noch diesen gemäßigt nach vorne treibenden Folkrhythmus der Indiefolk-Klasse der vergangenen Jahre, darf es auf Albumlänge auch mal ein wenig mehr in Richtung klassischer Americana wie im nach Admiral Fallow klingenden "Sleeping On The Backburner" gehen. Das sehr hübsche Trio aus "Water", "From Holding Your Hands" und "Poem For A Friend" bedient sich wiederum aus dem Folkbaukasten, ohne formelhaft zu sein, schließlich darf bei einem laut mitgesungen, beim anderen den vielfaltigen Hintergrundinstrumenten gelauscht und beim letzten wiederum durchaus mitgelitten werden. 

Jetzt tummeln sich auf "The Dawn Chorus" allerdings auch ein paar Füller, wie das nett dahinplätschernde "Mirror Mirror", dass textlich eben auch nur hübsch und adrett daher kommt und sich keine Kanten oder Ecken leisten möchte. "Two Hearts" mit seinem Bläser-Entree schubst sich zwar kurz vor Schluß noch einmal ins Rampenlicht, doch insgesamt fehlt den letzten Nummern so ein bisschen der Schwung der ersten halben Stunde, den auch das an Frank Turner erinnernde "Love It As It Comes" nur noch bedingt wieder aufholen kann.

Ein sehr ansehnlicher Frühlingsbote ist das zweite (bzw. dritte, wenn man das selbstvertriebene Debüt hinzuzählt) ) Album von Torpus & The Art Directors auf jeden Fall geworden, und wer das jetzt nicht glauben mag, kann sich davon entweder live überzeugen,

 07.04.         Lübeck         Blauer Engel    
08.04.         Rostock     Mau Club    
09.04.         Jena         Café Wagner    
10.04.         Dresden     Beatpol    
11.04.         Berlin         Privatclub    
13.04.         Aachen         Musikbunker    
14.04.         Köln         Blue Shell    
15.04.         Osnabrück     Kleine Freiheit    
16.04.         Essen         Zeche Carl    
17.04.         Ulm         Club Schilli    
18.04.         München     Milla    
19.04.         Freiburg     Waldsee
20.04.         Nürnberg     Club Stereo
22.04.         Hannover     Lux
23.04.         Hamburg     Grünspan
24.04.         Husum         Speicher    
25.04.         Bremen         Tower    
12.-13.6.     Dalhausen     T-Mania Festival

kauft sich das via Grand Hotel van Cleef erschienene Album oder hört zumindest mal den Ohrenöffner "Two Hearts" hier jetzt und direkt an: