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Montag, 23. Juni 2014

Hörbar 2014/1 - Der Bänkelsänger rekapituliert

Ich habe dieses Jahr schon verdammt viel Musik gehört. Und ich habe auch schon eine ganze Menge über Musik geschrieben. Ausserdem habe ich auch so das ein oder andere Mixtape erstellt. Nur hat das hier keiner sehen können, da ich den Bänkelsänger leider schon seit geraumer Zeit sträflich vernachlässigt habe, dafür aber eine ganze Reihe an Rezensionen bei AUFTOUREN veröffentlicht habe. Da ich mich nicht wiederholen will und wiederum Besserung geloben will, fasse ich einfach mal das bisher gehörte diesen Jahres in meiner speziellen „Hörbar“ zusammen und versuche bezeiten auch wieder mal das ein oder andere Mixtape zu veröffentlichen.

Genug der Vorrede, hier geht’s weiter...

2014 ist bislang ein leidlich düsteres Jahr, zumindest was den musikalischen Output meiner bevorzugten und neuentdeckten Musiker und Musikerinnen angeht. Sorgte gleich zu Beginn des Jahres die karge und intime Selbstbetrachtung Mark Kozeleks alias Sun Kil Moon auf „Benji“ für Begeisterung, setzten sich im Verlauf der folgenden Monate noch dunklere Töne durch. Der Einfachheit halber skizziere ich jetzt pro Album einfach mal ein paar Stichworte zusammen.

Meine Hörbar:

Ben Frost – A U R O R A - ist vielleicht noch nicht das beste, aber mit Sicherheit ein klarer Thronanwärter 2014, denn dieser kristallklare, schwarzglänzende, urbane Nachtmoloch saugt einem das Mark des Lebens aus den Knochen und lässt einen sprachlos und begeistert zugleich zurück.

  

Swans – To Be Kind – eifert dem ebenso herausragenden Vorgänger nach und vereint den den Swans eigenen druckvollen Hang zur Repetition mit einem Post-Punk-Verständnis, dass einen schier um den Verstand bringt.


Protomartyr – Under Color OfOfficial Right – bringt die bange Tristesse von Post-Punk und gothinfiziertem Rock unter einen Hut mit bärbeißiger Melodiosität.



Wo bleibt der Folk? Wo die Moritaten? Wo sind die bänkelsängertypischen Country- und Americanawege? Die haben es bislang noch nicht auf das Treppchen geschafft, allerdings sollen stellvertretend ebenfalls drei vortreffliche Werke genannt werden.

Sun Kill Moon – Benji – überrascht mit einem innigen, intimen Blick auf den Interpreten, der eindringlich über sich, seine Familie und Freunde und vor allem Gott und die Welt singt.

 

Sharon Van Etten – Are We There – überzeugt durch einen fast ebenso innigen Blick auf ihr Innerstes, allerdings deutlich wehmutgetränkter, dafür aber mit mehr Songorientierung.


Seth Lakeman – Word Of Mouth – nimmt nach „The Freedom Fields“ sein bisher bestes Album auf, auf dem so viele gute „Folk“-Songs drauf sind, wie lange nicht mehr.

 

Jetzt muss ich allerdings noch zwei weitere Alben würdigen, die im Laufe des bisherigen Jahres den Weg in meinen Briefkasten gefunden haben, als da wären:

Fredrik Kinbom – Oil – ist das absolute Überraschungsalbum, denn der stille und unglaublich musikalische Songwriterfolk ist fabelhaft instrumentiert, wird stilvoll vorgetragen und sorgt für den ein oder anderen Gänsehautmoment.

 

Lestat Vermon – Hillside – bringt auf seinem Zweitling Folk und Pop in nahezu perfekten Einklang ohne Beliebigkeit vorzutäuschen.

 

Doch das war in diesem Jahr beleibe noch nicht alles. Neben den oben erwähnten Alben hat der Bänkelsänger unter anderem bei den Werken von Angel Olsen, Noah Gundersen, Micah P. Hinson, Felix Meyer, Owen Pallett und Nick Waterhouse Bestnoten zu verteilen, die vielen guten bis mittelguten Alben führe ich jetzt mal nicht noch zusätzlich ins Feld.

So kann und soll es weitergehen. Der treue Follower dürfte überdies bemerkt haben, dass die Vogelschau in diesem Jahr bislang relativ regelmäßig gepflegt wurde und so soll's dann auch bleiben. 

Die Verlinkungen zu den einzelnen Alben führen zu den AUFTOUREN-Rezensionen, nicht dass noch irgendwer denkt, ich schmücke mich mit fremden Federn!

Dienstag, 4. März 2014

My monthly Mixtape - Februar



Huch, ist ja schon März, daher schnell frisch ans Werk und die Februar-Rückschau für das Mixtape kompiliert. Nachdem ich Anfang des Monats dem fabelhaften Seth Lakeman (inklusive des hervorragenden Folk/Songwriter-Duos Sophia & Beni, von denen ich eine Hälfte genau hier schon mal beschrieben habe) zum ersten Mal live beiwohnen durfte, durfte ein Stück seines aktuellen Albums "Word Of Mouth" genauso wenig fehlen, wie Beiträge aus den weiteren bisherigen Album des Jahres-Kandidaten Angel Olsen und Sun Kil Moon. Dazu packen wir noch eine ganze Reihe an verstiegenen Neofolk-Varietäten, Gender- und Zerstörungspop, spielfreudige Alternative-Folker und ganz schön viel Drama. Hinhören, gerne auch im Laufe der kommenden Tage auf dem "Radio der von Neil Young Getöteten", das auch die bisherigen Mixtapes in unregelmäßiger Reihenfolge immer wieder zum Besten gibt.

Doch nun zur Liste im Einzelnen:

01. Fanfarlo - Cell Song
02. Ed Harcourt - In My Time of Dust
03. Seth Lakeman - The Courier
04. Augustines - Weary Eyes
05. The Farewell Drifters - The Day You Left
06. Noah Gundersen - Dying Now
07. Beck - Morning
08. Tara Jane O'Neil - Over. Round, in a Room. Found
09. Angel Olsen - Enemy
10. Kimi Kärki - Red Rooster
11. Paul Roland - Bates Motel
12. Lost in the Trees - Lady in White
13. Wild Beasts - Mecca
14. Marc Almond - Death of a Dandy
15. Planningtorock - Human Drama
16. Xiu Xiu - Lawrence Liquors
17. Scott H. Biram - Only Whiskey
18. Sun Kil Moon - Ben's My Friend


Ende März/Anfang April kommt Seth Lakeman übrigens noch mal nach Deutschland, bis dahin gibt's als Aufmerker noch mal seine aktuelle Single:

Samstag, 12. November 2011

Christy Moore



Kein Hit von gestern.

Keltisch geprägter Folk spielt auf dem Bänkelsänger eine eher untergeordnete Rolle, doch nach mehrmaligem Hören des neuen Albums "Folk Tale" des irischen Folksängers Christy Moore muss ich mir zumindest in seinem Fall stellen: warum eigentlich? Moore ist bereits lange im Geschäft, veröffentlicht er doch bereits seit 1969 in schöner Regelmäßigkeit Alben, wobei er seine Hochzeit sicherlich in den 70er und 80er Jahren gehabt hat. Danach wurde es, auch aus gesundheitlichen Gründen ein wenig stiller um ihn, doch spätestens mit dem schönen "Listen" von 2009 beweist er wieder eine enorme Standhaftigkeit, die sich mit dem just dieser Tage erschienen "Folk Tale" nur noch verstärkt.

11 Stücke in bester irischer Folktradition dargeboten, intoniert mit sanftem, aber charakterstarken Bariton, gespickt mit der immer ein wenig vokalarmen Anmutung der irischen Sprache. Schon der Opener "Tyrone Boys" umfängt den Hörer mit seinem klassischen Songmuster, die Gitarre, mit Bedacht gezupft und immer wieder diese Stimme. Ein wenig erinnert Moore an den Engländer Chris Wood, dessen Ansatz jedoch weit traditoneller und historistischer zu sein scheint. Moore zaubert mit einfachsten Mitteln die im Herbst so gern angeführte Kaminzimmeratmosphäre, die sich mit Rotweinschwere paart und die man am einfachsten dick eingemummelt mit Decken und Kissen auf dem heimischen Sofa genießen kann. Doch sind es nicht nur die erzählerischen Balladen, die "Folk Tale" so warm und anschmeichelnd erscheinen lassen. Auch die ein wenig an deutsche Liedermacher vom Schlage eines Reinhard Mey erinnernde Geschichte um die "Little Honda Fifty" oder das luftige "Weekend In Amsterdam" tragen zum heimeligen Gesamtklang bei. In "Haiti" schwelgt Moore in heimlichem Fernweh und lässt sich dennoch die irischen Wurzeln nicht kappen. Natürlich, "Folk Tale" ist durchzogen von klassischer Folk-Instrumenten, Fiddle, Harmonika, Gitarre, dazu wird zeitweilig die ein oder andere Duettpartnerin an Bord geholt und doch klingt das Album zeitgemäß. 
Nahtlos fügt es sich in Moores Diskographie ein, die sicherlich zu den letzten Veröffentlichungen einen gehörigen Schuß Milde bekommen hat. Wenn dabei jedoch Stücke wie das titelgebende "Folk Tale" oder das ausdrucksstarke "On Morecambe Bay" entstehen, kann, nein muss man das einfach toll finden. Moore ist nunmal ein sympathischer Geschichtenerzähler, der sich über nun mehr als 45 Jahre immer wieder neue Facetten angeeignet hat und Vergleiche mit jüngeren Kollegen, wie dem artverwandeten Damien Dempsey oder dem leidlich in den Mainstream abgewanderten Seth Lakeman nicht scheuen muss. Und das kann man hier dann auch hören:

 


Freitag, 11. Dezember 2009

Seth Lakeman

Es wird Zeit für Seth Lakeman, denn den kennt hierzulande sträflicherweise niemand, auch wenn er im UK zumindest ein Folk-Superstar mit unglaublichem Spielwitz und exzellentem Geigen- und Gitarrenspiel ist. 4 Alben hat er solo bereits veröffentlicht, dringendste Empfehlung ist sein vorletztes Werk "Freedom Fields", "Poor Man's Heaven" aus dem letzen Jahr ist aber auch nicht zu verachten. Stellvertretend zwei Videos, das eine mit Spielfreude und Energie pulsierende "The Hurlers", zum anderen eine Akustik-Version des wunderschönen "The White Hare".