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Montag, 19. Oktober 2015

Federal Lights



Von den kleinen Dingen.

Indiefolk hat auf dem Bänkelsänger zuletzt fast ein Nischendasein gefristet. Das lag weniger daran, dass derzeit kaum Besprechenswertes veröffentlicht wurde, sondern vielmehr an der Öffnung des Blogs für fast schon zu viele andere Nischen.

Mit Federal Lights, die ich in Kurzform bereits vor ein paar Wochen aufs Korn genommen habe drängt jetzt allerdings eine Band ans Licht, die mit „Coeur De Lion“ ein herzensschönes Album voller strahlender Indiefolkmomente hervorgebracht hat. Jean-Guy Roy heißt deren Frontmann und hat eine vollmundige, nach Kerzenwachs und Rotwein duftende Stimme, die wie geschaffen ist für die schattierten Abendstunden des Herbstes. Die Band oszilliert dabei vom hellen Tagesanbruch in die Nacht hinein und wechselt stöndig die Seiten. Ganz den Titeln entsprechend schummert sich „Dark Of The Night“ beinahe an das tieftönende Timbre des The National-Frontmanns Matt Berninger heran, während „Then Came The Light“ die zarten Melodieknospen der artverwandten Frühwerke von Noah & The Whale aufgreift.

Die kanadische Band schafft es hier eine immense Bandbreite aufzurufen und es sich trotzdem in ihrem in Teilen durchaus popaffinen Folkkosmos gemütlich zu machen. Dafür sorgen auch mal verführerische Balladen wie das wunderschöne „Amelia“, dessen behutsame Pianotupfer einen hellen Kontrast zu Roys zitterndem Bariton liefern oder das langsam verschleppte "Ctrl.Alt.Delete" Harmonischer Zwiegesang prägt hier wie auch häufiger auf dem Rest des Albums die Refrains, wobei zum Beispiel im  Titelsong mal die Rollen getauscht werden und sich der liebliche Sopran Jodi Roys deutlicher in den Vordergrund spielt.

„Coeur De Lion“ ist eines dieser kleinen, aber feinen Folk/Popalben geworden, die sich nicht nur melodisch wie eine kostbare Miniatur vor dem Hörer präsentieren. Auch die sehr alltäglichen Themen die Roy und seine Mitstreiter besingen, werden eher fein ziseliert, dargeboten, und selbst das vermeintlich kraftvolle „Lie To Me“ besitzt kleine filigrane Klangmuster, die vor allem an den Ecken und Enden des Songs für das gewisse Etwas sorgen.

Mittwoch, 16. März 2011

Frühlingspop: Erland & The Carnival, Noah & The Whale und The Dø



Unterschiedlich und dennoch gleich.

Alle drei haben innerhalb der letzten 3 Jahre ein oder zwei feine, folkpop-infizierte Alben veröffentlicht und schicken sich nun an, jeder nach seiner Facon natürlich, erneut für beschwingte und heitere, gerne auch mal überbodernde Stimmung zu sorgen. Ein bisschen Dunkelheit wird zwar auch gestreut, nimmt aber trotz der teilweise eher herbstlich gefärbten Vorgänger einen geringeren Anteil ein.

Die Freude über einen neuen Erland & The Carnival-Longplayer hatte ich ja erst kürzlich in die Welt hinausposaunt und nach mehrmaligem Hören, darf ihm jetzt auch ein Gütesiegel verpassen. Sicherlich, der feine, historisch anmutende Sixties-Sound wurde zugunsten psychedelischerer Klänge ein wenig in den Hintergrund gerückt, wer aber dennoch dunkelbunte Variationen wie "Emmeline" oder das eingängige "Map Of An Englishman" fabriziert, muss zwingend in die Frühlingsplaylist.

Noah & The Whale hatten es sicherlich nicht leicht, ihren Kloß im Hals des letzten "The First Days Of Spring" zugunsten wirklicher Frühlingsstimmung runterzuschlucken. Dennoch finden sich auf "Last Night On Earth" entgegen dem eher negativ gestimmten Titel wieder eher die quitschbunten Folkpop-Perlen des ersten Albums minus dem gewissem Folkfaktor. Ein wenig vermissen wird man die feinen Streicher und die einnehmende Atmosphäre, den Soundtrack für den einen sonnenverwöhnten Frühlingstag bekommen Songs wie "L.I.F.E.G.O.E.S.O.N." oder "Tonight's The Kind Of Night" aber spielerisch hin.

Fehlen noch The Dø, die dieser Tage nun auch den Nachfolger zum aufgeregten und hibbeligen Debut "A Mouthful" präsentieren. Klanglich gereift klingt "Both Ways Open Jaws" weniger nach Kindergeburtstag sondern eher nach Straßencafé mit Wind in den Haaren. Auch hier ist an sich noch genügend Instrumentarium vom Vorgänger vorhanden, jedoch ist ein gewisser Hang zur Dezemz nicht zu verleugnen. Allerdings steht genau diese Art der Zurücknahme dem französisch-finnischen Duo gut, was man beim elegischen "Smash Them All (Night Visitors)und den vorab veröffentlichtne Uptempo-Pop-Miniatur "Dust It Off" hervorragend heraushören kann.

Pop hoch drei also, hier auch in Bild und Ton: