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Dienstag, 27. Dezember 2016

Hitparade 2016



Ach ja, 2016! Du hast so viel genommen, aber eben auch so viel gegeben. Dass Nick Cave sich ganz vorne platziert, ist sicherlich keine Überraschung, dass es jedoch ein vortreffliches Debüt eines jungen, sehr ambitionierten Songwriters auf die zweite Position schafft, schon bemerkenswert und Platz drei gebührt den sympathischen Querköpfen Ebba und Jakobus. Doch nun zu den Platzierungen im Einzelnen:

01 Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree

Dass es Nick Cave geschafft, sich zum wiederholten Male in meinen Jahrescharts ganz weit oben zu platzieren, ist nicht verwunderlich. Dass er es jedoch mit seinem radikalsten Werk an die Spitze geschafft hat, ist schon bemerkenswert, umso mehr deshalb, weil ich „meinen“ Cave doch am liebsten ruppig oder wildromatisch mag. Und doch kann ich mich der Bewältigungslyrik eines „Distant Sky“ nur schwer entziehen, lässt mich „I Need You“ nach wie vor Sturzbäche von Emotionen durchleben und „Skeleton Tree“ erlöst in die Nacht hinübergleiten. Der Triumph des Jahres.

02 Benjamin Dean Wilson – Small Talk

Geschichtenerzähler, die auch noch Musik machen können sind mir seit je her die liebsten. Der Newcomer Benjamin Dean Wilson hat dieses Jahr die unterhaltsamsten Geschichten im Angebot und auch (oder gerade weil es) nur sechs sind, kann er hier aus vollstem Fundus schöpfen. Vor allem das nahezu fünfzehn Minuten dauernde „Rick I Tick Tock“ und dessen wundersame Geschichte über eine Ménage à trois sowie das amüsante „Sadie And The Fat Man“ lassen mein Herz hoch und höher schlagen.

03 JaKönigJa – Emanzipation Im Wald

Ebba und Jakobus Durstewitz feiern eine großartige Rückkehr mit ihrem Rückzug aufs Land. Ihr verquerer Diskurspop ist elektroärmer und ich mag die neue Lust an der Luftigkeit mit den feinen Bossanova und Barockpop-Anklängen. Und die Verquertheit der Texte insbesondere im Titelsong und bei „Spukhafte Fernwirkung“ ist nach wie vor unerreicht.

04 Marlon Williams – Marlon Williams

Letztes Jahr zwar eigentlich auch schon platziert, aber mit dem weltweiten Release noch mal gehörig in der Gunst gestiegen. Allein das androgyne „ When In Was A Young Girl“ rechtfertigt eine hohe Platzierung, doch eigentlich ist alles was der smarte Songwriter mit der wandelbaren Stimme anfasst, pures Gold.

05 Ian William Craig – Centres

In der „Geheimen Beute“ von Auftouren bin ich 2014 zum ersten Mal auf Ian William Craig aufmerksam geworden und mit „Centres“ ist dessen eigenwilliges Gebräu aus berauschenden Ambientklängen, Störgeräuschen und klassisch geschultem Gesang endgültig im Ohr angekommen.

06 William Ryan Fritch – Clean War/New Words For Old Wounds

Ähnlich in der Klanganlage wie Ian William Craig, ist William Ryan Fritch dann doch songorientierter zu verorten. Vor allem seine Zusammenarbeiten mit DM Stith sind fabelhaft, aber auch wenn er U- und E-Musik in Einklang bringt, ist das schon ganz großes Ohrenkino.

07 Wild Beasts – Boy King

Mein Pop-Album des Jahres. Lasziv wie ein schwarzer Panther und voller Testosteron wandere ich mit „Alpha Female“ und „Big Cat“ durch die Clubs dieser Stadt, bis mich mit „Celestial Creatures“ der beste Popsong des Jahres zur Himmelfahrt drängt.

08 Damien Jurado – Visions Of Us On The Land

Das Album hat durch die Liveshow noch mal gehörig gewonnen. Weil dadurch die einheitliche Klangwirkung des Albums aufgebrochen wurde und einzelne Songs stärker für sich stehen konnten. Und weil „Kola“ „Museum Of Flight“ als Lieblingslied abgelöst hat.

09 Sturgill Simpson – A Sailor’s Guide To Earth

Sturgill Simpson kreuzt Country mit Soul und Blues mit vollmundigem Classic Rock. Was sich auf das erste Ohr nach entbehrlicher Altherrenmusik anhört ist ein großartiger Bilderbogen durch amerikanische Musikgeschichte, inklusive der wirklich herausragend gelungenen Nirvane-Coverversion „In Bloom“.

10 Perhaps Contraption – Mud Belief

Mein Herzensalbum des Jahres. In einer besseren Welt wäre „Draining Refrain“ ein wochenlanger Ohrwurm und alle Leute würden wahlweise zu „Droplets/Molecules“ oder „Lay Low“ tanzen. Hätte ich ohne die netten Herrschaften im „Welches Album hörst du gerade“-Thread bei Plattentests nicht entdecken und lieb haben können.



11 Wolf People – Ruins
12 Karl Blau – Introducing Karl Blau
13 Laura Gibson – Empire Builder
14 DM Stith – Pigeonheart
15 Shearwater – Jet Plane And Oxbow
16 Weyes Blood – Front Row Seat To Earth
17 Susanna – Triangle
18 Adia Victoria – Beyond The Bloodhounds
19 Holy Esque – At Hope’s Ravine
20 Isolation Berlin – Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit

21 Neil Cousin – The Dreams Of Animals
22 Let’s Eat Grandma – I, Gemini
23 Leonard Cohen – You Want It Darker
24 Angel Olsen – MY WOMAN
25 Kevin Morby – Singing Saw
26 Trupa Trupa – Heartache
27 Meilyr Jones 2013
28 King Creosote – Astronaut Meets Appleman
29 Bergen – Zeiten Für Kerle
30 Adam Torres – Pearls To Swine

31 Tindersticks – The Waiting Room
32 Matt Kivel – Janus
33 Cass McCombs – Mangy Love
34 Margo Price – Midwest Farmer’s Daughter
35 Bosse – Engtanz
35 Nils Bech – Echo
37 Luke Temple – A Hand Through The Cellar Door
38 The Cray Twins – The Pier
39 Mykki Blanco – Mykki
40 A. Dyjecinski – The Valley Of Yessiree


Bei den Songs habe ich in diesem Jahr auch eine Top 25 erstellt und dieses mal zwar keine Rücksicht auf eventuelle Dopplungen mit den Alben genommen, dafür sind es vor allem eben solche die ich im vergangenen Jahr mit der gebotenen Acht- und Aufmerksamkeit am meisten genossen habe:


01 Perhaps Contraption – Draining Refrain
02 Nick Cave & The Bad Seeds - Distant Sky
03 Wild Beasts – Celestial Creatures
04 Benjamin Dean Wilson- Sadie And The Fat Man
05 Let's Eat Grandma – Rapunzel
06 Christine & The Queens – Tilted
07 Marlon Williams – When I Was A Young Girl
08 Karl Blau – Fallin' Rain
09 Bergen – Die Laufenden Toten
10 Matt Kivel – Jamie's

11 Phillip Poisel – Erkläre Mir Die Liebe
12 Sturgill Simpson – In Bloom
13 Adam Torres – Some Beasts Will Find You By Name
14 Bosse – Steine
15 The Avalanches – Frankie Sinatra
16 Wolf People – Kingfisher
17 Neil Cousin – The Lock Keeper's Daughter
18 JaKönigJa – Emanzipation Im Wald
19 Luke Temple – Maryanne Was Quiet

20 Shearwater – Glass Bones

21 Clare Maguire – Elizabeth Taylor
22 Mykki Blanco – My Nene
23 The Drones – Boredom
24 Isolation Berlin – Der Garten deiner Seele
25 Weyes Blood – Diary

...und da der diesjährige Platz 1 nicht bewegt bebildert ist, gönne ich jetzt jedem beim Lauschen das entsprechend quietschebunte Kopfkino:


Samstag, 2. Juli 2016

Hitparade 2/2016


Vermutlich ist es müßig (und trotzdem tue ich es immer wieder) den Kniefall wegen zu wenig Schreiberei zu machen, allein die Gründe sind dieselben. Doch ohne eine zweite Hitparade wollte ich auf keinen Fall in die zweite Jahreshälfte gehen. Schnell wird deutlich, dass das zweite Quartal ganz schön viel durchgemischt hat und auch das dieses Mal die Songs fehlen. Vielleicht schiebe ich die ja noch irgendwann im Lauf der kommenden Tage nach, falls nicht, auf den zwanzig (bzw. einundzwanzig) folgenden Alben sind umgerechnet gut über 200 Stücke zu entdecken. Die Hitliste im Einzelnen:


01    Marlon Williams – Marlon Williams
02    Benjamin Dean Wilson – Small Talk
03    Adia Victoria – Beyond The Bloodhounds
04    Damien Jurado – Visions Of Us On The Land
05    Sturgill Simpson – A Sailor's Guide To Earth
06    William Ryan Fritch – New Words For Old Wounds/Clean War
07    Karl Blau – Introducing Karl Blau
08    Sheawater – Jet Plane & Oxbow
09    Meilyr Jones – 2013
10    Laura Gibson – Empire Builder
11    PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project
12    Holy Esque – At Hope's Revenge
13    Kevin Morby – Singing Saw
14    Tindersticks – The Waiting Room
15    Trupa Trupa – Heartache
16    The Cray Twins – The Pier
17    Isolation Berlin – Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit
18    Let's Eat Grandma – I, Gemini
19    Bergen - Zeiten Für Kerle
20    Susanna – Triangle

Der passende Ohrenöffner kommt von Benjamin Dean Wilson, der mit seinem kleinen feinen Songwriteralbum einen echten Klassiker geschaffen hat:


Samstag, 2. April 2016

Hitparade 1/2016



Zwei Mixtapes, eine wohlmeinende Rezension und jetzt schon eine erste Hitparade? Nun, dieses Jahr geht einfach viel zu schnell rum und irgendwie habe ich noch nicht so viel Muße gewunden, viel für den Bänkelsänger zu verschriftlichen. Dafür war ich aber ganz doll für AUFTOUREN aktiv und habe dort für 8 meiner 10 Top Ten-Plätze des ersten Quartals warme Worte gefunden. Interessanterweise habe ich in diesem Jahr bislang mehr folkferne als -nahe Musik konsumiert und wenn ich mir die Veröffentlichungen in der Vogelschau der kommenden Wochen so ansehe, scheint es hier immer mehr zu einem Gleichgewicht zu kommen. Vielleicht ist es ja tatsächlich so wie mit dem Schmecken, hier sollen sich ja auch die Vorlieben alle sieben Jahre ändern bzw. zumidest neu sortieren. Und der Bänkelsänger wird im September 7! Doch nun erst einmal zu den Plätzen 1-10, von denen es die Nummer 1 zwar schon im letzten Jahr in meine Endabrechung geschafft hat, doch da Marlon Williams offiziell erst in diesem Jahr in hiesigen Gefilden auf Tonträger zu erstehen war, habe ich hier mal eine Ausnahme gemacht.

01 Marlon Williams – Marlon Williams
02 Damien Jurado – Visions Of Us On The Land
03 Shearwater – Jet Plane And Oxbow
04 The Drones – Feelin Kinda Free
05 Holy Esque – At Hope’s Ravine
06 Trupa Trupa – Headache
07 Meilyr Jones – 2013
08 Isolation Berlin – Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit
09 Tindersticks – The Waiting Room
10 Bergen – Zeiten Für Kerle

Die Songliste ist wie gehabt eher ein Stimmungbild von Stücken, die sich nicht auf den oben genannten Werken befinden, aber mehr als einer Erwähnung bedürfen:


Apollo – Oceans II
Poliça – Lime Habit
Bosse – Nachttischlampe
David Ramirez – Harder To Lie
Matt Kivel – Jamie's
The Winterlings – Honeymoon In Baghdad
Albrecht Schrader – Leben In Der Großstadt
Pet Shop Boys – Twenty-Something
San Fermin & Sam Amidon – Shiver
Sturgill Simpson – In Bloom


Der Ohrenöffner kommt dann mal von Apollo, von dem ich mir in diesem Jahr dann auch mal ein Album wünschen würde:




Dienstag, 22. Dezember 2015

Hitparade - Die Alben des Jahres 2015


Auch dieses Jahr soll eine Hitparade der tollsten, hörenswertesten, überraschendsten und spannendsten Alben nicht fehlen. Insgesamt überrascht in diesem Jahr eine Hinwendung zum Pop, der mal elegant, mal raffiniert, mal experimentiell und mal sogar avantgardistisch dargeboten wird. Doch auch Freunde bänkelsängertypischer Musik kommen auf ihre Kosten, sorgen doch auch ausgewählte Schmankerln aus den Sparten Folk, Alt-Country und Americana für Furore. Und nun Vorhang auf für die Top 40:

 01 Destroyer – Posion Season

Schon nach zwei bis drei Hördurchgängen stand fest, dass Den Bejar dieses Mal etwas noch Großartigeres geschaffen hatte, als auf seinen vorherigen Alben. Süffiger, raffinierter Pop, der sich geschmeidig in alle Richtungen ausstreckt und vor Verve und Eleganz nur so strotzt.

02 Daniel Knox – Daniel Knox

Daniel Knox steht der diesjährigen Nummer Eins in fast nichts nach, bedient er doch ähnliche Aufnahmekanäle. Auch hier überzeugen die  feingesponnene Arrangements, die Knox mit seinem überragenden Bariton noch veredelt.

03 Roomful Of Teeth – Render

Nahezu gänzlich ohne Instrumentarium sorgen Roomful Of Teeth dieses Jahr für die Überraschung auf dem Bänkelsänger. Klassischer Kammerpop von neun Ausnahmestimmen, herausragend im Konzept, vortrefflich in der Ausführung.
 
04 John Grant – Grey Tickles , Black Pressure

Das verquerste Album Grants ist zugleich sein bestes. Das liegt nicht nur am alles überstrahlenden "Disappointing", vielmehr versammelt Grant hier all seine Tugenden und Boshaftigkeiten und formt ihnen perfekt passende klangliche Rahmen.
 
05 Joanna Newsom – Divers

Heiß ersehnt und gleich wieder verliebt. Dass "Divers" ihr vielleicht konventionellstes Album sei, wurde aller Orten bereits diskutiert, wenn aber Konvention zu solch fabelhaften Kompositionen wie dem ätherischen Titeltrack oder dem samtenen "Leaving This City" führt, bin ich mal ausnahmsweise Fan der Konvention. 

06 Julia Holter – Have You In My Wilderness

Auch Julia Holter baut ihre Sounds weiter zu verführerischen unnahbaren Popsongs aus, und erschafft trotzdem turmhohe Gefühlswelten, die zwischen Autobiographischem, Weltschmerz und sanfter Psychologie oszillieren.  

07 Chelsea Wolfe – Abyss

Die dunkle Note meiner Top Ten stammt eindeutig von Chelsea Wolfe, deren nokturne Klanggewalt enorme Vehemenz gewonnen hat. "Abyss" ist ein gravitätischer Tiefenrausch voller Verletzlichkeit, doch flicht sich immer wieder metallisch glänzende Melodien ein.

08 Sarah Kirkland Snider – Unremembered

Dass es ein Komponistenalbum in die Top Ten schafft, war ebenfalls nicht vorauszusehen. Doch was Sarah Kirkland Snider auf "Unremembered" DM Stith, Shara Worden und Padma Newsom in den Mund legt, sind wohlfeile Kunstlieder voll von Kindheitserinnerungen. 

09 Circuit Des Yeux – In Plain Speech

Kapriolenschlagener Art-Pop an der Grenze zum Experiment mit Exkursen in aller Herren Genres: "In Plain Speech" ist ein Gesamtkunstwerk, an dessen Spitze das himmlische "Fantasize The Scene" steht.

10 Josh Ritter – Sermon On The Rocks

Ein bisschen "echter" Folk und Country sollte sich auch noch in den Top Ten tummeln und so sorgt Josh Ritter mit seiner hervorragenden neuen Songsammlung, in denen vor allem die Singalongs "Getting Ready To Get Down" und Henrietta, Indiana" sowie das pianogetränkte Spoken-Word-Wunder "Homecomin'" hervorstechen.

Den Rest nach den Zehn gibt es wieder in Listenform. Hier tummeln sich liebgewonnene Lieblingsbands, überrragende Newcomer, spannende Quereinsteiger und erstaunliche Grenzgänger:

11 Father John Misty – I Love You, Honeybear
12 The Decemberists – What A Terrible World, What A Beautiful World
13 Autre Ne Veut – Age Of Transparency
14 Tocotronic – Tocotronic (das rote Album)
15 Ryley Walker – Primrose Green
16 Marlon Williams – Marlon Williams
17 Susanne Sundfor – Ten Love Songs
18 Matthew E. White – Fresh Blood
19 The Mountain Goats – Beat The Champs
20 Will Varley – Postcards From Ursa Minor

21 Brandown Flowers – The Desired Effect
22 Noah Gundersen – Carry The Ghost
23 Algiers – Algiers
24 Myrkur – M
25 Wanda – Bussi
26 Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
27 Jonas Carping – Cocktails & Gasoline
28 Natalie Prass – Natalie Prass
29 Trembling Bells – The Sovereign Self
30 Jessica Pratt – On Your Own Love Again

31 Alasdair Roberts – Alasdair Roberts
32 The Dropout Patrol – Sunny Hill
33 Jackie Oates – The Spyglass & The Herringbone
34 Federal Lights – Coeur De Lion
35 Punch Brothers – The Phosphorescent Blues
36 Binoculers – Adapted To Both – Shade And Sun
37 Romano – Jenseits Von Köpenick
38 Red River Dialect – Tender Gold And Gentle Blue
39 Bilderbuch – Schick Schock
40 Tom Liwa Mit Flowerpornoes – Umsonst & Draußen

Vielleicht schicke ich am Jahresende noch ein "Und sonst?" nach, das jene Alben, EPs und Songs beinhalten soll, denen zumindest eine oder mehrere lobende Erwähnungen gebühren und die sonst nirgendwo auftauchen. Bis dahin rate ich zum Ohrenöffner, der dieses Mal Platz 3 gebührt:

 

Montag, 21. Dezember 2015

Hitparade - Die Songs 2015



Während im Hintergrund Stara Rzekas Album „Zamknely sie oczy ziemi“ sich seinen Weg in die Gehörgänge bahnt und ich noch am Jahresende noch auf der Suche nach dem ultimativen Geheimtipp oder der übersehenen Pretiose bin, kann ich ja schon mal anfangen, ein wenig Jahresrückblick zu wagen. Völlig untypisch, geht es dieses Mal mit den Songs los, die mich in den vergangenen 12 Monaten begeistert, erschüttert, weggeblasen, erheitert, gefangen genommen, fasziniert und aufgerüttelt und mir wahlweise Stehhaare, Freudentränen, Lächeln ins Gesicht oder spontane Gefühlsregungen in Gesicht und Körper verursacht haben.
Waren sonst die Albenbeiträge, die ohnehin schon in meiner Jahreshitparade auftauchen, nicht namentlich erwähnt, gehe ich dieses Jahr auch hier andere Wege und beschreibe nicht mehr und nicht weniger die Top Ten meine Lieblinge in Wort und Ton (sofern vorhanden.)

Vorhang auf:

1 John Grant – Disappointing

Dieses Jahr führte kein weg an John Grants Hymne an die Liebe vorbei, "Disappointing", gemeinsam mit Tracey Thorn kongenial im Duett fabriziert und mit hinreißenden Bildern im dazugehörigen Bildern versehen:



2 Dawes – All Your Favourite Bands

Dawes haben neben John Grant wohl den besten Mitsingrefrain geliefert, mit dieser wundervollen Zeile, die sowohl Hoffnung, Melancholie als auch Wunschdenken vereint: "and may all your favourite bands stay together":

3 Josh Ritter – Getting Ready To Get Down

Unterschätzen wird Josh Ritter nach mehreren tollen Alben in Folge niemand mehr, das beweist er auch auf seinem aktuellen Werk "Sermon On The Rocks". Und  wenn dort solch schmissiger Roots-Rock-Line-Dance-Country drauf ist wie bei dieser Augenzwinkerei kann nichts schief gehen: 


4 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – S.O.B.

Den hatte ich vorschnell zum Hit des Jahres gekürt, jetzt reicht es nicht mehr ganz für das Treppchen. Egal, "S.O.B." ist immer noch ein heißer Feger aus kontemporären Rhythm'n'Blues, zu dem man einfach tanzen muss:



5 Destroyer – Times Square

Vorweggenommen: Destroyers "Time Square" steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe an Songs auf dessen Album "Posion Season", doch dazu später mehr. Funkelperlenschöner lupenreiner Pop für die blaue Stunde:




6 Love A – 100.000 Stühle Leer

Deutscher, zugegeben angepoppter Punk findet außerhalb von den mir sehr verehrten Turbostaat nur sehr sehr selten auf dem Bänkelsänger statt. Love A mit ihrem wichtigen "100.000 Stühle leer" könnten hier (mit dem insgesamt auch sehr ansprechenden dazugehörigen Album "Jagd & Hund")  für Abhilfe schaffen:



7 Father John Misty – Bored In The USA

Ziemlich zu Anfang des Jahres sorgte diese herausragende Hommage an den barocken Pop der 60er-Jahre mit dem zynischen Text für Furore, und hat sie sich bis heute bewahrt:


8 Autre Ne Veut – Age Of Transparency

Ein Future-Soul-Künstler, bei dem ich mich dieses Jahr nicht entscheiden konnte. Das Album eine Großtat, doch der Titelsong noch viel viel größer. Allein der Chorus und das schmelzende Saxophon versetzen Berge:



9 Brandon Flowers – Can't Deny My Love

Der hartnäckigste Ohrwurm des Jahres gebührt Brandon Flowers, dessen "Can't Deny My Love" einfach überall funktioniert, beim Autofahren, beim Bügeln, Kochen, in der Disco:


10 Tocotronic – Jungfernfahrt

Lärmiger Pop mit Selbstbezug. So schön konnte man schon lange nicht mehr mit den vier Jungs schwelgen. Und live waren sie ein Triumph (und wer sich jetzt wundert warum da unten "Zucker" läuft, leider war es mir nicht möglich ein adäquat einbettbares Klangbeispiel zu finden, und "Zucker" ist mittlerweile fast eben so stark):



Die weiteren Plätze im Überblick sehen dann wohl so aus:

11 Will Varley - As To My Soul
12 Jan Koch und das alte Cello – Seemannsgarn
13 Sfir – (Der Geruch von) Große Welt
14 Circuit des Yeux – Fantasize The Scene
15 The Decemberists – Cavalry Captain
16 Tom Liwa mit Flowerpornoes – Federkleid
17 Majical Cloudz – Silver Car Crash
18 Will Butler – Anna
19 Miguel – Coffee
20 Daughn Gibson – Shatter You Through

Mittwoch, 30. September 2015

Hitparade 2015 - Vol. 3



Das vielerorts (zumeist künstlich) heraufbeschworene Sommerloch bringt eine ganze Reihe an Veränderungen in des Bänkelsängers' Hitparade; nicht nur auf den hinteren Plätzen, es hat sogar zu einer neuen Nummer Eins gereicht:

01  Destroyer – Poison Season
02  Daniel Knox – Daniel Knox
03  Julia Holter – Have You In My Wilderness
04  Roomful Of Teeth – Render
05  Circuit Des Yeux – In Plain Speech
06  The Decemberists – What A Terrible World , What A Beautiful World
07  Sarah Kirkland Snider – Unremembered
08  Father John Misty – I Love You, Honeybear
09  Susanne Sundfør – Ten Love Songs
10  Chelsea Wolfe – Abyss
11  Algiers – Algiers
12  Tocotronic – Tocotronic (das rote Album)
13  The Mountain Goats – Beat The Champ
14  Ryley Walker – Primrose Green
15  Matthew E. White – Fresh Blood
16  Marlon Williams – Marlon Williams
17  Binoculers – Adapted To Both Shade And Sun
18  Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
19  Jessica Pratt – On Your Own Love Again
20  Trembling Bells – The Sovereign Self
21  Brandon Flowers – The Desired Effect
22  Myrkur – M
23  Scott Matthew – This Here Defeat
24  Dagobert – Dagobert
25  My Morning Jacket – The Waterfall
26  Samantha Crain – Under Branch & Thorn & Tree
27  Noah Gundersen – Carry The Ghost
28  Natalie Prass – Natalie Prass
29  Nadja Stoller - Earthbound
30  Richard Thompson – Still

Die Songs des Quartals finden sich wie immer in großer Zahl bereits auf den Alben des bisherigen Jahres, doch sollen auch diejenigen nicht unerwähnt bleiben, die es noch nicht in die Hitparade geschafft haben, sei es nun mangels eines geeigneten Longplayers oder einfach nur deshalb, weil das zugehörige Album noch nicht veröffentlicht wurde oder weil außer dem erwähnten Hit der Rest des zugehörigen Werkes von gar nicht ganz so erlesener Güte ist:

John Grant (feat. Tracey Thorn - Disappointing
Majical Cloudz - Silver Car Crash
Low - What Part Of Me
Robert Sarazin Blake - Our Winter In New York
Beirut - August Holland
Romano - Der Schöne General
Federal Lights - Amelia
Keston Cobblers Club - Wildfire
Nathaniel Rateliff & The Night Sweats - S.O.B.
Mas Ysa - Look Up

....und da es keine Hitparade ohne Ohrenöffner geben sollte, entscheide ich mich dieses Mal hierfür:



und hierfür:





Dienstag, 30. Juni 2015

Hitparade 2015 - Vol. 2



Seit den vergangenen drei Monaten haben es dann doch eine ganze Reihe von wahrscheinlichen Aspiranten tatsächlich in den zweiten Quartalsüberblick des Jahres geschafft, die Nummer Eins zu verdrängen war dann aber trotzdem knapp zu schwierig. Die Plätze hinter Daniel Knox haben dennoch den Wind zahlreicher Neuankömmlinge gespürt, allen voran den des wundervollen A Capella-Epos "Render" von A Roomful Of Teeth und den tieftönenden Kunstfolk auf "In Plain Speech" von Circuit Des Yeux.

01. Daniel Knox – Daniel Knox
02. Roomful Of Teeth – Render
03. Circuit Des Yeux – In Plain Speech
04. The Decemberists – What A Terrible World , What A Beautiful World
05. Father John Misty – I Love You, Honeybear
06. Susanne Sundfør – Ten Love Songs
07. Algiers – Algiers
08. Tocotronic – Tocotronic (das rote Album)
09. The Mountain Goats – Beat The Champ
10. Ryley Walker – Primrose Green
11. Matthew E. White – Fresh Blood
12. Binoculers – Adapted To Both Shade And Sun
13. Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
14. Jessica Pratt – On Your Own Love Again
15. Brandown Flowers – The Desired Effect
16. Scott Matthew – This Here Defeat
17. Dagobert – Dagobert
18. My Morning Jacket – The Waterfall
19. Natalie Prass – Natalie Prass
20. Nadja Stoller - Earthbound

Bei den Songs haben sich vor allem die Lieblinge auf den bereits erwähnten Alben hervorgetan, doch auch darüber hinaus haben einige Exemplare in diesem Quartal häufiger den Weg gen Ohrmuschel erreicht und den Zustand beseelten Zuhörens, beschwingten Mitwippens oder im besten Fall freudvollen Mitsingens erreicht.

Hier sind einige der empfehlenswerten Delinquenten (die 10 aus dem ersten Quartal gelten weiterhin): 

John Joseph Brill - Pieces
The Dropout Patrol - Beautiful Noise
Scout Paré-Phillips - Coldest Blue
Home Blitz - Betton Hill
San Fermin - Woman In Red
Villagers - Hot Scary Summer
Isolation Berlin - Prinzessin Borderline
Jenny Hval - That Battle Is Over
Yowler - Water
The Deslondes - Fought The Blues And Won

Was wäre eine Hitparade ohne Ohrenöffner, der dieses Mal trotz aller musikalischer Güte sicher nicht vor aller Ohren Gnade finden wird:

 

Montag, 30. März 2015

Hitparade 2015 - Vol. 1



Da war doch mal was? Ich habe nachgeschlagen, zuletzt im Sommer 2012 hatte ich eine Quartalshitparade, in der ich meine Albumlieblinge der vergangenen 3 Monate mal in Reih und Glied gebracht habe. Überdies nannte ich noch einiges wohlfeiles Liedgut beim Namen, welches sich zwar auf den Bänkelsängermixtapes tummeln könnte, das aber durchaus noch mal Erwähnung ob dessen Güte finden sollte. Gut drei Jahre später gibt es nun mal wieder so eine erste Liste, die in zehn Alben bereits zeigt, welch fulminate Jahresendabrechnung erwartbar werden könnte. Doch nun genug der Vorrede, hier sind die Platzierungen im Einzelnen:

01 Daniel Knox – Daniel Knox
02 Susanne Sundfør – Ten Love Songs
03 Father John Misty – I Love You, Honeybear
04 The Decemberists – What A Terrible World, What A Beautiful World
05 Matthew E. White – Fresh Blood
06 Ryley Walker – Primrose Green
07 Jessica Pratt – On Your Own Love Again
08 Laura Marling – Silent Movie
09 Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
10 Dagobert – Afrika

Scheint vor allem Platz 1 aktuell wie in Stein gemeißelt zu sein, wechseln die übrigen Platten teilweise munter je nach Tagesform durch und auch jenseits des aktuell zehnten Platzes stehen schon weitere Alben Gewehr bei Fuß.

Der Tradition folgend kommen nun noch 10 Songs, die entweder nicht auf den oben genannten Alben zu finden sind, gar kein Albumbestandteil sind oder eventuell gar nicht im entsprechenden Zeitraum erschienen sind, dem Bänkelsänger aber trotzdem einen Heidenspaß bereiten. Als da wären:

DM Stith - Imperial Leather
Benjamin Clementine - Nemesis
Natalie Prass - It Is You
Jake Xerxes Fussell - Push Boat
The Slow Show - Dresden
John Southwood - Niagara Falls Is Not Niagara Falls
Daughn Gibson - Shatter You Through
Lois - Before You
Will Butler - Anna
Love A - 100.000 Stühle Leer 

Selbstverständlich gibt es einen Ohrenöffner, der wie auch schon beim gestrigen Mixtape vom bisherigen Album des Jahres kommt und auch noch mal aufzeigt, wie vielfältig solch ein herrlicher Bariton klingen kann: 


Montag, 22. Dezember 2014

Hitparade - Mein 2014


Was für ein Jahr....So wenig wie 2014 habe ich noch nie am Bänkelsänger gearbeitet und trotzdem so viel Musik wie schon lange nicht mehr gehört. Einen Teil der gehörten Alben habe ich für AUFTOUREN rezensiert, ein paar haben auch hier übers Jahr ein paar warme Worte gefunden.

Ein paar Sätze soll es auch zu den Alben des Jahres geben. Fangen wir doch einfach mal an:

01 Perfume Genius – Too Bright

Hier war es mit dem Vorboten "Queen" schon klar, dass sich Mike Hadreas nicht mehr und nicht weniger um die Pop-Sensation des Jahres bemüht. Doch nicht nur der perfekte Popsong "Queen", auch das bösartige "Grid", das verstiegen undurchsichtige "Longpigs" oder der herrlich zerrbrechliche Titelsong - "Too Bright" ist eine Sünde.

02 Ben Frost – A U R O R A

Wenn rein elektrische und nahezu instrumentale Klänge des Bänkelsängers Herz erfreuen, muss es etwas Besonderes sein. Das ist "A U R O R A" in der Tat, denn diese irrlichternde Grostadtvision mit all ihren metallen schillernden Farben ist unfaßbar eindringlich. Ein Album, dessen Wirkung sich allerdings über Kopfhörer noch deutlicher in der Hirnrinde festsetzt.

03 Sun Kil Moon – Benji

Schon früh im Jahr war klar, dass Mark Kozelek die kleine Scharte der etwas schwächeren letzten Alben ausmerzen konnte und hat mit "Benji" einfach mal sein Herz ausgeschüttet. Persönlicher kann man Songwriting vermutlich nicht mehr angehen und so nimmt man Anteil an Kozeleks kleinen Familiengeschichten, an wilden Räuberpistolen oder einfach nur an seiner Freundschaft zu Ben Gibbard.

04 King Creosote – From Scotland with Love

Der Abendspaziergang auf "Diamond Mine" hat King Creosote anscheinend noch sensibler für seine wunderbare Heimatregion gemacht. Sein als Filmscore angelegtes Album zieht wie ein bunt bebildertes Diorama durch die Landschaft und macht auch den etwas dreckigeren Seiten nicht halt. Dabei bleibt es aber eine fabelhafte Liebeserklärung. 
 
05 Swans – To Be Kind

Michael Gira setzt nach dem gewaltigen "The Seer" fast noch eins drauf und erschafft mit "To Be Kind" einen ebenbürtigen Nachfolger. Für Swans Verhältnisse sind hier teilweise fast schon eingängige Melodien erkennbar, doch der Großteil punktet mit heroischer Post-Punk-Gewalt und dräuender Lust am Experiment.

06 Jenny Hval & Susanna – Meshes of Voice

Klanglich ein wahres Fest für die Ohren, kombinieren Jenny Hval und Susanna ein modernes Märchen irgendwo zwischen griechischer Mytholgie und verwunschenem Höllenritt. Kein Album für viele Gelegenheiten, aber man denn mal dabei ist, kann man sich der Sogwirkung der aussergewöhnlichen Stimmexperimente (Dopplungen, Tripplungen, Echoeffekte etc etc.) kaum noch entziehen.
 
07 Einstürzende Neubauten – Lament

Dass eine Auftragarbeit für eine Peformance zur Erinnerung an "100 Jahre Beginn des Ersten Weltkriegs"  auch ohne die zugehörige Darbietung funktionieren kann, beweisen die Neubauten deutlich. Auch hier geht die Empfehlung deutlich Richtung Kopfhörer, um vor allem das klasutrophobische Moment in seiner ganzen Detailtreue auszukosten.

08 Protomartyr – Under Color of Official Right

Dunkler und räudiger als Protomartyr hat mich in diesem Jahr keine Post-Punk-Band von hinten im Genick gepackt. Mit "Scum, Rise!!" haben sie zudem einen der Hits des Jahres im Gepäck, doch auf ihrem zweiten Album glänzt so viel gefährliches Halbdunkel, dass es ein Vergnügen ist, diesem kleinen Überraschungsalbum mehr als ein Ohr zu leihen. 

09 C.W. Stoneking – Gon’ Boogaloo

Die Musik der 20er, 30, 40er, 50er und 60er Jahre kulminiert auf einem Album, dargeboten mit Sargnagelstimme und der unbändigen Lust an der Lust selbst, so kehrt C.W. Stoneking in des Bänkelsägers Herz zurück. War "Jungle Blues" ein frecher Klabautermann, ist "Gon' Bogaloo" der Hafenkneipenkobold, der trotzdem manchmal ein paar Manieren an den Tag legt.

10 Seth Lakeman – Word of Mouth

Ach ja, ein bisschen Folk gab's 2015 auch noch zu Hören, neben Herrn Kozelek hat sich in diesem Jahr besonders Seth Lakeman mal wieder bemüht und mit "Word Of Mouth" sein bestes Album nach dem herausragenden "Freedom Fields" veröffentlicht. Hier gilt darüber hinaus im Übrigen die Empehlung sich den Multiinstrumentalisten und seine britische Folkseele mal unbedingt live anzusehen. 

11 Wanda - Amore
12 Iceage – Plowing Into the Field of Love
13 Sharon Van Etten – Are We There
14 Alex Behning – Hinterhofschuhe Aus New York
15 Angel Olsen – Burn Your Fire for No Witness
16 Fredrik Kinbom – Oil
17 James Yorkston – The Cellardyke Recording & Wassailing Society
18 Interpol – El Pintor
19 Felix Meyer – Menschen des 21. Jahrhunderts
20 Wildbirds & Peacedrums – Rhythm

21 My Brightest Diamond – This Is My Hand
22 Micah P. Hinson – Micah P. Hinson and the Nothing
23 St. Paul & The Broken Bones – Half The City
24 Nick Waterhouse – Holly
25 The Barr Brothers – Sleeping Operator
26 Mirel Wagner – When the Cellar Children See the Light of Day
27 Marianne Faithfull – Give My Love To London
28 Owen Pallett – In Conflict
29 Adult Jazz – Gist Is
30 Xenia Kriisin – Hymn

31 Sam Amidon – Lily-O
32 Fink – Hard Believer
33 Kimi Kärki – The Bone of My Bones
34 Strand of Oaks – Heal
35 Megafortress - Believer
36 Silver Servants – Silver Servants
37 Future Islands – Singles
38 Christopher Denny – If the Roses Don’t Kill Us
39 Merchandise – After the End
40 John Fullbright – Songs

So ein bisschen Musik dazu, dann liest es sich etwas leichter: 


Donnerstag, 13. November 2014

Hitparade zwischendurch - Für die Ewigkeit: Die Alben






Vor ein paar Tagen war mal wieder Wahlsonntag bei den netten Kollegen von plattentests.de.
Nach der 100 Songs für die Ewigkeit-Aktion aus dem Frühjahr waren nun die Alben dran, und auch der Bänkelsänger hat akribisch sortiert, eingeordnet und zusammengestellt. Es sind schlussendlich tatsächlich 100 Alben geworden, die mir besonders ans Herz gewachsen sind, weil sie mir zum Beispiel entweder beim Erwachsenwerden geholfen und mich in meiner musikalischen Findungsphase geprägt haben. Die Allermeisten höre ich heute noch genauso gerne wie damals, wobei damals ein sehr dehnbarer Begriff ist, stammt das jüngste Album aus dem Spätsommer diesen Jahres, das älteste wiederum aus den 60ern, so dass ich es erst ein wenig nach seiner Entstehungszeit genießen konnte. Doch nun genug der Vorrede, hier ist die Liste, immer versehen mit ein paar Gedanken zum Album selbst. Ach, und wem das noch nicht reicht, der darf sich dann die Gesamtliste bei plattentests.de anschauen und sich an den ebenfalls sehr lesenswerten Einzellisten sämtlicher Teilnehmer erfreuen.



  1. The Decemberists – Picaresque

Dieses Album werde ich auch noch in 100 Jahren lieben. Die Band um Colin Meloy hat auf „Picaresque“ einfach mal nur eben das perfekte Album abgeliefert und mit jedem einzelnen Song tief in mein Herz getroffen. Allein für „The Engine Driver“, „The Infanta“ und „Eli, The Barrowboy“ würden viele artverwandte Bands töten!


  1. Rocky Votolato – Suicide Medicine

So ein bisschen schwächelt Herr Votolato auf seinen letzten Alben, aber „Suicide Medicine“ und vor allem der dazugehörige Titeltrack sind immer noch fabelhaft. Wenn sich dann auch noch seine Stimme bei „Automatic Rifle“ überschlägt, kommt man gar nicht mehr aus dem Staunen raus.

  1. The Mountain Goats – The Sunset Tree

Meine erste Berührung mit John Darnielle war gleich für die Ewigkeit, auch wenn der Mann eigentlich gar keine schlechten Alben veröffentlichen kann. Doch allein „Up The Wolves“ reicht hier schon aus, um „The Sunset Tree“ auf's Treppchen zu bringen.

  1. Nick Garrie – The Nightmare Of J.B. Stanislas

Eine Schwäche für obskure Alben hatte ich schon immer, doch als zum ersten Mal „The Nightmare Of J.B. Stanislas“ an mein Ohr drang, war völlig klar, das da gerade etwas komplett Magisches passiert ist. Eine echte, viel zu wenig beachtete Barock-Pop-Versuchung.

  1. Neutral Milk Hotel – In The Aeroplane Over The Sea

Seitdem ich die Band im Sommer live gesehen habe, ist das ohnehin schon fabelhafte Album noch mal deutlich gestiegen. Doch eigentlich war der verschrobene Fuzz-Folk von Jeff Mangum immer schon mindestens Top Ten würdig.

  1. The Smiths – The Queen Is Dead

Hier ist „There Is A Light That Never Goes Out“ drauf. Muss ich mehr dazu sagen?

  1. Nick Drake – Pink Moon

Eigentlich müssten hier alle Alben des viel zu früh verstorbenen Songwriters nebeneinander stehen, dass es „Pink Moon“ geworden ist liegt an „Black Eyed Dog“. Das hatte ich auf einem Mixtape bei einer anderen plattentests.de-Aktion und hatte mich spontan in den warmen, weichen und trotzdem so unfaßbar traurigen Sound verliebt. „Pink Moon“ war dann das erste Nick Drake-Album, mit dem ich mich aufgrund der Klangähnlichkeit befasst habe und nun steht es in der Top Ten meiner liebsten Alben überhaupt.

  1. Björk – Homogenic

Auf keinem Album der Isländerin finde ich mehr Weite und mehr Klang, Ich höre es nicht mehr so häufig wie früher, dennoch sind allein „Bachelorette“ und „Joga“ immer einen Durchgang wert.

  1. DM Stith – Heavy Ghost

Bei keinem Künstler bedauere ich es mehr, dass nach einem regulären Album aktuell Schluss ist. „Fire Of Birds“ war nämlich einer der schlussendlichen Entscheidungsträger, mit dem Bloggen über düsteren und kreativen Folk anzufangen. Aber auch der Rest des Albums, sowie dessen zahlreicher EPs und Remix-Alben sind ganz ganz fein.

  1. Arcade Fire – Neon Bible

Weil da „Intervention“ drauf ist.

  1. Patrick Wolf – Wind In The Wires

Auch hier war die Entscheidung zwischen diesem Album und „The Bachelor“ (keine Angst, das kommt später auch noch!) nicht einfach, doch das herausragende „The Libertine“ gab da den klaren Ausschlag.

  1. Anywhen – The Opiates

Das schönste langsame Popalbum aller Zeiten. Mit „The Siren Songs“ und „Dinah And The Beautiful Blue“ auf der Wiese liegen und die Wolken ziehen sehen, kann einen perfekten Nachmittag ausmachen.

  1. Shearwater – Rook

Jonathan Meiburgs Stimme weicht selbst Steine auf und bringt Felsen zum Singen. Zumindest auf „Rook“ und dem dazugehörigen Titelsong, aber eigentlich auch auf den anderen Alben. „Rook“ ist denen aber dennoch eine deutliche Nasenlänge voraus.


  1. Nick Cave & The Bad Seeds – No More Shall We Part

Ich mag Nick Cave ungestüm, ich mag ihn aber noch lieber, wenn er in Beschwörungslaune ist und deshalb hat „No More Shall We Part“ auch einen höheren Platz in dieser Liste als „Henry's Dream“. Und weil da „Fifteen Feet Of Pure White Snow“ drauf ist.

  1. Bon Iver – For Emma, Forever Ago

Noch so eine Initialzündung, mich mal ausgiebiger mit Folk, Country und Artverwandtem anderer Kulturen zu befassen. Ich höre das Album sicherlich seltener als bei seiner Veröffentlichung, erfreue mich aber beim Hören immer noch an der wunderbar verwunschenen Stimmung.

  1. Björk – Debut

Vielleicht der letzte Schritt in den Tempel der ernstzunehmenden musikalischen Geschmacksbildung. Und daher ganz wichtig für mich. Und auch heute noch begeistere ich mich an der Lebendigkeit von „Big Time Sensuality“, der Aktualität von „Human Behaviour“ und der Energie von „Play Dead“.

  1. The White Stripes – White Blood Cells

Eigentlich fing mein Einstieg mit „Elephant“ an, doch „White Blod Cells“ mag ich heute deutlich lieber. Und weil da „Hotel Yorba“ drauf ist.

  1. Phillip Boa & The Voodooclub – Helios

Vielleicht sollte ich mal eine Hitparade meiner liebsten Boa-Alben zusammenstellen, doch eigentlich ist das unmöglich, da ich da sehr sprunghaft bin. Lediglich das ziemlich experimentelle „Helios“ dürfte seinen Platz auf dem Treppchen sicher haben.

  1. Cult Of Youth – Cult Of Youth

Mein jüngstes Album in den Top 20. Ob es sich da auch in 5 oder gar 10 Jahren noch hält, bleibt ungewiss, doch aktuell liebe ich den ungestümen Mix aus Neofolk und Post-Punk sehr. Auch wenn die Nachfolgealben die Erwartungshaltung nicht ganz halten konnten.
  1. Sam Amidon – I See The Sign

Ob das noch ein Klassiker wird, weiß ich nicht, doch auch hier bestimmt eher die Geschichte als das Album die Platzierung. Schließlich war „I See The Sign“ meine erste vollwertige Rezension bei AUFTOUREN.de und das muss ja schließlich gewürdigt werden. Aber auch weil da diese unfassbare Version von „How Come That Blood“ drauf ist.

  1. Vic Chesnutt – At The Cut

Weil mir bei diesem Album immer ein Kloß im Hals steckt und weil Attacken von Gänsehautmomenten allein schon beim Gedanken an „Coward“ und „Flirted With You All Me Life“ durch meinen Körper jagen, ist dieser Platz mehr als berechtigt.

  1. Morrissey – You Are The Quarry

Mit dem restlichen Solowerk Morrisseys kann ich immer nur bedingt was anfangen, aber als ich das erste Mal „Irish Blood, English Heart“ gehört habe, war ich begeistert. Und weil mit „First Of The Gang To Die " noch ein weiterer Ewigkeitshit drauf ist, landet das Album eben ziemlich oben in meiner Hitparade.

  1. Johnny Cash – America IV: The Man Comes Around

Ich mag (fast) jede Dekade des Man in Black. Jetzt sind die Hits seiner früheren Jahre allerdings auf so vielen Alben verstreut und eins der (zugegeben) fabelhaften Live- oder Greatest Hits-Alben wollte ich nicht nehmen, da musste dann eben das in meinen Augen perfekteste Spätwerk herhalten.


  1. The Decemberists – The Crane Wife

Es ist die gesamte Stimmung auf „The Crane Wife“ die das Album so besonders macht. Aber auch der erste stetige Bezug an die ausufernden Folk-Alben die in Großbritannien in den 60er-Jahren entstanden sind und die Colin Meloy mit seiner Band so meisterhaft in die Neuzeit katapultiert.

  1. Perfume Genius – Too Bright

Neuer als „Too Bright“ ist kein Album in dieser Liste. Es ist vielleicht immer noch Überschwang, aber mit „Grid“ und „Queen“ findet der Conaisseur kontemporärer Popmusik schlichtweg zwei Meisterwerke. Punkt.

  1. The National – Boxer

Weil da „Fake Empire“, Brainy“, Mistaken For Strangers“, „Start A War“ etc. drauf sind und somit schon fast mein Best Of-The National darstellt.

  1. Patrick Wolf – The Bachelor

Vielleicht insgeheim Wolfs kompositorische Meisterleistung und Album mit den meisten einzelnen Hits. Dennoch ist „Wind In The Wires“ stimmungsvoller.

  1. Joanna Newsom – Have One On Me

Ja, ich finde „Have One On Me“ inzwischen besser als „Ys“. Ob ich das morgen, nächste Woche, in einem Jahr wieder sage, weiß ich allerdings nicht.

  1. James Blake – James Blake

Wenn man bei einer Cover-Version, trotzdem man das Original kennt, diese nicht als solche erkennt, hat der Künstler damit so einiges geschafft. „Limit To Your Love“ höre ich trotz allen Hypes immer noch super gerne und auch der Rest des Albums ist trotz aller künstlichen Kompilierung wie aus einem Guss.

  1. Ben Frost – A U R O R A

Dass mich ein (nahezu) instrumentales und dazu noch (nahezu) rein elektronisches Album so packt, dass ich es im Jahr seiner Veröffentlichung direkt auf meinen Platz 30 in der Platten für die Ewigkeit-Liste setze, sagt doch fast alles, oder?

  1. San Fermin – San Fermin

Auch noch verdammt neu ist das Debüt von San Fermin und doch klingt es uralt. Nämlich nach feinstem 60s-Barock-Pop und das mir das gefällt, sieht man ja an meiner Nummer 4.

  1. Swans – The Seer

Ehrlich gesagt, hatte ich mich vor der Wiedergeburt der Swans nur mit deren Seitenprojekt Angels Of Light befasst. „The Seer“ hat aber bereits beim ersten Hören so einen Sog erzeugt, der so Nachhallend ist, das mir auch der Vorgänger und der Nachfolger ausgezeichnet gefällt.


  1. The Decemberists – The Hazards Of Love

Zum dritten und letzten Mal taucht die Band aus Portland immer noch knapp im ersten Drittel meiner Liste auf. Dieses Mal mit ihrem spannenden Konzept-Album, dass irgendwo zwischen Hörspiel, Oper und Wahnsinn rangiert und selbst in den Einzelsongs immer noch fasziniert.

  1. King Creosote & Jon Hopkins – Diamond Mine

Apropos Hörspiel, dieser vertonte Abendspaziergang an der schottischen Küste ist einfach ein fabelhaftes und in meinen Augen ziemlich einzigartiges Stück Musik.

  1. Seth Lakeman – Freedom Fields

Zeitgenössischer Folk kann kitschig oder im schlimmsten Fall schlagerhaft werden. Nicht bei Seth Lakeman, der auf „Freedom Fields“ durch ein ganzes Heer von mystischen Figuren vagabundiert und wie ein Teufel auf seinen zahlreichen Streich- und Saiteninstrumenten musiziert.

  1. Phil Ochs – Pleasures Of The Harbour

Neben Nick Garrie wohl meine liebste Entdeckung der letzten Jahre, zumindest wenn man sich in den 60ern umschaut. Eigentlich ist er ja Protestsänger im Schatten Dylans gewesen, doch was er auf „Pleasures Of The Harbour“ fabriziert ist atemberaubender Barock-Folk zuweilen an der Grenze zum Experiment.

  1. Arcade Fire – Funeral

Das ich „Neon Bible“ ein bisschen lieber mag, habe ich oben ja schon gezeigt. Dass „Funeral“ trotzdem in dieser Liste auftaucht, liegt an den vielen tollen einzelnen Songs, vor allem an „Power Out“.

  1. James Yorkston – When The Haar Rolls In

James Yorkston könnte mit seiner weichen Stimme und seinem feinen Folkpicking ein Telefonbuch vertonen, ich würde es kaufen. „When The Haar Rolls In“ ist herrlich verstiegener, traditionell gefärbter britischer Folk ohne Kniffe und Knoten.

  1. Einstürzende Neubauten – Ende Neu

Vielleicht ist das in einigen Augen schlechteste Neubauten-Album auf Platz 39 überraschend, doch es war mein Einstieg in die Welt des Blixa Bargeld. Und außerdem ist da „Stella Maris“ drauf.

  1. Lone Wolf – The Devil & I

Das ist so ein Geheimtipp-Album. Das kennt kaum einer und alle die es dann irgendwann mal hören, finden es in der Regel toll. Aber der Folk-Pop im Cinemascope-Format ist auch einfach unwiderstehlich.

  1. Ed Harcourt – The Beautiful Lie

Weil da „Rain On The Pretty Ones“ drauf ist.


  1. A Whisper In The Noise – Dry Land

Ich war damals zur Tour im Gleis 22 und war vollends begeistert. Sicherlich ist da weder „Havoc“ noch „Tale Of Two Doves“ drauf, doch von der Gesamtstimmung her, legt „Dry Land“ einfach noch einmal eine Schippe drauf.

  1. Sufjan Stevens – Illinois

Ich mag ja solche Setzkastenmusik und in der Beziehung ist Sufjan Stevens der König der Setzkastenmusik. Was ich damit meine? 19984395543 verschiedene Einflüsse prasseln neben- hinter- und übereinander aufeinander ein und ergeben feine, gerne auch mal überlange Popsongs, die mal in Folk- oder auch in neoklassische Gefilde abdriften. Herrlich!

  1. Damien Rice – O

An intime Momente ist bei Damien Rice aufgrund der Überpräsenz als Hintergrundmusik im Fernsehen oder Castingsongwahl kaum noch zu denken, dennoch liebe ich „Blower's Daughter“ und „Delicate“ heute noch wie beim ersten Hören.

  1. R.E.M. - Automatic For The People

Es ist wohl das amerikanischste und somit das Folk- und Country-lastigste Album von R.E.M. Muss ich da mehr sagen?

  1. Mumford & Sons – Sigh No More

Ein bisschen abgenutzt hat sich der Sound der Band um Marcus Mumford inzwischen schon. Dennoch reicht ein Song wie „White Blank Page“ immer noch locker um in die Top 50 vorzustoßen.

  1. Phillip Boa & The Voodooclub – Hair

Auf „Hair“ ist mit „Fine Art In Silver“ mein liebster Boa-Song ever ….ever, ever drauf. Das reicht doch, oder?

  1. The Smiths – Meat Is Murder

„How Soon Is Now“ hat mich seinerzeit dazu gebracht, mich mal näher mit den Smiths zu beschäftigen, daher war „Meat Is Murder“ mein Einstieg. Inzwischen zwar deutlich von „The Queen Is Dead“ überholt, mag ich es immer noch sehr sehr gerne.

  1. Felix Meyer – Erste Liebe/Letzter Tanz

Er ist ja schon ein moderner Reinhard Mey, vielleicht liegt darin ja auch meine Begeisterung für die frischen Straßenmusik- und Volksweisen von Felix Meyer. Und weil da eins der besten deutschsprachigen Lieder der letzten Jahre drauf ist „Liebe, Dreck & Gewalt!“

  1. Fleet Foxes – Fleet Foxes

Harmoniegesang, anmutige Folksongs, sonnendurchflutete Arrangements. Das Debütalbum der Fleet Foxes gehört nicht nur wegen Oliver James immer noch zu meinen liebsten Folkalben neueren Datums.

  1. DeVotchKa – How It Ends

Es ist halt elegischer Folk mit einem ganzen Spielzeugladen voller Instrumente im Gepäck und herrlichen balkanesken Melodien. Und der Titeltrack ist längst nicht die Spitze des Eisbergs.


  1. Nick Cave & The Bad Seeds – Henry's Dream

Nicht nur weil Henry's Dream mein Einstieg in das Cave'sche Universum war, auch weil ich heute noch gerne „Papa Won't Leave You Henry“ und „Brother, My Cup Is Empty“ mitsinge und mit „Christina The Astonishing“ hemmungslos mitleide.

  1. Scott Walker – The Drift

Für ein gutes Experiment bin ich immer zu haben und deshalb ist Walkers zweites reines Avantgardealbum zu Recht in dieser Liste. Wer so schön auf Schweinehälften musiziert hat sich seinen Platz redlich verdient.

  1. Hans Unstern – Kratz Dich Raus

Auch hier fasziniert mich die Lust am Experiment und die Kauzigkeit der Texte. Hört man sich „Paris“ oder „Tief Unter der Elbe“ an, weiß man, wovon ich hier spreche.

  1. Depeche Mode – Violator

Besser waren sie vorher nicht, besser sind sie nie wieder auf Albumlänge geworden. Ein Hit jagt den nächsten, allein die unglaubliche Atmosphäre bei „Halo“ die künstliche Stille bei „Waiting For The Night“, der trügerische Refrain bei „Policy Of Truth" das energische bei „Personal Jesus“ und der faszinierende Text bei „Enjoy The Silence“. Reicht, oder?

  1. The Felice Brothers – The Felice Brothers

Noch so ein Initial-Album mich mehr mit Americana-Musik zu befassen. Auch wenn ich mich immer schon für country-lastige Songs begeistern konnte und sicherlich mit Cash und Co. sozialisiert worden bin, bleibt „Frankie's Gun!“ doch ein erstes Highlight des alternativen Country.

  1. Radiohead – OK Computer

Ich bin nie wirklich Fan gewesen, doch dann habe ich mir „Paranoid Android“ angehört. Fan bin ich danach nicht geworden, dieses Album finde ich aber wunderbar.

  1. Tocotronic – Kapitulation

Hier gilt fast das gleiche wie bei Radiohead, doch habe ich insgesamt deutlich mehr Zugang zu den jeweiligen Alben, insbesondere den neueren Werken. Auf Kapitulation ist zudem mein Alltime-Liebling „Explosion“ drauf, den man unbedingt mal live erleben muss.

  1. The Divine Comedy – Absent Friends

Vermutlich hat Neil Hannon meine Liebe für barocke Popkultur geweckt, denn was der Nordire hier mit Stimme und Arrangement veranstaltet ist purer Wohlklang. Allen voran der Titelsong und das sarkastische(!) „The Happy Goth“ wissen hier zu begeistern.

  1. Nanook Of The North – The Taby Tapes

Wie viele Leute dieses Album wohl kennen? Irgendwann mal verstaubt in irgendeiner Grabbelkiste aufgespürt und bis heute durch die vielen erzählerischen Popsongs ganz doll ins Herz geschlossen.

  1. Architecture In Helsinki – In Case We Die

Verdammt schade ist, dass die Australier mittlerweile ziemlich austauschbaren Discopop machen. Der experimentierfreudige und zitatenreiche Indiepop mit quietschbuntem Instrumentarium war viel toller.

  1. Tocotronic – Schall Und Wahn
An manchen Tagen mag ich „Schall und Wahn“ lieber als „Kapitulation“. Vor allem dann wenn ich mir hier nur die Hits, allen voran das köstliche F/Volkslied „Im Zweifel Für Den Zweifel“ herausgreife.
  1. Pet Shop Boys – Behaviour

„Behaviour“ war mein erstes richtiges Album der beiden, nach einer mühevoll zusammengestellten Best-Of-Kassette (!) der Vorgängeralben. Und weil ich „So Hard“ damals bei „Wetten Dass???“ gesehen habe und hin und weg war.

  1. Josh T. Pearson – Last Of The Country Gentlemen

Beim ersten Hören hatte ich Mund und Augen sperrangelweit offen, beim zweiten sträubten sich mir die Nackenhaare und beim dritten Durchgang wollte ich mich sinnlos an irgendeinem Tresen der Melancholie mit viel Whisky und Rotwein ergeben. Hören und selber staunen!

  1. Teitur – The Singer

Wagemut tut manchmal gut. Mit jedem Album wurde Teitur Lassen von den Färoer-Inseln mutiger und hat sich vom sehr guten Singer/Songwriter zu einem exzellenten und experimentierfreudigen Crooner entwickelt, allein der sehr minimalistische Titelsong muss mir einfach recht geben.

  1. Simple Minds – Streetfighting Years

Keine Altlasten, aber insgesamt mein erstes eigenes ernstzunehmendes Album. Und vor allem weil da das nicht totzukriegende „Belfast Child“ drauf ist, liebe ich „Streetfighting Years“ immer noch ganz doll.

  1. Strand Of Oaks – Pope Killdragon

Weil da „Sterling“ drauf ist und mich dieser Song immer noch komplett aus der Reserve locken kann.

  1. Gisbert Zu Knyphausen – Hurra! Hurra! So Nicht

Wahrscheinlich könnte dieses Album in ein paar Jahren wieder ein paar Plätze nach oben gewandert sein. Aktuell habe ich es bis auf das wundervolle „Kräne“ ein wenig aus den Augen verloren. Für einen guten Mittelfeldplatz reicht es aber immer noch.

  1. Live - Throwing Copper
Mit „I Alone“, „Selling The Drama“ und „Lightning Crushes“ verbinde ich meine Abi-Zeit. Hilft heute immer noch durch melancholische Zeiten.

  1. R.E.M. - Out Of Time

Seltsamerweise war „Near Wild Heaven“ lange Zeit mein liebstes R.E.M.-Lied. Heute mag ich's immer noch gerne und auch die restlichen Stücke, allen voran „Radio Song“ reifen in Würde.

  1. Leonard Cohen – Songs Of Love And Hate

Weil da „Famous Blue Raincoat“ drauf ist und ich mich dank Reinhard Meys neuester Coverversion „Sternblauer Trenchcoat“ von der ansonsten gewöhnungsbedürftigen Compilation „Poem“ wieder an dessen Güte erinnert habe.

  1. Jackson C. Frank – Jackson C. Frank

Noch so ein Vergessener der alle Jubeljahre mal wieder entdeckt wird. Kein Wunder, bei Kleinoden wie „Blues Run The Game“ und „My Name Is Carnival“.

