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Sonntag, 15. Mai 2011

Moses Luster And The Hollywood Lights



Gedämpfte Lichter...

oder zumindest Kerzenflammen scheinen hier die richtige Beleuchtung zu sein und nicht die titelgebenden, gleißenden Leuchten der Traumfabrik. Das Album "I'm The Lion" gleicht einem Drift durch die Abenddämmerung, manch einer mag sich bei einem trockenen Drink am abgeschabten Tresen einer schummrigen Bar sehen. Moses Luster und seine Hollywood Lights spielen knappe 40 Minuten mit Licht und Schatten und werden nicht müde immer neue Stimmungen in die Waagschale zu werfen.
Musikalisch wird hier dem verwitterten Blues und Country des "alten Amerikas" gehuldigt, auf den ersten Blick dreckig und vernarbt, erst auf den zweiten Blick entpuppen sich die rauhen Klänge als flackerndes Leuchtfeuer.
Im an den "Loverman" des vorzüglichen Nick Cave erinnernden "Lover" zum Beispiel, das förmlich mit lasziver Wut auf hoher Flamme lodert oder im energischen "Kingpin" das sich zwischen manierlichen Frauenchören auch ein wenig forderndes Handclapping gönnt, von der quengelnden Orgel ganz zu schweigen.
"Pyroclastic" klingt dann wiederum wie für einen 70er-Jahre-Gangsterstreifen gemacht, gerade wenn die Ganoven schwerbewaffnet das prunkvolle Casino entern und dann doch der Held auf der Bildfläche erscheint. Überhaupt Las Vegas scheint passender Schauplatz für "I'm A Lion" zu sein, wuchtig, ausufernd und manchmal ein Stück "over the top", ganz so wie es Mr. Luster zu gefallen scheint. Schmutziger Glanz beherrscht die Szenerie, die sicherlich auch dem Seelenverwandten Tom Waits oder Johnny Cash gefallen hätte, bei letzterem zumindest in dessen Spätphase.
"Someday" wird nach den wüsten Stampfern zum ersten Mal ruhiger, nur zum Piano wird begonnen, fast entschließt man sich, sanft zu mildem Zwiegesang in die Nacht zu gleiten. Doch weit gefällt: im Höllenritt "The Fist Of Karma" reisst sanft aufgetürmte Stille entzwei und die darin aufgestaute Energie wird nach zartherben Start rasch ausgebreitet. Wer übrigens beim letztgenannten Song an frühere Phillip Boa-Glanztaten denkt, liegt meines Erachtens gar nicht so falsch.

Über die eher übersichtlich gestaltete Bandcamp-Seite kann ein weiterer Eindruck gewonnen werden, das Video bietet zudem einen Augen- und Ohrenschmeichler:

Samstag, 11. September 2010

Live: Phillip Boa & The Voodooclub



Annie musste draussen bleiben.

Nach längerer Konzertabstinenz beginnt der "heiße Herbst" für den Bänkelsänger mit einem echten Klassiker: Phillip Boa wollte mit seinen Mitstreitern auf seiner "Best-Of-Tour" auch das münstersche Metropolis beehren und alle alle sind gekommen: Michael und Albert, Punch, Judy & Valerian, nur Annie durfte dieses Mal nicht dabei sein.

Doch nun von Anfang an:
In den heiligen Hallen durften sich zuvorderst "SASU" austoben, die als Post-Punk/Noise/Rock-Band fungieren können, da aber eine Antworten schuldig blieben. Leider kündigten sie sich aber weder selbst noch irgendeinen ihrer irgendwo in der Schnittmenge zwischen Placebo, The XX und Franz Ferdinand beheimteteten Songs an, lediglich ein flüchtiges "Hallo" und "Danke" des Gitarristen sorgte für eine Interaktion. Musikalisch war das alles sicherlich ganz manierlich, der Sänger machte mit seinem rumpelstielzchen-artigem Auftritt aber keine glückliche Figur, so dass keinerlei Funken zwischen Band und Publikum sprühten. Schade, das Potential war durchaus vorhanden.

Nach kurzer Umbaupause betrat dann der Zeremonienmeister selbst die Bühne, und schon begannen atemberaumbende 100 Minuten, die mit "Euphoria" eingleitet wurden, welches sich als grandioser Opener entpuppte. Danach ging's brachial weiter und Hr. Boa zeigte mal wieder, dass auch nach über 20 Jahren Voodooclub Songs wie "This Is Michael", "Albert Is A Headbanger" und vor allem "Fine Art In Silver" nichts von ihrer Intensität verloren haben und das zahlreich versammelte Auditorium so zu Begeisterungsstürmen bewegte.
Aber nicht nur die offenkundigen Klassiker sind es, die ein Boa-Konzert jedesmal so einzigartig machen. Altbekannte Hits und Evergreens werden von Boa immer wieder in neue Soundumgebungen gepackt und entfalten so live eine neue, meistens druckvollerere Renaissance. Bestes Beispiel: "Speed". In der aktuellen Machart perlen Schlagwerkaskaden brutal auf die mit mannigfaltigen Noisewirbeln verzierten, fast brutal klingenden Gitarren, Boas Stimme erhebt sich mehr als manisch über dieses Soundgewitter und zuckt und zittert sich durch dreieinhalb beindruckende Minuten. Davon können sich aktuelle Noise-Götter wie HEALTH oder die Liars eine beträchtliche Scheibe abschneiden. Oder "Punch & Judy-Club". Zierlich, bittersüß und sehr sehr sinnlich wurde hier performt, genau wie beim artverwandeten "Valerian" oder der etwas zu balladesk gerateten Version von "Deep In Velvet", mit der der gute Phillip immer wieder gerne seine Zugaben einleitet. Eine Neu- oder besser Wiederentdeckung gibt's natürlich auch: "Life After Being A Zombie" vom 90er Album "Helios" ist diesesmal der Song, der durch den Recyclingwolf gedreht wurde und hoffentlich wieder häufiger in die Setlist aufgenommen wird.
Beschlossen wurde dieser atemlose Abend wie nahezu immer mit dem nimmermüdewirkenden "Kill Your Idols", druckvoll, zeitlos, energetisch.

Fazit: Ein sehr gelungener Konzertabend, der keine Vorband gebraucht hätte. Eine fabelhafte Location (das Metropolis ist ein ehemaliges Kino mit ansteigendem Auditiorium und Empore und sehr ordentlicher Akustik sowie Platz für wohl so um 300-500 Mann). Ein sehr sehr gut aufgelegter Künstler und eine gut funktionierende, spielfreudige Band. Ein angenehmes Publikum, auch wenn ich mir den ein oder anderen Stage-Diving-Versuch verkniffen hätte. Eine Feststellung: Best-Of-Konzerte bieten keine Verschnaufpausen.

...und da "Annie" gestern draußen bleiben musste, gibt's jetzt Entschädigung: