Dienstag, 28. Februar 2012

Pretty Mery K


 Oh.

Oh? Wieder mal so eine nette Anfrage. Oh! Ein Bandname der sich an Elliott Smith anlehnt! Oh. Und ein Debutalbum, das so heißt, wie es klingt: Oooooh.

Pretty Mery K sind vier Musiker aus Dresden, die mit "Oh" ihr erstes gemeinsames Lebenszeichen von sich geben. Ihr Indie-Pop mit behutsamen Folk- und Rock-Berührungspunkten schimmert dabei in mindestens so vielen bunten Farben, wie es das unglaublich hübsch gestaltete Booklet verspricht. Überhaupt? Ein Booklet! In Zeiten von immer mehr Veröffentlichungen ausschließlich im Downloadbereich geizen Pretty Mery K nicht mit gestalterischer Vielfalt und gönnen jedem der 12 Songs ein eigenes gezeichnetes Bild, das Titel, Stimmung oder Gefühl nachzeichnet. 
"Oh" beginnt ruhig, fast ein wenig besinnlich, Meryem Kilic singt in "A Complaint" lieblich, ja sogar unschuldig, die Begleitung untermalt mit sanften Farben, die sich erst zum Ende des Stücks ein wenig ins Dramatische verlieren. Das folgende "Mery In Wonderland" klingt von Beginn an ein wenig forscher, der Musik jangelt ein wenig vor sich her, lässt sich auch vom bezeichnend fantasiedurchzogenen Text nicht aus der Reserve locken. So steckt "Oh" zuweilen ein wenig in der Zwickmühle, dass sich den hübschen Pop-Songs zuweilen ein bisschen viel Süße entfaltet. Das zurückhaltende, folkige "Moon" macht hierbei genauso wenig eine Ausnahme wie das immer wieder verwunschen tönende "Happy". Zwischen die zarten Gitarrentöne mischen sich dazu immer mal wieder Hintergrundgesänge, vielleicht gar das titelgebende "Oh", die zuckrig, aber eben nicht klebrig wirken und somit das Album mit zuviel Wohlklang überschütten. 
Für das langsam entspringende Frühjahr finden sich bei Pretty Mery K auf alle Fälle genügend kleine, niedliche Lieder, die selbst wenn sie etwas wagen, wie beim geheimnisvollen "Rattlesnakes" oder wünscheswerte Hits wie das wunderbare "Eden" sind, zu einer kleinen Gedankensammelreise zusammenfügen lassen. Ein wenig Twee, viel Pop und einen Schuß Indie-Folk - das darf man sich gerne auch Live anhören und dann die bislang ausschliesslich im Eigenvertrieb erhältliche CD erwerben. Releaseparty ist heute abend, den Rest der Termine gibt's hier:

28.02. in Dresden-Societätstheater (RELEASEKONZERT)
29.02. in Hildesheim-Club VEB
01.03. in Halle-Brohmers
02.03. in Leipzig-Horns Erben
03.03. in Eberswalde-Studiclub
04.03. in Berlin-Privatclub
07.03. in Münster- Teilchen&Beschleuniger
08.03. in Kiel-Prinz Willy
09.03. in Lübeck-Blauer Engel
10.03. in Hamburg-Grüner Jäger

29.03. in Bochum-Ebstein
30.03. in Düsseldorf- Forum Freies Theater/Freitagsklub
31.03. in Bielefeld- Verve
01.04. in Köln- Theater der Wohngemeinschaft
03.04. in Stuttgart-Zwölfzehn
04.04. in Strasbourg (F)- Mudd Club
05.04. in Freiburg-White Rabbit
06.04. in Mannheim- Mohawk
07.04. in Hof-Kunstkaufhaus
08.04. in München-8 below
 
...und wenn das jetzt alles noch nicht genug Anreiz ist, dann höre man doch einfach mal hier rein:
 
    
 
    

Mittwoch, 22. Februar 2012

Aufgemerkt: Sam Gray Singing & Betting On The Mouse



Manchmal bin ich überrascht, welche Vielfalt unter den netten Anfragen bezüglich einer Erwähnung, Vorstellung, Rezension oder Präsentationen herrscht. Vor kurzem hat ich Post von Fuer-Records im Postfach, mit der Bitte, mich doch mal ein wenig mit Sam Gray Singing und Betting On The Mouse zu beschäftigen. Und wenn man mich so lieb bittet, mache ich das in der Regel auch...

Anfangs hatte ich ja die Vielfalt unter den Anfragen angesprochen. Und beim ersten Hören des Sam Gray Singing-Albums "Songs About Humans", welches am 16.03.2012 erscheint, war ich ob der ersten Takte von "Scratches" schon bar erstaunt, denn solche Klänge halten bislang eher selten den Einzug auf dem Bänkelsänger. Da kracht und poltert es, Melodien bersten unter Feedback und tonalen Explosionen, die trotz allem durch die liebliche, fast schon bittersüße Stimme des Wahlösterreichers Samuel Gray zusammengehalten werden. Fährt man weiter im Album fort, tauchen plötzlich mystische Wechselgesänge auf,  die das verstörende "Bigotry" zwischen Krach und Lärm in eine Art Ruhephase lenken lassen. Doch Gray gönnt dem Hörer nur wenige Pausen, auf "Songs About Humans" ist ständige Aufmerksamkeit gefordert, um ja nicht den ein oder anderen Querschläger zu verpassen. Das einem traditionellen Songgerüst nahe kommende "January, Puerto De La Cruz" überrascht mit atonal geschichten Streichern, die Grays hier zurückgenommene, nahezu flüchtige Stimme umtänzeln, ja geradezu einrahmen. Das Album folgt dem Fluss des Sängers, der sich scheinbar ständig neu orientiert und den zuweilen weit entfernt scheinenden Horizont mühelos übersteigt.
 Es ist Gray anzumerken, dass er "Songs About Humans" sicherlich als Gesamtkunstwerk betrachtet, so stapeln sich die einzelnen Eindrücke zu einem turmhohen Konstrukt, dass sich nur schwer greifen lässt. Die kammermusikalische Grundausrichtung zerbricht immer wieder an chaosartigem Ausschwärmen und wird doch wieder zusammengesetzt, wenn Sänger und Instrumente so einträchtig miteinander musizieren wie in der Single "Dineen". Vergleichbarkeit zu schaffen, fällt auch nach mehrfachem Hören unsagbar schwer, vielleicht wenn man die Klngreisen Mark McGuires mit Xiu Xius brachialem Weltschmerz mischt, aber selbst das würde den immer durch das galante Piano eingefangenen, nur schwer greifbaren Songs nicht gerecht werden. Am besten verschafft man sich wohl selbst einen ersten Höreindruck und lauscht den in Norwegen aufgenommenen Stücken des gebürtigen Neuseeländers, der im übrigen ansonsten auf dem Label Jacob Faurholts zu Hause ist:


    





Betting On The Mouse aus Dänemark gehen komplett andere Wege. Deren angeschwärzter Indie-Rock ist ebenfalls bei Fuer-Records beheimatet und wird ab dem 30.03.2012 auch auf der EP "BOTM" zu hören sein. Schwermütig und doch kraftvoll fließen die lauernden Gitarren der Single "Desert Of Wasted Plans" in den Raum, von Sängerin Martha Marie Skouund ihrer zartherben Stimme bereitwillig empfangen. Wieder mal die 80er, hört man sich zwangläufig sagen, denn auch Betting On The Mouse erweisen den stoischen Sounds Ehre, ohne jedoch klare Bezugspunkte zu setzen. So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob das angedeutete Akkordeon in "Reach Me" ablenken oder das Gesamtbild unterstützen soll, Tatsache ist allerdings, dass es dem Song sehr gut steht und man dem Stück eine gewisse skizzenhafte Seefahrerromantik unterstellen könnte. Auch die übrigen beiden Stücke "Sleeping" und "Swimmingpool" changieren im Zwielicht und fangen das Spiel mit Licht und Schatten unterkühlt ein, letzteres sogar mit der beiläufigen, lasziven Kälte eine Beth Gibbons, so dass man gespannt sein darf, was die vier Dänen auf Albumlänge konstruieren können. Bevor das aber im Herbst nachzuprüfen ist, kann man sich ruhig auch mal mit der visuellen Umsetzung der Single verraut machen:

Donnerstag, 16. Februar 2012

Aufgemerkt: Man spricht deutsch...



Man konnte es dem Mixtape vom Anfang des Jahres durchaus anmerken: Irgendwie tummeln sich heuer verdammt viele deutschsprachige Künstler mit Bänkelsänger-Bezug in des Bloggers' Playlist. Grund genug nun mal kurz das Gehörte Revue passieren zu lassen und gleichermaßen den bislang schönsten Song des Jahres zu küren.

Erwähnenswert sind hier sicherlich Kettcar, die mit "Zwischen de Runden" den Nachfolger zum meiner Meinung nach ziemlich sperrigen "Sylt" präsentieren. Stimmlich immer noch Kettcar, zeigen sich klangliches Gewand und Stimmung durchweg ruhiger, was sicherlich auch an das mit Streichern und Tasten aufgestockte Instrumentarium geschuldet ist. So ist die Frage "wo bleiben die Geigen?" aus "Weil ich es niemals so oft sagen werde" Programm und kann auf nahezu alle Songs (inkl. Bonusteil 15 an der Zahl) angewendet werden. Eine der gelungenen Ausnahmen: das elektronisch verzierte "Schrilles buntes Hamburg". Dass sich jedoch mit dem melancholisch-schwelgerischen "Ein Zimmer" das beste Lied auf dem Bonusteil verbirgt, ist schon seltsam, aber dennoch ist "Zwischen den Runden" ein ordentliches Album geworden. 

Neben Kettcar als arriviertere Band sind sicher auch Kraftklub (Mit K) und Vierkanttretlager (Die Natur greift an) erwähnenswert, erstere weil die frühe Single "Ich will nicht nach Berlin" auch nach gefühlt 150stem Hördurchgang immer noch witzig ist und sich auch auf dem Album der Chemnitzer einige wirklich hörenswerte Pop/Rock/Hip Hop-Fetzen befinden, wie das vom Mixtape bekannte "Ritalin/Medikinet" und das nette Beck-Zitat "Karl-Marx-Stadt". Zweitere sind eher die ungestümen Söhne Tocotronics oder die ein wenig nachdenklicheren Brüder Turbostaats und genau in dieser Schnittmenge kann man auch die manchmal ein wenig linkischen Texte und Melodien verorten. Der stürmische Aufgalopp "Drei Mühlen" sticht hierbei heraus, genau wie die feine Popgeschichte "Fotoalbum" und das sich mählich steigernde "Um Schönheit zu sehen"

Elektronischer, verschrobener und doch tanzbarer haben wiederum die Türen und ihrer Version des Alphabets unters Volk geworfen. "ABCDEFGH...." hat allein mit der ersten Nummer "Rentner und Studenten" in ihrer 11 minütigen Stahlkraft samt demonstrativem Sprechchor und markigem Zitatenschatz ein echtes Highlight in petto, den Rest des Albums kann man sich aber auch vor allem aufgrund der wirklich stimmigen Musikalität und Gastbeitrags von Andreas Spechtl von Ja, Panik mehr als schmecken lassen.

Viel Rock, Pop und Elektrik, nicht wahr? Gut, dass es da Felix Meyer gibt, denn der begeistert in diesem Jahr bislang mit am meisten. "Erste Liebe, erster Tanz" ist ein Album mit zwölf (+ Prolog) Nummern, die klingen als kämen sie frisch von der Straße, temperamentvoll, lebensnah und manchmal ein wenig angeschmuddelt. Genau richtig für trübe Tage, denn wie schön ist es im Fenster sitzend über das "Hinterhofkino" nachzudenken, "Bilder wie Gefühle" im Hinterkopf mit sich herumzutragen und zu sinnieren, was man den nun "Bis Übermorgen" alles noch zu überlegen hat. Es ist schon so, dass Meyer manchmal dem Mey'schen Wortwitz zu sehr zuspricht, in der Gänze überzeugt "Erste Liebe, Erster Tanz" aber auf ganzer Linie.

Und wenn man dann noch solch einen Gassenhauer (treffender kann man folgenden Song kaum beschreiben) aus dem Ärmel schütteln kann, kann man Herzen im Sturm erobern. Meine Damen und Herren: Liebe, Dreck und Gewalt!

Sonntag, 5. Februar 2012

My monthly Mixtape: Februar





 Flimmerkälte und wärmende Worte. Mit Lanegan und Cohen haben zwei (Alt-)Meister des gesprechsungenen Wortes Einzug auf das Bänkelsänger-Mixtape gefunden, die den Februar mal so richtig schaurig-schön ins schummrige Zwielicht mit seinen Zwischentönen von Grau bis Mattschwarz entführen. Jedoch tauchen Feuerzungen und Glitzersterne auch in diesem Monat die musikalische Silhouette in manchmal fadenscheiniges Gold. So deutsch wie lange nicht mehr, so sanft umarmend, so fordernd und so verrückt versprechen die 18 Titel aufwühlende Texte, schillerndes Instrumentarium und das Gefühl von wahrhaftiger Straßenmusik.

01. Leonard Cohen - Going Home
02. Ben Howard - Old Pine
03. James Low & The Western Front - Thinking California
04. First Aid Kit - Emmylou
05. River Whyless - Stone
06. Jim Moray - The Captain's Apprentice
07. Blaudzun - Elephants
08. Laura Gibson - La Grande
09. Laura J Martin - The Hangman Tree
10. You Say France And I Whistle - Our Spiderweb
11. Mark Lanegan Band - Gray Goes Black
12. Vierkanttretlager - Fotoalbum
13. Felix Meyer - Liebe, Dreck & Gewalt
14. The Bookhouse Boys - Gone
15. Kraftklub - Ritalin  Medikinet
16. Sport - Der Tod singt den Blues
17. Hanni El Khatib - Heartbreak Hotel
18. Pop. 1280 - Bodies in the Dunes

Montag, 30. Januar 2012

Aufgemerkt: Jim Moray



Britisches, allzu Britisches.

Den hätte ich mir mal schon früher näher zu Gemüte führen sollen. Mehr als eine flüchtige Bekanntschaft mit dem letzen Album Jim Morays, "Low Culture", war nicht drin. Irgendwie hatte es wohl nicht genügend Initialzündung geboten, gut dass ich mich dann mal etwas näher mit "Skulk" beschäftigt habe, dem neuesten Werk des umtriebigen Multiinstrumentalisten. Bislang heimlich still und leise über bandcamp veröffentlicht, darf man sich im April auch über einen physischen Release freuen, Grund genug schon einmal die Vofreude zu schüren.

Bereits der erste Song "The Captain's Apprentice" weist den Weg ganz gut auf die bevorstehende dreiviertel Stunde, Folk britischer Prägung, der zwar durchaus den ein oder anderen historischen Bezug sucht, alldieweil der Mut zum Experiment doch durchaus spürbar wird. So werden klassiche Themen und Figuren in neue Kleider geschneidert und zuweilen in eine nahezu bildhaft anmutende Szenerie gestellt. "Lord Douglas" wirkt hier zum Beispiel mit seinem stoischen Gitarrenpicking wie ein kleiner Alasdair Roberts-Klon und das altertümliche "Horkstone Grawe" mit seinen feinen Gesangsharmonien erklingt wie aus einer anderen Epoche und nutzt unter anderem den Support der wunderbaren Jackie Oates.
Immer dann wenn Moray seinen Folkstücken das Mehr an Raum bietet und entweder mit raumgreifender Eleganz wie bei "Seven Long Years" strahlende Blechbläser, Glockenspiel und Chorgesang zu einem pathetischen Rundumschlag ausholt oder fast schon aufreizend die musikalische Raffinesse seiner Mitmuskanten in den Vordergrund rückt wie beim Kinderlied "Hind Etin" erwacht "Skulk" aus seiner puren Reinheit  und erreicht genau dann seine zahlreichen Höhepunkte. Der Klaviereinstieg bei "The Captain's Apprentice" ganz zu Anfang ist so ein Moment, genauso wie es der erste Refrain des Fleetwood Mac-Covers "Big Love" einer ist.
Die Instrumentierung auf Morays fünftem Studioalbum ist darüber hinaus über jeden Zweifel erhaben. Er selbst virtuos und klangvoll an Stimmband, akustischer und electriktrischer Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, Klavier, Orgel, Keyboard, Bouzouki, Banjo, Concertina und Melodeon schart neben Oates noch weitere Musiker der Brit-Folk-Szene um sich. Ganz dem Titel entsprechend schleicht sich "Skulk" in seiner ganzen Pracht unvermittelt an, um sich auch sicherlich auch nachhaltig im Ohr festzusetzen.


   Big Love by jimmoray

Sonntag, 29. Januar 2012

River Whyless



Rauschhaft naturumschlungen...

... sind wahrscheinlich Attribute, die "A Stone, A Leaf, An Unfound Door" von River Whyless (die sich früher mal Do It To Julia nannten) am besten umschreiben. Die Band, die sich selbst als Baroquefolk-Gruppe sieht kommt aus North Carolina und verarbeitet auf ihrem Album so ziemlich genau alles das, was dem Bänkelsänger lieb und teuer ist.

Die vier Musiker haben den so beliebten Indiefolk-Blumenstrauß lediglich in Nuancen erweitert und doch wirken die zehn Stücke eigenständig, abwechslungsreich und lassen sich nicht ohne weiteres mit Genre-Verwandten vergleichen. So strahlen die Songs fast immer eine innige Natürlichkeit aus, die vom beginnenden "Leaf" ausgehend das Album zusammenhält und organisch bis zum experimentierfreudigen "YU" durchhält. Womit wir sicherlich auch bereits das zweite kennzeichende Merkmal der Platte beim Namen genannt haben: denn vor allem in den längeren Stücken entwickeln die Amerikaner geradezu erzählerische Instrumentalpassagen, die den einzelnen Liedern neben genügend Seele auch Herz und Bauch mitgeben. Das merkt man vor allem beim herausragenden "Stone": hier knarzen Geige und Gitarre um die Wette, ein eigentlich leichtes Mumford & Sons-Therma verfängt sich in Streichergewitter und Tom Tom-Wirbel bis sich die fast schon post-rockende Atmosphäre wieder in die Spur fügt und zu einem vorantreibenden Americana-Kleinod wird. Das sich bei fast allen Songs Halli Anderson und Ryan O'Keefe am Gesangsmikrophon abwechseln und so für noch mehr Eigenartigkeit sorgen, braucht hier schon nicht mehr erwähnt werden.

Das dreigeteilte "Cedar Dream" bildet vielleicht so eine Art Herzstück des Albums, wobei zunächst der erste Part so eine Art Einschnitt darstellt. O'Keefe zittert sich nur zur Gitarre in einen Tagtraum und wird im zweiten Teil von Anderson zu mehr Tempo und Inbrunst verführt. Doch bevor sich das Stück komplett mit seiner Energie im Gehörgang festsetzen kann, schieben River Whyless drei weitere Lieder dazwischen, die sich klanglich zwar in das Gesamtkonzept des Albums einfügen, aber auch noch mal neue Facetten in das Klangbild hineinzaubern. Mit Glockenspiel und bestimmendem Rhythmus fodert der dritte albumtitelgebende Song "Unfound Door" zum Mitwippen, ja gar Tanzen auf, während sowohl "Pigeon Feathers" als auch "Widows Walk" die ruhigen, fließernden Momente auf virtuose Art bestreiten und sich dennoch nicht vor dem ein oder anderen Ausbruch scheuen. 
Kaum zu glauben, dass es sich bei "A Stone, A Leaf, An Unfound Door" um einen Erstling handelt, (wenngleich natürlich schon einige Jahre unter dem anderen Namen musiziert wurde) sind doch die Melodien ausgefeilt, das schmückende Beiwerk gezielt eingesetzt und die Stimmung einnehmend. So lässt man sich doch gerne mitnehmen und zu den weichen Violinklängen ein erstes Mal vom Frühling träumen. 

Man höre hier und lade bei Gefallen hier die erste Single herunter.

 

Sonntag, 22. Januar 2012

Beni Feldmann



Unverhofft kommt oft:

Ist es nicht schön, wenn man über Umwege Musik erhält, deren Urheber man sogar kennt bzw. mal gekannt hat. So geschehen bei Beni Feldmann, den die Anhänger irischer Folklore vielleicht von seiner Tätigkeit bei den "GoodnightFolks" her kennen. Seit November gibt es nun sein Solo-Debüt namens "Ich schreibe einfach einen Song!", dass sich stilistisch im weiten Feld des Folks tummelt und viele verschiedene Facetten zwischen Liedermacher, Folkrock und Volksmusik keltischer Prägung aufweisen kann. 

Vorweg gesagt, auf "Ich schreibe einfach einen Song" tummeln sich deutsch- und englischsprachige Eingenkompositionen sowie das durch Hannes Wader bekannt gewordene "Traum Vom Frieden". Dieses stetige Wechselspiel macht zum einen den Reiz der Platte aus, unterstützt aber auch ein wenig den Charakter, dass es sich um ein noch nicht hundertprozentig eingenordetes Debut handelt. Da treffen Liedermacher-Kabinettstückchen wie "hartabersehr", dass sich sicherlich an Mey oder Wecker anlehnen soll auf moderne Indiefolkstücke, wie das feine "Mr. Average", dass mit Geigenklängen und Zweitstimme von Sophia Spöler einen Höhepunkt darstellt. Insgesamt wirken die englischen Songs ausgereifter, verfügen über mehr Dynamik und Energie, was sicherlich auch mit den Wurzeln der musikalischen Gattung zusammenhängt. "Five Miles Out Of Town" ist quirlig, tanzbar und zaubert zu nahezu jeder Zeit ein Lächeln ins Gesicht, das vorhergehende "Traumwelt" ist sicherlich nicht schlecht, verfängt sich aber doch ein wenig zu sehr bei den historischen Vorbildern wie eben Mey und Wader. Dass das aber auch sehr gut funktionieren kann, zeigt er wiederum bei hübschen "Frühlingslied". Behutsam, ja gerade zu in traditonellem Gestus eines Bänkelsängers vorgetragen, sorgt Feldmann hier für Sehnsuchtsmomente, die in den restlichen eigenen deutschsprachigen Stücken manchmal ein wenig zu kurz kommen. Das kraftvolle "Sag es!" ist hier wiederum eher Ausnahme, und bildet mit dem zweistimmig vorgetragenen "Glad" so etwas wie die folkrockende Mitte des Albums. Text und Musik funktionieren hier im munteren Zusammenspiel, Bass und Geige begleiten beschwingt und rücken die Stücke nah an Volksfeste, auf denen sicherlich neben Bier auch Met getrunken und Handgeklapper geboten würde. 
Mit einer sehr klangvollen Version des Waderschen "Traum Vom Frieden" beendet Feldmann seine erste Odyssee im Alleingang und schlägt sich dabei sehr wacker. 
Musikalisch ist "Ich schreibe einfach einen Song!" toll, textlich schrammen vor allem die deutschen Texte manchmal ein wenig zu stark an der Befindlichkeitslyrik vorbei, dennoch darf man sich ruhig wünschen, dass Beni Feldmann weiterhin so manchen weiteren Song schreibt.

Samstag, 14. Januar 2012

Im Schnelldurchlauf: Toni Kater, Junes & Dan Freeman and The Serious

Lange schon kein...ach ich weiß. Dieses Jahr ist noch keine 2 Wochen alt und schon bin ich mit regelmäßigen Beiträgen im Rückstand. Deshalb gibt's jetzt auch als erste Neuvorstellungen für 2012 gleich einen Dreierpack, der sich komplett bei Solaris Empire tummelt. Fangen wir doch mal an:



Toni Kater - Sie fiel vom Himmel

Huch! Deutsche Popmusik auf dem Bänkelsänger? Kann das gutgehen? Jepp, es kann, wenn man sich dem neuen Album "Sie fiel vom Himmel" von Toni Kater widmet, dass am 20.01.12 erscheint. Beim ersten Hören erschließen sich die Songs noch nicht wirklich, manchmal züngeln die Stücke auch ein wenig mit befindlichkeitspoppigen Flammen nach Aufmerksamkeit, doch je länger man sich mit der abwechlungsreichen Produktion beschäftigt, desto mehr Facetten lassen sich entdecken. Eröffnet wird "Sie fiel vom Himmel" fast schon ein wenig glatt, doch spätestens beim erzählerischen "América" das Toni Kater gemeinsam mit Rudolf Moser von den Einstürzenden Neubauten singt, bekommt das Album Glut zugefächelt. Watteweiche Popsongs, die Kater auch mit Moser produziert hat, wechseln sich mit sanft experimentiellen Klängen ab, hier fallen vor allem "Raubtier" und "1 Land" positiv aus dem Rahmen, sowie der letze Track "Was sind das für Zeiten", der wiederum sein Soundgerüst von Schneider TM bekommt. Es ist schon erstaunlich, wie gut man das Thema Pop in Deutschland anpacken kann, ohne knietief im Kitsch zu versinken und dennoch Mut zu Gefühl, Pathos und Klangfülle zu vermitteln.

 



Junes - Don't Leave Me In Autumn

Drei Wochen später, nämlich am 17.02.12, erblickt dann "Don't Leave Me In Autumn" das Licht der Welt. Das dritte Album von Junes besteht aus feinen Indiepop-Songs, die es sich leisten können, den ein oder anderen Elektroschnipsel unterzubringen, ohne gewollt "hip" zu erscheinen. Hier und da klingt ein Geige mit, dann wieder zieht ein Stück wie "Crawling Over Me" am Gemüt und packt seine Hörer am Schlafittchen, um sich mit ihm gemeinsam gedankenverloren durch den Raum zu treiben. Manchmal scheint aber auch soviel Wohlklang zuviel des Guten zu sein. Die zwölf Stücke auf "Don't Leave Me In Autumn" sind wohltemperiert, haben dann aber doch hin und wieder eine Ecke oder Kante zu wenig, um sich im Vordergrund festhalten zu können. Wenn das aber durch Lieder wie das fabelhafte "Save Me" oder das gefühlvolle "Take Away My Pain" aufgefangen wird, kann man sich mit dem Album wunderbar in den Frühlingsabend träumen, und darauf hoffen, dass einen das Gefühl eben dann doch nicht im Herbst verlässt.

 



Dan Freeman And The Serious - I Lie A Lot

Zum Schluß noch der Vermerk auf den Tasmanier Dan Freeman, der bereits im vergangenen November sein Debut " I Lie A Lot" veröffentlicht hat. Freeman mischt seine Songwriterkunst mit Einflüssen aus Elektronik und Powerpop und schlägt auf seinem Erstling schon mal den ein oder anderen Haken. Ganz entzückend gelingt ihm das auf "Fall Slow", dass sich aufmerksamheitsheischend aus dem Albumkontext erhebt und selbst die guten Singles "Words Of Mine" und "Oh My" nach Punkten schlägt. Wer sich von den Livequalitäten des Musikers, der in Berlin Saxophon studiert hat und seine Bandkollegen an der Hochschule für Musik kennengelernt hat: darf sich auf folgende Termine freuen:

31.01.12 Stuttgart, zwölfzehn
01.02.12 Duisburg, Steinbruch
02.02.12 Hannover, Feinkostlampe
03.02.12 Chemnitz, Aaltra
04.02.12 Magedeburg, Moritzhof
06.02.12 Osnabrück, Mojo

Mittwoch, 4. Januar 2012

My Monthly Mixtape: Januar


...und wieder geht ein Jahr. Wie schön, dass es gerade jetzt noch mal Gelegenheit gibt, den ein oder anderen vergessenenen Hit aus 2011 Revue passieren zu lassen, manch Platte, die zum Ende des Jahres im Listenwahn unterzugehen droht noch mal in den Fokus zu rücken und schon die ersten zarten Knospen des beginnenen musikalischen Frühlings in Augenschein zu nehmen. Neben dem Mixtape hilft hier des Bänkelsängers' eigene Vogelschau, doch auch der Blick auf die Zusammenstellungen im klienicum und bei AUFTOUREN lohnen sich ob der Vielfalt an spannenden musikalischen Veröffentlichungen. 
Fangen wir also an zu lauschen und tauchen durch Frühlingswälder, lassen hin und wieder die ein oder andere Schneeflocke in der Hand zerschmelzen und hängen uns fröstelnd den warmen Mantel feiner Melodien um die Schultern:

01. Alcest - Autre Temps
02. King's Daughters & Sons - Lorelei
03. Kate Bush - Snowflakes
04. We Invented Paris - Kyrie
05. Tom Hanson - La La Land
06. The Bailey Hounds - Those Devils Don't Scare Me
07. Doug Tielli - Yes I Am Lonely
08. Bryan John Appleby - The Rider. The Horse. The Land
09. A Jigsaw - My Name Is Drake
10. Lauscher - Krähen Hassen
11. Neil Cousin - Carpathian Mountain March
12. Among the Oak & Ash - Sing Sparrow Sing (The Ballad of Walter Kohn)
13. The Reverend John DeLore - Many Moons Ago
14. Cosmo Jarvis - Gay Pirates
15. Nerve City - Sleepwalker
16. The Black Keys - Lonely Boy
17. Hanni El Khatib - You Rascal You

 wer den Bänkelsänger auch auf Facebook verfolgt, mag es bereits kennen, ich finde aber hier passt es auch noch mal hin. Sing, Hanni, Sing:


...und damit jetzt keiner sagt, ich hätte etwas vergessen, wünsche ich uns allen noch mal schnell ein frohes neues Jahr, hoffe auf unsäglich viel neue tolle Musik, verspreche dass auch dieses Mixtape wieder beim "Radio der von Neil Young Getöteten" läuft und wünsche mir den ein oder anderen netten Leser mehr!

Dienstag, 20. Dezember 2011

Hitparade 2011 - Und sonst?


Manche nennen es Vergessene Perlen, bei anderen ist es die Geheime Beute, wieder andere sagen "Honorable Mention": der Bänkelsänger sagt schlicht: Und sonst?

Auch in diesem Jahr sind wieder mal einige Alben nicht ausreichend genug gewürdigt werden gescheige denn, sie hätten einen eigenen Blogbeittrag, eine Mixtape-Erwähnung oder sonstige Verlinkung/Visualisierung oder Einbettung erfahren. So gibt's hier noch mal 30 Schmuckstücke, die sich (noch) nicht in der Hitparade festsetzen konnten, aber dennoch mehr als einen Hördurchgang wert sind. Und wie man es aus dem letzten Jahr kennt: Der Tellerrand war wieder mal zu schmal, als das man nicht das ein oder andere Mal ganz schön weit darüber geschaut hat.

Als da in diesem Jahr wären: Wunderbarer Dunkelfolk von Matt The Electrician, der vor allem mit dem wunderbaren "I Will Do The Breathing" und dem Titeltrack "Accidental Thief" zu überzeugen weiß. Sowieso trieben die Songwriter im Folkumfeld in diesem Jahr gar zahlreich ihr Unwesen, auch Neil Cousin zündet mit seinem "Bonfire" ganze Wohlfühlfeuer an und schafft mit "The Headless Hawk" gar den Einzug in des Bänkelsängers Lieder-Hitparade. The Bailey Hounds sind ein wenig ungestümer und streiten mit Of Monsters And Men um die Vorherrschaft im Mumford & Sons-Umfeld. Zurückgenommer, dennoch nicht minder eingängig wagte sich Grey Reverend aus dem Unterholz, um die besten Nick Drake-Gedächtnismomente ins Bewußtsein zu rufen. Genauso traditionell geprägt und mit einem Bein auf den Spuren von Sandy Denny machte sich Meg Baird an die Wiederholung ihres furiosen Solodebuts und mit einem Hauch Experiment im Gepäck sicherte sich Hezekiah Jones mit "Have You Seen My New Fort?"  und dem darauf enthaltenen "Little Room (Cannonball)" einen Platz bei den geheimen Lieblingsalben. Einer der schönsten nostalgischen Folksongs kam aus Skandinavien, Old Lost John sang von "Regina's Bar" und kann auch auf dem zugehörigen Longplayer "Bringing Down The Sky" mehr als überzeugen. Für die europäischere, genauer britischere Klangfarbe, empfiehlt sich in den verqueren Mix aus psychedelischem Pop und energiegeladenem Folk von The Dead Trees reinzuhören, noch britischer wird es dann mit dem nostalgischen und leidlich barocken "Witchazel" des Comedians und Folkers Matt Berry. Bleiben wir noch ein wenig auf der Insel und gehen mit David Gibb in seinen Garten um den Vögeln zu lauschen, sein "There Are Birds In My Garden" klingt als wäre es mindestens 40 Jahre alt und ist doch niemals antiquiert oder gar langweilig. 

Betrachtet man die vorangegangenen Alben noch als ziemlich "klassische" Folk-Kostbarkeiten, dürfen natürlich auch Grenzgänger nicht fehlen. Mary Hampton zum Beispiel, die auf "Folly" herzerweichende Folkballaden zusammenträgt und sie mit Zierrat aus Vogelgezwitscher und anderen Überraschungen dekoriert. Oder aber The Waterboys, die auf "An Appointment With Mr. Yeats" ihre lyrische Seite entdecken und mit "Politics" wieder Mal einen richtigen Hit landen könnten. Heavy Songwriting war auch noch, denn den Budenzauber, den Budam dieses Jahr auf "Man" veranstaltet hat, kann man definitiv nicht auf die leichte Schulter nehmen. Mit The Milk Carton Kids wäre dann noch eine ziemlich verführerische melange aus elegischem Pop und hymnischem Folk in dieser Kategorie zu erwähnen, und gleichzeitig der Brückenschlag zu weiteren Fundstücken in der Popschublade zu vollführen.

Einmal offen, springen auch schon Butcher Boy heraus, Twee Pop, so schön wie einstmals bei Belle & Sebastian, jedoch dunkler und romantischer interpretiert. Ebenso einnehmend, jedoch mit erstaunlich orchestraler Wucht meldet sich auch Loney Dear alias Emil Svanängen zurück, auf "Hall Music" konnte der ein oder andere Tränenzieher entdeckt werden und schließlich Susanne Sundfor, die noch eine Spur orchestraler, aber auch vor allem experimentieller auf "The Brothel" die Grenzen zwischen Pop, Klassik und Geräusch neu auslotet. 
Ausgehend davon ist der Schritt zum zwischen Licht und Schatten oszillierenden "We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves" von John Maus nicht weit, tief in den 80ern verankert und von geradezu bombastischer Kühle umhüllt. Diese Kühle findet sich auch, wenn auch pulsiernder auf "The Entire City", dem Album von Gazelle Twin, die ganz klar auf den Fußspuren vojn Fever Ray oder deren Hauptband The Knife wandeln. Nicolas Jaar wiederum greift eher die 80er Thematik auf und vermischt seine Slow-Motion-Beats mit New Order-Gedächtnis-Lyrik und empfindsamen Klangstrukturen. Die hier ereichte Weite von Klang und Raum wiederum leitet dann zu den shoegazernden Warm Ghost über, die von Haus aus den modernen Popmelodien greifen, die ein wenig vor sich hin mäandern, aber dennoch unglaublich einnehmend sind.
Wie bringe ich denn nun noch Chris Watson unter? Der hat schließlich mit "El Tren Fantasma" ein Album nur mit Field Recordings veröffentlicht, auif dem der Hörer einen Geisterzug durch Mexicio begleitet und dem man sich nach anfänglicher Skepsis nur schwer entziehen kann. Oder Implodes, die ihre Drone- und Ambient-Attacken mit mählichem Shoegazer-Momenten und organischer Gitarrenepik anreichern. Oder gar Grumbling Fur, die irgendwo zoschen ganz ganz ganz freiem Folk, Dekonstruktion und Rock-In-Opposition die zelte aufgeschlagen haben. Oder gar Lanie Lane? Und der Sprung ist jetzt wirklich mutig, denn die hübsche Dame hat eines der schönsten Rockabilly-Swing-Country'n'Western-Folk-Pop-Alben der letzten Jahre aufgenommen. 

Bleibt zum Schluß noch der Sprung nach Deutschland. Auch hier gab es für den Bänkelsänger einmal mehr die ein oder andere wirklich hervorzuhebende Entdeckung. Allen voran Lauscher mit ihrer Kreuzung aus Volkslied und Neofolk mit Cajon und singender Säge und Susie Asado, die sich an kunstvoll verschachtelten und anspruchsvoller Lyrik hoffentlich in viele Herzen musiziert haben. Zum Schluß muss ich aber auch noch 17 Hippies erwähnen, die auf "Phantom Songs" wieder mal alle guten Zutaten für ein Album gefunden haben, auf dem "Dorn" das Zeug zum Evergreen hat und, und das mag jetzt vielleicht ein wenig überraschen, Max Raabe mal ohne Palastorchester. Denn sein "Küssen Kann Man Nicht Alleine" pfeife ich bei jeder Gelegenheit und sein "Schlaflied" ist der passende Abschluss um den Hitparaden für 2011 ein würdiges Ende zu bereiten.