  1. Turbostaat – Vormann Leiss

Punk, Geschrei, kryptische Texte – nicht gerade Bänkelsänger-Zutaten, aber wenn man sich die energischen Punkstücke mal genauer vornimmt, sind das eigentlich eher wüst vorgetragene Folksongs und Moritaten. Oder wie kann ich „Insel“ sonst einordnen?

  1. Sugar – Copper Blue

Ich kannte Hüsker Dü nicht als ich mir „Copper Blue“ damals im WOM in Freiburg auf einer Klassenfahrt kaufte. Musste ich auch nicht, denn mir gefällt Bob Mould als Sugar viel besser. Und „Copper Blue“ ist halt mein liebstes Sugar-Album.

  1. Frankie Laine – Hell Bent For Leather

Eine kleine Schwäche für den Country/Rhythm'n'Blues der 50er und 60er-Jahre kann ich nicht verhehlen und da Frankie Laine diese ganzen Klassiker mit am hübschesten intoniert, hat er es auch in meine Top 100 geschafft.
  1. Sisters Of Mercy – First And Last And Always

Weil da „Marian“ drauf ist und ich früher ein arger Schwarzkittel war, der dazu mit Begeisterung im PC69 getanzt hat.

  1. The Paper Chase – Someday This Could All Be Yours Pt. 1

Ein Konzeptalbum über Plagen und Todsünden, dazu ausufernder Post-Punk mit Heerscharen von Melodien und allerlei sepiafarbenen Zierrat – immer noch ein echtes Gernewiederhörenalbum.



  1. Tori Amos – Under The Pink

Insgesamt dann doch mein liebstes, weil erstes Album von Tori Amos, auch zu „Cornflake Girl“ konnte man prima tanzen und der Rest der Platte ist vor allem mit dem schönen „Past the Mission“ immer noch sehr hörenswert.

  1. Alasdair Roberts – Spoils

Neben Yorkston und Lakeman wohl mein liebster zeitgenössischer Folkmusiker britischer Prägung. Auf „Spoils“ ist er so kreativ wie nie zuvor und erzeugt unglaubliche Stimmungsbilder, die nicht nur von seiner watteweichen Stimmfarbe leben.
  1. John Grant – Queen Of Denmark

Schon als Leadsänger der Czars habe ich seine Stimmfarbe gemocht, die bildgewaltigen, auch von feiner barocker Pracht durchzogenen Songs auf seinem Soloalbum mag ich aber noch ein Quäntchen lieber.

  1. Sam Amidon – Bright Sunny South

Das zweite, kaum schlechtere Amidon-Album in der Liste, das vor allem durch seine luftigeren Arrangements lebt und wahlweise den Geist John Martyns oder Chet Bakers atmet.

  1. Paul Roland – Pavane

An der Grenze zwischen Baroque-Pop und Neofolk wandernd, gefallen mir von Paul Roland eine ganze Menge Songs. Die schönsten finden sich in Gänze auf „Pavane“ und somit ist klar, warum dieses Album in der Liste auftaucht.

  1. Silver Jews – Lookout Mountain, Lookout Sea

David Bermans letztes Album als Silver Jews ist in meinen Augen zugleich das Beste. Diese intelligenten Texte, die schnodderige Popauffassung und der leichte Folkunterton rücken ihn zumindest lyrisch ganz dicht an den von mir sehr verehrten John Darnielle heran.

  1. The Beautiful South – Welcome To The Beautiful South

Cleverer Pop, zeitlose Melodien und wahnsinnig schöne Harmonien. Auf „Welcome To The Beautiful South“ kommt allein wegen „Song For Whoever“ und „Sail This Ship Away“ ganz viel davon zusammen.

  1. Joy Division – Closer

Ich mag die Stimmung des Albums. Allerdings nicht immer. An einem anderen Tag hätte hier auch „London Calling“ von The Clash stehen können.

  1. Dead Can Dance – Into The Labyrinth

Noch so ein Relikt aus längst vergangenen Tagen und doch habe ich „Into The Labyrinth“ erst kürzlich wieder für eine nächtliche Autofahrt heraus gekramt. Schönste Erinnerung: als das reine A Capella-Stück „Emmelia“ weiland im Odeon in Münster intensivst betanzt wurde.
  1. Ween – The Mollusk

Das ich Setzkastenmusik mag, habe ich ja schon irgendwo da oben geschrieben und das die beiden Ween-Brüder sich mit „The Mollusk“ ein Fleißkärtchen mit Sternchen verdienen ist dann ja wohl klar. Zum besseren Verständnis einfach mal „The Mollusk“, „The Blarney Stone“ und „Waving My Dick In The Wind“ direkt nacheinander anhören.

  1. Belle & Sebastian – The Boy With the Arab Strap

Weil niedliche und wohlklingende Popmusik aus Schottland einfach toll ist.

  1. The Tiger Lillies – The Brothel To The Cemetary

„Roll Up“ war auf einer Compilation der „Bar Jeder Vernunft“ und sorgte für sofortiges Aufmerken. Dieser theaterhafte Falsettgesang gepaart mit den bösest möglichen Texten und dem seltsamsten Instrumentarium war sofort meins, was „The Brothel To The Cemetary“ eindrucksvoll untermauert.

  1. Portishead – Dummy

Auch hier ist es eine Entscheidung zugunsten der früheren Veröffentlichung. Das selbst betitelte Album war nie meins, „Third“ nur noch manchmal, finde ich „Dummy“ auch aufgrund der spannenderen Einzelsongs immer noch grandios.

  1. The Hidden Cameras – Mississauga Goddam

Live sind sie immer besser, aber auf Albumlänge nie besser als hier. Und weil da eben „Mississauga Goddam“ drauf ist.

  1. Billy Bragg – Back To Basics

Streng genommen ist „Back To Basics“ ja eine Compilation und ich wollte ja nur „richtige“ Alben mit in die Liste aufnehmen. Doch da ich mich immer noch nicht mit dem kompletten Oeuvre des Schöpfers des genialen „A New England“ beschäftigt habe und hier so viele weitere Schmuckstücke drauf sind, ist es dann eben doch „Back To Basics“ geworden.

  1. King Dude – Burning Daylight

Dunkel, obskur, mit einer Reißnagelstimme gesegnet und zudem noch ein gesundes Folkverständnis = King Dudes „Burning Daylight“ ist quasi eine Blaupause des Bänkelsängers auf Albumlänge.

  1. The Album Leaf – In A Safe Place

Gefühliges, nahezu instrumentales Album von Jimmy LaValle, dass mich vor allem aufgrund seines Entstehungshintergrunds interessiert hatte. Bis heute ein echter Seelenschmeichler.

  1. Inspiral Carpets – Devil Hopping

Bei Erscheinen liefen die Videos zu „I Want U“ und „Saturn V“ als MTV noch Musikfernsehen war immer in der „Hitlist UK“. Doch „Devil Hopping“ hat ja auch noch das fabelhafte „Uniform“ zu bieten. Ein immer noch großartiges Popalbum.


  1. Frankie Goes To Hollywood – Welcome To The Pleasuredome

Ja, es gibt noch „Liverpool“ und „Bang“, doch eigentlich ist „Welcome To The Pleasuredome“ schon das Greatest Hits-Album an sich. Einzig „Ferry Cross The Mersey“ fehlt mir hier, der Rest stimmt aber.

  1. The Veils – Nux Vomica

Es ist mein liebstes Album der Band aus Neuseeland, was vor allem den ungestümen Kompositionen liegt. Aber eben auch das ruhige, wunderschöne „Under The Folding Branches“.

  1. Billy Joel – Storm Front

Sicherlich kein „Guilty Pleasure“ aber vielleicht dann doch ungewöhnlicher in der Rückschau auf die vorangegangenen Plätze 1-97. Doch muss ich mich für meine Vorliebe für „Leningrad“, „The Downeaster Alexa“, „I Go To Extremes“ und „We Didn't Start The Fire“ tatsächlich rechtfertigen?

  1. Ben Folds – Rockin' The Suburbs

Solo hat mir Ben Folds immer besser gefallen, vielleicht vor allem deshalb weil ich ihn wieder mal so zuerst kennengelernt habe. Und „Zak und Sara“ bekommt hier den Vorzug vor „Jesusland“.

  1. Manic Street Preachers – This Is My Truth Tell Me Yours

Der große Popmoment von „The Everlasting“ reicht hier eigentlich aus um das Album in die Top 100 zu bugsieren. Und doch sind da ja auch „You Stole The Sun From My Heart“ und „IYTTTYCWBN“. 


Und was kann es Schöneres geben, als sich beim Studium der Platzierungen von einem fabelhaften Song des erstplatzierten Albums erfreuen zu lassen: